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Leselupe.de > Science Fiction
Leuco the Cyte meets Malign the Kid (Bio-Fiction)
Eingestellt am 08. 05. 2003 20:25


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Sparky
Hobbydichter
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Leuco fand, dass heute ein guter Tag sei. Das Plasma trieb ihn lose. Die blanken W√§nde ber√ľhrte er nur kurz, stie√ü sich wieder von ihnen ab. Er w√ľrde einfach nur so pirschen gehen. An einer kleinen Unebenheit hielt er sich fest. Seine Membran flatterte in der Str√∂mung. Wie immer stiegen Vesikel an seine Oberfl√§che, ergossen sich auf die Trennlinie der Endothelzellen. Seine Spucke zersetzte die Klebe-Proteine. Er tastete sich voran, blind wie immer. Stolz erf√ľllte ihn als er sich durch den kleinen Spalt zw√§ngte, seinen Zellkern durchs Nadel√∂hr zog als sei er noch ein frischer Leucocyt. Das sollte ihn mal einer der Knochenmarksfrischlinge nachmachen. Unauff√§llig schl√§ngelte er sich durch das Bindegewebe. Vor sich √§tze er den Weg frei, hinter ihm verschlossen brave diensteifrige Zellen die Wunden mit Gespinst aus Zucker und Proteinen. Leise bebten die Membranen vor ihm, ein erfreutes Seufzen entrangen sich die hinter ihm. So sollte es sein. Diese Ehrfurcht vermittelte ihm, dass alles in Ordnung war. Ob Furcht oder Freude der Grund, war ihm egal. Sein Leben lang w√ľrde es so sein, hatte es so zu sein. Wenn nicht so hatte er das zu √§ndern.
Hin und wieder tr√§umte er von einem w√ľrdigen Tod. In der Lunge patrouillierend, Bakterien verschlingend, gegen eine √úbermacht k√§mpfend, seine Verdauungsenzyme aufbrauchend, nur noch ein letzter todbringender Akt. Mit schwindender Kraft in die Bronchien kriechend, dort von traurigen Cilienzellen zum Kehlkopf hinaufgewimmpert, ausgeschieden, au√üerhalb der Heimat sterbend, wissend seine Heimat vor gef√§hrlichen Feinden bewahrt zu haben. Das war ein guter Traum. Aber es gab auch einen schlechten, sehr schlechten. Er fand sich in Lungenbl√§schen wieder mit vergifteten halb verwesenden Zellen, schwarzes Z√§hes klebte an ihm. Er reinigte die noch lebenden, fra√ü die Verschiedenen. Schlecht wurde ihm, √ľbel. Ohne klare Gedanken kroch er zu den Knorpelr√∂hren durch die eine rauchige Luft pfiff. Die Cilien trugen ihn nicht leichten Schlages empor. Sie klebten wie trockener Tang aneinander. Er kroch mit der Ewigkeit gemeinsam weiter, immer weiter. Sein Ziel erreichte er nie, vorher verging er, √ľber sich das graue Pfeifen unter sich das bewegungslose Cilienmeer.
Heute war kein Tag f√ľr Tr√§ume. Er grub sich seinen Weg frei, freute sich an dem Zuckergehalt der ihn umgebenden Fl√ľssigkeit. Hormone schwammen in ihr, aber keines passte auf seine Receptoren. Es war sch√∂n nicht von irgendeinem Notfall gerufen zu werden. So alleine auf Streife, das war sein wahres Vergn√ľgen. Er n√§herte sich einer Gruppe gut differenzierter Zellen. Sie arbeiteten auf Hochtouren. Was genau eine Zelle tat war ihm gleichg√ľltig, er sp√ľrte schon, wenn sie etwas falsches tat. Mit Tausenden K√∂rperpassagen hatte man das in den Receptoren, pflegte er in den Lymphknoten zu scherzen. Alles war normal.
Schon wollte er abbiegen, andere Gewebe kontrollieren, da sp√ľrte er ein verr√§terisches Ziehen in seiner Membran. Etwas hatte angedockt, einen Receptor aktiviert. Es war nur ein Receptor aber er nahm das nicht auf die leichte Schulter. Verd√§chtig war das, warum nur einer nicht hunderte. Ein Vesikel brachte den Receptor ins Zellinnere, sah wirklich ganz verd√§chtig aus. Hier irgendwo hatte er sich versteckt. Einer dieser b√∂swilligen Truppe. In der letzten Zeit tauchten diese Typen immer wieder in einem Gewebe auf. Brachte man einen von ihnen um, so sprossen sie woanders aus dem Plasma. Eine wahre Plage. Nutznie√üer, Schmarotzer, wollten nicht arbeiten, nichts zum Wohlstand beitragen. Sich vermehren, Blutgef√§√üe f√ľr sich allein haben, wuchern. Das war ihre Natur. Er w√ľrde keinen dieser Typen in seinem Revier dulden. W√ľtend streckte er seine Membran aus. Sie zerstob in langen schnuppernde Finger. Noch zwei solche Molek√ľle auf einem Receptor und er w√ľsste, wo sich der Kerl versteckte. Er konnte warten, wenn es sein musste. Die Gewebszellen um ihn gew√∂hnten sich an seine Anwesenheit. Das flatterhafte Zittern √§ngstlicher Erregung verschwand von ihren Membranen. So nun w√ľrde er sich sicher f√ľhlen. Keine Aufregung k√ľndete von einem patrouillierenden Leuco. Aber dieser Bursche war z√§h. Erst Millionen von Herzschl√§gen sp√§ter trafen weitere Molek√ľle auf Leuco. Leuco l√§chelte, seine Mitochondrien schwangen vor Freude und Betriebsamkeit, das endoplasmatische Reticulum b√§umte sich auf. Proteine des Todes, S√§uren der Vernichtung sammelte Leuco in seinen Vesikeln. Er blubberte aufgef√ľllt mit Hass auf Fremdartigkeit. Unauff√§llig setzte er sich in Bewegung. Das Zittern der Zellen wollte er vermeiden. Er tarnte sich als gew√∂hnliche Gewebszelle. Kroch unmerklich, doch stetig auf den Feind zu. Die Konzentration der Stoffwechselabf√§lle wurde st√§rker. Es wies alles daraufhin, dass .... . ‘Schei√üe, ich muss mich beeilen, sonst ist es zu sp√§t.’ Leuco the Cyte verfluchte seine Vorsichtigkeit, preschte voran, verlor die Deckung. Egal war das nun. Es z√§hlte jeder Pulsschlag.
Da lag Malign the Kid vor ihm, fett, aufgedunsen, bereit zur Teilung,. Schon n√§herte sich m√ľde wachsend ein Blutgef√§√ü zu seiner Versorgung. Leuco the Cyte war best√ľrzt √ľber das, was er f√ľhlte.
‘Hey Malign, Deine Stunde hat geschlagen. Noch kannst du freiwillig sterben!’
‘Ihr Leucos seid doch alle gleich. Glaubt, ihr k√∂nnt mit dem Quatsch von freiwilliger Selbstaufgabe was bewirken. Schau her, gleich teile ich mich. Dann kannst du’s ja uns beiden erz√§hlen!’
Sto√üwellen der Verachtung trafen Leuco. Er platze vor Wut, gab Lockstoffe frei, holte Hilfe. Trotzdem es w√ľrde einige Zeit brauchen bis andere Leucos kamen. Zwei Maligns konnte er nicht im Zaum halten. Einer w√ľrde entwischen. Schnell ohne R√ľcksicht auf Gewebe oder Zellen, w√ľrde dieser sich den Weg freisprengen.
Leuco √ľberlegte, w√§hrenddessen sp√ľrte er das √Ąchzen sich trennender Chromosomen, wie sie durch das Zellplasma gezogen wurden, die Kernmembran sich wieder aufbaute. Jetzt musste er handeln, jetzt. Zum Wohl seiner Heimat, zum Wohle des K√∂rpers.
‘Jetzt oder Nie.’
Malign the Kid schrak f√ľr den Moment einer enzymatischen Reaktion zusammen. Seine Lipide sp√ľrten den Aufprall der S√§uren, der Radikale. Er spie Mitochondrien vor Schmerz, gab nicht auf. Verschloss die L√∂cher, peitschte seine Teilung voran, wollte nicht sterben.
Leuco schob Vesikel um Vesikel, gef√ľllt mit den Todesboten vorw√§rts, doch es waren zu wenig, um ihn zu t√∂ten. Malign erholte sich von den Angriffen, Leuco ging die Munition aus. Leuco sah nichts, wie immer, aber er sp√ľrte eine Macht aufflackern. Seine innere Uhr rastete ein, hatte sich umgestellt, die Stunden rannen nun f√ľr ihn. Seine Stunden. Seine Mitochiondrien verbrauchten den letzten Zucker. Die Nucleins√§uren wurden nun zersetzt. Er w√ľrde sie nie mehr brauchen. Die Zellkernmembran zerfiel. Die Synthese der Proteine musste um jeden Preis am Laufen gehalten werden. Der Todescoktail musste intensiv sein. Leuco bebte in Agonie. Seine Zellmembran zersetzte sich. Sie verschmolz mit der von Malign the Kid. Malign wehrte sich, doch was konnte er tun, sie waren ein K√∂rper. Kan√§le bauten sich auf durch die die Boten der Zerst√∂rung ungehindert in Maligns Bewusstsein wandern konnten. Malign wollte nicht sterben, nicht Selbstmord machen, aber die Biochemie war st√§rker als er, die Molek√ľle dockten an den richtigen Receptoren an. Die Todessequenzen von Maligns DNA wurde aktiviert. Er krampfte sich zusammen, wollte sich retten, aber die Maschinerie in seinem Inneren war angeworfen. Er st√ľrzte wie ein Schwindliger aus der H√∂he des Lebens in die Tiefe des Vergessens zum Wohle des Organismus.
Als die panisch gerufenen Leucos eintrafen, schwebten sie in einem Feld der Zerstörung. Unschuldige Zellen waren verletzt worden aber in der Mitte fanden sie die Reste von zwei Maligns und Leuco the Cyte.
Das war ein Tod wie man ihn sich nicht besser w√ľnschen kann, dachte sich ein Knochenmarksfrischling.

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poppins
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Hallo Sparky,
nette Idee, ein Drama im menschlichen Körper. Obwohl, so GANZ neu nicht (seit Otto Waalkes' "Großhirn an Faust, ausfahren!")
Aber o.k. Du machst das ja auf Zellularebene. High Noon im Lymphatischen System
Mit einem Text wie Deinem k√∂nnte man (nach kleiner √úberarbeitung) sicher Biologie-Leistungskursb√ľcher, Kapitel Immunsystem etwas auflockern
Ein paar Anmerkungen hätte ich (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

- f√ľr Nichtbiologen ist Dein Text sicher sehr schwer zu lesen, da Du (u.a.) sehr viele Fachbegriffe verwendest (Mitochondien, endoplasmatisches Retikulum etc.)

- f√ľr Leute vom Fach hingegen ist irritierend, dass Du das fachlich Korrekte nicht durchziehst. Beispiel: "Trennlinie der Endothelzellen", Klebe-Proteine...

Und noch was anderes:
"Sie zerstob in langen schnuppernde Finger" - wie ein kleiner Rechtschreibfehler manchmal doch den Lesefluss behindert, da musste ich dreimal lesen, bis ich's raushatte

"Erst Millionen von Herzschl√§gen sp√§ter trafen weitere Molek√ľle auf Leuco."
Bei Durchschnittlich 72 Schlägen pro Minute eine ganz schön lange Pause.

"Diese Ehrfurcht vermittelte ihm, dass alles in Ordnung war. Ob Furcht oder Freude der Grund, war ihm egal. Sein Leben lang w√ľrde es so sein, hatte es so zu sein. Wenn nicht so hatte er das zu √§ndern."
W√ľrde ich vielleicht rausstreichen, es ist √ľberfl√ľssig, finde ich (ist auch wegen des Kommafehlers schwer verst√§ndlich).
Auch den Anfang der Geschichte w√ľrde ich etwas k√ľrzen, - vielleicht auch ein wenig umformulieren, "das Plasma trieb ihn lose" klingt sehr seltsam. Au√üerdem kl√§rt der n√§chste Satz, wie er sich bewegt, "lose" ist davor v√∂llig √ľberfl√ľssig.*

So, und jetzt gib' zu, das Du auch ein Biologe bist
...

Gr√ľsse von poppins
__________________
Verschiebe nicht auf morgen, was auch bis √ľbermorgen Zeit hat.
(Mark Twain)

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Sparky
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Hy Poppins,

'Whhhoau', fundierte Kritik, das ist gut. Damit läßt sich nämlich was anfangen oder eben beenden (Überarbeitung).

Otto ist sehr gut, um nicht zu sagen 'gutt' (besonders die Milz).
'Yeahh!'

Tja, Kommas gehören nicht zu meinen Stärken, auch kleine Schreibteufel leben im Biotop meines Compis.
Hab' das mit den Herzschlägen nachgerechnet, unter 10 Tagen regungslos daliegen geht sich nichts aus. Das ist aber wirklich zu lang. *michingrundundbodenschäme* ;-)

So grunds√§tzlich denke ich, dass Immunsystem und Zellbiologie spannender und packender ist als sie gemeinhin vermittelt wird. Besonders deutschsprachige Fachb√ľcher (Ausnahmen best√§tigen die Regel) zeichnen sich h√§ufig durch einen hohen 'G√§hnfaktor' aus.
W√§re nett eine Soap √ľber Zellen unter sich zu machen.

Als letztes ein großes 'OUTING':
Ja, ich bin Biologe.

(Es kann nicht nur einen geben! Biolander :-))

Gr√ľ√üe Sparky





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