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Leselupe.de > Kurzprosa
Letzte Momente mit Ilsa - Aus meinem Tagebuch
Eingestellt am 17. 12. 2001 18:04


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Wird mal Schriftsteller
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Ich kenne Ilsa schon mein ganzes Leben lang. Soweit ich zur├╝ckdenken kann, ist sie da. Ich spielte mit ihr im Laufgitter, ging mit ihr in den Kindergarten, in die Schule, hatte meinen ersten Sex mit ihr, meinen ersten Trennungsschmerz und die erste Postbeziehungs-Freundschaft ebenso. Damals war sie h├╝bsch. Heute bin ich sprachlos wenn ich sie sehe, sie ist wundersch├Ân. Ich stehe ihr gegen├╝ber und es ist, wie es damals war, als wir uns liebten. Doch Zeit vergeht nicht ohne Spuren. So sehr unsere Erinnerungen sich gleichen, so sehr sind unsere Seelen verschieden. Ihr Leben f├╝hrte sie durch St├╝rme an den Rand des Suizids. Mich f├╝hrte meines lediglich durchs selbstgeschaffene Jammertal. Wenn ich ihr heute schweigend in die Augen sehe, kann ich ihren Schmerz noch immer erkennen. Wenn sie spricht, h├Âre ich ihre Zweifel und ├ängste. Wenn ich sie ber├╝hre, f├╝hle ich die K├Ąlte. Sie benutzt noch immer das selbe Parfum. Ihre Haare riechen, wie sie vor Jahren schon rochen. Noch heute entf├╝hren mich diese D├╝fte in eine unendlich sch├Âne Welt voller Liebe und Leidenschaft. Sie ist zweifelsohne die sch├Ânste Frau, die ich mir vorstellen kann. Wenn ich ihr gegen├╝bersitze, will ich nur zuh├Âren, getraue mich kaum, zu sprechen aus Angst, den Moment, der in seiner Vollkommenheit nur zerbrechlich sein kann, zu zerst├Âren. Ihre StimmeÔÇŽberuhigend und warm. Und doch, in ihren Worten klingt Traurigkeit mit. Ich meine, auf einem ruhigen Fluss segelnd, den Wasserfall zu h├Âren, wie er in der Ferne in die Tiefe st├╝rzt. Zu unserer Zeit gab es keine Wasserf├Ąlle, keine Stromschnellen oder Untiefen. Unser Wasser war der Ozean; grenzenlos und ohne Ende. Heute bin ich mit grossen Seen zufrieden, meide unbekannte Gestade, in der Angst, das Meer k├Ânnte sich als Sumpf entpuppen.
Ilsa ist wie ein geheimnisvolles Buch, das Erinnerungen an schreckliche Momente in sich birgt. Schon seit vielen Jahren ist dieses Buch selbst f├╝r mich verschlossen. Sie spricht, sie arbeitet, sie lebt, aber ihr Buch ist geschrieben. Was heute passiert, oder gestern geschah, egal, die Seiten sind voll, das Buch in seiner bedr├╝ckenden Verschlossenheit vollendet. Wenn wir von Zeiten sprechen, die l├Ąngst vergangen sind, leuchten ihre Augen manchmal noch so, wie sie es fr├╝her taten. Dann wird ihre Stimme weicher und leiser, als k├Ânnte ein b├Âser Geist erwachen, sie f├╝r ihr kurzes Gl├╝ck zu bestrafen.
Und dann l├Ąchelt sie. Ich sehe sie nur an und beginne zu glauben; glauben an die Welt und die Sch├Ânheit, den Frieden und das Gl├╝ck, das Gute und das immer w├Ąhrende, in diesen kurzen Momenten, in welchen Ilsa mir gegen├╝bersitzt und l├Ąchelt.
Sie lebt alleine. Weit weg von mir und der Welt, die ihr so vieles tat. Mich hat das Leben in eine Ehe mit drei Kindern gef├╝hrt. Gute Kinder, gute Ehe. Wie h├Ątte ich gelacht, h├Ątte ich mich vor zwanzig Jahren so gesehen. Ein Familienvater, ein l├Ącherlicher. Tief in mir habe ich sie immer geliebt. Ich liebe sie heute noch. Liebe sie, wie ich ├╝berhaupt nur f├Ąhig bin zu lieben. Die wenigen Stunden mit ihr, vielleicht einmal oder zweimal im Jahr sind ausreichend, um mich am Leben zu erhalten. Zu wenige sind es allemal. Ich liebe auch meine Frau. Ich liebe sie als Mutter meiner Kinder, und als Ehefrau und Vertraute. Aber Ilsa liebe ich als mein Leben.

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