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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Lesen formt
Eingestellt am 22. 12. 2004 16:52


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Warui
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2003

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Ich las gerade einen Text.
Obwohl moment, das ist eigentlich schon falsch, denn wenn ich lese, dann w√ľrde nur ich das als lesen bezeichnen, jeder Andere als aufmerksames Wachkoma. Nundenn, ich sa√ü also gerade tempor√§r im angeregten Wachkoma, meine Umwelt versank in der Bedeutungslosigkeit, um schlie√ülich ganz zu verschwinden. Das w√§re also gekl√§rt!
Doch was stand eigentlich in diesem Text? Zuersteinmal muss man wohl erwähnen, dass es nicht einfach nur ein Text war, sondern ein prosaisches Werk, allgemein auch als Kurzgeschichte bekannt. Dero gibt es ja nun mehr als genug und doch beginne ich sie immer mehr zu lieben:
Wo das Haiku ein Gl√ľhw√ľrmchen im Park, da ist das Gedicht der Schmetterling, der sich einem auf die Wange setzt, w√§hrend man in der Abendd√§mmerung im feuchten Gras liegt. Ein unvergesslicher Moment in der Tat, doch auch unheimlich fragil, ich m√∂chte ihn beinahe blau nennen. Jedoch wenn man nach Hause gegangen ist, schon aufgeh√∂rt hat, dem Nachtfalter nachzutrauern, ja ihn bereits vergessen hat, da kommt der liebgewonnene Zaungast vorbei, und damit meine ich keinen Nachbarn, die gibt es im dritten Stock n√§mlich gar nicht. Zumindest nicht hinter Z√§unen. Nein, ich rede tats√§chlich von dem Vogel, der zu meinem Fenster r√ľberfliegt, von wo auch immer, wenn ich mich herauslehne, schon ein paar Samenk√∂rner in der Hand. Ich weis inzwischen gar nicht mehr, wann wir damit angefangen haben, aber es ist irgendwie tr√∂stlich, irgendwie niedlich ... nunja.
Aber ich weiche vom Thema ab.
Der Text an sich handelt von einem Versager. Jedenfalls behauptet er das von sich selbst. Als Leser l√§chele ich ein wenig, man ist ja nachsichtig mit den etwas Schw√§cheren, ihnen soll doch angeblich das Himmelreich sein, wenn es denn mal kommt, da will man es sich doch nicht mit ihnen verderben! Seis drum, ich sammele ein wenig VorSympathie f√ľr die arme Seele, die da ihr Leid klagt, um mich dann gewappnet gegen die vielf√§ltigen Widrigkeiten des reflektierten, fiktiven Lebens in den Solidarit√§tskampf zu st√ľrzen. In der Tat ein tragisches Schicksal, das die arme Kreatur hat schielend zur Welt kommen lassen. Die erzieherischen und √§rztlichen Ma√ünahmen folgen nat√ľrlich auf dem Fu√ü, man hat doch schlie√ülich verst√§ndnisvolle Eltern. Bedauerlich nur, wenn diese zuerst mal ihre eigenen Agressionen und Phobien austoben m√ľssen, und das in selbstverst√§ndlichster Art und Weise an einem der wenigen Wesen, das oft genug in ihrer N√§he ist. Wie jedes Drama hat auch dieses ein ein etwas h√ľstelndes Ende, der Vater verschwindet auf Nimmerwiedersehen und die Mutter widmet sich mit neuem Flei√ü neuen Traumata. Diese bringen sie (der Lauf des Schicksals scheint tats√§chlich manchmal dem Pfad der Logik und Menschlichkeit zu folgen, oder nicht?) auch mehr fr√ľher als sp√§ter hinter GummiGitter und der Rest der Familie darf sich an dem Kind austoben.
Neben den privaten Kom√∂dien und Dramen bahnen sich nun auch die staatlichen an, eine Lehrerin, die ihr Heil lieber mit einem anderem Lehrer als mit ihrem Sch√ľler sucht, und √§hnlichen Episoden. Ich als Leser kann in solchen F√§llen nat√ľrlich humanerweise noch ein wenig mehr Mitleidsdosen aufmachen und meinen Vorrat langsam der Neige zugehen lassen. Man f√ľhlt sich ein wenig besser, man schnauft etwas auf, es gibt tats√§chlich welche, die hat es noch √§rger erwischt. Die haben neben den Bombenkratern in K√ľche und Wohnung auch noch einen beachtlichen Haufen an ungewaschener W√§sche. Ich kann mich nur zum Kauf meiner Waschmaschine begl√ľckw√ľnschen. Das macht einen etwas zufriedener und weil ich davon selten genug kriegen kann, lese ich auch begierig das Ende, um zu erfahren, dass der Protagonist es noch nicht einmal als Problem empfindet. "Danke, ich kann nicht klagen", sagt er. Und er ist auch noch von der Wahrheit dieser Aussage √ľberzeugt. Sie scheint sogar wahr zu sein. Er "kann es einfach nicht".
Und irgendwie verblasst der Glanz um mich herum und ich bekomme Gänsehaut und auch ein wenig Angst vor der Zukunft und dem Leben an sich. Und ich brauche ein Taschentuch.

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Falls das f√ľr den Leser interessant ist, die Kurzgeschichte, die Ansto√ü und Inspiration war, ist von freifrau von l√∂we und auf ihrer Homepage nachzulesen ("Liebe und andere Peinlichkeiten")

Mata ne
Warui
__________________
Ever tried? Ever failed?Try again! Fail better!(Samuel Beckett)

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