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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Lernfähig
Eingestellt am 10. 09. 2016 16:16


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Bursch
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Stefan steht in der kleinen Vertriebsküche und schaut zu, wie sich seine Tasse unter dem Kaffeeautomaten füllt. Er gibt etwas Milch und Zucker hinzu und rührt um.

Natürlich, klar, das brauchte ihm sein Vorgesetzter und Leiter der Niederlassung vorhin nicht zu sagen, wird er in seiner neuen Funktion an alter Wirkungsstätte keinen Krawall veranstalten.
"Wir erwarten, Herr Mund, dass Sie das Vertrauen, das wir gemeinschaftlich in Sie setzen - und wir waren uns auf leitender Ebene allesamt einig, dass Sie der richtige Mann auf dem Posten des Gesamtvertriebsleiters sind - dass Sie dieses Vertrauen nicht missbrauchen für, sagen wir, subtile Retourkutschen auf persönlicher Schiene. Sie verstehen?"

Natürlich versteht er. Ihm ist die Situation so bewusst wie seinen Oberen. Wilhelm Wirth ist an seiner (und Stefans) alter Wirkungsstätte, sprich in der Zentrale, auch nach vier Jahren weiter als Verkaufsgruppenleiter tätig. Dort wo er Stefan, dessen Gruppe er, von außen kommend, übernommen hatte, das Leben als Verkäufer nicht nur schwer machte, nein, zwischen den beiden herrschte Abneigung spätestens auf den zweiten Blick. Der Streit steigerte sich kontinuierlich, ging über in ein Ringen um kleine und kleinste Details, bis der vorgesetzte Kollege Wirth in ein Mobbingverhalten wechselte, dessen perfide Facetten Stefans übelste Phantasien übertraf.

Drei Jahre zog sich das hin. Stefan ging bei allem weiter engagiert heran, hatte aber das Gefühl, nichts mehr bewege sich in seinem Sinn. Leistungen wurden nicht anerkannt oder in ein falsches Licht gerückt. Kollegen, mit denen er nie Probleme hatte, wendeten sich gegen ihn, ihm wurde beizeiten die Luft zum Atmen knapp. Bis er sich, zur Kündigung entschlossen, an den Gesamtvertriebsleiter wandte, einen Mann fortgeschrittenen Alters, um ihm seine Sicht der Dinge zu schildern.

Man nahm ihn heraus aus Wirths Gruppe, überhaupt heraus aus der Zentrale und bot ihm eine Chance in der kleinen Verkaufsgruppe in einer der Firmenniederlassungen. Diese hier lag 150 Kilometer von der Zentrale entfernt. Stefan griff zu. Führte nur noch eine Wochenend-Ehe, bewohnte ein möbliertes Zimmer, arbeitete wie besessen, reüssierte, gewann zum Erstaunen seiner Vorgesetzten in kurzer Zeit alles verlorene Terrain zurück und eilte auch als Verkaufsgruppenleiter, einer in der Filiale eigens für ihn geschaffenen Funktion, von Erfolg zu Erfolg.

Als nach vier Jahren der Gesamtvertriebsleiter in der Zentrale aus Altersgründen ausschied, war Stefan einer der chancenreichen Kandidaten für diese gehobene Position. Die Wahl fiel auf ihn, wie der Niederlassungsleiter ihm eine halbe Stunde zuvor eröffnete.

"Kein Krawall", raunt er, immer noch solo in der kleinen Vertriebsküche, und nippt an seinem Kaffee. Wie sagte sein Vorgesetzter vorhin? "Subtil"? Exakt. Subtil wird er vorgehen. Herzlich gegen jedermann. Fordernd, versteht sich, zielstrebig. Aber freundlich gegen alle.
Alle bis auf einen. Dem er nichts, rein gar nichts verziehen hat. Keine sanfte Verweigerung, keines seiner hinterhältigen Manöver und auch die vielen kleinen Alltagsgesten nicht, die verächtlichen. All das wird er ihm zurückgeben, ebenfalls in kleinen, sich unmerklich steigernden Dosen. Unauffällig vor allem nach oben, spürbar nur für den einen. So, dass es weh tut, richtig weh tut.

37 Jahre zählt Stefan. Mobbing war nie sein Thema gewesen, weder aktiv noch passiv. Aber er ist lernfähig. Er fischt sein Handy heraus, um seine Frau über die neue Lage zu informieren: "Hallo Liebes..."

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DocSchneider
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