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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Liebe Bell-in-da, du Aas!
Eingestellt am 08. 10. 2009 10:59


Autor
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Epiklord
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2009

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(Es ist kein aktuelles Schreiben)

Anti-Liebesbrief

Du hast mich verlassen. Dass der Verlassene die schwerere B├╝rde tr├Ągt, kann ich nicht best├Ątigen. Ich komme mir vielmehr so vor, als h├Ątte mich ein Floh verlassen, und es kratzt mich nicht. Und, Bellinda, es ist einfach nicht richtig, wenn du behauptest, am Anfang unserer Beziehungskiste h├Ątte ich mehr Gef├╝hl, Leidenschaft, ja Inbrunst gezeigt, als sp├Ąter. Die Wahrheit ist, dass meine Liebesschreie auf deiner Couch weniger Ausdruck meiner Liebe zu dir waren, sondern durch deinen Waldi verursacht wurden, der mir seine Rei├čz├Ąhne hemmungslos in die Zehen geschlagen hatte, was ich r├╝cksichtsvoll bis jetzt verschwiegen habe.

Auch ein Kribbeln, das du mir gegen├╝ber versp├╝rt gehabt haben willst, ist mir fremd geblieben; es war mehr ein Juckreiz, wohl weil ich allergisch auf deine K├Ârperlotion reagiert hatte. Trotzdem w├Ąre ich dir bestimmt ein guter Partner geworden, Bellinda. Zwar hatte ich an unseren Wochenenden immer etwas viel getrunken. Aber eine Frau muss in der heutigen leichtlebigen Zeit schon froh sein, wenn ihr Mann mit einem schweren Kater aufwacht, anstatt mit einer Geliebten!

Ungern erinnere ich mich allerdings an deine st├Ąndige, detektivische und einnehmende Observation. War das Objekt, was ich einst erlegte, eine leidige Fliege, so war ich dein Opfer. Dein dauernder Charme und endloser Kuschelzwang ber├╝hrten mich wie die Klatsche jene Fliege, treffsicher, aber leider genauso erdr├╝ckend. Au├čerdem mag ich keine Geborgenheit; die ist f├╝r mich wie K├Ąseglocken ├╝ber brennenden Kerzen.

R├╝gen muss ich dich auch, weil du immer wieder dieses Kleid mit den vielen Taftr├╝schen im Busenbereich bei mir zu Hause getragen hattest, wo du wusstest, dass der Fahrstuhl so eng war und ich mich stets, wenn wir gemeinsam den M├╝ll runter f├╝hren, mich gedankenverloren mit meiner Brille in diesen widerlichen R├╝schen verfangen w├╝rde. In diesem Zusammenhang war ich auch sehr gekr├Ąnkt, als du einmal sagtest, ich f├╝hlte mich ewig von dir auf den Schlips getreten, lachtest dann noch frech und meintest, es l├Ąge wohl daran, das jener ob meiner kurzen Beine wohl auf dem Boden schleife. Dabei wei├čt du genau, dass in mir das Kluge wuchert, ich einen sehr hohen IQ schon seit meiner Geburt habe, und mein schweres Gehirn so stetig auf den K├Ârper dr├╝ckt, wodurch der nat├╝rlich nicht so ins Kraut schie├čen konnte.
Als ich mich auf eine Fu├čbank stellte, um an die Stubenlampe zu gelangen zum Auswechseln einer Gl├╝hbirne, erg├Âtztest du dich daran, weil du mir nun auf einer horizontalen Linie direkt in die Augen schauen konntest und w├╝nschtest dir, dass es f├╝r alle Zeiten ohne Hilfsmittel so bleiben sollte; mir aber wurde schwindelig, nicht deinem seligen Blick, sondern der H├Âhe wegen. Die Natur hat zwingende Gr├╝nde f├╝r ihre Konstruktionen und Eigenarten. Sie hatte es auch nicht zugelassen, dass du ein Kind kriegtest. Es w├Ąre auch nicht gegangen, denn du h├Ąttest dem Kind st├Ąndig seinen Schnuller geklaut, weil du selber noch einen brauchtest.

Gemein fand ich auch von dir, Bellinda, dass du mich auf dein Wasserbett gelockt hattest, wo du wusstest, dass mir bei dem wiederholten schaukelnden, schwabbelnden Auf und Ab unp├Ąsslich werden w├╝rde. Ja, du hast eben ein zweigeteiltes Ich, die eine H├Ąlfte ist ein Schwein, die andere ein k├╝mmerlicher Mensch. Einmal wird das Schwein in dir zum Menschen, ein anderes Mal der Mensch in dir zum Schwein, sowie damals zu Ostern, als du Mutter und mir s├Ąmtliche Eier weggegessen hattest. W├Ąrest du etwas wert gewesen, h├Ąttest du f├╝r uns Tr├╝ffel gesucht und gefunden. Ich hatte dir denn auch Ostermontag den Schweinehimmel auf Erden gew├╝nscht, der f├╝r die Nutztiere in den eigenen D├Ąrmen als Wurst gepresst Erf├╝llung findet. Du, Bellinda, allerdings bist ungenie├čbar, denn als du bei einem Zoobesuch deine Hand in den L├Âwenk├Ąfig stecktest, hatten diese blutr├╝nstigen Fleischfresser nicht einmal versucht, daran zu nagen.

Und ich glaube dir auch nicht, dass du an jenem Osterfeiertag die Brille vom Klo aus Versehen mit Schmierseife abgewischt hattest, so dass Mutter in dasselbe mit ihrem Hinterteil hineingerutscht war und wir sie nur m├╝hsam aus dieser misslichen Lage befreien konnten. Es war reine Schikane von dir. Und du hattest Gl├╝ck, denn w├Ąre ich noch ein zweites Mal mit dir in den Zoo gegangen, h├Ątte ich Mutter ger├Ącht und dich gezwungen, deine Hand diesmal in den Aasfresserk├Ąfig zu halten. Da w├Ąrst du bestimmt schlechter weggekommen, als bei den Gro├čkatzen. Ja, Bellinda, es ist dir vor l├Ąngerer Zeit denn auch recht geschehen, wo du deine Zigarette in Opas Neuerwerbung, den goldenen Spucknapf, ausgedr├╝ckt hattest, und Opa und Vater sich wieder ihres gemeinsamen Russlandfeldzuges bewusst wurden und Angriff auf deinen Hosenboden nahmen.

Und dann deine Eifersucht, als ich mit deiner besten Freundin Niki ein einziges Mal das Bett geteilt hatte. Es ist doch nichts passiert, ein Gummi hatte uns ja voneinander getrennt gehabt. Wozu also deine helle Aufregung?! Zu meiner Entlastung muss ich auch deutlich sagen, dass kein Mensch Lust haben kann, sonst k├Ânnte man sie ja abstreifen, wie du es mit mir getan hast. Nein, die Lust hat einen; man kann sie h├Âchstens mit seinem Willen kanalisieren. Ich bin aber leider kein Kanalarbeiter und sehr willensschwach. Du bist doch auch, bevor du mit mir liiert warst, ein Typ gewesen, der nichts hat anbrennen lassen, wie du zugegeben hattest. Unsere akute Kennenlernphase stellt sich f├╝r mich jetzt bildlich so dar, als w├Ąre mein Nebenbuhler Bernd seinerzeit Wasser gewesen und ich eine Schupfnudel. Die Schupfnudel hattest du nicht anbrennen lassen, sondern sie vorher vernascht. Ach, w├Ąre ich doch Bernd, das Wasser gewesen, das sich indessen mit Volldampf verfl├╝chtigte.

Ich m├Âchte dir noch mitteilen, ob ich dich jemals geliebt habe. Nein! Zwar hatte ich jedes Mal ja gesagt, aber es war N├Âtigung von dir, mich dies kurz vor dem H├Âhepunkt zu fragen. H├Ątte ich die Frage verneint, w├Ąrst du sicher prompt abgesprungen und zu meinem Nachbarn gelaufen. Wie du am Telefon sagtest, h├Ąttest du mit ihm schon mal hinter meinem R├╝cken angebandelt, weil er dir leid tat, so ohne Freundin, und du dich mit der Schuld einer ÔÇ×unterlassenen HilfeleistungÔÇť, wie du es nennst, nicht belasten wolltest. F├╝r diese edle Tat sollte man dir das Bundesverdienstkreuz verleihen.

Insgeheim liebte ich sowieso einzig mein Computerchen, den teuren Freund. Schon am Anfang war es schwierig und damit interessant gewesen, den Rechner ├╝berhaupt anzumachen; bei dir, Bellinda brauchte ich mir leider keine M├╝he zu geben. Der PC diente mir auch brav, wie selbstverst├Ąndlich, wogegen du dich obligatorisch str├Ąubtest. Deine Software war hoffnungslos veraltet, und nat├╝rlich nicht so einfach auswechselbar. Bei ihm tauschte ich sie flugs mit einem Handgriff aus; mal gab es dann Kochrezepte franz├Âsisch, mal asiatisch, bei dir nur Hausmann.

Mein Computerchen hatte auch sehr verwinkelte Verstecke potentieller Optionen, denen man irgendwann, vielleicht zuf├Ąllig, begegnen w├╝rde, im Gegensatz zu dir, bei der absolut nichts ├ťberraschendes aufzusp├╝ren ist. Deine Seele hat keine geheimen Nischen. Sie ist platt und plump wie die Pfannkuchen, die du alle drei Tage b├Ąckst. F├╝r dich hatte ich mir denn auch in unserem Hochgebirgs-Urlaub einen Absturz ertr├Ąumt. Leider ist der nun meinem geliebten Computerchen widerfahren.

Dein Duftw├Ąsserchen ÔÇ×Chanel Nr. 5ÔÇť, welches ich dir j├╝ngst geschenkt habe, steht noch bei mir im Bad, und du erh├Ąltst es umgehend per Post zugestellt. Eine neuere wissenschaftliche Untersuchung hat ├╝brigens ergeben, dass M├Ąnner mehr durch Garten- und K├╝chenger├╝che anzuheizen sind, so z. B. durch Kr├Ąuter auf der Pizza; und weil M├Ąnner nun mal laut der wissenschaftlichen Studie derartigen Ger├╝chen hoffnungslos verfallen, kannst du mir nicht b├Âse sein, dass ich mich in unserer gemeinsamen Zeit mit einer Pizzab├Ąckerin eingelassen hatte. Damals kannte ich die besagte Kr├Ąutergeruchswirkung noch nicht, sonst h├Ątte ich in der Anwesenheit jener Frau nat├╝rlich dir zuliebe eine Atemschutzmaske ├╝bergest├╝lpt.

F├╝r deine weitere Zukunft, liebe Bellinda, w├╝nsche ich dir alles Gute. Aber da hast du ja schon beflissen vorgesorgt, indem du einen Esel gefunden hast, der f├╝r dich mitarbeiten geht. Ich sorge mich nur darum, was du inzwischen die ganze Zeit treibst. Aber in eurer Gegend soll neuerdings ein h├╝bscher Brieftr├Ąger unterwegs sein.

Ich tr├Âste mich am Busen der Natur ÔÇô der ist am gr├Â├čten.


Viele Gr├╝├če und tausend letzte, kalorienfressende, innige K├╝sse.

Dein . . .

Version vom 08. 10. 2009 10:59

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