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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Liebe, Trauer, Spannung
Eingestellt am 21. 04. 2013 19:49


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LeseRatteKevin
Hobbydichter
Registriert: Apr 2013

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Marathon

Um mich herum standen tausende von Menschen, die alle nur aus einem Grund hier waren. Sie jubelten, sie schrien und freuten sich, sobald einer der MarathonlĂ€ufer an ihnen vorbeikam. Ich selbst fĂŒhlte mich nicht wohl in dieser Menschenmasse und war froh, dass ich bald aus der Menge raus konnte. Der Marathon war fast vorĂŒber und meine Freundin und ich wollten uns danach in ein romantisches CafĂ© setzten und einen Kaffee trinken.
Die Stimmung war gut und alle warteten nun auf die Person, die den Lauf beendete und als Sieger durch das Ziel lĂ€uft. Ich interessierte mich nie wirklich fĂŒr diese Sportart, musste meine Freundin jedoch begleiten, wenn sie sich das Event anschauen wollte.
»Schatz? Ich gehe mal schnell los und hole uns ein Wasser. Wartest du eben hier? Ich bin sofort zurĂŒck.«
»Ja, geh du ruhig, ich komme schon zurecht!«
Ich verließ die Menschenmenge und lief gelassen zum nĂ€chsten Straßenkiosk um dort unsere GetrĂ€nke zu kaufen. Als ich am Kiosk ankam, sah ich von weitem schon, dass mein bester Freund auch da war.
»Hey Eric! Alles klar?«
»Oh, hi! Was machst du denn hier? Ich dachte, du magst keine MarathonlÀufe?«
»Ja, Emily hat mich mitgeschleift. Aber es ist ja fast vorbei. Wir wollten hinterher noch einen Kaffee trinken gehen, in dem kleinen Café an der Ecke wo wir uns kennenlernten.«
Die Geschichte, wie Emily und ich uns trafen, war wirklich eine ganz besondere.
Ich war unterwegs, um fĂŒr meinen Chef einige wichtige Akten zu einem GeschĂ€ftspartner zu bringen. Auf dem RĂŒckweg wollte ich mir noch schnell einen Kaffee holen und kam wie gerufen an einem CafĂ© vorbei. Ich öffnete die TĂŒr und trat ein.
Mich wunderte es, dass um die Uhrzeit so viel hier los war. An den BĂ€nken saßen Familien, Freunde und Arbeitskollegen um ihr FrĂŒhstĂŒck zu genießen, sich zu treffen und GeschĂ€ftsplĂ€ne zu besprechen. Es kam mir vor, als sei ich morgens, bevor die Arbeit losgeht, bei Starbucks um einen Kaffee zu trinken.
Ich reihte mich ein und wartete, dass die Schlange vor mir sich leerte. Nach einer halben Stunde war ich an der Reihe und bestellte mein GetrÀnk.
»Hey, einen Latte macchiato zum Mitnehmen, bitte!«, sagte ich und schaute von meinem Handy auf.
Vor mir stand eine junge Frau mit schulterlangem, braunen Haar. Sie lĂ€chelte mich an so, dass ich ihre weißen ZĂ€hne bewundern konnte. Ihre Augen waren blau wie das Meer und hatten auf mich eine ganz besondere Wirkung. Durch das Lachen hatte sie kleine FĂ€ltchen unter den Augen, die sie noch viel sympathischer machten, als sie sowieso schon auf mich wirkte. In ihrer Uniform, die eng an ihrem Körper anlag, konnte man ihre schlanke Figur gut erkennen.
»Mit oder ohne Sahne?«, fragte sie und riss mich aus meinem Gedanken.
Ȁhm ... Danke keine Sahne.«
Sie nahm einen Becher, hielt einen Edding in der Hand, schaute zu mir auf und fragte mich nach meinem Namen.
»Tom.«
»Okay Tom. Ich komme sofort mit deinem GetrĂ€nk zurĂŒck.«, erklĂ€rte sie und gab mir zu verstehen, dass ich hier warten sollte. Es war ungewöhnlich, das die Barista, die die Bestellung aufnahm, auch den Kaffee zubereitete. Aber vielleicht war das in diesem Laden ja ĂŒblich.
Die Leute hinter mir wurden langsam ungeduldig, da sie sich lange Zeit lies und erst nach einer knappen Viertelstunde zurĂŒckkam, um mir mein GetrĂ€nk zu geben.
»Danke, was macht das?«
»Das geht aufs Haus.«, lĂ€chelte sie und drĂŒckte mir den Kaffee in die Hand.
Ich war so verwirrt, dass ich wie in Trance das CafĂ© verlies und zurĂŒck zur Arbeit ging. Die junge Dame hinter der Theke wollte mir nicht mehr aus dem Kopf gehen, so dass ich auf dem Weg ganz vergas meinen Kaffee zu trinken und er im BĂŒro kalt war.
Ich stellte den Becher neben meinem PC-Bildschirm und arbeitete weiter. Nach der Arbeit rĂ€umte ich mein BĂŒro auf und wollte gerade den Kaffeebecher in den MĂŒll werfen, als ich sah, dass auf ihm, unter meinem Namen, eine Telefonnummer stand. Sofort kam mir die Frau aus dem CafĂ© in den Sinn. Ich hetzte zu meinem Schreibtisch, um die Nummer zu wĂ€hlen.
»Hallo, Emily Fields am Apparat?«
»Ja, hi. Hier ist Tom! Ich habe Ihre Nummer auf meinem Kaffeebecher gefunden. Das klingt jetzt etwas merkwĂŒrdig, aber es ist wirklich so. Vielleicht hat sich ein Kollege von Ihnen einen Scherz erlaubt?«
»Einen Scherz? Nein, wieso? Ich habe die Nummer auf den Becher geschrieben. Sie gefielen mir. Da musste ich doch die Initiative ergreifen.«
»Ja, das stimmt.«
Und so begannen wir, den ganzen Abend miteinander zu telefonieren. Es ging ĂŒber Wochen so. Ich rief sie an, sie rief mich an. Wir verabredeten uns ein paar Mal und kamen zusammen. Und das alles nur, weil Emily ihre Nummer auf meinem Becher geschrieben hat. Andererseits hĂ€tten wir uns bestimmt nie wieder gesehen.

Eric und ich unterhielten uns ĂŒber das letzte Footballspiel der New England Patroits, da keiner von uns Lust hatte, zurĂŒck zum Marathon zu gehen.
Nach einer Stunde Gequatsche, beschlossen wir uns an unsere PlĂ€tze zurĂŒck zu begeben und gingen los. Es war kein weiter weg aber Eric und ich brauchten wirklich sehr viel Zeit, um zu den AbsperrbĂ€nden zurĂŒckzukommen, da wir auf dem Weg herumalberten und uns wieder in verschiedene GesprĂ€chsthemen verloren.
Gerade als wir um die Ecke biegen wollten, hörten wir einen lauten Knall und wurden durch eine Druckwelle zu Boden gerissen.
Ich merkte einen ziehenden Schmerz in meiner Brust und hörte in meinem Ohr nur ein hohes Piepen. Ich rollte mich auf den RĂŒcken und öffnete meine Augen. Über mir waren Rauchschwaden und ich konnte nicht richtig atmen, da der Rauch die ganze Umgebung einnebelte.
Ich hievte mich hoch und lief verwirrt durch die Gegend. Was war hier passiert? Wieso war da ein so lauter Knall? Ist eine Bombe hochgegangen?
Mir gingen sÀmtliche Fragen durch den Kopf, als ich merkte, dass das Piepen verschwunden war und um mich herum tausende Sirenen zu hören waren und Menschenschreie durch die ganze Stadt hallten.
Emily! Wo ist Emily?
»Emily!«, schrie ich und lief los zu dem Platz wo Emily war. Ich lief und lief und hatte das GefĂŒhl, als ob der Platz sich immer weiter von mir entfernte. Es war wie in einem Albtraum, der niemals enden wollte. Als ich an der Stelle ankam, sah ich an der Hauswand ein riesen Loch. Und die Menschen, die gerade noch an ihr lehnten, waren nicht mehr da. Polizeiwagen und SanitĂ€ter umzingelten das Loch in der Wand und ich sah, dass die SanitĂ€ter sich um verletze kĂŒmmerten. Ich kam mir vor, wie ein Geist, der das Geschehen von einem neutralen Punkt beobachtete, da ich einfach nicht wahrhaben konnte, dass an der Stelle, wo ich vor einer Stunde noch gestanden hatte, eine Bombe hochgegangen war.
Ich lief zu einem Polizisten.
»Hallo, Entschuldigung. Ich suche meine Freundin. Sie heißt Emily Fields. Braunes, schulterlanges Haar, blaue Augen, wenn sie lacht, hat sie FĂ€ltchen unter diesen. Sie trĂ€gt heute eine Jeans und eine enge, rote Bluse. Haben sie sie gesehen?«
»Beruhigen Sie sich erst mal. Ich werde nachschauen.«

Der Polizist ging zu einem der Rettungswagen und fragte den SanitÀter nach Emily. Ich erkannte, dass er ihm erklÀrte, wie sie aussieht. Der RettungssanitÀter wies mit seiner Hand in Richtung des Lochs in der Wand und schickte den Polizisten dorthin.
Ich konnte nicht lÀnger untÀtig hier herumstehen und fing an selbst nach Emily zu suchen. Ich lief von Rettungswagen zu Rettungswagen, von Polizist zu Polizist, fand sie jedoch nicht.
Als ich die Suche gerade aufgeben wollte, kam der Polizist, mit dem ich zu Beginn gesprochen hatte auf mich zu, und legte mir die Hand auf den RĂŒcken.
In diesem Moment trugen zwei SanitĂ€ter eine Rettungsliege an uns vorbei. Auf ihr eine Person. Erkennen konnte man diese jedoch nicht, da ihr Körper mit einer weißen Decke zugedeckt war. An der Seite hing ein Arm heraus. Ein lebloser Arm, ein Arm, welcher umschlossen war von rotem Stoff einer Bluse

© Kevin Herhut

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