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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Leidmotive
Eingestellt am 13. 09. 2013 22:28


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Steewee
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2013

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Nervös sitzt sie ihm gegenĂŒber. Sie kennt ihn schon lange, weiß aber erst seit Kurzem, wer er ist. Jede Woche kam er in ihren kleinen Buchladen, fragte nach Neuheiten, ihren Empfehlungen. Sie tauschten sich ĂŒber ihre bevorzugten Autoren aus, schimpften gemeinsam ĂŒber Politik und lachten ĂŒber das TV Programm. Heute stand er mit einem Strauß Blumen im Laden und fragte, ob sie denn Hunger hĂ€tte. Nicht auf Schnittblumen, meinte sie und er antwortete mit einem krĂ€ftigen, strahlenden Lachen. Er ist zwar ein wenig Ă€lter als sie, aber immer noch sehr gut in Form. Ein pensionierter Theologiedozent mit grau melierten SchlĂ€fen, stahlblauen Augen und den Manieren eines Gentlemans. Also sagte sie ja. Auch den obligatorischen Kaffee danach schlug sie nicht aus. Sein erwachsener Sohn war nicht zu Hause und sie hatten die Wohnung ganz fĂŒr sich. Nun sitzen sie hier bei Kerzenschein und er fragt, ob er sie kĂŒssen darf. Sie rĂŒhrt sich nicht, also steht er auf, prĂŒft die Fesseln und löst fĂŒr einen kurzen Moment den Knebel. Sirenengeheul von der Sraße verschlingt ihr Flehen. Der strahlende Ritter so fern der Drachenhöhle.

Die Sirenen gehören zu einem Streifenwagen, der eilig Richtung Hafen unterwegs ist. Auf dem RĂŒcksitz ist ein farbiger Teenager, der kurz zuvor angetrunken an eine Telefonzelle gepinkelt hatte. Er liegt flach auf der Bank, als wĂŒrde er schlafen. Die Folie um seinen Kopf ist fest mit Panzerband am Hals fixiert, damit kein Tropfen Blut Spuren hinterlassen kann. Der Polizist am Steuer ist sich sicher, richtig gehandelt zu haben. Sein alter Herr meinte immer, um SĂŒnder zu verstehen, musst du reden wie sie, denken wie sie, handeln wie sie. Er bedauert, dass er seinem Vater nicht sofort von seiner Glanzleistung berichten kann, aber der hat heute abend Damenbesuch und möchte auf keinen Fall gestört werden.

Und im Hafenbecken halten die Fische ihre aufgeblÀhten BÀuche in die Nacht und singen stumme Lieder vom Ende.

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DocSchneider
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Die Auflösung der Geschichte trifft den Leser wie ein Schlag in die Magengrube und ist Dir bestens gelungen.
Das "Nervös" am Anfang ist zu schwach, sie wird nicht nervös sein, sondern vielleicht eher ...verzweifelt, (wie) gelĂ€hmt, ...aber vermutlich hast Du das Wort gewĂ€hlt, um keinen allzufrĂŒhen Verdacht auf den wahren Kern zu lenken.
Dass der Teenager farbig ist, finde ich jetzt zu klischeebehaftet, ohne dem ginge es auch.
LG Doc
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Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermĂŒdendem Lesen. (Virgina Woolf)

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