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Leselupe.de > Science Fiction
Legion
Eingestellt am 26. 05. 2001 03:05


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Neziri
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Legion




Keil versuchte, im Strom der Menschen halt zu finden und sich umzusehen. Die kopflose Flucht der Masse machte dieses Unterfangen jedoch verdammt schwierig, und er wurde weiter fort gerissen. Hinter dem Strom der Fl├╝chtlinge erhob sich eine dunkle S├Ąule bei├čenden Qualms, die von den lodernden Flammen in oranges Licht getaucht wurde. Keil arbeitete sich langsam an den Rand des Fl├╝chtlingsstromes vor, wobei ihm mehrmals fast sein Rucksack und sein Gewehr entrissen wurden. Mehr hatte er auch vor dem Angriff nicht besessen, und deshalb hatten die Bomben ihm nichts genommen au├čer eine kleine Wohnung am Rande der Stadt. Die Lage seines Heims war auch der Grund, warum er noch fliehen konnte, und nicht in den w├╝tend um sich greifenden Flammen verbrannte. Die hinterh├Ąltige Attacke war gegen das Zentrum der Niederlassung gerichtet gewesen, und hatte zuerst das Rathaus zerst├Ârt, wo sich die Siedler eingefunden hatten, um ├╝ber die neue Situation zu beraten. Der Krieg hat also schon begonnen, dachte Keil. Und wir stecken mittendrin. Ohne Hilfe von der Regierung erwarten zu k├Ânnen. Sie waren allein, ohne Verst├Ąrkung, und die Kolonie war noch zu jung um sich ├╝berhaupt gegen irgend einen Feind verteidigen zu k├Ânnen, geschweige denn gegen die Armeen der Kriegsherren. Diesen Kriegsherren hatten die Kolonisten von Liandara die Bomben und die hastige Flucht aus brennenden Geb├Ąuden zu verdanken. Jene, die noch fliehen konnten, und nicht zerfetzt oder zerschmettert unter den Tr├╝mmern lagen. W├Ąhrend Keil sich durch die Menge dr├Ąngte, sah er viele, die Verbrennungen hatten oder andere Wunden trugen. Wahrscheinlich war keiner der Siedler ohne die eine oder andere Schramme davongekommen, denn diejenigen, die keine Narbe am Leibe trugen, waren gezeichnet in ihren Seelen. Nichts w├╝rde f├╝r sie je wieder sein wie zuvor.
Keil war nun au├čerhalb der vorw├Ąrtsstrebenden Menschenmasse, und konnte die Situation ein wenig besser ├╝berblicken. Die Stadt brannte lichterloh, und die Rauchs├Ąule begann den Sternenhimmel zu verdunkeln. Mitten durch den Qualm kamen auf einmal Landungsschiffe und setzten nicht unweit der Stadt hinter einigen H├╝geln, die Keil die weitere Sicht verwehrten, auf. Sie werden kommen. Und sie werden niemanden verschonen. Keils Gedanken rasten. Er hatte so etwas schon mal erlebt. Damals war er selbst Soldat gewesen. Die Regierung hatte sein Regiment gegen die Abtr├╝nnigen von General Seilus geschickt, welche Gebiete der F├Âderation annektiert und sich dort angesiedelt hatten. Dieser Einsatz war der Grund f├╝r Keils Austritt aus der Armee gewesen. Was er dort gesehen hatte, lie├č ihn seine Heimat verlassen, lie├č ihn hierher kommen, und lie├č ihn nun um die Zukunft all dieser Menschen f├╝rchten. Und gleichzeitig kam ein Gef├╝hl in ihm hoch, etwas das er schon so oft gef├╝hlt hatte seit jenen Tagen: Schuld. Er f├╝hlte sich schuldig. Und er war auch w├╝tend.
Diesmal nicht. Nicht noch einmal. Nein, diesmal nicht!
Keil ├Âffnete seinen Rucksack und nahm einige Magazine heraus, die er in den Taschen seines Mantels verstaute. Er hatte sie noch dabei, warum, das wu├čte er selbst nicht genau, aber irgendwie war es ihm falsch erschienen, sich von seiner Waffe und der Munition zu trennen. Er pr├╝fte sein Gewehr, und entfernte sich noch etwas weiter vom Strom der Menschen, der langsamer wurde, je weiter er sich von den Flammen entfernte. Nun, da er die Situation ├╝berblickte, sch├Ątzte er n├╝chtern die Chancen ein. Er hatte vier Schiffe gez├Ąhlt, jedes brachte 50 Mann mit sich, machte insgesamt 200 Gewehre, f├╝rs Erste. 200 Gewehre gegen eines. Keil fluchte. Er rannte nach vorne, dort wo sich die Leute sammelten, und erklomm eine kleine Erhebung, dann lie├č er seinen Blick durch die Menge wandern. Er versuchte, Bewaffnete in der Masse auszumachen, oder Uniformteile. Und tats├Ąchlich, auf einem R├╝cken entdeckte er ein Gewehr, ganz ├Ąhnlich seinem eigenen, eine Sturmwaffe aus den Revolutionskriegen. Nach kurzem ├ťberlegen legte er seine Waffe an und schickte einen kurzen Feuersto├č in den Himmel. Das kurze Bellen ├╝bert├Ânte kaum den L├Ąrm der Menge, aber Keil sah einige Gestalten herumwirbeln, ├╝berall zwischen den Leuten verteilt. Es waren wenige, verdammt wenige, aber Keil war ├╝ber jeden einzelnen froh. Die Menschen wurden ruhiger, als er seine Stimme hob. "Soldaten! Zu mir!" Langsam begannen sich einige der Frauen und M├Ąnner, die auf die kurze Salve reagiert hatten, zu bewegen, sich aus dem Gew├╝hl herauszuarbeiten, und traten auf Keil und seine erh├Âhte Position zu. Unwillk├╝rlich, ja fast automatisch, bildeten sie am Fu├č des kleinen H├╝gels eine Reihe, musterten sich gegenseitig von der Seite. Manche hielten ihre Waffen in der Hand, manche hatten nur ein Messer im G├╝rtel, einer war v├Âllig unbewaffnet. Einige hatten Narben, und w├Ąhrend Keil die M├Ąnner und Frauen musterte, begegnete er verschlossenen Mienen, und Blicken, die h├Ąrter waren als Stahl oder Stein. Er z├Ąhlte insgesamt neun Personen, die seinem Ruf gefolgt waren. Er l├Ąchelte bitter. Nun denn, mal sehen, ob sie mitmachen. Er schulterte sein Gewehr wieder und wischte sich mit der Hand ├╝ber die Augen. Sie hatten nicht viel Zeit.
"Ich bin Keil Sumigora, ehemaliger Soldat der F├Âderation, Master Seargent im 4. Regiment unter Comodore Skijndre. Ihr alle habt wahrscheinlich die vier Landungsschiffe gesehen, die da hinten", er deutete ├╝ber die Schulter in die entsprechende Richtung, "soeben aufgesetzt haben. Ihr wi├čt was das bedeutet. Ich wei├č nicht, was ihr nun zu tun gedenkt, aber ich pers├Ânlich will verdammt sein, wenn ich das zulasse, ohne mich zu wehren." Er machte eine kurze Pause, um seine Gedanken zu fokussieren und sich seine n├Ąchsten Worte zu ├╝berlegen. Er war diese Ansprachen nicht mehr gew├Âhnt. Auf einigen Gesichtern ersp├Ąhte er den Anflug eines L├Ąchelns, und er l├Ąchelte zur├╝ck. "Wer sich mir anschlie├čen will, ist mir herzlich willkommen. Wer das nicht tun will, und lieber auf eigene Faust versucht, davonzukommen, sollte sich schleunigst auf den Weg machen, denn Jahimo's S├Âldner sind sicher bald hier. Die anderen bitte ich, mir kurz zu sagen, wo sie Dienst taten, und welche Ausbildung sie hatten." Er starrte den Ersten der Reihe erwartungsvoll an, und der Mann erwiderte seinen Blick, wobei nur die Augen zu schmunzeln schienen, der Rest seines Gesichtes war unbeweglich wie Marmor. Allerdings hatte dieser Marmor tiefe Narben in seiner Oberfl├Ąche, die wahrscheinlich von Granatsplittern oder ├Ąhnlichem stammten. Eine verlief vom Mundwinkel bis zum Ohr. Als er sprach, war seine Stimme ungef├Ąhr so angenehm wie das Knarren einer verrosteten Bunkert├╝re.
"Seargent H├Âgel, 5. Regiment, Pionier. Ich bin mit von der Partie, wenn du mir ein Gewehr und gen├╝gend Sprengstoff besorgst. Vielleicht nehmen wir dann eine ganze Menge von diesen Bastarden mit in die H├Âlle." Er spuckte auf den Boden, und kratzte sich das unrasierte Kinn. Keil mu├čte grinsen. "Keine Sorge, wir werden schon was f├╝r dich auftreiben, H├Âgel. Und du?" Die Frage war an die Frau gerichtet, die den Pionier mit leichtem Abscheu musterte. Sie starrte nun auf Keil, sch├╝ttelte den Kopf und blickte zu Boden. Als sie wieder aufblickte, klang ihre Stimme belegt. "Ich dachte, ich h├Ątte das alles hinter mir." Keil nickte. "Das dachten wir alle. Bist du trotzdem mit von der Partie?" Er blickte kurz zum Horizont, wo sich die zweite Sonne langsam ├╝ber den Rand des Planeten schob, richtete dann wieder den Blick auf die Soldatin. "Ja, ich bin dabei. Private Ramirez, Juanita, leichte Infanterie, Freiheitskorps, dritte Division." Keil nickte. Der Mann neben ihr grinste pl├Âtzlich. "Dritte Division, wie? Euch haben wir doch bei Grube 4 aufgerieben!" Ha├č flammte in RamirezÔÇÖ Augen auf, als sie den Blick auf den vierschr├Âtigen Kerl richtete, dessen Grinsen immer breiter wurde. "Also bist du ein Black Dog, ein verdammter Hund!" Der Mann lachte laut auf. "Ja, Corporal Fikolmij, zu Diensten! Special Squad Black Dogs, Sp├Ąher!" Er verbeugte sich erst in Richtung RamirezÔÇÖ, dann in hin zu Keil. "Und wir werden viele, viele von diesen feigen Schweinen in ihrem eigenen Blut ers├Ąufen. Sie h├Ątten uns nicht herausfordern sollen."
Der n├Ąchste Mann, ein schlanker Kerl, der die ganze Zeit ein Gewehr mit sehr langem Lauf in H├Ąnden hielt, als w├Ąre es sein kostbarstes Gut, trat einen Schritt vor. "Mein Name und Dienstrang tut nichts zur Sache, Keil, so wie alle Dienstr├Ąnge hier nur nebens├Ąchlich sind. Wichtig ist nur, da├č ich mit meinem Gewehr alles treffen werde, was sich n├Ąher als zwei Meilen an uns heranwagt. Alles, was du mir besorgen mu├čt, ist gen├╝gend Munition. 4,5 mm Standard." "Alles klar", best├Ątigte Keil. "Bin verdammt froh, dich auf unserer Seite zu wissen. Wie sollen wir dich rufen?" Der Mann ├╝berlegte kurz, dann l├Ąchelte er. "Nennt mich Spirit. Ich werde immer bei euch sein, egal wohin ihr geht." Keil unterdr├╝ckte ein Schaudern, als er an den verborgenen Sinn dieser Worte dachte. Er hatte schon einige Scharfsch├╝tzen kennengelernt, und er wu├čte, da├č diese Sorte Soldaten eine Eisesk├Ąlte in sich trug. Spirit war so kalt, da├č er brannte. W├Ąhrend auch die restlichen f├╝nf ihre Namen und Ausbildung nannten, f├╝hlte er st├Ąndig den Blick des Scharfsch├╝tzen auf sich ruhen, pr├╝fend, berechnend.
Die restlichen Freiwilligen waren gemeinsam aus dem Dienst ausgetreten, als man einen von ihnen f├╝r einen Unfall verantwortlich machen wollte, der nicht zu vermeiden gewesen war. Es war nur ein S├╝ndenbock gesucht worden. Sie waren Mitglieder eines Wachteams gewesen, und jeder von ihnen trug eine MP, die ihrer Dienstwaffe sehr glich.
"Patterson, du wirst mit deinen Leuten unseren R├╝cken decken, da die Reichweite eurer Waffen nur beschr├Ąnkt ist und ihr somit nicht effektiv in die Offensive gehen k├Ânnt. Wenn sie nach dem Handbuch vorgehen, werden sie die Landestelle sichern und dann Streifen ausschicken, um die Gegend zu erkunden. Wenn mich nicht alles t├Ąuscht, sind diese Streifen schon auf dem Weg hierher, da die Piloten die Fl├╝chtlinge ausgemacht haben und also wissen, wo wir zu finden sind. Sie werden sicher auch mit Widerstand rechnen, vielleicht mit einigen w├╝tenden, spatenschwingenden Siedlern - aber nicht mit uns. Die ├ťberraschung ist im Moment unser bester Freund, und wir m├╝ssen versuchen, eine Streife zu erledigen und die Ausr├╝stung zu bergen, damit wir H├Âgel und die anderen entsprechend ausstatten k├Ânnen. Wir werden uns auf dem H├╝gel da hinten in den Hinterhalt legen, und Spirit", er nickte dem Scharfsch├╝tzen zu, "wird erst mal so viele erledigen, wie er kann, danach reiben ich und Fikolmij den Rest auf. Es darf keiner entkommen. Und es darf keiner von uns verletzt werden. Wir sind zu wenige, um uns Verluste leisten zu k├Ânnen. Alles klar?" Die Soldaten best├Ątigten, worauf Keil sich umwandte und von der kleinen Erhebung herabstieg, um seine Truppe im Laufschritt auf den H├╝gel zuzuf├╝hren, hinter dem die Landungsschiffe lagen. Hinter sich h├Ârte er laute Stimmen, die versuchten, etwas Ordnung in das Chaos der Fl├╝chtenden zu bringen. Auch andere Menschen hatten die Landungsschiffe gesehen, und sie hatten die Soldaten gesehen, die sich bei der kleinen Erhebung gesammelt hatten. In manchen erhob sich ein kleiner Hoffnungsschimmer, aber alle waren sich einig, da├č es zu fliehen galt, und da├č man diese Flucht ordnen mu├čte. Keil h├Ârte, wie Anweisungen gerufen wurden, und machte sich keine Sorgen mehr um die Menschen hinter sich. Diese Arbeit wurde schon getan. An ihm lag es jetzt, eine andere Art von Arbeit zu verrichten, f├╝r die es weit weniger Freiwillige gab, da sie ungleich gef├Ąhrlicher war, nicht nur f├╝r das Leben, sondern auch f├╝r die Seele. W├Ąhrend sie liefen, fing er an, die Schutzw├Ąlle, die er niedergerissen hatte, wieder um sein Herz zu legen, es in einen Mantel aus Stahl zu h├╝llen, und es k├Ąlter zu machen. Er konnte Ramirez gut verstehen, die mit so viel Abscheu auf die Gewaltbereitschaft der anderen reagiert hatte, aber auf der anderen Seite f├╝hlte er diese Gewaltbereitschaft auch in sich selbst. Er w├╝rde nicht schweigend untergehen, er w├╝rde um sich schlagen und sich wehren.

*


Keil h├Ârte die Stimmen hinter sich, und alle seine Muskeln spannten sich, die H├Ąnde umklammerten das Gewehr so fest, da├č die Kn├Âchel wei├č hervortraten, und sein Atem wurde so flach, da├č man ihn nicht einmal vernommen h├Ątte, wenn man an seinem Gesicht gelauscht h├Ątte. Er selbst lehnte mit dem R├╝cken in halb liegender Position an einem breiten Wurzelstock, sein Blick war fest auf einen Punkt h├╝gelaufw├Ąrts gerichtet, an dem sich Spirit befand. Zu sehen war von dem Scharfsch├╝tzen nichts, der die aufgehende Morgensonne im R├╝cken hatte, aber Keil wartete nur auf das M├╝ndungsfeuer, das ihm ein Signal sein w├╝rde. Die Stimmen wurden lauter, und die Streife konnte keine 20 Meter mehr hinter ihm sein. Neben ihm lag H├Âgel in Deckung, hinter einem Baum zur linken lauerte Fikolmij mit seinem Messer in der Linken, die Pistole in der Rechten. Ramirez deckte die andere Flanke mit einem Schrotgewehr, da├č ihr Fikolmij in die Hand gedr├╝ckt hatte. Sie h├Ątte sonst nur ein Messer f├╝r ihre Verteidigung gehabt, und er hatte ihr sein Gewehr hingehalten. 'Ich will nicht von der anderen Seite her ├╝berrannt werden, also nimm schon die verdammte Knarre.' Ramirez hatte ihn kurz angestarrt, dann aber das Gewehr an sich gerissen und ihre Position eingenommen.
Keil konnte nun die Schritte h├Âren, etwa f├╝nf Meter hinter sich, und sein Adrenalinspiegel stieg. Nat├╝rlich w├╝rde Spirit so lange wie m├Âglich warten, doch wenn er den Moment verpa├čte...Keil dr├╝ckte sich noch dichter an den Stamm, als die Kugel nur wenige Zentimeter ├╝ber ihn hinwegpfiff, dann h├Ârte er das Ger├Ąusch eines fallenden K├Ârpers, aber erstaunlicherweise keinen Knall. Ein Schalld├Ąmpfer. Er hat einen Schalld├Ąmpfer montiert, als er in Stellung ging. Ein weiteres, sirrendes Ger├Ąusch, gefolgt von einem dumpfen Aufprall, lie├č die Soldaten der Streife endlich begreifen, da├č sie tats├Ąchlich angegriffen wurden. Sie warfen sich in Deckung, aber als sie nicht anfingen zu feuern, wu├čte Keil, da├č die Sache nicht so einfach werden w├╝rde, wie er sich das gew├╝nscht h├Ątte. Die Streife war keineswegs ein unerfahrener Haufen junger Draufg├Ąnger. Diese h├Ątten wohl sofort in alle Richtungen gefeuert, in der Hoffnung, durch Zufall etwas zu treffen. Die Soldaten hier aber warteten ab, ob sie die Position des Sch├╝tze ausmachen konnten, um ihn gezielt anzugreifen. Er h├Ârte die Stimmen fl├╝sternd beraten, und schob sich zur Seite. Er mu├čte Spirit die Gelegenheit f├╝r weitere Sch├╝sse geben, damit die Streife dezimiert wurde. Es waren noch immer 13 Mann ├╝brig, zu viele f├╝r ihn und die beiden anderen. H├Âgel machte ein beunruhigtes Gesicht, wagte es aber nicht, Keil zur├╝ckzuhalten. Dieser schob sich vor bis zu einer Kante, wohlweislich darauf bedacht, keinen Laut zu verursachen, und legte sein Gewehr so langsam wie m├Âglich an. Dann visierte er auf den Hinterkopf eines Soldaten, der dem Wurzelstock gegen├╝ber flach hinter einem Felsen lag. Spirit konnte den Mann nicht sehen, obwohl Keil davon ├╝berzeugt war, da├č der Scharfsch├╝tze genau wu├čte, wo sich jeder einzelne der Streifensoldaten befand. Keil dr├╝ckte ab, sah den Helm davonfliegen und den Kopf explodieren, als das Gescho├č knapp ├╝ber dem Genick eindrang und den Sch├Ądelknochen zertr├╝mmerte. Er fuhr zur├╝ck, um der w├╝tenden Salve zu entkommen, die das Holz splittern lie├č und seine Deckung zerfetzte . H├Âgel ri├č ihn zur Seite und nach unten, und Keil blieb dort geduckt liegen, w├Ąhrend das Donnern der Salven andauerte. Aus dem Augenwinkel sah er, wie es in einem Geb├╝sch hangaufw├Ąrts ein paar mal schnell hintereinander aufblitzte, dann herrschte wieder Stille. Keil machte sich langsam Sorgen, denn die Streife hatte garantiert schon Verst├Ąrkung gerufen, und diese w├╝rde bald hier sein. Sie mu├čten schnell handeln. Er warf einen Blick nach links, nickte Fikolmij zu, dessen Grinsen gemein und gef├Ąhrlich hinter einem Baumstamm hervorleuchtete, nur f├╝r ihn sichtbar, dann wandte er den Kopf und suchte Ramirez' Blick. Sie starrte ihn an, und nickte dann langsam. Durch ein Zeichen der Hand signalisierte er Spirit, da├č sie angreifen w├╝rden. Sie waren nun auf Gedeih und Verderben einander ausgeliefert. Keil zog die Beine an, spannte die Muskeln und katapultierte sich zur Seite und feuerte. Sein erster Feuersto├č traf zwei Soldaten, die sich gerade an seine Position angeschlichen hatten. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Fikolmij das Feuer er├Âffnete und eine Dreiergruppe, die sich hinter einem Felsblock verborgen hatte, v├Âllig ├╝berraschte und niedermetzelte, w├Ąhrend er selbst hart auf dem Boden landete und weiter feuerte, bis sein Magazin leer war. Ein Soldat hatte sich schon bis zur anderen Seite des Wurzelstockes angeschlichen und h├Ątte ihn sicher get├Âtet, wenn der Mann nicht zum Anlegen seiner Sturmwaffe halb aus der Hocke aufgestanden w├Ąre. Die erste Kugel zerfetzte seine Kehle, die zweite durchschlug seine Schl├Ąfen, und er sank tot auf die blauschwarze Erde. W├Ąhrend Keil sich zur Seite rollte, um ein schlechteres Ziel zu bieten, h├Ârte er auch das schwere H├Ąmmern des Schrotgewehres. Dann war wieder alles still. Auf der Lichtung lagen 15 tote M├Ąnner, und Ramirez, Fikolmij, Keil und H├Âgel starrten sich ├╝ber die Leichen hinweg an. Der Krieg hatte sie eingeholt, und der Tod, sein st├Ąndiger Gef├Ąhrte, hatte seine Hand nach ihnen ausgestreckt. Aber noch hatte er sie nicht greifen k├Ânnen, hatte sie nicht zu fassen bekommen. Keil wandte sich dem Hang zu und machte die Geste der Dankbarkeit in die Richtung, aus der die rettenden Sch├╝sse gekommen waren. Als er sich wieder umwandte, bemerkte er, da├č das Schrotgewehr in Ramirez' H├Ąnden wie zuf├Ąllig auf Fikolmij deutete, und dieser gebannt auf die Soldatin starrte, die wohl jeden Grund hatte, ihn zu hassen. Niemand wagte sich zu r├╝hren, alle warteten.
"Ihr habt uns angegriffen, als wir eine neue Heimat suchten. Ihr habt alles zerst├Ârt, was wir uns aufgebaut hatten. Du und deine Black Dogs", Ramirez spuckte den Namen der Einheit aus als w├Ąre er Gift mit bitterem Geschmack auf ihrer Zunge, "habt unsere Tr├Ąume zerst├Ârt, so wie diese Hunde hier", sie tippte eine der Leichen mit der Stiefelspitze an, "es mit Liandara versuchen. Das Blut, das heute durch ihre Bomben vergossen wurde, ist noch warm." W├Ąhrend Fikolmij's Miene unbewegt wie Stein blieb, fing es in Ramirez' Augenwinkeln zu glitzern an. "Ich will Rache, Hund. Rache f├╝r all das Unrecht. Es ist wahrscheinlich das letzte, was ich tue, aber ich werde mich an diesen Schweinen r├Ąchen! Und du wirst mir helfen!" Mit diesen Worten lie├č sie den Lauf des Gewehres sinken, drehte die M├╝ndung von Fikolmij weg und dr├╝ckte es ihm in die Hand. Ihre Augen, in denen Tr├Ąnen standen, blickten fest in die seinen, und schlie├člich nickte der hartgesottene Soldat.
Keil entspannte sich wieder, klopfte Fikolmij auf die Schulter und nickte Ramirez zu. Stillschweigend schlo├č er sich diesem B├╝ndnis an, und stillschweigend nahmen die beiden ihn auf. Dann halfen sie den anderen, die Ausr├╝stung einzusammeln.

*


Keil konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten, die Knie gaben nach und er sackte schwer zu Boden. Er zog eine blutige Spur ├╝ber die dunkle Erde, w├Ąhrend er sich zum n├Ąchsten Baum schleppte und sich daran hochzog, bis er sa├č. Er lehnte sich mit dem R├╝cken dagegen, lie├č das Gewehr auf den Boden sinken und zog sein Messer aus der G├╝rtelscheide. Er hatte keine einzige Patrone mehr, und die M├Ąnner mit den Hunden waren nicht mehr weit entfernt. Er sah kurz auf die Wunde hinab, aus der das Blut in sanften St├Â├čen flo├č, und l├Ąchelte m├╝de. Wenn sie sich nicht beeilen, kommen sie noch um den Genu├č, mich zu t├Âten. Langsam glitt auch das Messer aus seiner Hand, und w├Ąhrend die Welt um ihn herum dunkler und k├Ąlter wurde, nahm er das Gesicht, welches sich ├╝ber ihn beugte, nur noch verschwommen war.
"Rede, Mistkerl, wer hat euch geschickt? Wo kommt ihr her? Zu welcher Einheit geh├Ârt ihr?" Keil l├Ąchelte, gequ├Ąlt und m├╝hsam, und noch einmal schien seine Kraft wiederzukehren, seine Augen wurden klar, und er sprach mit fester Stimme:
"Wir geh├Âren zu den Kindern des Krieges, so wie du. Uns unterscheidet nicht viel, nur da├č wir das T├Âten satt hatten. Auch du wirst einst das T├Âten satt haben! Und dann sehnst du dich nach einem Platz ohne Krieg. Aber du wirst ihn nicht finden! Weil der Krieg dich findet, so wie uns." Er hustete, sein Gesicht unendlich bla├č, die Augen geschlossen. Der Soldat, der vor ihm stand, wagte nicht, ihn zu ber├╝hren. Nach einigen, ewig w├Ąhrenden Herzschl├Ągen sprach er weiter. "Wo wir herkommen? Aus dem Vergessen! Unseren Weg bestimmt das Schicksal...erbarmungslos..." Er hustete wieder und sank zur├╝ck. Der Soldat trat vor und sch├╝ttelte ihn grob. "Wie viele seid ihr? Welche Truppenst├Ąrke? Red schon!" Keil's Stimme war nur mehr ein Fl├╝stern, und das letzte Wort nur mehr ein Hauch.
"Unsere...unsere...Zahl.......ist..........Legion..."
Ich gehe nicht kampflos unter...................

*


Die Kolonie auf Liandara wurde von den Jahimo-Kriegsherren im Krieg gegen die F├Âderation als eine der Ersten vernichtet. Die Kolonisten konnten die Startoffensive abwehren, es lie├č sich jedoch niemals kl├Ąren, wie sie den Truppen Jahimo's vier lange Tage standhalten konnten. Es gab keine ├ťberlebenden.


__________________
Aslan Neziri
'Beware the fury of a patient man.' (John Dryden)

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Neziri
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Tja, es ist wieder mal so weit, der Mann mit dem sonderbaren Namen hat eine neue Geschichte geschrieben. Nun ist es an euch, euer Bestes zu geben. Kritisiert nach Herzenslust, ich will ja schlie├člich was davon haben, und auch all jene, die es nur so mal eben gelesen haben, sind herzlich dazu eingeladen, mir einige Zeilen zu hinterlassen, sei es nun Lob oder Mi├čfallen. Tut's mir einfach kund, ich freu mich ├╝ber jede Reaktion.

Ich stehe ewiglich in eurer Schuld,

der Autor.
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Aslan Neziri
'Beware the fury of a patient man.' (John Dryden)

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Templar
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Jo, ist gut! Sehr gut sogar *Daumen hoch*
Und aus dem Szenario l├Ąsst sich sicherlich noch einiges machen... ├Ąh, h├Ątte sich noch einiges machen lassen, aber nun sind sie ja tot.

Gr├╝sse

Templar
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Manche Leute dr├╝cken nur deshalb mal ein Auge zu, damit sie besser zielen k├Ânnen.

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Neziri
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Danke. Und ja, sie sind tot, und mit ihnen starben alle Fortsetzungsversuche. Ob das nun Gl├╝ck oder Ungl├╝ck ist...ich kann's nicht sagen.
Ach ja, dein Motto unten gef├Ąllt mir verdammt gut...hast du 'Ein Tod unter vielen' schon gelesen? K├Ânnte dir eventuell gefallen. Bis dann.
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Aslan Neziri
'Beware the fury of a patient man.' (John Dryden)

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Templar
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Danke, das Motto ist aber leider nur geklaut, von Billy Wilder glaub ich.
Ein Tod unter vielen hab ich auch gelesen, werd auch mal was dazu schreiben, aber die hier gef├Ąllt mir ein wenig besser.
Ein Kritikpunkt ist mir noch eingefallen, die Stelle mit den ehemaligen Wachm├Ąnnern, da hatte ich den Eindruck das Du einfach keine Zeit oder keine Lustmehr hattest, mehr Pers├Ânlichkeiten zu erdenken, und deshalb einfach einfach diese Horde 08/15 Kanonenfutte erschaffen hast.

Gr├╝sse

Templar
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Andrea
???
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5 von 10 Punkten

Nein, so richtig ├╝berzeugt mich die Geschichte nicht. Du gibst sehr viele Informationen, Informationen, die eigentlich ├╝berfl├╝ssig w├Ąren (Namen von Gener├Ąlen, verlorenen K├Ąmpfen, Legionen etc.), oder r├╝ckwirkend Handlungen beschreiben, die l├Ąngst vorbei sind (meist sehr unvorteilhaft..) und scheinst eine regelrechte Vorliebe daf├╝r zu entwickeln, eine Handlung oder Person mit einem einzigen wertenden Adjektiv sofort abzustempeln, wobei du dich auch nicht davon abbringen l├Ą├čt, gleich mehrere Umschreibungen derselben Art f├╝r eine Figur einzuf├╝hren (die Figur des Spirit etwa dreht sich immer wieder im Kreis: der mysteri├Âse, hartgesottene K├Ąmpfer..).
Gut finde ich die jeweiligen Anf├Ąnge der Teile, insbesondere des zweiten. Man ist sofort in der Geschichte, ohne da├č man mit allzu vielen Informationen zugesch├╝ttet wird. Nur leider verl├Ąuft sich die Spannung mit der Zeit.
Sprachlich schwankst du zwischen einem guten, trockenen Ton, der hervorragend pa├čt, immer wieder zu Klischees (Bsp.: ÔÇťUnd wir werden viele, viele von diesen feigen Schweinen in ihrem eigenen Blut ers├Ąufen. Sie h├Ątten uns nicht herausfordern sollen.")
und einer schrecklich gezwungen-poetisch klingenden Sprache (Bsp.: ÔÇť[...] denn diejenigen, die keine Narbe am Leibe trugen, waren gezeichnet in ihren Seelen.ÔÇť).
Die schlimmste Mischung zwischen dem ├ťberflu├č an Informationen und dem Schwanken ist auf jeden Fall der Aufruf Keils an die Soldaten. Das liest sich z├Ąh wie Kaugummi.

Vielleicht ist die Geschichte einfach zu lang. Beginn gleich im Sch├╝tzengraben, die brennende Stadt wird nur ansatzweise erw├Ąhnt (davon hat ein Leser sowieso unendliche Bilder im Kopf). Den Konflikt zwischen Ramirez und Fikolmij rausstreichen ÔÇô lieber das Gedanken- und Gef├╝hlsleben einer Figur, n├Ąmlich Keils aufarbeiten, f├╝r mehr ist in einer Kurzgeschichte selten Platz. Die Nebenfiguren d├╝rfen ruhig schemenhaft bleiben, damit der Fokus auf Keil gerichtet wird.
__________________
Andrea Rohmert

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