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Leselupe.de > Kurzprosa
Letzte Beichte
Eingestellt am 14. 11. 2011 17:34


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ulgess
Bl├╝mchendichter
Registriert: Sep 2011

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Das Ende des W. war absehbar, und so hatte man sich entschlossen, den Pfarrer kommen zu lassen, um dem Sterbenden die Krankensalbung oder, wie es zu der damaligen Zeit hie├č, die letzte ├ľlung geben zu lassen.
Der Pfarrer betrat das Krankenzimmer und bat die Anwesenden hinauszugehen, damit er vor der Salbung die Beichte abnehmen konnte.
W. machte das Kreuzeszeichen und begann leise, kaum h├Ârbar: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Pfarrer:Gott, der unser Herz erleuchtet, schenke dir wahre Erkenntnis deiner S├╝nden und Seiner Barmherzigkeit.
W., du wei├čt, dass dein Leben bald ein Ende hat. Du warst fr├╝her ein lustiger und immer beliebter junger Bursche, aber seit mehr als zwanzig Jahren wirkst du verschlossen, m├╝rrisch, warst oft ungerecht.
W. schweigt.
Pfarrer: Du stehst bald vor deinem Sch├Âpfer, da musst du vorher alle deine schweren S├╝nden bekennen.
W. (nach einer Weile): Ich habe ges├╝ndigt (wieder Schweigen)
Pfarrer: Bitte, mein Sohn, sprich, nur so k├Ânnen die S├╝nden vergeben werden.
W: Ich war es auf der Schwarztannenh├Âhe (geografischer Name ge├Ąndert).
Pfarrer: Du? Etwa Du? Im Jahr 1930?
W: Ich war zum Holzmachen.Da habe ich zuerst nur eine gesehen, nur eine.
Pfarrer: Es waren doch zwei!
W.: Ich wollte nichts Schlimmes... (Stocken, dann wieder Schweigen)
Pfarrer: schweigt auch, die H├Ąnde zittern,nach einer Weile: und dann?
W.: Dann habe ich die andere kommen sehen, sie hat mich zun├Ąchst nicht gesehen. Die erste habe ich dann in das Geb├╝sch gezerrt und den Mund zugehalten. Sie hat nichts mehr gesagt. Die andere kam, schrie. Ich habe dann die Axt genommen und zugeschlagen.
Pfarrer: beide gleich tot?
W.: Wei├č nicht, bin sofort weg.
Der Pfarrer wischt sich den Schwei├č von der Stirn. Nach einer Weile leise vor sich hinredend: Gott, barmherziger Vater, was mache ich? Dann laut zu W.: Du stehst bald vor Gottes Thron. Bereust du?
W.: Ich wollte, dass alle tot sind, ich, das ganze Dorf, und auch Gott, vor dessen Angesicht ich nicht treten will, und auch Jesus Christus, Maria und alle Heiligen.
Pfarrer: Steht auf, hebt fast drohend die Hand, setzt sich wieder und schweigt. Nach einer Weile: Ich frage dich wieder, ob du bereust.
W.: (leise, immer schw├Ącher) Ich bereue die Tat, ich bereue aber noch mehr, dass ich geboren wurde.
Der Pfarrer, leise, wei├č offensichtlich nicht, was er tun und sagen soll. Ein Reuegebet kann der Sterbende nicht mehr sprechen. Schlie├člich der Pfarrer: Ego te absolvo, tupft geweihtes ├ľl auf die Stirn und verl├Ąsst, ohne sich noch einmal umzudrehen, das Zimmer.
Im Dorf wurde berichtet, dass der Pfarrer schweigsam mit verst├Ârtem Gesicht das Sterbehaus verlassen habe.

Der Mord an den beiden Lehrerinnen aus Mannheim wurde letztendlich nicht aufgekl├Ąrt.
Staatarchiv in F., Bestand Landgericht.



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