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Leben eines Daseins
Eingestellt am 28. 12. 2004 18:29


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chinaski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

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Leben eines Daseins
Der Verlauf eines Lebens erscheint in seinen kausalen Zusammenhängen nicht etwa logisch oder folgerichtig. Trotzdem wir aus einer wirren Welt, die originär aus nicht zu entziffernden Wahrnehmungen und Geschehnissen besteht, die so etwas wie eine konstante Erfahrung bilden, gelangen wir immer wieder an den Punkt, zu erkennen, dass das Ganze irgendwie nicht zusammenpasst. Es sind Augenblicke des Nicht-Begreifens, der Unwissenheit und Sprachlosigkeit. Wir können aber diesen Zustand nicht lange ertragen, da er von uns abverlangt zu akzeptieren, dass unser Leben nichts anderes ist, als dass wir jenem an Bedeutung zuschreiben. Es ist eine Merkwürdigkeit, weil es in seiner Konsequenz eigentlich etwas Positives ist, da wir mit dieser Erkenntnis ein Stück weit mehr „Herr“ über unser Leben werden können. Natürlich sind wir nicht frei von „vor uns Gedachtem oder Gemachten“. Selbstverständlich ist unser Denken und Fühlen auf einen spezifischen Kulturkreis ausgerichtet. Dennoch bleibt das Grundsätzliche einer möglichen Steuerung unserer Interpretationen bestehen. Die erste Hürde, die dabei überwunden werden muss ist die Vorstellung, dass es eine „objektive Welt“ gibt, d.h. etwas das als Maßstab Geltung hat. Sicherlich können wir sagen, es gäbe so etwas wie eine emergente Richtlinie aus allen relevanten Individuen einer Gruppe, Gemeinschaft etc., doch immer sind wir es, die in jedem Augenblick zu entscheiden haben, was und wie zu denken bzw. zu handeln ist. Wir sind in unseren Voraussetzungen unser Leben zu gestalten nicht autark, aber wir besitzen eine Autonomie, welche uns den Umgang mit der Notwendigkeit von interpretativer Wahrnehmung erleichtern kann und uns in der Verantwortung für unser Leben als einzigen Fixpunkt konstituiert.
Da es eben anscheinend nicht nur uns gibt, sondern auch die Anderen, ist alles Zukünftige, auf das ja unser Denken und Handeln zumeist abgestimmt ist, hochgradig kontingent. Üblicherweise werden wahrnehmbare Handlungen anderer, sei es Gesagtes oder Tun, in unsere eigene „Welt“ eingebaut. Die Schwierigkeit liegt in der doppelten Kontingenz dieser Situation, da das individuell Gedachte, Intendierte etc. nicht nachprüfbar in beiden Individuen gleich sein kann. Dies wissen die Beteiligten und sie wissen auch je, dass der andere dies weiß. Es stellt eine unauflösbare Problemsituation dar, die dann auf der Basis einer Betrachtung zweiter Ordnung zu dem daseinrelevanten Konflikt per se ausufert: Wie können wir im Bewusstsein dieser individuellen Weltsicht, die ein jeder aufbauen muss und aufbaut, so Denken und Handeln als ob Klarheit herrscht?! – Eine berechtigte Frage an dieser Stelle wäre, inwieweit es eine Vorstellung davon gibt, wie das Leben und Zusammenleben ansonsten möglich sein könnte. – Aber sie scheint als nicht zu beantwortende Frage im Raum stehen zu bleiben, da eine Antwort unsere derzeitige Vorstellungskraft übersteigt. Erst postum, d.h. nach einer bereits vollzogenen Veränderung, könnte diese Frage beantwortet werden.
Das zerbrechlichste Gut unseres Daseins ist der Sinn für unsere Existenz überhaupt und vor allem für unser ständig sich vollziehendes Leben. Der oben genannte Konflikt stellt die fundamentale Gefahr dar, diesen Sinn in Zweifel zu ziehen. Es gibt im Leben eines jeden Augenblicke, die genau dies verursachen. Jemand, der sich aber nicht seiner grundsätzlichen Isoliertheit und Eigenkonstruktion seines Lebens bewusst wird, kann wieder Anschluss finden und sein Leben fortsetzen. Jene, die aber in dieser Bewusstheit leben, werden permanent damit konfrontiert, ihr Denken und Handeln, welches der Unterstellung von einer gemeinsamen Welt folgt, als bloße „unwichtige Ausgeburt“ ihrer selbst zu erleben. Diese zwei in ihrer Bedeutungswelt völlig voneinander getrennten Bewusstseinsinhalte bzw. Vorstellungen über das eigene Dasein, stehen in einem unüberwindbaren Verhältnis zueinander.
Eine Synthese dieser beiden Entitäten, wäre das, was wir als Erleuchtung, Vollendung, Erkenntnis etc bezeichnen.

__________________
Ersparen wir uns doch den transzendentalen Quatsch, wenn das Ganze so eindeutig wie ein Kinnhaken ist. (Ludwig Wittgenstein)

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sohalt
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

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Okay, ich kann dir nur sagen, wie der Text auf eine in philosophischer Hinsicht völlig Unbedarfte wirkt (ich hatte das Fach nichtmal in der Schule). Entschuldige also bitte im Folgenden so manche Flapsigkeit und Ignoranz.

Schon mal der Titel! Aber gut, es handelt sich hier um ein philosophisches Werk, die heißen schon mal komisch, „Das Sein und das Nichts“ ergibt ja erst mal auch nicht so viel Sinn. Geben wir dem Text also eine Chance:

Der Verlauf eines Lebens erscheint in seinen kausalen Zusammenhängen nicht etwa logisch oder folgerichtig.

Wie kann etwas in seinen kausalen Zusammenhängen nicht logisch und folgerichtig sein?
Wenn etwas nicht logisch und folgerichtig ist, dann HAT es schlicht und ergreifend keine kausalen Zusammenhänge, würd ich der Einfachheit halber mal behaupten.

Aber gut: Das Leben verläuft also nicht logisch. Ist mir auch schon aufgefallen.

Dann beginnst du einen Gliedsatz mit „Trotzdem wir aus einer wirren Welt...“ und machst ihn einfach nicht fertig! Okay. Flüchtigkeitsfehler. Wir wollen uns hier nicht an Kleinigkeiten aufhängen, wenn uns gerade die Wirrnisse dieser wirren Welt entworren werden.

Wir kommen also drauf, dass das nicht zusammenpasst. Stimmt auffallend. Stimmt sogar so sehr, dass ich nichtmal einen Widerspruch zum einleitenden Gliedsatz entdecke, in dem ja auch von Wirren und Nichtentzifferbarkeit die Rede ist, denn du aber trotzdem mit „trotzdem“ eingeleitet hast. Abgesehen davon ist das mit „unentzifferbar“ erst mal nur eine Behauptung. Mir ist schon klar, dass bei gewissen Philosophen am Ende gar nix mehr entzifferbar ist, aber für die meisten Leute sind die durchschnittlichen Wahrnehmungen schon recht entzifferbar. Ich rieche den Braten, ich sehe ihn auf dem Teller, ich spüre die Leere im Magen – ich entziffere, dass es jetzt nicht ungünstig wäre, sich hinzusetzen und zu essen. Du siehst: alles Wahrnehmungen, alles sehr entzifferbar für Otto-Normalleser. Klar, kann es auch nicht so sein, aber warum, dass musst du mir erst mal erklären. Oder zumindest anfügen auf welchen Philosophen du dich beziehst. Aber einfach so mal im Nebensatz als Tatsache hinstellen, nein, so nicht!

Soweit ich’s überblicke, geht’s grob umrissen darum: Nix ist fix, die Welt ist, was wir draus machen. Objektive, reine Wahrheit gibt’s nicht, alles Interpretationssache. Jetzt könnte sich eine, nennen wir sie A.) zum Beispiel denken: Ist ja toll! Wenn eh alles Interpretationssache ist, dann interpretier ich mich jetzt mal als Sexgöttin, schmeiß mich ins seitlich geschlitzte hautenge-Rote und zieh los, um B.) zu erobern. Merkwürdigerweise wird sich A.) das aber eher weniger denken, sie wird verunsichert sein durch diesen Interpretationsspielraum, denn sie weiß, dass der nun blöderweise auch für B.) gilt, der sie dann durchaus auch als billigen, peinlichen Trampel interpretieren könnte, was irgendwie wieder weniger günstig wäre. Ob er sich nun für die erste oder zweite Interpretation entscheidet, kann A.) im Vorhin nicht wissen, weshalb ihre Zukunft mit B.) sehr kontigent ist (ha, tolles neues Wort, hab ich dank dir gelernt, stimmt doch so, oder?) – im Nachhinein aber eigentlich auch nicht, sie kann es bloß aus seinen Reaktionen schlussfolgern. Aber auch da kann sich übel täuschen. Wenn B.) jetzt zum Beispiel bei ihrem Auftritt ein plötzliches Interesse für seine Schnürsenkel entdeckt, kann A.) interpretieren: Och, wie süß; Er ist schüchtern; er steht auf mich. Vielleicht ist er aber bloß peinlich berührt, dass sich so eine an ihn ranschmeißt und kann das traurige Schauspiel nicht mitansehen. Fazit: A.) kann niemals wirklich wissen, ob sie jetzt eine Sexgöttin ist oder nicht.
Wenn man das Ganze nun ein bisschen philosophisch überhöht (und ich schätze, dass meinst du mit Betrachtung zweiter Ordnung? ) kann man natürlich sagen: Genauso wenig, wie A.) wissen kann, ob sie eine Sexgöttin ist, kann sie wissen, ob sie überhaupt „ist“. Was sie begreiflicherweise nicht gerade fröhlich stimmt. Eine wie C.) zB, die sich all diese Gedanke nicht macht, einfach ins Hautenge-Rote hüpft und sich den B.) schnappt , wird sich da erfahrungsgemäß leichter tun – mit den Bs dieser Welt, mit sich selbst, mit dem Leben im Allgemeinen. Auch wenn mal ein B.) nicht anbeisst, wurscht, andere Mütter haben auch schöne Söhne. Der nächste B.) zieht dann wieder und weiter geht’s. A.) hingegen wird sich denken: Ich fühle mich zwar heute sexy, aber was heißt das schon, ob ich es bin, kann ich ja doch nie sagen, - bleibt daheim und endet einsam und unglücklich. Was nun nicht so erstrebenswert ist und C.) Methode nachahmenswerter erscheinen lässt. Nun wollen aber gewisse Leute trotzdem partout nicht aufs Denken verzichten, weshalb es doch irgendwie nett wäre, beide Methoden zu vereinen. Was natürlich nicht so recht geht, denn entweder ich bin mir meiner und meiner Taten sicher oder ich weiß, dass ich mir meiner und meiner Taten nie sicher sein kann. Aber wenn es halt doch ginge, dann wäre das deiner Meinung nach die Erleuchtung.

Tja, man mĂĽsste halt lernen, ohne Sicherheit zu leben. Es kann ja sein, dass der Braten vor mir auf dem Teller mitsamt seinem Duft nur eine Illusion ist, produziert durch eine chemische Reaktion, irgendeinen neuronalen Prozess, was weiĂź ich. Wissen kann ich es nie, aber ich tu einfach mal so als ob und lass es mir schmecken.

Hab ich das jetzt alles richtig so verstanden oder fehlt da irgendein wesentlicher Aspekt?

Zurück zum Text: Es gehört natürlich schon sehr viel Intelligenz dazu, ein dermaßen unleserliches Teil zu fabrizieren. Aber irgendwie hab ich den Verdacht, du könntest deine sinnvoller verwenden.

Lg
sohalt

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