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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Letzte Fahrt
Eingestellt am 10. 01. 2015 17:17


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Vagant
???
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Letzte Fahrt

Na dann. Die Luft ist feucht und weich. Ihm ist, als ob die herablassende Teilnahmslosigkeit, die die Siedlung in steingraue Watte hĂŒllt, in dem Moment ihren Anfang nimmt, in dem TĂŒr ins Schloss fĂ€llt und er nach draußen tritt: der Riss in der Mauer, die mĂŒde Farblosigkeit der NachbargrundstĂŒcke, das blassrote Stoppschild. Irgendwo bellt ein Hund, fern und gedĂ€mmt wie das Husten eines Kindes. Er denkt: Alles fĂ€hrt mit 3 km/h vorĂŒber und er bekommt's nicht geschissen aufzuspringen.
Langsam geht er durch den Erlenweg, biegt in die Ulmengasse und erreicht nach wenigen Schritten die sonst so lĂ€rmende Frankfurter, die jetzt, zwischen den Jahren, verlassen im Niemandsland der Vororte zu liegen scheint. Obwohl sich ihre Enden im Nebel verlaufen kommt sie ihm heute so lang vor, als hĂ€tte sie die Stille bis zur Unendlichkeit gestreckt. Er schaut sich um: Donnerwetter, im Dunst wirst du aus der Gegend nicht schlau. Der Blick auf die Uhr sagt: 9.35 Uhr, genug Zeit um es langsam angehen zu lassen. Eigentlich wollte er mit dem ersten Bus in die Stadt, aber er solle froh sein, sagte die Frau von der Zentrale, dass der 53'er heute ĂŒberhaupt fĂ€hrt. Ja fĂ€hrt, hallo hör'n Se mich? Aber nur neunfuffzig un zwölffuffzig rinn inne Stadt, mehr nich, hör'n Se? Warum schreit die so am Telefon? Und der Dialekt, ach nee. Stimme wie ein Radiowecker, furchtbar. Versteh'n Se, keen Mensch fĂ€hrt am 30. um sechsfuffzig inne Stadt; Ferien noch dazu. Hör'n Se mich? Wie, ja auch guten Rutsch. Muss wohl die Stellung halten, der Radiowecker, gute alte Seele, lebt allein, keinen Mann, kein Kind, Katze vielleicht, pussypussypussy. Ja, guten Rutsch! Wie, schon aufgelegt? Na da hört sich doch alles auf! Schnippische Person.

Nun geht er die Frankfurter in östliche Richtung hinauf. Neben ihm ruft eine Amsel. Von hinten hört er das Knattern eines Mopeds, Stimmen die kurz darauf wieder verstummen. Im Friseursalon warten ein junges MĂ€dchen auf die ersten Kunden. Sie ordnet HandtĂŒcher zu Stapeln die nun wie Journale in einem Lesesaal bereit liegen, richtet Karaffen aus, schaut nach draußen und nickt ihm kurz zu. Er nickt zurĂŒck.
Vorm Seiteneingang vom 'da Bruno' parkt ein weißer Lieferwagen. Er kann das Fabrikat nicht ausmachen. Lautlos verschwinden Kisten im fröstelnden Flur. Macht hin, denkt er. TĂŒr muss zu, 's wird kalt.

Nach einigen Metern bleibt er vor der Auslage von 'EP-Lehmann' stehen, schaut durch das Fenster, strahlt und meint, donnerwetter, so eine Heimkinoanlage möchte er auch gern haben. Er denkt: Ich könnte einen Teil von der Abfindung abzwacken. Der Gedanke wird durch das Schild in der TĂŒr, das sich in sein Sichtfeld schiebt, verdrĂ€ngt:
BETRIEBSFERIEN
vom 23.12.2014 bis 05.01.2015
WIR WÜNSCHEN UNSERER KUNDSCHAFT
EIN FROHES FEST
UND EINEN GUTEN RUTSCH INS NEUE JAHR.

Urlaub? Na denen geht’s gut. Wo nehmen die nur alle das Geld her? Na wen wundert's, bei den Preisen.
Er wechselt die Brennweite. Der handgeschriebene Zettel (haben die keinen Drucker?) verschwimmt mit den Nebeln und im Hintergrund materialisiert sich wieder der große Panasonic. Mensch, darfst dich nicht immer ablenken lassen! Aber in seinem Kopf kreisen nun die Gedanken: Abfindung, freigestellt, Konkurrenz; muss ich Ihnen leider mitteilen dass blablabla, die Lage blablabla, es mit dem Maschinenbau ohnehin bergab ginge blablabla, steil bergab, sag ich Ihnen. Stimme wie Kellerbeleuchtung, flackernd und spinnwebenverhangen; bemĂŒht sich um Betroffenheit der Clown. Juniorchef, komplizierte Geschichte.
Sie mĂŒssen verstehen; die Konkurrenz sitzt mir im Nacken und unseren Job macht ja eh bald der SchienĂ€se oder irgend so'n Bimbo.
SchienÀse? Arschloch, kann nicht mal richtig Deutsch.
Nein nein, in Ihr BĂŒro können Sie unter diesen UmstĂ€nden nun leider nicht mehr. Das verstehen Sie doch? Bleiben Sie doch mal bis Jahresende zu hause, Ihren Schreibtisch können Sie dann am 30. oder 31. noch ausrĂ€umen.
Blödmann, zeig's ihm gleich wer ihm im Nacken sitzt, aber so richtig; freigestellt, abgestellt, kaltgestellt, totgestellt.
Er denkt: Vergiss nicht, den SchlĂŒssel beim Pförtner abzugeben. In solchen Dingen war immer Verlass auf ihn gewesen. Langsam setzt er sich wieder in Bewegung.

Er ist in Gedanken, und obwohl er schon seit langem die Gewohnheit hat, das Aufkommen und Verwehen der Wolken und die die wechselnde Beleuchtung genaustens zu verfolgen, nimmt er nicht wahr, dass sich das Ende der Straße nun etwas lichtet.
16MnCr5
58-60 HCR
Eht = 0,5 + 0,3
gear smoothened

Gear smoothened - wie er den Klang dieses 'smoothened' doch immer gemocht hat. Ihm scheint nun, als setze alles Erinnern mit diesem 'smoothened' ein, des Geschliffen-Werdens, und als beginne fĂŒr ihn alles mit diesem Prozess des Zur-Erinnerung-Werdens, des Ankommens in dieser Welt, seines Werdens. Er ist nun ein wenig nervös als er weiter geht, ohne recht zu wissen weshalb.

50 Meter vor ihm hĂ€llt Christines blauer Toyota vor ihrem Laden. Sie steigt aus, schaut zu ihm und prustet los: „Oi oi, dir lassen sie aber auch keinen Tag Ruhe. Aber schön, dass wir uns nochmal sehen.“
Stimme wie'n neuer Zehneuroschein, knisternd, pergamentend; quĂ€kige Vokale und zieht's S nach wie ein lahmes Bein – hannoveraner Schule, aber fickt wie vom Dorf, frĂŒher jedenfalls; geht 'n bisschen auseinander, die liebe, den Weg allen Weiblichen; wer nochmal sagte das?
Er kĂŒsst sie; rechts, links, rechts und knabbert ihr beim letzten Rechts leicht am OhrlĂ€ppchen.
Sie lacht: „Bis zum letzten Tag. Die Friedhöfe sind voll mit Leuten die sich fĂŒr unverzichtbar hielten.“ Sie kneift ihn in die Wange, lĂ€chelt mokant.
Er reibt sich die geknuffte Stelle: „Ich muss zum Bus. Gibst du mir noch schnell 'ne BILD mit?“
„Na jedenfalls 'nen guten Rutsch“, sagt sie und gibt ihm noch einen schnellen Kuss auf den Mund.
Schmeckt wie frĂŒher, riecht wie frĂŒher, denkt er und sagt: „DonnerlĂŒttchen, da kriegt man ja Appetit. Dir auch 'nen guten Rutsch, und grĂŒĂŸ mir deinen Mann.“
„Ist gemacht.“
Ihre Fröhlichkeit stĂ¶ĂŸt ihn ein bisschen ab, das muss er zugeben. Und er spĂŒrt: Nichts davon hatte etwas mit diesem 'smoothened' zu tun, das zu seinem Erinnern gehört wie der Weg zum Bus, die Zeit im BĂŒro, die Wochenenden mit der Familie, der Fick mit Christine. Dagegen: alles bodenlos. Diese schlangenhafte Ssss; bodenlos. Der Kuss; bodenlos. Der Weg vor ihm; nun bodenlos.
Nein, das geht so nicht!
Fassung bewahren!
ImaginÀren Punkt suchen!
Gehen!

Er sucht nach diesem Punkt der ihn im Nebelmeer verankern kann und sein Blick bleibt dabei an einem Verteilerkasten der Stadtwerke hĂ€ngen. Der Rauhreif auf dem glatten grauen Plastik imitiert das Muster eines Waffeleisens. Er hat kĂŒrzlich etwas ĂŒber dieses PhĂ€nomen im 'National Geographic' gelesen, kann sich aber nicht mehr genau erinnern. Trotzdem, die Genauigkeit seiner Beobachtung verblĂŒfft ihn. Langsam setzt er sich wieder in Bewegung und der Verteilerkasten gleitet aus seinem Blickfeld, ohne sich auch nur mit einer Geste dagegen zu wehren. Kurz vor der diesigen Unendlichkeit ist nun das grĂŒngelbe Schild der Bushaltestelle zu erkennen. Es erinnert ihn an ein Alpenaurikel, das festgekrallt im blassen Fels gegen das Verwehen ankĂ€mpft. Nun sieht er am Ende der Straße den 53'er aus dem Nebel kommen. Na dann.


Version vom 10. 01. 2015 17:17
Version vom 11. 01. 2015 10:09
Version vom 11. 01. 2015 10:18
Version vom 11. 01. 2015 10:19

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aligaga
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Eine wirklich hĂŒbsche, sehr intensive Beschreibung eines Abschieds, @anon! Ein paar „Einstellungen“ sind wirklich grandios.

Leider ist das aber gleichzeitig SchwĂ€che des Textes – einem von heute auf morgen freigestellten, rustikal veranlagten Metallarbeiter (er benutzt das Wort „geschissen“ und weiß, wie Dorfschlampen ficken) mag man das „BĂŒro“ nicht so recht abnehmen, das irgendwo mal vorkommt, und auch nicht den manirierten Blick auf RestauranteingĂ€nge, Wolkenfasern oder neblige AmselgesĂ€nge, die sich in die Stille bis zur Unendlichkeit strecken, oder so Ă€hnlich. Bei aller Schönheit mancher Formulierungen – sie sind z. T. ein wenig zu dick aufgetragen. Ich wĂŒrde entweder den Opa ein klein bisschen intellektualisieren (Konstruktör?) oder an manchen Stellen einen Gang runterschalten. Ansonsten: Großes kleines Kino, das sich wohltuend abhebt vom ĂŒblichen Betroffenheitsgetröte. Schön!

William Turner wusste, wie man sowas malt und ließ seine goldglĂ€nzende „TĂ©mĂ©raire“ von einem dreckigen Dampfer zum Abwracken schleppen. Wer so schreibt, kennt dieses Bild bestimmt.

Gruß

aligaga

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Vagant
???
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Hallo aligaga,

danke fĂŒr deine Zeit und die kritische Betrachtung.

'Kleines Kino' – whow, ich denke, du hast meine Intention verstanden.
'Großes kleines Kino': Das geht natĂŒrlich runter wie Öl, und zeigt mir, dass ich in meinen BemĂŒhungen um einen bestimmten Ton nun vielleicht einen kleinen Schritt weiter gekommen bin.

Ich werde mich im Laufe des Tages mal ausfĂŒhrlicher melden.
Nun lege ich den Text erst mal eine Stunde in den Regen: mit ein bisschen GlĂŒck wird vielleicht etwas wie ein Turner daraus.






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Vagant
???
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Hallo aligaga – ja, man kann das so lesen.

Das Problem: der Protagonist sitzt praktisch neben dir und diktiert dir das Zeug in die Maschine. Wenn du da als Autor nicht auf der Hut bist, hast du schon verloren.

Ich möchte schnell den von dir enttarnten „rustikalen Metallarbeiter“ erklĂ€ren.
Er ist Techniker, 56 Jahre alt und hat sich eigentlich schon auf weiter 10 Berufsjahre eingestellt (finanziell geht es ja auch gar nicht anders).
Sein TÀtigkeitsfeld ist die operative technologische Betreuung der Fertigung. Also stÀndig unterwegs zwischen Konstrukteur und Werkstattmeister.
NatĂŒrlich ist er als Techniker naturwissenschaftlich interessiert. Er hat den 'National Geographic' im Abonnement, verpasst keine Folge 'Terra X', usw.
Was ihm fehlt: Einen Fuß in der TĂŒr der geisteswissenschaftlichen FakultĂ€t. Also bei 'Scobel' ist er nach spĂ€testens 15 min. wieder draußen, und das nicht nur wegen der Frisur des Moderators.
Ihm fehlen dadurch halt die Werkzeuge zur Reflexion und die Wahrnehmungen prasseln nur so auf ihn ein (gerade an solchen Tagen) ohne dass er sie adÀquat verarbeiten kann.

Da ist schon eine WidersprĂŒchlichkeit im Text, das lese ich jetzt genau so.

Die erste Version, zu Beginn der Woche, war um ca. 500 Wörter lÀnger. Sie war und-lastiger, dadurch runder, er hat seine Wahrnehmungen stÀndig im Bewusstseinsstrom kommentiert und sie enthielt einen zusÀtzlichen Absatz.
Nach 3 maliger Überarbeitung wurde es dann ein bisschen eingedampft und die „close third person“ zu Gunsten der Lesbarkeit ein wenig zurĂŒckgefahren. Der Text bekam stellenweise ein wenig mehr Staccato, der Seelenlage des Protagonisten entsprechend.
Ich denke darĂŒber nach, an welcher Seite der Storie ich schrauben werde. Entweder beschneide ich ihn in seiner Wahrnehmung, oder ich kultiviere seinen Bewusstseinsstrom.

Ich danke fĂŒr die brauchbaren Hinweise. Vielleicht hilft es ja fĂŒr kommende Texte.

Anonymus.

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Vagant
???
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Lieber anonymer Werter.

Im Grunde sind mir die Noten hier egal. Allerdings sagt ja so eine 4, dass der Text 'unterdurchschnittlich' und nur ein wenig ĂŒber 'muss noch stark ĂŒberarbeitet werden' liegt.

Nur soviel: Was die Perspektive, das Spiel mit der Brennweite, das Wechselspiel zwischen erlebter Rede, Gedankenrede, Bewusstseinsstrom, das Verarbeiten von EindrĂŒcken, den Gebrauch der direkter Rede angeht, halte ich diesen Text allerdings immer noch fĂŒr einen meiner Besseren.

Nun möchte ich dich doch hiermit ermuntern, mir aufzuzeigen, wo der Text nun so richtig krankt. Was ist so daneben, dass er einen Leser zur Wertung 'unterdurchschnittlich' veranlasst?

ErzĂ€hler? ErzĂ€hlzeit? Protagonist, kommt er nicht gut rĂŒber?
Passt dir hier und da die teils drastische Wortwahl nicht?
Interessiert dich das Thema vielleicht nicht?
Wenn doch, wie mĂŒsste es sonst gemacht werden?

Alles Fragen, die sich mir nach so einer 4, die mir ja eigentlich egal sein sollte, stellen.

Oder kurz in einem Satz gesagt: Ich mag einfach eure HeckenschĂŒtzenmentalitĂ€t irgendwie nicht.

LG.


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aligaga
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Mein lieber @anon,

deutschsprachige, nota bene anonyme "Literaturforen" sind keine elitĂ€ren Horte glĂ€nzender, wohlgeratener prosaischer oder lĂŒhrischer Wortkunst, sondern eine Gosse, in der sich so gut wie jeder herumtreiben kann. Daran Ă€ndert auch der Zugangscode nichts.

Wer in der analogen Welt zu jenen gehört, die nicht gÀnzlich ohne Besitz sind (und damit meine ich keineswegs nur den materiellen), muss damit rechnen, dass ihm der erst geneidet und, wenn er denn keine "Schutzgelder" zu zahlen gedenkt, heimlich zerstört werden wird - verschmiert, zerkratzt, zerbrochen.

Im Cyberwald gelten die gleichen Gesetze. Es liegt an dir selbst, wie nah du die Zerstörer an dich heranlĂ€sst und welche Bedeutung du ihren heimlichen Schnitten und Stichen glaubst, zumessen zu mĂŒssen.

@ali ignoriert sie. Sie sind fĂŒr ihn unabweisbarer Bestandteil eines Hintergrundrauschens, das jedem Medium zu eigen ist; öffentlich zur Schau gestellte Objekte sind nun mal jeder Witterung ausgesetzt; ĂŒber kurz oder lang bekommen sie davon Risse, und ihre Farben verblassen. Bei einigem GlĂŒck werden sie zum Stolperstein, an dem sich die klandestinen Berserker die Zehen brechen.

Wie herrlich, wenn neben der Neun oder der Acht eine Zwei steht! SpĂŒrst du den Schmerz nicht, der hinter der heimlichen Abwertung steckt? Freu dich an der Spanne! Wenn du nur schlechte Noten kriegst, hast du wohl wirklich etwas falsch gemacht. Und bei lauter Lob auch. Kunst muss und will umstritten sein. Sie braucht den Neider wie die Mehlprimel das Wasser.

Drum schmĂ€h deine Neider nicht! Gibt ihnen immer wieder neues Futter! Es wird der Tag kommen, an dem sie dich vermissen werden. Du hast ihnen Halt gegeben fĂŒr eine Weile, warst ihnen fester Grund, in den sie ihre Heringe bohren konnten, um ihre winzigen Zelte vor dem Weggewehtwerden zu schĂŒtzen.

Wenn du sie verlÀsst, bleiben auch sie nicht. Es verweht sie in alle Winde.

Was bleibt, sind deine Werke. Wenn sie gelungen sind, ĂŒberdauern sie auch dann, wenn sie von "Islamisten" gesprengt werden: Sie wurden lĂ€ngst kopiert.

Gruß

aligaga

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