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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Lesungen I
Eingestellt am 21. 11. 2005 06:47


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Brakwaater
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2003

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Lesungen. Ich hasse sie. Doch das ist der Preis dafĂŒr, wenn man in einem winzigen Zweimann - Verlag veröffentlicht, der kein Geld fĂŒr Werbung hat. Die einzige Möglichkeit, seine Werke ein wenig bekannt zu machen. Gut, ich kann mich nicht beklagen, die Verkaufszahlen nach jeder Lesung sind ĂŒberwĂ€ltigend, fast doppelt so hoch, wie normalerweise. Das war nicht immer so, erst nach einer harten Schulung durch die Agentin, die diese Veranstaltungen betreut.
Ich tröste mich damit, dass es mindestens zwei Dinge gibt, die schlimmer sind, als Lesungen. Das sind Lesungen fĂŒr lĂ€rmende Kinder und Lesereisen. Der Trost ist schwach, denn eine Lesereise steht nĂ€chsten Monat wieder an, durchzuckt es mich. VerĂ€rgert trete ich das Gaspedal bis zum Bodenblech durch – ich habe es mal wieder geschafft, mir meine Laune selber nachhaltig zu versauen!
Mein Blick fĂ€llt auf den Schilderwald am Straßenrand und schnell nehme ich den Fuß wieder vom Gas. Zum einen war ich gut achtzig Stundenkilometer zu schnell, zum anderen erwartet mich in einem Kilometer die heiß ersehnte RaststĂ€tte. Mal wieder zu viel Kaffee, der seine Wirkung zeigt und es mir recht ungemĂŒtlich macht.
Als ich die RaststĂ€tte verlasse und wieder zum Auto gehen will, spĂŒre ich eine Hand auf meiner Schulter und eine Stimme, die meine Hormone Tango tanzen lĂ€ĂŸt, fragt mich: „FĂ€hrst du in Richtung Frankfurt?“
Eine weibliche Stimme, so viel ist klar. Doch keine gewöhnliche. Sie klingt, als habe die Besitzerin ihr ganzes Leben lang nichts anderes getan, als den schmutzigsten Jazz zu singen, den es auf dieser Welt gibt. Tief, rauchig, mit Vibrationen ĂŒber die ganze Klangskala. Langsam drehe ich mich um und mustere die Sprecherin. Sie ist hoch gewachsen und, soweit man das unter den dicken Klamotten erkennen kann, schlank, fast zierlich. Kampfstiefel, eine Tarnhose, darĂŒber ein zerschlissener Parka, an dem man die Stellen erahnen kann, wo mal AufnĂ€her befestigt waren. Verdammt viele AufnĂ€her. Die Kapuze ist tief ins Gesicht gezogen und verdeckt Augen und Nase fast vollkommen. Darunter ein Mund mit so vollen Lippen, dass ich mir augenblicklich wĂŒnsche, die wĂŒrden sich eng um meinen besten Freund schließen, der in meiner Körpermitte gerade aufsteht. Am Rand der Kapuze lugt eine zottelige blonde StrĂ€hne hervor. Meine Betrachtung hat wohl unangemessen lange gedauert, denn sie verzieht ihren Mund zu einem spöttischen Grinsen und wiederholt ihre Frage. Da ich fĂŒrchte, meine Stimme könnte zittern, nicke ich nur und mache mich auf den Weg zu meinem Auto. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie sie mir folgt. Am Auto angekommen, öffne ich den Kofferraum, damit sie ihren prall gefĂŒllten Seesack hinein werfen kann. Ein weiteres spöttisches Grinsen – die Spielwiese im Heck des Transporters hat offensichtlich eine ziemlich zweideutige Wirkung. „Hey, ich hab‘ mir den Wagen von ‚nem Freund geliehen, ich kann nix dafĂŒr“, druckse ich herum.
„Schon gut“, entgegnet sie, „bin ja froh, dass du mich mitnimmst. Zu den reichen fetten SĂ€cken in ihrem Familienbenz will ich nicht einsteigen, genauso wenig zu den Truckern und die braven Spießer wollen mich alle nicht mitnehmen.“
Wow, diese Stimme bringt mich um den Verstand. Ich wĂŒnsche mir, sie wĂŒrde erst aufhören, zu reden, wenn wir nackt und eng umschlungen auf der Matratze im Kofferraum liegen. Doch sie geht wortlos zur BeifahrertĂŒr und klettert in den Bus. Mir bleibt nichts anderes ĂŒbrig, als meinen Platz auf dem Fahrersitz einzunehmen und los zu fahren, wenn ich nicht eine peinliche Situation herauf beschwören möchte.
Die Unbekannte schaut sich prĂŒfend im Wagen um, ihr Blick bleibt schnell an dem alten gammeligen Radio in der Mittelkonsole hĂ€ngen. Ein SchĂ€tzchen, wie es in den Siebzigern serienmĂ€ĂŸig in Autos eingebaut wurde, mit Drehreglern und Stationstasten. Sie runzelt die Stirn und murmelt: „Na, das wird ja eine heitere Fahrt. Ein schĂŒchterner Stotterer und krĂ€chzende Musik...“.




Den Rest nuschelt sie so leise, dass ich nichts verstehe. Ich kann nicht widerstehen, ein wenig anzugeben und drĂŒcke einen kleinen Knopf am Lenkrad. Der grĂ¶ĂŸte Teil der Mittelkonsole klappt surrend hoch und gibt den Blick frei auf eine Musikanlage von bestimmt 2000 Euro. Sie hat inzwischen die Kapuze abgezogen, so dass ich sehe, wie sie eine Augenbraue hochzieht. Sie kramt kurz in ihrem Rucksack, dann schiebt sie, ohne zu fragen, eine selbst gebrannte CD in den Player. WĂ€hrend ein einsames Saxophon erklingt, pellt sie sich aus ihrem Parka. Ich bin schlagartig froh, dass ich gerade hinter einem LKW her krieche und meine innerhalb von Sekundenbruchteilen nicht mehr vorhandene Konzentration nicht so fatal ist, wie sie es bei Vollgas wĂ€re. Die Unbekannte – sie hat sich nach zehn Minuten immer noch nicht vorgestellt – enthĂŒllt eine tief ausgeschnittene Bluse, die ganz offensichtlich keinem anderen Zweck dient, als die vollen BrĂŒste zu betonen, die darin ruhen. Das DekolletĂ© ist so tief, dass die Warzenhöfe gerade eben noch verborgen sind.
Ich bin wohl ein wenig zu tief in meine Betrachtungen versunken, denn in diesem Moment höre ich das charakteristische Rattern, das die Reifen auf der geriffelten Begrenzungslinie des Standstreifens verursachen. In den Lautsprechern scheppert der erste Ton eines heftig angeschlagenen Schlagzeugs und ich höre ihre Stimme doppelt. Zur selben Zeit, als sie im Radio beginnt, zu singen, sagt sie neben mir: „Wenn dieser Anblick es wert ist, zu sterben, dann schau weiter. Sonst wĂ€re ich dir sehr verbunden, wenn du deinen Blick wieder auf die Straße richten wĂŒrdest.“
Ihre Stimme trieft vor Sarkasmus. Hastig schaue ich wieder nach vorne, doch ich kann nicht widerstehen, immer wieder aus dem Augenwinkel in ihren tiefen Ausschnitt zu spĂ€hen. Meine kaum noch vorhandene Konzentration schwindet sekĂŒndlich weiter. Die Stimme im Radio singt in einer Sprache, die ich nicht einmal vom Klang her erkennen könnte. Doch das ist auch gar nicht nötig. Die Melodie sagt alles. So sicher, wie das Amen in der Kirche, erzĂ€hlt diese Stimme von heißer Liebe! Man kann am Klang spĂŒren, wie die Stimme von zwei Körpern berichtet, die im völligen Einklang miteinander verschmelzen.
Noch wĂ€hrend ich diesen Gedanken im Kopf habe, spĂŒre ich, wie sich eine Hand sanft auf meinen Oberschenkel legt und dort zart kleine Kreise malt. Ich wage einen kurzen Blick – ich trĂ€ume nicht. Die Hand ist tatsĂ€chlich da und wandert in kleinen Kringeln immer höher! ‚Na gut‘, denke ich, ‚was du kannst, kann ich auch!‘
Doch kaum berĂŒhrt meine Hand ihren Oberschenkel, wird sie sanft zum Lenkrad zurĂŒck dirigiert, wĂ€hrend die andere inzwischen in meiner Leiste angelangt ist. Mein zweiter Versuch wird ebenso sanft abgewehrt und ich sehe ein, dass es zwecklos ist. Das ist dann auch mein letzter klarer Gedanke, denn die Hand hat sich soeben zart in meinen Schoß gelegt. Die Erektion, die schon begonnen hatte, zu wachsen, als mein Bein zum ersten Mal die Hand gespĂŒrt hat, wird immer hĂ€rter. ‚Ich glaube, ich kann jedem StahltrĂ€ger Konkurrenz machen‘, denke ich. Nein, der Gedanke kam mir bei genauer Überlegung erst viel spĂ€ter. In dem Moment habe ich sicherlich nichts gedacht! Ich ahne mehr, als ich es wirklich spĂŒre, wie die Hand in meinem Schoß mit sanften Massagebewegungen beginnt. Doch plötzlich geht in dem Moment, als die Hand verschwindet, die Musik aus und eine schneidende Stimme holt mich in die Wirklichkeit zurĂŒck, wie es ein Schwall kalten Wassers nicht besser gekonnt hĂ€tte: „Ich glaube, es ist gesĂŒnder fĂŒr uns beide, wenn du mal da vorne auf den Parkplatz fĂ€hrst!“
Da sitzt sie, die Anhalterin, die ich bei meiner letzten Pause aufgelesen habe. StrĂ€hnige, schwarze Haare, eine Brille mit GlĂ€sern, dick wie Glasbausteine. Ein bis zum Kinn zugeknöpfter, schĂ€biger Lodenmantel, eine unzĂ€hlige Male geflickte Kordhose und abgestoßene Wanderstiefel, die schon 1875 aus der Mode waren. Kaum kommt mein Auto zum Stillstand, als die Anhalterin fluchtartig hinaus springt. Nachdenklich stelle ich den Motor ab und sinniere, was wohl vorgefallen ist. Die Anhalterin war real, das Lied im Radio ebenso. Aber den Rest muß ich wohl getrĂ€umt haben, meine Fantasie angeheizt von der sinnlichen Stimme der SĂ€ngerin.
Da sitze ich nun, mit einer gewaltigen Erektion, die so real ist wie dieser Song. Meine Konzentration ist genau so beim Teufel wie in diesem wunderbaren Tagtraum. Ich danke dem Schicksal dafĂŒr, dass mein Freund zwischen den Vordersitzen und der Spielwiese eine undurchsichtige Trennscheibe eingebaut und den ganzen hinteren Teil des Busses mit undurchsichtiger Folie beklebt hat. So kann ich unmöglich weiter fahren, ich muß jetzt und hier etwas gegen meine Erregung tun! Ich klettere nach hinten und wĂŒhle mich durch die umfangreiche Sammlung erotischer Filme, die dort in einem Regal stehen. Von Pornos hĂ€lt er nichts, die findet er zu primitiv.
In dem Moment, als ich den Film einlegen will, um mir Erleichterung zu verschaffen, klopft es an der Heckklappe. Ich schaue hinaus und dort steht... die fleisch gewordene Lust! Noch wĂ€hrend die Klappe langsam hoch gleitet, fragt sie: „Kann ich dir zur Hand gehen?“
Mit einem Schlag ist meine Erregung verschwunden. Nicht nur diese Stimme, die so gekĂŒnstelt erotisch klingt, bewirkt das, sondern auch die Erkenntnis, die mich ĂŒberfĂ€llt, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ich bin reingefallen! Irgendwann, auf einer Lesereise, habe ich wĂ€hrend der Wartezeit mal in einem dieser billigen Schmuddelhefte geblĂ€ttert, die sich Illustrierte nennen, in Wirklichkeit aber eher schlecht getarnte Soft - Pornos sind. Ich habe noch nie geglaubt, was in diesen Heftchen stand, also auch nicht diesen Artikel. Doch es scheint ausnahmsweise wahr zu sein. Ein Lockvogel macht den arglosen Autofahrer unterwegs heiß, lotst ihn auf einen kaum genutzten Autobahnparkplatz und steigt dann aus. Und wenn der arme Kerl dann nicht weiß, wohin mit seiner Erregung, bietet eine Prostituierte an, Abhilfe zu schaffen. Schade nur, dass ich in meiner wilden Jugend zweimal bei solchen „Damen“ war und damals beschlossen habe, dass es kein drittes Mal geben muß!
WĂŒtend steige ich aus, schlage die Heckklappe zu, setze mich auf den Fahrersitz und brause los. So brutal aus einem wunderschönen Tagtraum und der darauf folgenden Erleichterung gerissen zu werden, ist schlimm genug. Noch schlimmer, dass ich wohl nie erfahren werde, wie viel von meinem Erlebnis real war und wie viel reine Fantasie. Aber nun werde ich auch noch zu spĂ€t zu meiner ersten Lesung kommen und meine Agentin wird mir die Hölle heiß machen. Sie kann ja so ein Drachen sein!

__________________
Gibts gegen dein erbarmungsloses Walten,
Denn keine Macht, um dich in Furcht zu halten?
Dante, Zwanzigste Kanzone

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federchen66
AutorenanwÀrter
Registriert: Jun 2003

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Du Mann - ich Frau...

...liegt darin die Ursache fĂŒr die vielen Fragezeichen, die ich beim lesen deines Textes gesetzt habe?

FĂŒr mich als Frau ist zum Beispiel nicht wirklich nachvollziehbar, dass man(n) einzig durch den Klang einer Stimme derart in Wallung kommen kann.
Mehr noch, der Klang eben jener Stimme trĂŒbt offenbar die Wahrnehmung so sehr, dass man(n) in der doch eher ungepflegten, unansehnlichen Anhalterin die fleischgewordene Göttin der Lust zu sehen glaubt *zwinker*
War der Protagonist deiner Geschichte vielleicht schon vorher sozusagen latent erregt und brauchte nur noch diesen winzigen Kick?

Und dieses Auto... Also ich als KeinenFĂŒhrerscheinbesitzerin mag ja nicht wirklich viel Ahnung von Autos haben, aber TV und Video sind mir als Einbauten in PKW bisher nur in 'pimp my ride' begegnet *schmunzel*

Aber ich will nicht nur 'motzen'!
Was mir wirklich gut gefallen, mir zugegebenermaßen ein schadenfrohes Grinsen entlockt hat, war die Wendung der Handlung. Das las sich ziemlich 'lebensnah', wenngleich ich nicht behaupten könnte, je gehört zu haben, dass wirklich ein Mann in meinem Bekanntenkreis derartiges Erlebnis auf einem Parkplatz hatte. Aber ich kann mir eine solche Situation vorstellen, will heißen, ich kann diesen Teil deiner Geschichte nachvollziehen.

Zum Schluß sei mir die Frage gestattet, ob du an dieser Geschichte 'feilen' wirst?!

Lieben Gruß vom Federchen :-)
__________________
Wer am Tag trĂ€umt, wird sich vieler Dinge bewußt, die dem entgehen, der nur nachts trĂ€umt.Edgar Allan Poe

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Brakwaater
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2003

Werke: 29
Kommentare: 152
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Re: Du Mann - ich Frau...

quote:
FĂŒr mich als Frau ist zum Beispiel nicht wirklich nachvollziehbar, dass man(n) einzig durch den Klang einer Stimme derart in Wallung kommen kann.

Kommt scheinbar nicht deutlich genug rĂŒber, aber der Protagonist soll sich nicht bewußt sein, was nun Wirklichkeit und was Fantasie war. HAT die Anhalterin ihn nun begrabbelt oder nicht? Keiner weiß es...

quote:
Und dieses Auto... (...) aber TV und Video sind mir als Einbauten in PKW bisher nur in 'pimp my ride' begegnet *schmunzel*

Najaaa, zum einen ist es ja reine Fantasie - aber zum anderen habe ich schon Leute erlebt, die IM Armaturenbrett einen Mini-TV hatten :-)

quote:
Aber ich will nicht nur 'motzen'! (...)
Zum Schluß sei mir die Frage gestattet, ob du an dieser Geschichte 'feilen' wirst?!

Danke, das ist schön :-)
Und ich weiss noch nicht, ob und wann ich daran feile, mal schauen. Wenn's mich ĂŒberkommt, ergĂ€nze ich das Thema durch die ĂŒberarbeitete Version :-)

LG vom trĂŒben Wasser *g*


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