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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Liebe
Eingestellt am 13. 03. 2003 17:14


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Pupuze
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2003

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Kissen in Orange

Felizia dachte an ihr unglĂŒckliches Dasein und schĂŒttelte ihr nasses Haar aus. So trocknete es besser. Es machte sie krank, stĂ€ndig mit der Angst leben mĂŒssen, verlassen zu werden. Es ist alles so kompliziert. Warum kann das Leben nicht einfacher verlaufen, dachte sie. Oder besser noch, einfach ohne Liebe. Sie wußte, nicht wozu die Liebe dienen sollte, und machte sich an diesem Morgen Gedanken. Zeit hatte sie genug. Torsten, ihre letzte große Liebe, hatte sich gestern Abend von ihr verabschiedet. Sie wollte nicht mehr an ihn denken. Verdammt es geht nicht, sagte sie laut, ich muss stĂ€ndig an ihm denken. Alle ihre Gedanken kreisten sich nur um ihn.

Es mĂŒsse sich in ihrem Leben etwas Ă€ndern, beschloss sie. Sie war doch eine erfolgreiche Frau, zwar nicht mehr ganz so jung, aber sie sah noch gut aus. Sie lĂŒftete ihr Haar mit den gepflegten Fingern, nahm einen Schluck von ihrem Cappuccino und öffnete das DekolletĂ© ihres schwarzseidenen Kimonos mit dem riesigen, roten Drachen auf dem RĂŒcken, damit die Sonne sie besser brĂ€unte.

FĂŒr die GanzkörperbrĂ€une fand sie, war es noch etwas kalt. Es waren die ersten schönen FrĂŒhlingstage an einem Sonntag. Die Liebe war weg und sie wieder allein. Felizia war zum heulen zumute. Davon bekommt man Derrick-SĂ€cke unter den Augen, dachte sie, wobei sie innerlich schluchzte und Ă€ußerlich seufzte. Ihr Blick fiel auf ihre HĂ€nde. Waren es Altersflecken, was sie am RĂŒcken der linken Hand sah?
O Nein, schrie sie fast laut, Altersflecken, das schon mit 37! Sie sollte ihre HĂ€nde besser vor Sonne schĂŒtzen, das kĂ€me von der Sonne, sagte schonungslos eine besserwisserische Stimme in ihrem Kopf. Und beim nĂ€chsten Termin solle sie auf jeden Fall ihre Kosmetikerin fragen, ob es dagegen ein Mittel gibt. Es gĂ€be doch immer ein Mittelchen, schließlich wĂ€re sie bestimmt nicht die Einzige, die Altersflecken bekam, grĂŒbelte sie nach. Die Kosmetikindustrie sei immer einen Schritt voraus und entwickele immer neue Mittel. FrĂŒher, zur Zeiten ihrer Mutter gab es wenige Mittelchen, fiel ihr ein. Da war sie wirklich glĂŒcklich, in der heutigen Zeit zu leben. Bis auf die paar Altersflecken waren ihre HĂ€nde noch sehr frisch. Keine Hornhaut, keine eingerissene FingernĂ€gel. Sie schaute nun die HandinnenflĂ€chen an. Sie sind so schön weich, dachte sie. Sie wusste auch warum. Sie hatte ein gutes Rezept dafĂŒr. Eine dicke Schicht Feuchtigkeitscreme auf die HĂ€nde auftragen, weiße Stoffhandschuhe anziehen und ĂŒber Nacht einziehen lassen. Mindestens einmal im Monat machte sie das. Auch die MĂ€nner mochten ihre HĂ€nde. Sie fanden sie klein und schön, wie PĂŒppchenhĂ€nde hatten viele von ihnen gesagt, fiel ihr ein. Sie hob ihre linke Hand auf die Augenhöhe und bewunderte sie gegen das Sonnenlicht. Dann fiel ihr ein altes Sprichwort von ihre Oma ein: HĂ€nde begucken bringt UnglĂŒck. Es stimmte Haar genau. Sie schaute ihre HĂ€nde und war tief unglĂŒcklich darĂŒber, wie sehr diese unselige Liebe ihre Gedanken in Anspruch nahm.

Dieser verdammter Torsten hat mir das Herz gebrochen, zischte sie zornig die ZĂ€hne aneinander gepresst. Dabei hĂ€tte sie nicht gedacht, dass ihr das nach dem Drama mit Michael noch mal passiert. Sie nahm noch einen Schluck Kaffee und ließ ihren Blick auf den schmalen aber gemĂŒtlichen Balkon wandern. Dieses Jahr sollte sie weiße Blumen kaufen, bestimmte sie in Gedanken. Alles sollte weiß blĂŒhen. Weiß ist in Indien die Farbe der Trauer. Sie sollte jetzt auch trauern. Mit weißen Blumen, dachte sie und schaute sich auf dem Balkon um. Ob dazu die orangefarbenen KissenbezĂŒge passen, zweifelte sie plötzlich. Was habe sie damals nur geritten, als sie die gekauft hatte, fragte sie sich kopfschĂŒttelnd. Ach ja, erinnerte sie sich wieder, das passierte letztes Jahr und da sei sie auf diesem Orient-Trip gewesen. Üppige, duftende Rosen hatte sie auf dem Balkon pflanzen lassen, obwohl der GĂ€rtner ihr davon abgeraten hatte. Aber sie wollte es unbedingt so haben. Sie hatte auch die Balkonmöbel in den Keller tragen lassen. Anstelle deren war dann diese Matratzen- und Kissenlandschaft auf dem Balkon entstanden. Die Rosen hatten nicht mal den Sommer ĂŒberstanden, geschweige den Winter. Sie waren alle verlaust. Sie ekelte sich bei dem Gedanken. Dann erinnerte sie sich auf die schöne Zeit auf den Kissen. Es waren ein paar sehr schöne NĂ€chte gewesen. Aber nur mit wem, fragte sie sich. War es Michael? Nein, Michael war es nicht. Ihn hatte sie erst im Herbst kennen gelernt. Es war Lutz, schoss es ihr in den Kopf. O Gott, Lutz, dachte sie. Den hatte sie beinahe vergessen. Im nachhinein war es ihr ganz recht, dass es nichts mehr wurde mit Lutz, außer den SommernĂ€chten auf der orientalischen Kissenlandschaft.





Sie nahm den letzten Schluck aus der Tasse und dachte an Lutz. Sie erinnerte sich wie der Sex mit ihm war. Nichts besonderes, eher schlecht als gut, entschied sie. Sein Penis war eindeutig unterdurchschnittlich, bestimmte sie, nach dem sie im Geiste schnell einen Vergleich gezogen hatte. Aber Du warst in ihn trotzdem verliebt gewesen, sagte ihr eine innere, melancholische Stimme. Lutz, beim dem Gedanken lĂ€chelte sie, Lutz, der komische KĂŒnstler, der nie lachen konnte. Malen konnte er genauso wenig, fiel ihr ein. Alles was er gemalt hatte waren FĂŒĂŸe und Orangen gewesen. Sie gab zu, keine Kunstkenntnis zu besitzen, aber was sollten FĂŒĂŸe und Orangen ihr sagen? Anscheinend hatten sie auch den Galeristen nichts gesagt, erinnerte sie sich, denn Lutz hatte seine FĂŒĂŸe und Orangen in seiner dunklen Parterre-Wohnung gestapelt.

Ja, Lutz war es, dachte sie, mit dem sie es auf dem orange-orientalischen Kissen getrieben hatte. Sie hatte damals alles sehr romantisch gestaltet. Kerzen ĂŒberall, leise Oud-Musik von einem Araber auf dessen Namen sie jetzt nicht kam. Alles war stilecht hergerichtet. Als sie sich auf diesen seidigen KissentĂŒrmen niederließen, hatte Lutz nicht viel gesagt, erinnerte sie sich. Sie hatte den ganzen Abend erzĂ€hlt. Lutz hingegen verschlang schweigend die Lammkoteletts mit seinen nach Ölfarbe riechenden HĂ€nden. Dabei hatte sie sich so viel MĂŒhe gegeben mit Kochen. Er hatte das alles nicht zu schĂ€tzen gewusst, entschied sie. Sie hatte ihn zwar geliebt, aber das wĂ€re auf die Dauer sicherlich sehr anstrengend gewesen.

In der sehr kurzen Zeit wĂ€hrend sie zusammen waren, gab er ihr ein gutes GefĂŒhl, dachte sie. Besonders wenn sie an seinem Arm eingehakt mit Freunden ausging. Er sei zwar stets stumm geblieben, aber er hatte sehr gut ausgesehen und war zudem noch sehr viel jĂŒnger gewesen als sie. Sie war sich bis heute nicht ganz sicher, aber die Biene sei ganz schön neidisch auf sie gewesen, ging es ihr durch den Kopf. Ihre beste Freundin langweilte sich sicherlich mit ihrem Langzeitfreund Bankangestellte Bernd.

Und eines Tages, erinnerte sie sich, war dieser junge, talentierte KĂŒnstler, so hatte sie immer in Gegenwart ihrer Freunde ĂŒber ihn gesprochen, plötzlich auch weg. Er hatte sich nicht mehr gemeldet, obwohl sie mehrmals auf seinen Anrufbeantworter gesprochen hatte. Und geraumer Zeit spĂ€ter war die Nummer nicht mehr besetzt. Sie hatte damals gedacht, er habe wieder mal seine Telefonrechnung nicht bezahlt und ging zu seiner Wohnung. Dort fand sie nur einen verĂ€rgerten Vermieter, der auf drei Monatsmieten saß. Der Vermieter hatte sogar damals die UnverschĂ€mtheit gehabt, sie zu fragen, ob sie mit diesem Flegel, so hatte er sich ausgedrĂŒckt, irgendwie verwand oder gut befreundet war, fiel ihr wieder ein. Ihr war das alles sehr peinlich gewesen. Sie konnte sich noch aus der AffĂ€re retten, in dem sie angab, der Flegel habe auch ihr Geld geschuldet, weswegen sie ihn aufsuchen wollte.

Sie hatte nicht die leiseste Ahnung, wohin dieser Typ verschwunden war. Wahrscheinlich ließ er sich von einer anderen Frau schweigend aushalten, dachte sie leicht angewidert. Und in so einem war sie verliebt gewesen. Seinetwegen hatte sie den Balkon in einem orientalischen Puff verwandelt. Nur weil er allergisch auf ihre Katze war und nicht in der Wohnung schlafen konnte. Na Gott sei Dank ist er weg, sagte sie beinahe laut und glĂ€ttete mit den HĂ€nde den Kimono auf ihrem Schoß als wolle sie imaginĂ€re BrotkrĂŒmel wegfegen. Wie hĂ€tte diese Beziehung im Winter weiterlaufen sollen, hatte sie sich wohl nie gefragt, fragte sie sich jetzt vorwurfsvoll. Sie hĂ€tte vermutlich die Katze in ein Heim gegeben und die Wohnung neu renovieren lassen, damit der FußkĂŒnstler nicht nachts an einem Asthmaanfall starb, lachte sie selbstironisch.

Keiner kann jetzt meinen Schmerz auch nur ahnen, sagte sie sich abermals seufzend. Schon wieder war sie alleine und das im FrĂŒhjahr. Ein Bericht kam ihr in den Sinn, den sie mal im Fernsehen gesehen hatte. Dort wurde gesagt, im FrĂŒhjahr sei die Selbstmordrate am höchsten. Erst jetzt konnte sie verstehen, warum. Es war schrecklich, im FrĂŒhjahr alleine zu sein. WĂ€hrend nun die verliebten PĂ€rchen arm im Arm durch die Stadt schlenderten, sich die neue Sommerkollektion in den Schaufenstern anschauten und dabei vom gemeinsamen Urlaub trĂ€umten - vielleicht ein Strandurlaub in der SĂŒdsee oder auch einfach nur nach Italien oder nach Frankreich fahren- wĂŒrde sie alleine ihre schweren EinkaufstĂŒten ins nĂ€chste Cafe tragen, um dort wieder die glĂŒcklichen PĂ€rchen zu beobachten, wie sie sich gegenseitig das AmarettogebĂ€ckkĂŒgelchen in den Mund schieben. Diese Gedanken deprimierte sie zutiefst.

Beim nĂ€chsten Mann alles anders machen, entschied sie resolut. Aber was, wusste sie nicht. Nein, bevor sie aber an den nĂ€chsten Mann dachte, mußte sie erst ihren Liebeskummer auskurieren. Und allgemein ĂŒber die Liebe und ĂŒber ihre Art zu lieben sollte sie denken, beschloss sie. Erst sollte sie die Ursachen finden. Wahrscheinlich liebte sie zu intensiv, dachte sie. Zu heftig, zu tief, dass die MĂ€nner nicht mit ihr mit kamen. Sie hatte alles fĂŒr ihre Beziehungen getan. Der Balkon war nur eine Kleinigkeit gewesen. Sie war zu sehr hingebungsvoll, daher verstand sie keiner, fasste sie als Ergebnis ihrer Selbstanalyse zusammen. Es musste so sein, denn nach einer Zeit gingen sie alle, ohne ihr erklĂ€ren zu wollen, warum. Dabei wollte sie es immer wissen, woran es gelegen hatte. Denn, wie sollte sie sich denn Ă€ndern, wenn man es ihr nicht sagte, Ă€rgerte sie sich. Warum konnte niemand, so vorbildlich wie die Kosmetikindustrie, gegen Liebeskummer und den ganzen Ärger auch irgendwelchen Salben, Pillen oder Cremes herstellen, dachte sie. Jeden Morgen eine Pille einnehmen, und sie sind ein Leben lang glĂŒcklich mit ihrem Liebsten. Es gibt dann nie Streit, jeder Wunsch wird ihnen aus den Augen gelesen, und sie leben glĂŒcklich zusammen bis ans Ende ihrer Tage, Arm in Arm flanieren sie durch die Stadt, zwischendurch geben sie sich einen flĂŒchtigen Kuss, vielleicht an der Rolltreppe, um die Zeit zu verkĂŒrzen...Wie wunderbar könnte doch das Leben sein, wenn man so eine Pille hĂ€tte.

Es gibt leider nicht so ein Mittelchen, dachte sie desillusioniert. Es gibt nicht mal Ratgeber um einen guten und tauglichen Partner zu finden, fĂŒgte sie ihren Gedanken hinzu. Felizia, wo in Gottes Namen findest du immer diese komischen MĂ€nner, hatte ihre beste Freundin Sabine gefragt, als sie sich das letzte Mal mit ihr im Cafe das Drama Michaelhatmichverlassen anhörte, das kurz nach Lutzistwegwassollichtun kam. Woher, wusste sie auch nicht. Sie zog eben die falschen MĂ€nner an und sie hatte keine Ahnung warum, antwortete sie jetzt die Schultern zuckend.

Dann dachte sie wieder an Thorsten. Dieses herzlose MiststĂŒck hatte es ja doppelt treiben mĂŒssen. Ach MĂ€nner, seufzte sie abermals, und sah ihre Nachbarin samt Ehemann und FahrrĂ€dern einen Sonntagsausflug machen. So eine heile Welt, wĂŒnschte sie sich auch. Warum hatte sie keinen Mann, der mit ihr auf einer grĂŒnen Wiese Picknick machte. Nein, statt dessen musste es einer wie Torsten sein, der sie doch nur ausgenutzt hatte, fluchte sie wĂŒtend. Als er sie satt hatte, ging er zurĂŒck zu seiner Frau und machte mir ihr womöglich heute auch einen Fahrradausflug. Nichts stimmte mehr von der schwierigen Beziehung und einer verstĂ€ndnislosen Ehefrau, wie er sich etliche Male auf ihren weichen Busen ausgeweint hatte. Diese Gedanken schmerzten sie sehr. Sie hatten sich wirklich gut verstanden, zumindest eine zeitlang. Sie hatte ihm ihre unglĂŒcklichen Geschichten erzĂ€hlt mit Lutz, Michael und den MĂ€nnern davor. Sie hatte gedacht, er verstand sie. Pustekuchen, dachte sie. Gestern wollte er wieder zu seiner Frau zurĂŒck und alles was er ihr sagen konnte war, dass es ihm leid tat.

Sie lĂŒftete ihr Haar, das schon fast trocken war. Das Wetter schien schön zu bleiben. Warum sollte sie zu Hause sitzen. Vielleicht sollte sie wieder einen schönen Spaziergang am Main machen. Michael hatte sie dort kennen gelernt, erinnerte sie sich plötzlich. Es war schließlich Sonntag und dort waren so viele Menschen zu sehen. Also, genug getrauert, beschloss sie. Im FrĂŒhjahr sollte man die Sonnenstrahlen immer ausnutzen. Man weiß ja nie, wann es wieder schön wird. Mit diesen Gedanken erhob sie sich von den KissentĂŒrmen und ging ins Schlafzimmer um sich zum Spaziergang umziehen. Sie entschied sich fĂŒr weiß.

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