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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Liebe
Eingestellt am 16. 08. 2017 18:32


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Gunneeer
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2017

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Rote Minze
Der Fluss war schnell und gewaltig. Tausende kleine Wellen ├╝berschlugen sich mitten im Strom des Flusses und formten diesen. Es war schlichtweg unm├Âglich ihn zu durchqueren bei dieser Str├Âmung, selbst Leute die keinerlei Wissen hatten ├╝ber Schwimmen oder Fl├╝sse oder Wasser an sich, wussten dies. Am Ufer dieses rei├čenden Flusses sa├č er, weich gebettet auf dem sattgr├╝nen Gras der angrenzenden Wiese, welche wiederum von gro├čen, noch sattgr├╝neren bl├╝henden Schwarzpappeln umgeben war. Ein Mann, mit dunkelblonden Haaren, seine Augen waren, wie ihm alle sagten, gr├╝n und manchmal gr├Ąulich. Vielleicht waren sie auch ein Gemisch aus beiden Farben. Seine gr├╝n-gr├Ąulichen Augen waren mit Leere gef├╝llt und selbst Optimisten w├╝rden keine Hoffnung in ihnen erkennen k├Ânnen. Sein Blick war starr gerichtet auf den Fluss. Seine Knie waren an seinen Oberk├Ârper gezogen und die Arme umklammerten die Knie innigst. Es war Sommer und alles um ihn herum stand in pr├Ąchtiger Bl├╝te. Doch dieser Mann sa├č da, in einem d├╝nnen Baumwollpullover, dunkelrot gef├Ąrbt und seiner vom Gras, teilweise, gr├╝n verwaschenen Jeans. Neben ihm standen seine Schuhe, welche er nun packte und anzog. Das Anziehen der Schuhe fiel dem Mann offensichtlich sehr schwer und nur mit gr├Â├čter M├╝he schaffte er es den zweiten zu schn├╝ren.
Nachdem die Schuhe angezogen und geschn├╝rt waren, verharrte der Mann noch ein paar wenige Momente in seiner innig umklammernden Pose und konnte sich schlie├člich aus dieser befreien und aufstehen. Als er gerade stand, schien es als w├╝rde er taumeln vor Benommenheit, von weiten konnte man ihn f├╝r einen Betrunkenen halten, der sich erholen musste am Ufer des Flusses von einer anstrengenden Nacht. Jedoch war der Mann nicht betrunken, er taumelte vor innerer Leere und Verzweiflung Richtung zuhause. Ihm graute es vor dem Heimweg. Dennoch verlie├č er die sattgr├╝ne Wiese und wandte sich ab von den noch sattgr├╝neren Schwarzpappeln. Er folgte einem kleinen Pfad, schnitt sich dabei die, eh schon verunstaltete, Jeans auf und kam schlussendlich an einer kleinen M├╝ndung zu einer Stra├če an.
Die H├Ąuser waren in dezenten, aber doch auffallend h├╝bschen Farben gehalten. Es reihten sich sanfte Gelb-, Rosa-, Blau- und Gr├╝nt├Âne aneinander, gepaart mit den altert├╝mlich wirkenden Ornamenten an deren Fassaden. In den Erdgeschossen, dieser bezaubernden alten H├Ąuser, wurden im Laufe der Zeit immer mehr L├Ąden er├Âffnet und einen Laden kannte der Mann besonders gut. Er hatte Angst an diesem Laden vorbeizulaufen, nicht weil er aussah wie er nunmal aussah, sondern aus Angst vor Erinnerungen, jedoch f├╝hrte kein Weg vorbei, so schmerzlich es auch sein mochte. Der Mann trat den schweren Gang an auf dieser Stra├če, er nahm weder die wunderbaren Fassaden noch die umherlaufenden Leute, die wie Ratten aus ihren L├Âchern empor krochen, sobald es warm wurde, wahr. Er passierte viele kleine L├Ąden, das Caf├ę, in dem er einst so gerne sa├č, seinen Espresso trank und die Tageszeitungen verschlang, das Kiosk, in dem er einst so gerne seine Zigaretten kaufte, welche er gen├╝sslich im Caf├ę nebenan rauchte, die kleine Boutique, in der er einst so gern abwertende Gespr├Ąche mit dem Besitzer hielt ├╝ber die uns├Ągliche heutige Mode und das kleine Antiquariat, in dem er stundenlang ungest├Ârt st├Âbern konnte und bei Fragen zu bestimmten Werken, jederzeit von der ├Ąlteren Dame, der das Antiquariat geh├Ârte, viel zu lange Antworten bekam.
Doch nun, stockte sein Atem. Er bekam kaum Luft, so stockte es. Die Luft in seiner Lunge konnte nicht entweichen und sein Herz fing an zu rasen. ÔÇ×Rote MinzeÔÇť, leuchteten die entsprechend angeordneten Neonlichtr├Âhren ├╝ber dem bevorstehenden Laden. Es war ein kleines Restaurant, zwischen dem kleinen Antiquariat und einem feinen Schuhladen, in dem hoher Wert gelegt wurde auf Handarbeit und Freundlichkeit. Vor dem Restaurant ÔÇ×Rote MinzeÔÇť befanden sich mehrere kleine Tische und St├╝hle, ein paar Menschen a├čen dort ihr Abendbrot, sie lachten und unterhielten sich lautstark, teilweise ├╝ber die einzelnen Tische hinweg.
Der Mann erinnerte sich, wie er einst an eben diesen Tischen sa├č, seine blutrote Tomatensuppe schl├╝rfte und Teil der lautstarken Masse war. Er diskutierte und unterhielt sich mit Fremden, teils ihm bekannten Leuten ├╝ber die Geschehnisse der Welt und andere Themen. Er war so enthusiastisch und voller Freude am Leben. Aus wenig machte er viel.
Als der Mann sich dem Restaurant weiter n├Ąherte warf er einen fl├╝chtigen Blick hinein und er erkannte die Bilder an den W├Ąnden, die St├╝hle und Tische aus Kirschholz, die roten Stoffservietten, ordentlich gefaltet auf den Tischen liegen und er traute seinen Augen kaum, sein Atem stockte ihm wieder, schlimmer als jemals zuvor, sein Herz raste unaufh├Ârlich, seine Benommenheit war verschwunden, er konnte f├╝hlen wie die Freude den Weg zu ihm zur├╝ckfand. Er taumelte nicht, sondern er ging entschlossenen Weges auf den Eingang des Restaurants zu.
ÔÇ× Du bist hier!ÔÇť, sagte der Mann im Moment des Eintretens mit einem Zittern in seiner sonst so gefestigten Stimme. ÔÇ×Du bist hier!ÔÇť, sagte der Mann erneut und dieses Mal konnte er seine unfassbare Freude nicht verbergen.
Eine Frau an der Bar drehte sich um. Die Frau hatte lange, gl├Ąnzende braune Haare, ihre Augen waren braun, wie die Tische und St├╝hle, die sie umgaben. Ihre Nase war klein und passte perfekt zu ihrem Gesicht, ihre Lippen waren gef├╝llt und rot geschminkt, jedoch nicht zu aufdringlich, wie man es ├Âfter sah auf den Stra├čen. Ihr Mund verzog sich zu einem Grinsen und sie hatte eine Freude in ihren Augen, die selbst Pessimisten nicht verkennen konnten. Sie ging auf den Mann zu, ohne Worte, der Mann stand regungslos im Eingang der ÔÇ×Roten MinzeÔÇť und sie umarmte ihn, sie umarmte ihn, wie sie noch nie jemanden umarmte.
ÔÇ×Ich bin nicht gegangenÔÇť, fl├╝sterte sie dem Mann in sein Ohr.
ÔÇ×Nimm Platz und ich bringe dir etwas zu essen. Hast du einen Wunsch?ÔÇť, fragte sie erwartungsvoll.
Der Mann erwiderte: ÔÇ×Ja, Tomatensuppe, bitte.ÔÇť

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DocSchneider
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Hallo Gunneeer, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Sch├Ân, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Ma├če an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den h├Ąufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken

Sch├Âne kleine Geschichte! Was es wohl mit der Frau auf sich hat? Bleibt geheimnisvoll. Vielleicht kannst Du den ersten Teil etwas straffen.


Viele Gr├╝├če von DocSchneider

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Carmen Engel
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Registriert: Aug 2017

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Hallo Guneeer,

habe die KG mit Interesse gelesen und mehr Fragen als Antworten.
Um was geht es? Mir fehlt der Konflikt bzw. er ist mir nicht deutlich genug herausgearbeitet. Am Ende habe ich auch keinen Aha-Effekt und auch keine L├Âsung (der Konflikt fehlt ja).
Ich denke, es liegt daran, dass Du sehr viel beschreibst und wenig Handlung stattfindet. Der Charakter ber├╝hrt mich leider nicht. Ich erfahre trotz viel Beschreibung zu wenig ├╝ber ihn und das, was ihn bewegt.
Die ersten beiden S├Ątze finde ich toll. Sie ziehen mich hinein in den Text. Doch dann nimmt die Spannung leider ab.
Grunds├Ątzlich verwendest Du sehr, sehr viele Adjektive. Die nicht notwendig sind und den Text auch nicht so gut lesbar machen. Du kannst locker die H├Ąlfte, und sicher noch mehr, streichen. Daneben ist mir aufgefallen, dass Du auch einige Schachtels├Ątze drin hast. Die k├Ânntest Du k├╝rzen, um dem Text mehr Leichtigkeit zu verleihen.
Und dann lass mich wissen und sp├╝ren, was das Problem des Charakters ist. Denn ich denke, Du k├Ânntest mehr aus dem Text machen.
Ich w├Ąre gespannt. :-)

Viele Gr├╝├če
Carmen

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Maribu
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Registriert: Jun 2012

Werke: 67
Kommentare: 219
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Rote Minze

Hallo Gunneer,
Ein Mann, ziemlich gut beschrieben, verzweifelt und voll innerer Leere, sitzt an einem rei├čenden Fluss. Wollte er Suizid begehen?
Ihm graute vor dem Heimweg, er taumelte mehr als er ging.
"Er hatte Angst, an diesem Laden vorbeizulaufen." - Warum?
Ist er mit diesem Laden pleite gegangen?
Wer ist die Frau in dem Restaurant, die er da nicht erwartet hatte
und die nicht gegangen war?
Das sind Fragen, die nicht beantwortet werden. - Aber vielleicht
wolltest du es auch so mystisch haben?!

Lieben Gru├č
Maribu

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