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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Licht und Schatten
Eingestellt am 09. 02. 2007 23:52


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hch
Hobbydichter
Registriert: May 2006

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Licht und Schatten

Zögernd stahl sich ein Sonnenstrahl durch das Gitter. Jörg Baumann tigerte auf und ab, durchkreuzte Licht und Schatten der Zelle. Wut, Angst und Verzweiflung tobten in seinem Innern. Sein Anwalt Dr. JĂ€ger ließ ihm mitteilen, dass es neue Erkenntnisse im Fall Maurer gĂ€be und er wolle so rasch wie möglich kommen. Was fĂŒr Erkenntnisse? Der Fall war doch lĂ€ngst abgeschlossen, Jörg zu zwölf Jahren Haft verurteilt! Fragen ĂŒber Fragen stĂŒrzten auf ihn ein, ließen ihm keine Ruhe mehr. Alles wurde wieder an die OberflĂ€che gezerrt. Wozu? AufgewĂŒhlt steckte er die HĂ€nde in die Hosentasche, wo seine Finger nach dem zerknitterten Foto tasteten. ZĂ€rtlich strich sein Daumen ĂŒber das Papier. Es zeigte Lisa und ihn beim Picknick. Er entspannte sich ein wenig und erinnerte sich an jenen Sommer vor fĂŒnf Jahren.

Er hatte Lisa zum Picknick in den Park eingeladen, um ihr seine Liebe zu gestehen und sie um ihre Hand zu bitten. Kurz bevor er das Haus verließ, prĂŒfte er noch rasch sein Aussehen im Spiegel. Der zeigte ihm das Bild eines glĂŒcklichen und gut aussehenden jungen Mannes. Lisa wartete bereits an der Straßenecke bei ihrer Wohnung. Wie hĂŒbsch sie aussah in ihrem bunten Sommerkleid. Unge-zĂ€hmte blonde Locken fielen ihr auf die braungebrannten Schultern. Im Park hielt er den Augenblick des GlĂŒcks mit dem Selbstauslöser fest.
Nach einem Schluck Limonade fragte ihn Lisa ungeduldig: „Warum hast du es am Telefon so spannend gemacht? Was ist los? Was musst du mir unbedingt sagen?“
ZĂ€rtlich hielt er ihre Hand und nahm allen Mut zusammen: „Lisa, es gibt fĂŒr mich nur noch dich. Ich möchte fĂŒr immer mit dir zusammen sein, mit dir Kinder bekommen und mit dir alt werden. Bitte heirate mich. Ich liebe dich von ganzem Herzen!“
Zögernd sah sie ihn an und meinte leise: „Ich soll dich heiraten? Jörg, das kann ich nicht.“
„Aber warum denn nicht? Lisa, ich liebe dich! Du und ich
“
„Jörg, es tut mir so Leid, du bist mein bester Freund. Aber ich, ich liebe einen anderen. Verstehst du?“
„Wie soll ich das verstehen? Du hast nie etwas erzĂ€hlt!“
Plötzlich packte ihn die Wut und die Eifersucht trieb ihn zu Worten, die er besser fĂŒr sich behalten hĂ€tte. Lisa sprang auf und rannte weinend davon. NatĂŒrlich gab es fĂŒr den heftigen Streit zahlreiche Zeugen. Man fand Lisa am nĂ€chsten Tag erstochen in ihrem Schlafzimmer. Da die Polizei am Tatort nur seine FingerabdrĂŒcke gefunden hatte, wurde er schnell als TĂ€ter identifiziert.

Das vertraute Aufschließen der schweren ZellentĂŒre brachte Jörg in die Gegenwart zurĂŒck. Ein Aufseher teilte ihm mit, dass der Anwalt auf ihn wartete. Endlich! Nervös ging Jörg vor dem WĂ€rter durch die langen GĂ€nge. Immer wieder musste er warten, bis der Beamte zahlreiche GittertĂŒren vor ihm aufschloss und hinter ihm verriegelte. Daran wĂŒrde er sich nie gewöhnen können, es war so demĂŒtigend! „Ich bin unschuldig!“, schrie es in ihm. Niemals hĂ€tte er Lisa töten können! Er hatte sie doch geliebt! Aber die Beweislast war zu erdrĂŒckend. Was wollte Dr. JĂ€ger? Warum ließ man ihn nicht endlich in Ruhe? FĂŒr die Welt da draußen war er Lisas Mörder. Verzweifelt umklammerte Jörg das Foto in seiner Hosentasche. Das kalte Neonlicht unterstrich die BlĂ€sse seiner Haut. Endlich betrat Jörg den Besucherraum.
Dr. JĂ€ger kam mit ausgestreckten Armen auf ihn zu. „Herr Baumann, ich habe gute Nachrichten“, strahlte er. „Das kriminaltechnische Labor hat Spuren an Lisas Kleidung ge-
funden, die man damals noch nicht feststellen konnte. Die DNA stammt nicht von Ihnen. Wir rollen den Fall neu auf.“
Jörgs Knie wurden weich.
Dr. JĂ€ger rĂŒckte ihm einen Stuhl entgegen und meinte:
„Setzen Sie sich erst mal. Sie sind ja ganz blass. Ich kann ihre GefĂŒhle gut verstehen.“
Konnte er das wirklich? Wie sollte jemand, der nicht in dieser Lage war, seine GefĂŒhle verstehen? Die Faust, tief in seiner Hosentasche versenkt, umfing noch immer das Foto. Er legte es vor sich auf den Tisch. Endlich wĂŒrden sie Lisas wahren Mörder finden. Ein kleiner Sonnenstrahl stahl sich in sein Herz.






























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