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Leselupe.de > Gereimtes
Lesesüchtig
Eingestellt am 13. 06. 2010 23:05


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kakadu
???
Registriert: Jun 2010

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Lesesüchtig

Höre ich den Wecker schrillen,
fänd ich leichter aus dem Bett,
wenn ich doch um Himmelswillen
nicht so lang gelesen hätt!

Doch ich kann es halt nicht lassen,
und nach einer solchen Nacht
sind so an die sieben Tassen
Muntermacher angebracht.

Während ich die Stullen schmiere,
höre ich auf Seite drei
schlecht geölte Schrankscharniere,
dann den ersten Hilfeschrei.

In der einen Hand das Messer,
in der andern den Roman,
geht es mir allmählich besser,
doch ich muss zur Straßenbahn.

Ach, ich hasse diese Wege,
weil es mir den Spaß verdirbt,
kommt ein Depp mir ins Gehege,
kurz bevor der Pater stirbt.

Wenn ich das Büro erreiche,
bleibt mir wieder nichts erspart,
und ich widme mich der Leiche
erst auf der Nachhausefahrt.

Ausgehungert und entkräftet
greife ich zum Proviant.
Meinen Blick aufs Buch geheftet,
schmeckt der Bleistift nach Krokant.

Schweißgebadet konzentriere
ich mich auf die Obduktion,
und bevor ich’s registriere,
bin ich an der Endstation.

Na, dann folge ich dem Täter
halt zu Fuß und ohne Stopp
einen halben Kilometer
bis zum nächsten Büchershop.

Weil sie mich da gerne sehen,
lassen sie mich auch noch rein.
Ohne Buch ins Bett zu gehen,
fiele mir im Traum nicht ein!

Version vom 13. 06. 2010 23:05

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JackoF
???
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Hallo kakadu,


welch eine lebendige Hommage an das Bücherlesen("süchtige" Lesen generell) ist Dir da gelungen.

Ein jeder, der gerne liest, kann sich irgendwie, irgendwo, in Deinem hier erzählten Tagesablauf dieses "Lesesüchtigen",
wiedererkennen,
sich so ab und an erwischt fühlen,
und dann dieses Schmunzeln, was einen zwangsläufig hierdurch immer wieder ereilt.
Sauber alternierend geschrieben im PaarReim

Ab und an hätte ich es ein wenigst kürzer gehalten(klar nur mM :-)) )

Ich hoffe, Du verzeihst mir, wenn ich mal meine spontanen Gedanken/Kritteleien beim Lesen kurz folgend anführe - einfach so :-)))

Guck doch mal :


Lesesüchtig

Höre ich den Wecker schrillen,
fänd ich leichter aus dem Bett,
wenn ich doch um Himmelswillen
nicht so lang gelesen hätt!

Doch ich kann es halt nicht lassen. ..............<= Punkt
Denn/Klar, nach einer solchen Nacht
sind schon an die sieben Tassen
Muntermacher angebracht.

Während ich die Stullen schmiere,
höre ich auf Seite drei
schlecht geölte Schrankscharniere
und den ersten Hilfeschrei.

In der einen Hand das Messer,
in der andern den Roman,
Seele fühlt sich schon viel besser. ...............<= Punkt
Zeit, ich muss zur Straßenbahn.

Und ich hasse diese Wege,
weil’s mir oft den Spaß vermiest. .................<= Punkt
Tölpelt jemand mein Gehege,
als der Mönch den Papst erschießt.

Wenn/Falls ich das Büro erreiche, .......<= diesen Spaß würde ich mir gönnen :-)))
bleibt mir weiter nichts erspart,
erst die Arbeit, dann die Leiche
gleich auf der Nachhausefahrt.

Ausgehungert und entkräftet
greife ich zum Proviant.
Meinen Blick aufs Buch geheftet,
schmeckt der Bleistift nach Krokant.


Endlich wieder konzentriere
ich mich auf die Obduktion. ........................<= Punkt
Doch bevor ich’s registriere,
bin ich an der Endstation.

Na, dann folge ich dem Täter
halt zu Fuß und ohne Stopp
einen halben Kilometer
bis zum nächsten Büchershop.

Brauch ein Neues! Gern gesehen,
lassen sie mich dann noch rein.
Ohne Buch ins Bett zu gehen,
fiele mir im Traum nicht ein!

Habe mich einfach mal so reinfallen lassen,
vielleicht passt ja ein Hubberle in Deinen Gedankengang :-)))


kakadu,

Dein, dieser Tagesablauf hat mich sehr erfrischt amüsiert,
und
sage Dir ein schmunzelndes Lese-Tschüss, Jacko

--

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kakadu
???
Registriert: Jun 2010

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Hallo Jacko!

Danke für Dein ausführliches Feedback! Ich freu mich, dass Dir mein Gedicht gefallen hat. Für die meisten Deiner Vorschläge kann ich mich allerdings überhaupt nicht begeistern. Einige sind für meinen Geschmack keine echten Verbesserungen, andere torpedieren meine sorgsam ausgetüftelten Pointen und dass du es fertig bringst, eine der m.E. besten Strophen zu streichen, haut mich fast um.:-))

Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich der Humor bei verschiedenen Menschen sein kann!

Die Schwachstellen in dem Gedicht sind meiner Meinung nach:

Strophe 1- irgendwie muss ich ja einsteigen, aber das Gelbe vom Ei ist es wohl noch nicht.

Das betonte "und" in S2/Z2- hier gibt es vielleicht eine bessere Möglichkeit, den Satz kakadumäßig weiterzuführen, evtl. mit einem "ach" oder einem anderen "Seufzer". Das "denn" wäre hier sinnentstellend und das "klar" passt nicht so ganz zur Sprache des LI.

Das "dann" in S4/Z3 ist zugegebenermaßen dem Metrum geschuldeter Ballast.

Was mich am meisten stört, ist die Dopplung von "wenn" in S5/Z4 und S6/Z1. Hier bin ich noch auf der Suche nach einem einsilbigen Arbeitsplatz, so dass S6/Z1 etwa so lauten könnte:

Kaum dass ich den (die, das) ... erreiche,

Worauf ich großen Wert lege, ist eine natürliche, auf das jeweilige LI zugeschnittene Sprache ohne Inversionen und Ellipsen. Das wird sicher einiges erklären. Wenn Du magst, kann ich bzgl. Deiner Vorschläge gerne noch weiter in Detail gehen, erstmal lass ich's dabei.

Schön, dass Du bei mir zu Besuch warst und nichts für Ungut! Ich habe mich ehrlich über Dein Mitmachen gefreut.



Hallo Rose!

Danke für's Reinschauen und Loben! Schön, dass es Dir gefallen hat!


Liebe Grüße Euch beiden
Claudia

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kakadu
???
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Hallo Estrella!
Hallo Paloma!


Danke fürs Reinschauen und Eure positive Rückmeldung!


Hallo Jacko!

Ich hab mir überlegt, jetzt zur Wenn-Vermeidung doch auf die schöne Assonanz
Spaß/Papst zu verzichten und Strophe 5 wie folgt zu ändern:


Ach, ich hasse diese Wege,
weil es mir den Spaß verdirbt,
kommt ein Depp mir ins Gehege,
kurz bevor der Pater stirbt.


Damit wäre dann auch Dein "Tölpel" sinngemäß mit eingeflossen. Danke dafür!
Der Pater soll vorläufig als Platzhalter dienen, möglicherweise lässt sich noch ein
passenderes Opfer finden.


Euch allen einen schönen Tag!

Liebe Grüße
Claudia

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JackoF
???
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Hallo Claudia,

na, da habe ich mir ja was geleistet - mit meinen Ideen :-))) / Du weißt ja, habe mich einfach nur reinfallen lassen.....

Nun zu Deinem Vorschlag zur 5. Strophe :

Deine neue Variante :

Ach, ich hasse diese Wege,
weil es mir den Spaß verdirbt,
kommt ein Depp mir ins Gehege,
kurz bevor der Pater stirbt.

---------------------------------------

Ehrlich - die alte Variante gefällt mir von der Spritzigkeit besser - warum gefällt Dir dieses „als“ anstelle von „wenn“ nicht ? / Zumal ich meine, dass hier sowieso ein „wenn“ kausal nicht richtig ist,
sondern ein „als“ es sein müsste(aber bitte, hau mich jetzt nicht :-((((( )

Und mit dem „als“ ist diese „wenn“-Problematik sowieso weg.

Alte Strophe mit „als“ :

Und ich hasse diese Wege,
weil es mir den Spaß vermiest,
kommt mir einer ins Gehege,
als der Mönch den Papst erschießt.

-------------------------------------------------------------

Und - zu meinen Vorschlägen bezüglich der drittletzten und letzten Strophe hast Du noch nichts gesagt ???
Sind die ebenso so mies ????

Schweißgebadet konzentriere
ich mich auf die Obduktion. ........................<= Punkt
Doch bevor ich’s registriere, ....................<= „doch“ / „und“
bin ich an der Endstation.

und :

Brauch ein Neues! Gern gesehen ...<= Orig: Weil sie mich da gerne sehen,
lassen sie mich dann noch rein. .....<= Orig: lassen sie mich auch noch rein.
Ohne Buch ins Bett zu gehen,
fiele mir im Traum nicht ein!


So, Claudia,
wieder ein Tschüüüüüss, Jacko

--

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kakadu
???
Registriert: Jun 2010

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Hallo Jacko!

Was Du (Dir) geleistet hast? Einen sehr ausführlichen Kommentar, für den Du Dir ordentlich Zeit genommen hast und richtig ans Eingemachte gegangen bist, wie ich es an Dir schätze! Ich freu mich darüber und hoffe, dass wir uns solche echte Textarbeit noch oft leisten.

quote:
Und ich hasse diese Wege,
weil es mir den Spaß vermiest,
kommt mir einer ins Gehege,
als der Mönch den Papst erschießt.
Der Papst gefällt mir, ehrlich gesagt auch besser als der Pater. Nur mit einem "als" kommt er für mich nicht infrage. Vielleicht liegt es am regionalen Sprachgebrauch, für mich klingt "als" in diesem Zusammenhang falsch, außerdem spricht sich das "Wenn" besser. Ich drehe den Satz mal sinngemäß um, vielleicht wird es da klarer.

(Immer) wenn was Spannendes passiert, kommt mir einer ins Gehege.
"Als" funtioniert bei mir nur bei einer einmaligen Handlung in der Vergangenheit.

Mal sehen, vielleicht gebe ich mich weiterhin mit dem doppelten "wenn" zufrieden oder die schreibe die nachfolgende Strophe um.


quote:
Schweißgebadet konzentriere
ich mich auf die Obduktion. ........................<= Punkt
Doch bevor ich’s registriere, ....................<= „doch“ / „und“
bin ich an der Endstation.

Hier geht es um das geschickte Pointieren. Die Leser (Hörer) sind bei der Obduktion, und der Satz geht ohne Punkt mit "und" weiter. Da wird jetzt irgendwas bemerkt (registriert). Was? Das kommt als überraschende Wendung erst in Zeile 4. Mit dem "doch" würde ich bereits darauf hinweisen, dass da was im Busch ist.

Davon lebt ja das Gedicht, vom Tempo und den unvorhergesehenen Ereignissen. Klar, hier nur eine Winzigkeit, aber immerhin. Aus dem gleichen Grund schreibe ich auch nicht: Falls ich das Büro erreiche.
Es wär schon ein Gag, der aber für Sekundenbruchteile ablenkt, weil er den Präzipienten sozusagen eine Weggabelung anbietet. Nein, sie sollen mir ins Büro folgen (und nicht möglicherweise eine kleine Enttäuschung erleben, weil das LI nun doch zur Arbeit geht).

quote:
Brauch ein Neues! Gern gesehen ...<= Orig: Weil sie mich da gerne sehen,
lassen sie mich dann noch rein. .....<= Orig: lassen sie mich auch noch rein.
Ohne Buch ins Bett zu gehen,
fiele mir im Traum nicht ein!
Dass das LI ein neues Buch braucht, wird ja spätestens in Zeile 4 klar. Aber dass es in der Buchhandlung gern gesehen wird, ist, finde ich, noch eine nette Anspielung auf den enormen Bücherkonsum.
Das "auch" ist wohl wieder eine regionale Geschichte. Soll heißen:
eigentlich wollten sie schon schließen... Kennst Du nicht dieses "auch", das eine besondere Großzügigkeit ausdrückt? (Weil Du so brav bist, bekommst Du auch ein Eis)

Die ca. sieben Tassen Kaffee wollte ich als ganz selbstverständlich erwähnen und nicht durch "schon" extra betonen.

So, Jacko, jetzt hast Du vielleicht einen besseren Einblick in die geheimen Windungen meiner Gehirnzellen und meine Art von Humor. Schön, dass Du wieder so interessiert dabei warst. Und wie gesagt:
immer raus mit der Sprache, nur kein Blatt vor den Mund nehmen!

Liebe Grüße
Claudia

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