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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Legenden
Eingestellt am 19. 02. 2006 13:49


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Billenstone Nati
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Registriert: Oct 2004

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Legenden

Die Nachbarn wĂŒrden seit Tagen die Köpfe tuschelnd zusammen halten, sobald sie Anette und Gerhard im Stiegenhaus antrafen. Man munkelte ĂŒber spĂ€tes Aufsperren der WohnungstĂŒr. Und seit geraumer Zeit wĂŒrden KlĂ€nge von aufdringlicher Musik, in jugendlicher LautstĂ€rke, aus der Wohnung zu hören sein. Außerdem sei ich seit Wochen auffĂ€llig jugendlich gekleidet. Erstaunlich, was ein bunter Schal ausmacht.
Anette und Gerhard blickten sich bedeutungsvoll an. Sie verhielten sich auffÀllig unruhig und die AufzÀhlungen hatten den Charakter eines Verhörs.
Auf die Frage, ob ich jetzt den Kaffee servieren sollte, antworteten sie mit einem einhelligen Kopfnicken. Mit den feinsĂ€uberlich aufgeschĂŒttelten Kissen auf ihren Schössen, woran sie sich krampfhaft festhielten, sah dieses energische Kopfnicken ziemlich lustig aus. Sie wackelten dabei mit ihren Oberkörpern. Es war wohl an der Zeit das GerĂŒcht der Nachbarn aufzuklĂ€ren. Bei dieser Vorstellung konnte ich mein unterdrĂŒcktes Lachen nicht mehr verbergen.

„Wie kannst du ĂŒber dieses Gerede nur so begeistert lachen, Mama“ ereiferte sich Gerhard. „Ach ja“, antwortete ich sehr vergnĂŒglich. „Ich finde, dass dieses Gerede meiner persönlichen Entfaltung ziemlich gut tut. Außerdem wĂŒsste ich nicht, warum ich RĂŒcksicht nehmen sollte auf eine Umgebung?“ Ziemlich aufgebracht ĂŒber meine Heiterkeit, konnten sie ihren Unmut nicht mehr hinter der erforderlichen Freundlichkeit verbergen.
Sie sahen sich kurz an. “Ich bitte dich Mama, mach dich doch nicht lĂ€cherlich bei den Nachbarn, mit deinem Junggetue.“ Sie faltete ihre HĂ€nde, wie zum Gebet und sah mich mit belehrenden Augen an. Ich wollte sie scherzend an den HĂ€nden nehmen, doch sie wehrte mit einem unterweisenden Gesichtsausdruck ab und riss ihre Arme unerwartet nach oben. Mit den erhobenen Armen erinnerte sie mich an eine Beschwörerin. Bei diesem Anblick konnte ich mein Lachen nicht zurĂŒck halten.

Gerhard schluckte peinlich berĂŒhrt ĂŒber dieses unangenehme Schauspiel. „Also Mama, du bist jetzt zweiundachtzig Jahre. Ich finde du solltest das Ganze nicht ĂŒbertreiben.“
Mit betont fest geschlossenen Augen wartete ich auf Gerhards Moralpredigt, denn das versprach es wohl zu werden, eine Predigt ĂŒber Ansehen und Moral.
Anette bat um ein Glas Wasser. Sie erhob sich und griff sich mit einer theatralischen Bewegung an den Kopf. Gerhard ergriff sofort die Gelegenheit sich der Szene zu entziehen und erbot sich freundlich, ein Glas Wasser aus der KĂŒche zu holen.
Anette verharrte still mit erhobenen Augenbrauen. Sie hatte Anlaufschwierigkeiten, ein wohl vermeintlich anstĂ¶ĂŸiges VerhĂ€ltnis ihrer alten Mutter in den Mund zu nehmen. Darauf sollte es wohl hinaus.
Hilfe suchend sah sie sich nach Gerhard um. Der hatte Probleme, das Glas Wasser zu bringen, ohne dessen Inhalt zu verschĂŒtten.
Ich fand, dass ein bisschen zu viel Aufhebens um ein wenig laute Musik gemacht wurde. Aber um das hilflose GefĂŒhl meiner Kinder nicht noch mehr zu steigern war ich gewillt, fĂŒr AufklĂ€rung zu sorgen. Obwohl, ich musste zugeben, mein vermeintliches VerhĂ€ltnis war mir schon recht angenehm und ich fĂŒhlte mich wohl mit dem Gedanken, einen Geliebten zu haben. Es stimmte mich geradezu fröhlich. Dass es nur ein GerĂŒcht war, verminderte meinen Spaß nicht wesentlich.

„Wisst ihr“ begann ich sehr ĂŒberlegt, um ihrer und der Theatralik der Nachbarn die Schwere zu nehmen: „Ich war meinen alten Tagen schon so ergeben. In Momenten der ganz besonderen Ergebenheit verkroch ich mich in Erinnerungen. Ich merkte, dass ich mit meinen zweiundachtzig Jahren mein ganzes Dasein auf ein Mindestmaß an Bewegung reduzierte und selbst meine Erinnerungen krochen nur mehr auf einer fahlen OberflĂ€che dahin. Ich fand es keinerlei Anstrengung mehr wert, mich gegen diesen schleichenden Stillstand aufzubĂ€umen.
Da ertönte an einem wunderschönen sonnigen Tag aus dem Radio es war ein Sonntag, diese wunderbare Melodie. Ich erinnerte mich sofort an eine innige Liebe zu einem jungen Mann. Damals erklĂ€rten wir diese Melodie zur Unseren. Die ErinnerungsrĂ€dchen fingen, mit einem mir ungewohnten Eifer, zu rattern und zu kurbeln an und holten tiefe GefĂŒhle an meine OberflĂ€che. Ich fand auf einmal die Energie, mir die alten Schallplatten raus zu suchen und meine anfangs noch mĂŒden Beine tanzend ĂŒber den Boden zu streifen. Wie Legenden aus lange vergangenen Zeiten tauchten Bilder in meinem Kopf auf.
Ich suchte in den Schubladen nach meinen geliebten bunten TĂŒchern und unterstĂŒtzte alle Erinnerungen mit den hervor gekramten Liebesbriefen. Unsere Liebe scheiterte damals an einer fĂŒr uns unĂŒberwindbaren Entfernung.“ Die beiden schienen noch nicht erleichtert zu sein, und ich sprach unvermindert weiter.
„Aber dieses Ausgraben von ErinnerungsstĂŒcken brachte mich ganz außerordentlich in Schwung. Und ich habe von diesen Stunden an beschlossen diesen Schwung aufrecht zu halten und meinem Ende mit einer fröhlichen UnregelmĂ€ĂŸigkeit entgegen zu gehen. Ja, ich weiß, der Mensch hat mit der VergĂ€nglichkeit zu leben. Aber meine letzten Sonntage sollen Licht durchflutet, spĂŒrbar und hörbar sein. Und ich denke, dass ich mit meinen zweiundachtzig Jahren das uneingeschrĂ€nkte Recht dazu habe.
Sitzt nicht da, wie die blau karierte KochschĂŒrze meiner Mutter und der fein sĂ€uberlich aufgerĂ€umte Werkzeugkoffer eures Vaters. Ich habe ein VerhĂ€ltnis, mit dem Leben! Das darf doch wohl gestattet sein? Heute ist Sonntag! Kommt, lasst uns ein bisschen in euren Erinnerungen kramen, vielleicht werdet auch ihr leichtfĂŒĂŸig dabei. Wollt ihr noch Apfelkuchen?“


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GabiSils
???
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Hallo Nati,
ist dir möglicherweise die englische Sprache gelÀufiger als die deutsche? Einige Formulierungen lassen das vermuten, wenn es nicht Absicht war.

Gruß, Gabi

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NicoD
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Registriert: Aug 2005

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Hallo Nati,

einige Formulierungen sind leider wirklich etwas umstĂ€ndlich. Gerade die direkte Rede wirkt recht steif - gerade am (sehr wichtigen) Schluß. DarĂŒber geht Dein Motiv fast verloren.

Noch ein paar Details:

Der Gedanke, dass dies nur eine Legende war, verminderte meinen Spaß nicht wesentlich.

Legende ist meines Erachtens nicht das richtige Wort. GerĂŒcht ist besser. Eine Legende ist eine ErzĂ€hlung, in etwa angesiedelt zwischen MĂ€rchen und Sage.
Vielleicht solltest Du in diesem Zusammenhang auch den Titel ĂŒberdenken.

Ich hoffe, daß Du dran bleibst!

Viele GrĂŒĂŸe,

Nicolaus

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Billenstone Nati
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Hallo Gabi und Nicolaus,

Ach ihr beiden, freilich bleib ich dran.

Vor kurzem habe ich das Buch von Max Frisch gelesen „der Mensch erscheint im HolozĂ€n“ Dabei kam mir wieder einmal der Gedanke mein Englisch aufzufrischen. Und ich fing in meinem Eifer an, gleich eine ganze Seite zu ĂŒbersetzen. Dabei kam so unverstĂ€ndliches raus, dass man meinen konnte, ich sei weder der deutschen und schon gar nicht der englischen Sprache mĂ€chtig. Es blieb bei der einen Seite, denn mein Sohn, den ich um eine Korrektur bat, hat abgewinkt(abgewunken? weiß ich jetzt nicht so genau) als er die ersten SĂ€tze las.
Ich habe versucht eine Geschichte mit Adjektiven auszuschmĂŒcken. Dabei, das muss ich zugeben, ist die eine oder andere Satzverdrehung zustande gekommen, mit der ich selbst auch nicht glĂŒcklich bin. Das heißt ich werde die Geschichte noch mal ĂŒberarbeiten.
Das AusschmĂŒcken mit Adjektiven und der Titel, sind Teil einer Aufgabe in der SchreibwerkstĂ€tte, die ich besuche. In der wir auch einen Schreibkurs absolvieren. Ich finde aber, dass der Titel doch zur Geschichte passt, weil die Frau aus ihrem frĂŒhen jungen Leben erzĂ€hlt.

Erst mal danke ich euch beiden.

LG Nati


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Billenstone Nati
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Hallo Gabi und Nicolaus,

ich habe meine Geschichte ĂŒberarbeitet, die SĂ€tze ausgedreht und das ganze stark gekĂŒrzt und ich denke, dass sie dadurch gewonnen hat. Adjektive sind wohl wichtig, aber zu viele liefern ein gekĂŒnsteltes Bild.
LG Nati

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