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Leselupe.de > Kindergeschichten
Legau: Der Geheimbote
Eingestellt am 28. 09. 2005 13:14


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Axel B
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2005

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Legau ist eine Reihe von mir und dies ist die 11. Geschichte dieser Reihe. Einige finden sich auch hier auf der Leselupe, alle sind auf meine HP "http://www.axel-baumgart.de". Aus dem "Reihen-Charakter" ergibt sich, dass nicht alle Bezüge und Zusammenhänge alleine aus dieser Geschichte klar werden, sondern sich auf andere Geschichten beziehen.

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Der Geheimbote
Von Axel Baumgart

Legau und Jona waren schon vor dem Seifenkistenrennen gute Freunde und das Rennen hatte daran nichts geändert. Im Gegenteil: Ihre Freundschaft hatte sich vertieft. Sie waren jetzt noch öfter als früher gemeinsam unterwegs und alle nannten sie nur noch „das Duo“. Legaus Mutter hatte schon gesagt, sie seien eine richtig verschworene Gemeinschaft. Dieser Begriff ging Legau nicht mehr aus dem Kopf: Verschworen. Eine verschworene Gemeinschaft. Das klang geheimnisvoll und auch ein wenig verboten. Einfach toll. Ja, er wollte verschworen sein. Bald schon merkte er, dass er dafür Jona brauchte, denn alleine verschworen zu sein war langweilig. Deshalb fragte er ihn eines Tages:

„Du, Jona, hast du Lust mit mir eine verschworene Gemeinschaft zu gründen?“

„Klar“, antwortete Jona, „aber wie geht das und was muss ich tun?“

„So genau weiß ich das auch noch nicht. Aber es muss auf alle Fälle sehr verschworen sein,“ gestand Legau. Dann kam ihm eine Idee. „Verschworen hat etwas mit Schwören zu tun. Wir müssen uns etwas schwören.“

„Was sollen wir uns denn schwören?“

„Wir gründen einen Geheimbund und schwören uns, dass wir niemandem etwas davon sagen!“

„Super, genau das machen wir!“

Nach kurzer Beratung hatten sich die Freunde auf einen Schwur geeinigt und sprachen feierlich:

“Wir geloben ein geheimer Geheimbund zu sein und keinem Menschen etwas davon zu erzählen. Wir werden dieses Geheimnis für immer bewahren. Das geloben wir.“

Verschwörerisch schauten sie sich um, ob sie auch niemand belauscht hatte. Aber sie waren allein. Ab jetzt machten die gemeinsamen Unternehmungen noch viel mehr Spaß, als Geheimbund. Wenige Tage später sagte Jona:

„Legau, was denkst du, braucht ein richtiger Geheimbund nicht auch einen Geheimboten?“

„Wau, super, klasse. Tolle Idee. Natürlich brauchen wir einen Geheimboten. Aber – wer soll dass denn sein? Wir haben doch gelobt, niemandem von unserem Geheimbund zu erzählen?“

„Keinem Menschen,“ bestätigte Jona. „Daran habe ich nicht gedacht. Da gibt es wohl auch keine Lösung. Schade! Du, ich muss jetzt sowieso erst einmal Glucks füttern. Kommst du mit?“

Glucks war das Meerschweinchen von Jona. Er war im Augenblick allein, nachdem Brommsel gestorben war. Deshalb brauchte Glucks ganz besonders viel Liebe und Aufmerksamkeit.

Glucks hieß Glucks weil er gluckste. Nicht nur, wenn er auf dem Arm war, gestreichelt wurde und es ihm gut ging, sondern auch beim Laufen. Bei jedem seiner kleinen schnellen Schritte machte es „glucks – glucks – glucks“.

Glucks freute sich, als die beiden kamen, machte Männchen und rannte ganz aufgeregt im Käfig herum. Obwohl er immer Heu in seinem Käfig hatte, freute er sich auf sein Frischfutter. Am liebsten mochte er Gurke und Löwenzahn. Kaum waren die Leckereien in seinem Käfig, stürzte er sich glucksend darauf und begann zu fressen.

Während die Freunde Glucks beim Fressen zusahen, sagte Legau leise flüsternd:

„Wir haben uns doch versprochen, keinem Menschen von unserem Geheimbund zu erzählen,“ Jona nickte, „und gleichzeitig hätten wir gerne einen Geheimboten.“

Dabei schaute er ganz lange und fest auf Glucks. Zuerst wusste Jona nicht was Legau meinte, aber dann verstand er langsam.

„Du meinst, Glucks könnte …“

„… unser Geheimbote sein,“ vollendete Legau den Satz. „Ja!“

„Wie soll das denn gehen“

„Wir schreiben geheime Botschaften, binden sie Glucks mit einem weichen Band vorsichtig auf den Rücken, und bringen ihm bei, diese Briefe von dir zu mir und wieder zurück zu bringen.“

„Genial! Legau, du bist ein Genie“

Schnell hatten sie einen Wollfaden gefunden und eine geheime Botschaft auf einen Zettel geschrieben. „Hiermit nehmen wir Glucks in unseren Geheimbund auf“ stand auf dem Zettel, der schnell zusammengerollt und auf Glucks’ Rücken befestigt wurde. Legau und Jona setzten sich auf den Boden, wobei sie darauf achteten, dass ein möglichst großer Abstand zwischen ihnen war. Dann versuchten sie, Glucks zu sich zu locken. Sie riefen seinen Namen, sie gurrten und glucksten und sie kratzen mit dem Finger über den Teppich. Nichts half. Glucks schaute einmal hierhin, einmal dorthin und entschied sich schließlich dafür, sich unter Jonas Bett zu verstecken. Ratlos schauten sich die Freunde an. Jona war es, der dann die Lösung fand. Er nahm ein Stück Gurke, hielt es so, dass Glucks es sehen konnte und rief : „Gluuuucks, Gluuu-huuucks.“ Und tatsächlich kam das Meerscheinchen heraus und begann munter an der Gurke zu knabbern. Legau verstand. Er nahm auch ein Stück Gurke und setzte sich wieder auf den Boden. Jetzt versteckte Jona sein Stück Gurke, streichelte Glucks und flüsterte:

„Glucks, lauf zu Legau. Zu Legau. Lauf jetzt.“

Gleichzeitig hielt Legau Glucks die Gurke hin. Nach einigen Trippelschrittchen begleitet von munterem „glucks – glucks – glucks“ war der Geheimbote bei Legau. Die Freunde trainierten mit Glucks noch ein paar Mal bis sie überzeugt waren, dass Glucks genau wusste, was er zu tun hatte. Jetzt war er perfekt, ihr Geheimbund. Sie hatten einen Geheimboten, den sie möglichst bald auf eine richtige Geheimmission schicken wollten. Sie verabredeten, dass Jona Legau am nächsten Tag durch Glucks eine geheime Botschaft schicken sollte. Glucks kannte ja den Weg, denn er war schon oft mit Jona bei Legau gewesen. Jona konnte es kaum erwarten, bis er am nächsten Tag eine geheime Botschaft zu Legau schicken konnte. Er schrieb auf einen Zettel: „Erste geheime Geheimbundbotschaft: Hallo Legau, ich komme dich gleich besuchen. Gruß, Jona“. Er rollte die Botschaft zusammen und befestigte sie auf Glucks’ Rücken. Er nahm ihn auf den Arm und trug ihn vorsichtig zu dem Streifen aus Gras und Sträuchern, der den Dorfplatz von den Häusern trennte. Dort setzte er Glucks auf das Gras, streichelte ihn und flüsterte:

„Lauf Glucks, lauf zu Legau.“

Sofort lief das Meerschweinchen mit lautem glucks – glucks – glucks los. Stolz und aufgeregt schaute Jona noch einen kleinen Moment, wie sich Glucks langsam entfernte und ging dann nach Hause. In seinem Zimmer wartete er ungeduldig auf Glucks Rückkehr mit einer Botschaft von Legau. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Langsam wurde er unruhig. Seinem Gefühl nach hätte sein Meerschweinchen schon längst wieder da sein müssen. Da fiel Jona ein, dass ein Meerschwein ja gar nicht die Haustüre öffnen konnte. Bestimmt saß Glucks vor der Tür und wartete nur darauf, herein gelassen zu werden. Jona sprang auf, lief die Treppe herunter und öffnete die Türe. Doch statt auf Gluck traf er auf Legau der sofort lospolterte:

„Wann schickst du denn endlich Glucks los? Ich sitze zu Hause und nichts passiert.“

„Aber er ist doch schon eine ganze Weile unterwegs. Der muss schon lange bei dir sein.“

Ratlos starten sich die Freunde an. Wo war Glucks, wenn er weder bei Jona noch bei Legau war. Jona schaute ganz unglücklich aus und sagte nur:

„Mein Glucks!“

„Jona, von wo hast du ihn denn losgeschickt?“

„Na von hier. Genauer gesagt, auf dem Grünstreifen da vorne.“

„Dann lass uns doch da einmal nachsehen.“

Schnell liefen sie dorthin und suchten alles ab. Sie krochen über das Gras, durch die Büsche und schauten hinter jeden Strauch. Glucks blieb verschwunden. Von Jona zu Legau und den ganzen Weg zurück krochen sie auf allen vieren. Sie waren furchtbar dreckig und hatten sich so manche Schramme geholt. Eine volle und 12 leere Dosen Limo, 12 leere, 3 Plastiktüten, 1 Flasche und einen funktionierenden Kugelschreiber hatten sie gefunden. Glucks blieb weiter verschwunden. Jona hätte weinen können und Legau ging es nicht viel besser. So saßen sie vor Jonas Haustür: Die Knie aufgeschrammt, die Hände, Kleidung und Gesichter schmutzig vom Rumkrabbeln. Sie waren völlig verzweifelt.

Da kam Timotheus Treuglaub, der Pfarrer von Bregenbrett, vorbei. Als er sie sah, fragte er sofort:

„Was ist denn mit euch passiert?“

„Mir ist Glucks, mein Meerschweinchen, weggelaufen,“ antwortete Jona.

Es war nicht ganz die Wahrheit, aber auch keine richtige Lüge. Jona fand, das war so gerade eben noch in Ordnung.

„Wie konnte das denn passieren?“

„Wir, …, ich meine, ich habe ihn hier, …, ich meine da vorne, hingesetzt, und dann war er plötzlich nicht mehr da.“

Jona wusste, dass das keine besonders gute Erklärung war, aber er wollte auch nicht lügen. Der Pfarrer schien sich aber mit der Erklärung zufrieden zu geben.

„Ihr seht furchtbar traurig aus. Vielleicht kann ich euch ja helfen. Kommt doch einfach einmal mit ins Pfarrhaus.“

„Aber wir müssen doch weitersuchen,“ kam der schwache Protest von Legau. Im Grunde wussten die Freunde aber nicht mehr, wo sie noch suchen sollten. So gingen sie schweigend und mit hängenden Köpfen mit ins Pfarrhaus. Dort angekommen sagte Timotheus Treuglaub:

„Ich habe eine Überraschung für euch. Mir ist heute nämlich ein Meerschweinchen zugelaufen. Vielleicht kennt ihr es ja.“

Er ging in das Nebenzimmer und kam mit einem Meerschweinchen wieder. Als Jona es sah, schrie er vor Freude laut auf und drückte es ganz vorsichtig fest an sich. Glucks war völlig unversehrt, aber die Geheimbotschaft war nicht mehr da. Timotheus Treuglaub musste erzählen wann und wo er Glucks gefunden hatte und als sich die Freunde schließlich von ihm verabschiedeten, sagte er:

„Und passt auf, dass er euch nicht wieder – äh – wegläuft,“ und kniff dabei verschwörerisch ein Auge zu.

Die Freunde waren froh, dass Glucks nichts passiert und die Geschichte gut ausgegangen war. Trotzdem standen sie nun wieder ganz am Anfang ihres Problems, welches sie aber an einem anderen Tag lösen wollten: Wer sollte ihr Geheimbote sein?


AB, Altglashütten, den 15.09.2005

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Anzahl der Wörter: 1519
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Alle Kindergeschichten von mir kostenlos: www.axel-baumgart.de

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