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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Leselupen-Kolumne 23: Die Narrenfreiheit
Eingestellt am 25. 01. 2005 21:33


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MĂ¶ĂŸner, Bernhard
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Die Narrenfreiheit.
Die Narrenkappe verleiht ihrem TrĂ€ger eine fast allumfassende Narrenfreiheit. Und die Narrenfreiheit ist ein hohes Gut, das es zu bewahren gilt! Sollte doch einmal so ein Till grob entgleisen, sollten seine Zoten allzu zotig sein, sollte er auf der BĂŒhne die Narrenfreiheit missbrauchen und mit der Mistgabel statt des Degens fechten, dann wird darĂŒber ein nĂ€rrisch hochwohllöbliches Narrengericht sein nĂ€rrisches Urteil fĂ€llen. Die Kapelle spielt einen Tusch, dann folgt ein dreimal krĂ€ftiges "Narri, narro" und der Schmutzfink wird mit Humba humba humba, tĂ€tĂ€rĂ€, mit einem Orden und einem BĂŒtzchen von der Prinzessin entlassen. Man trifft sich nachher an der Bar, Till ist einer von uns und man weiß ja, wie er’s meinte! Klammheimliche Freude und Zustimmung ist schließlich eine Facette des nĂ€rrischen Humors.
In einem Bundesland, dessen Geenig einst Krone und Zepter mit den Worten ins Korn warf: "Macht euren Dreck alleene", agieren und reden wieder einmal ganz besondere Narren. Was soll’s, dass die BĂŒttenredner dort braune Kappen tragen? Die grĂ¶ĂŸten Pappnasen sitzen schon unten im Saal, manche von ihnen applaudieren heimlich mit den HĂ€nden unter dem Tisch. Ein Fernsehteam des Öffentlich-Rechtlichen macht Aufnahmen. DĂŒrfen die das eigentlich?
Manches ist ja auch wahr, was die sagen: Die Sache mit den Juden und so, also man sollte endlich einen Schlussstrich ziehen. Die Feinde waren doch auch nicht besser! Unsere
deutsche Wehrmacht kĂ€mpfte heldenmĂŒtig geben die roten Bolschewisten. Das muss ja auch einmal gesagt werden. Und was machen die Juden heute?
Im Krieg wurden Millionen Deutsche aus ihrer Heimat vertrieben! Unsere StĂ€dte wurden bombardiert. Und die Regierung verteilt heute Milliarden und Abermilliarden an die AuslĂ€nder. Sollen die Nigger und anderen Kanaken doch selber etwas schaffen. Überhaupt herrscht keine Ordnung mehr in unserem Land. Unsere Frauen können sich nachts nicht mehr auf die Straße wagen. Das war anders in der Hitlerzeit. Viel zu viele TĂŒrken machen heute die Straßen unsicher, sie kassieren dazu noch jede Menge Kindergeld und Sozialhilfe von
unserem Staat. Jetzt wollen die Knoblauchfresser und Ziegenficker bei uns auch noch Moscheen bauen und unseren deutschen Kirchen stehen leer. Aber alle Achtung, der Busch
.
Als Abgeordneter will man ja schließlich wieder gewĂ€hlt werden. Da muss man ja auch registrieren, was die Leute im Land draußen denken und sagen. Alles war doch auch nicht ganz schlecht im dritten Reich. Hitler hat wenigstens die Arbeitslosigkeit beseitigt. Wenn ich an den Schröder denke!
Eigentlich sehn sie ja ganz vertrauenswĂŒrdig aus, die Kollegen von der braunen Fraktion, mit ihren schlagkrĂ€ftigen Argumenten, und zupackenden FĂ€usten, immer korrekt gekleidet und mit einem ironischen LĂ€cheln auf den Lippen. Da lĂ€sst es sich doch nicht vermeiden, dass man sich nach Feierabend hin und wieder mal auf ein Bierchen trifft. NatĂŒrlich können und dĂŒrfen die ihre Meinung sagen. Schließlich und endlich herrscht bei uns Meinungsfreiheit. Alles was Recht ist! Wozu haben wir denn eine Demokratie?
Dass das so bleibt, dafĂŒr werden die hochwohllöblichen deutschen Gerichte schon sorgen!
Richter sind schließlich Juristen, die haben studiert und gelernt, was Recht ist.
Was können die dafĂŒr, dass unsere Gesetze in diesem Fall nicht greifen? Dass man dem braunen Gesindel noch immer nicht das Handwerk legen kann? Wirklich nicht?
Saßen und sitzen nicht jede Menge Juristen in unseren Parlamenten? Haben diese Juristen unsere Gesetze, samt allen Paragraphen und AusfĂŒhrungsbestimmungen nicht lange genug von allen Seiten durchleuchtet, bevor sie von den anderen, zugegeben, darin etwas weniger fachkundigen Abgeordnetenkollegen(innen), nach deren bestem Wissen und Gewissen abgesegnet wurden?
Welches GlĂŒck fĂŒr uns, dass in unserem deutschen Vaterland eine ĂŒberparteiliche Justiz darĂŒber wacht, dass unseren Jungnazis so wenig ein Haar ausgerissen und auf die Springerstiefel getreten wird, wie zuvor ihren VĂ€tern und GroßvĂ€tern. Lieb Vaterland, magst ruhig sein!
Das Urteil spricht die ewig blinde, die Göttin mit der Augenbinde.

__________________
-Bernhard MĂ¶ĂŸner-

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freifrau von löwe
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freie radikale

hallo bernhard,

nach den letzten tagen bzw. ereignissen habe ich schon hin und wieder unsere lelu nach texten mit politischem inhalt durchsucht, doch wenig dabei gefunden. umso mehr freut es mich, dass uns hier eine ganz Ă€hnliche denke zu verbinden scheint, auch wenn die ausfĂŒhrung der texte natĂŒrlich unterschiedlich ist.

ein wenig boshafter hĂ€tte ich mir deinen text noch gewĂŒnscht, auch wenn ich an der schreibe gar nichts auszusetzen hab.

viele grĂŒĂŸe

__________________
Freifrau von Löwe

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Penelopeia
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Hallo Bernhard,

Dein Text thematisiert ein Problem bzw. eine Frage, die fĂŒr den "Juristenlaien" nicht beantwortbar ist. Auch fĂŒr mich sind die angeblichen Schwierigkeiten eines Verbotes brauner Vereine nicht nachvollziehbar.

Sprachlich gefĂ€llt mir insbesondere der erste Teil. FlĂŒssig und frech geschrieben...

Einige Fehlerchen könnten korrigiert werden, es muß z.B. nicht "unseren deutschen Kirchen stehen leer", sondern "unsere deutschen..." heißen; der "Geenig" wird in Sachsen mehr als "Geenisch" artikuliert; vor einem "und" wĂ€re ein Komma weniger oft mehr.

LG

P.

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LuMen
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Registriert: Jan 2003

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das leidige Thema...

Hallo Bernhard,

nachdem ich gerade den Rattenschwanz verschiedener Meinungen
zu Neo-Nazis, Auschwitz und Dresden usw. im Forum Lupanum gelesen habe, drĂ€ngt es mich doch, zu Deinem wie immer flĂŒssig und unterhaltsam (trotz des ernsten Hintergrundes) geschriebenen Beitrag ein paar Anmerkungen zu machen:

1. Nach meiner EinschĂ€tzung bieten die bestehenden Gesetze hinreichend Möglichkeiten, gegen die ewig Gestrigen vorzugehen und sie in die Schranken zu weisen. Dass dies nicht wirksam genug geschieht, liegt einmal daran, dass auch Richter wie alle anderen ihre menschlichen SchwĂ€chen haben, will sagen, auch nicht gegen FehleinschĂ€tzungen und selbst nicht gegen rechtskonservatives Gedankengut gefeit sind. Zum anderen kommt bei Eilentscheidungen wie gerade den spektakulĂ€ren Demonstrationsverboten bzw. -genehmigungen aus rein zeitlichen GrĂŒnden unvermeidbar eine Korrektur durch die nĂ€chste Instanz zu spĂ€t (die hĂ€ufig "NPD-freundlichen" Entscheidungen der erstinstanzlichen Verwaltungsgerichte haben auch mir RĂ€tsel aufgegeben).

2. Ein etwaiges Verbot der NPD kann man sehr unterschiedlich
beurteilen. Es sprechen mindestens genauso viel, wenn nicht m.E. sogar mehr GrĂŒnde dagegen als dafĂŒr. Sicherlich ist es - auch fĂŒr mich - ein schwer ertrĂ€glicher Gedanke, dass eine solche Partei auch noch staatliche UnterstĂŒtzung durch die Parteienfinanzierung erhĂ€lt. Es dĂŒrfte aus dem Gleichbehandlungsgrundsatz heraus auch rechtlich schwierig sein, insoweit eine gesetzliche Änderung zu erreichen.

Auf der anderen Seite wĂŒrde ein Verbot die NPD möglicherweise eher stĂ€rken als schwĂ€chen. Sumpfblumen gedeihen bekanntlich im trĂŒben, morastigen Untergrund am besten. Die Kontrolle und Überwachung durch die zustĂ€ndigen staatlichen Behörden wĂ€ren in der jetzigen offiziellen Form nicht mehr möglich und allgemein sicherlich stark erschwert. Das Problem ist schon in der FrĂŒhzeit der Bundesrepublik beim Verbot der KPD deutlich geworden, das dann letztlich auch nicht von Dauer war.

Herzliche GrĂŒĂŸe

LuMen

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jon
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Ich habe lange an (m)einer Meinung herumgekaut

NatĂŒrlich (?) war auch meine erste Reaktion: "Sowas muss man doch verbieten!"
Auch meine zweite Rakltion war so.
Die dritte war dann schon: Versucht haben sie's ja. Man kann aber nicht jemanden aufgrund seiner Gesinnung belangen. Die Latte, die die „persönliche Meinung " von „Gefahr fĂŒr Gesellschaft oder Menschen" trennt, ist von Gesetzes wegen nicht umsonst so hoch gehĂ€ngt. FĂŒr mein WohlgefĂŒhl (obwohl ich sicher nicht zu extremen politischen Meinungen neige) ist erheblich, dass sie dort auch hĂ€ngen bleibt.
"Eklig" wird die Angelegenheit, wenn man – zumindest ab und zu – hört, dass es bei Linksextremen offenbar weniger juristische Probleme gibt, wenn es um Demonstrationsverbote oder so geht. Sind die "Ultraroten" einfach zu blöd, wĂ€hrend die "Tiefbaunen" ganz genau wissen, bis wohin sie gehen dĂŒrfen? FĂ€llt bei "Links" automatisch die Messlatte eine Etage runter? Ich glaub schon. Beweisen kann ich's (natĂŒrlich) nicht.

Dass ein erneutes Scheitern eines Verbotsversuches hochgradig kontraproduktiv wĂ€re, ist wohl klar. Aber – unabhĂ€ngig vom Kontrolleffekt, den LuMen da ansprach – wĂŒrde ein Verbot am Problem nicht wirklich was Ă€ndern. Solange "solche" im Volk genug UnterstĂŒtzung haben, wird sich braunes Gedankengut Bahn brechen.
Eine legale Partei kann da wie ein Überdruckventil sein – "die" haben den Eindruck, Einfluss nehmen zu können. Schlimm wird's, wenn "die" damit Recht behalten.
Aber auch ohne legales Sprachorgan: Wenn braunes Gedankengut so weit verbreitet ist, wie es das nun mal ist, wird jede Partei, die gewĂ€hlt werden will, ZugestĂ€ndnisse in dieser Richtung machen mĂŒssen. JEDE Partei, die auch nur ein Quentchen Macht erlangen/behalten will. Sie wird es nicht so sagen, wird "vernĂŒnftige Argumente" bringen. Und vielleicht sind die Argumente ja sogar vernĂŒnftig , aber nur wenn sie in der Konsequenz ins "Bild der Volksmeinung" passen, sind sie öffentlich diskutabel. Dass dabei beim "einfachen Mann" nur selten wirklich die Argumente ankommen, leugnet wohl niemand mit einem halbwegs intakten Sinn fĂŒr RealitĂ€t.
Beispiel: Welche Argumente Politik und Rechtssprechung auch immer fĂŒr die Einwanderungskontrolle anfĂŒhren – die heftigsten BefĂŒrworter jeder EinwanderungsbeschrĂ€nkung werden die AuslĂ€nderfeinder sein. Und davon gibt es so viele, dass jeder, der das Thema anspricht, sofort (nahezu) alle Aufmerksamkeit hat. Dort – im Zentrum dieser Aufmerksamkeit – entscheidet sich, ob er "toll" ist, weil er "dem Volk" nach dem Munde redet oder ihm zumindest nicht widerspricht. Diese Effekt hat in unserer Mediengesellschaft zugenommen und wird wohl noch weiter zunehmen. Und das heißt: Wenn es unten braun ist, wird auch oben jede Farbe zumindest braunstichig werden.

Es ist einfach, ein Verbot zu fordern. Das nimmt uns aus dem Schneider, weil wir nun mal fĂŒr Parteiverbote nicht zustĂ€ndig sind. Und es klingt nach einer sicheren Lösung. Aber das Problem ist nicht diese Partei. Das Problem ist der Boden, auf dem sie steht. Den mĂŒssen wir beackern. Alle.

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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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liebermann
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2005

Werke: 7
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Verbot ist am Verfassungsschutz gescheitert!

Eine der GrĂŒnde fĂŒr die Ablehnung des Verbotsantrages war der, dass eingeschleuste Mitarbeiter vom Verfassungsschutz selbst die grössten Aktivisten waren, unter anderem als gewĂ€hlte Mitglieder in LandesvorstĂ€nden und im im Bundesvorstand der Partei. Sie riefen zu Demos und Straftaten auf. Kriminelle bekamen so finanzielle UnterstĂŒtzung durch den Verfassungsschutz! Ein klassisches Beispiel dafĂŒr, wie sich eine Behörde selbst beschĂ€ftigt. Erst wird das Feuer gelegt, welches man eigentlich austreten möchte.

Noch eines: es muss möglich sein auch solche Meinungen zu Àussern, ob sie einem passen oder nicht. Wenn wir nÀmlich anfangen Meinungen zu verbieten, bekommen wir bald den totalitÀren Staat, den angeblich alle verhindern wollen.
__________________
We believe in god but we don't trust him. [Laibach]

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MDSpinoza
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2004

Werke: 197
Kommentare: 1253
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Eins der wesentlichen Probleme beim Versuch, die NPD zu verbieten war die FĂŒhrung derselben durch Mitarbeiter diverser LandesĂ€mter fĂŒr Verfassungsschutz. Ohne die tatkrĂ€ftige UnterstĂŒtzung ausgerechnet der Behörden, die doch angeblich dafĂŒr sorgen sollten, daß diese Partei nicht existiert, wĂ€re die NPD schon lange an ihrer eigenen Inkompetenz zugrunde gegangen.
HĂ€hĂ€, wieder einmal ein Beispiel dafĂŒr, daß der freie Markt besser funktioniert als jede Staatliche Kontrolle und Planung. Ich habe mich jedenfalls ĂŒber die Berichterstattung beim NPD-Prozeß kaputtgelacht.
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Lieber ein verfĂŒhrter Verbraucher als ein verbrauchter VerfĂŒhrer...

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