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Leselupe.de > Kurzprosa
Liebe Eltern
Eingestellt am 23. 07. 2004 21:06


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Anna Osowski
Routinierter Autor
Registriert: Jun 2004

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Liebe Eltern,
heute schlĂ€gt mein Herz wieder so laut, dass ich mich davor verkriechen möchte. Dumpf legt sich der Tag wie alle anderen auf die Welt und lĂ€sst das Leben erstarren. GefĂŒhle huschen linkisch wie Ratten durch die stillen Winkel meiner Seele. TrĂŒbe Schatten nur. Immer wieder versuche ich aufzustehen, aber ein gewaltiger Stein hĂ€lt mich am Boden. Mein Körper ganz schwer. Ich habe heute ein Bild gemalt, das wĂŒrde ich Euch so gern zeigen. Aber Ihr könnt noch nicht einmal die Farben erkennen. Kaum erinnere ich mich an Euer Lachen. Habe ich Euch jemals lachen gesehen? Habe ich Euch jemals weinen gehört? Ich kann mich nicht erinnern. In mir ist stetige DĂ€mmerung, als wolle die Sonne einfach nicht mehr aufgehen. Warum habt Ihr mir dieses Zimmer gegeben mit den dicken grĂŒnen VorhĂ€ngen, die kein Licht durchlassen. Ein Zimmer, in dem es immer und immer dunkel ist...

Dieses zĂ€he Atmen. Ich weiß nicht, was das ist. Vielleicht liegt es an den kleinen, gelben Pillen, die sie mir seit ein paar Tagen geben. Sie fragen nach Euch. Immer wollen sie etwas ĂŒber Euch wissen. Aber ich kann ihnen nichts sagen. Der Doktor bohrt in meinen Augen, in meinen Ohren, in mir. Er will so vieles wissen. Dann ist immer diese Schlinge um meinen Hals, so dass ich nicht sprechen kann. Aber sie sind stĂ€rker als ich. Sie wollen etwas hören. Und deshalb erzĂ€hle ich ihnen etwas. Irgendetwas. Nur, damit sie mich in Ruhe lassen. Der Doktor schaut meine Bilder an und dann bekommt er stĂ€ndig Furchen auf seiner bleichen Stirn. Ich möchte ihn beruhigen und die Furchen weg streichen, die wie aufgewĂŒhltes Wasser mir anklagend entgegen schreien. Aber er verlĂ€sst das Zimmer mit den Furchen und zurĂŒck bleibt eine winzig kleine Ahnung. Und sobald ich mit dieser Ahnung allein bin, zertrete und zertrampele ich sie, denn ich kann sie nicht ertragen.

Der gallig-gelbe Raum, in dem ich die meiste Zeit des Tages verbringe, hat einen unertrĂ€glichen Geruch. Nach Erbrochenem und nach Verfaultem. Und dann denke ich, dass das Verfaulte schon lĂ€ngst in mir wohnt. Und dann möchte ich es heraus reißen. Und zertreten. Aber dann kommen sie und binden mir die HĂ€nde. Und die Beine. Und manchmal auch die Schreie.

Liebe Eltern, ich weiß nicht, wo ihr jetzt seid. Sie bekommen immer so ernste Gesichter, wenn sie davon reden. Ich habe doch noch Eure Schreie in den Ohren. Jede Nacht höre ich sie, deutlicher als ich Eure Stimmen je vernommen habe. Und das ist es doch auch nur, was ich wollte. Eure Stimmen hören. Ich höre sie, aber sie antworten mir nicht. Die Schreie verhallen in der Weite der Dunkelheit, aber sie treffen mich nicht, reichen nicht an meine Seele. Es ist, als hĂ€tte ich einen Stein ins Wasser geworfen: Jede Nacht sehe ich die Wellen, doch immer stehe ich am Ufer. Liebe Eltern, ich wollte Euch nicht weh tun, ich wollte nur Eure Stimmen heraus zwingen. Heraus brennen. Und nun steht da ein verkohltes Fundament. UnzĂ€hlige schwarze, verrußte Steine. Und die Schreie ins Nirgendwo. Die niemand hört außer mir.

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AndreasGaertner
Guest
Registriert: Not Yet

An die liebe Anna..

hier meine Anmerkungen zum Zweiten..

Liebe Eltern,
heute schlĂ€gt mein Herz wieder so laut, dass ich mich davor wovor? verkriechen möchte. Dumpf legt sich der Tag wie alle anderen auf die Welt und lĂ€sst das Leben erstarren. GefĂŒhle huschen linkisch Warum sind Ratten linkisch?wie Ratten durch die stillen Winkel meiner Seele. TrĂŒbe Schatten nur. Immer wieder versuche ich aufzustehen, aber ein gewaltiger Stein hĂ€lt mich am Boden. Mein Körper ganz schwer. Ich habe heute ein Bild gemalt, das wĂŒrde ich Euch so gern zeigen. Aber Ihr könnt noch nicht einmal die Farben erkennen. Kaum erinnere ich mich an Euer Lachen. Habe ich Euch jemals lachen gesehen? Lachen sehen Habe ich Euch jemals weinen gehört?..und weinen hören! Ich kann mich nicht erinnern. In mir ist stetige DĂ€mmerung Ein statischer DĂ€mmerzustand, das ist ein interessantes Bild, als wolle die Sonne einfach nicht mehr aufgehen. Warum habt Ihr mir dieses Zimmer gegeben mit den dicken, grĂŒnen VorhĂ€ngen, die kein Licht durchlassen. Ein Zimmer, in dem es immer und immer dunkel ist...

Dieses zĂ€he Atmen. Ich weiß nicht, was das ist. Vielleicht liegt es an den kleinen, gelben Pillen, die sie mir seit ein paar Tagen geben. Sie fragen nach Euch. Immer wollen sie etwas ĂŒber Euch wissen. Aber ich kann ihnen nichts sagen. Der Doktor bohrt in meinen Augen, in meinen Ohren, in mir. Er will so vieles wissen. Dann ist immer diese Schlinge um meinen Hals, so dass ich nicht sprechen kann. Aber sie sind stĂ€rker als ich. Sie wollen etwas hören. Und deshalb erzĂ€hle ich ihnen etwas. Irgendetwas. Nur, damit sie mich in Ruhe lassen. Der Doktor schaut meine Bilder an und dann bekommt er stĂ€ndig Furchen auf seiner bleichen Stirn. Ich möchte ihn beruhigen und die Furchen weg streichen, die wie aufgewĂŒhltes Wasser mir? anklagend entgegen schreien Was brĂŒllt dir entgegen?. Aber er verlĂ€sst das Zimmer mit den Furchen?und zurĂŒck bleibt eine winzig kleine Ahnung. Und sobald ich mit dieser Ahnung allein bin, zertrete und zertrampele ich sie, denn ich kann sie nicht ertragen.

Der gallig-gelbe gallig ist schon gelb Raum, in dem ich die meiste Zeit des Tages verbringe, hat einen unertrĂ€glichen Geruch. Nach Erbrochenem und nach Verfaultem. Der Raum, in dem ich meine Zeit verbringe, riecht nach erbrochenem und verfaultem.Und dann denke ich, dass das Verfaulte schon lĂ€ngst in mir wohnt. Und dann möchte ich es heraus reißen. Und zertreten. Aber dann kommen sie und binden mir die HĂ€nde. Und die Beine. Und manchmal auch die Schreie. Sie unterbinden dem Prot die Schreie.
Liebe Eltern, ich weiß nicht, wo ihr jetzt seid. Sie bekommen immer so ernste Gesichter, wenn sie davon reden. Ich habe doch noch Eure Schreie in den Ohren. Jede Nacht höre ich sie, deutlicher als ich Eure Stimmen je vernommen habe. Und das ist es doch auch nur, was ich wollte. Eure Stimmen hören. Ich höre sie, aber sie antworten mir nicht. Die Schreie verhallen in der Weite der Dunkelheit, aber sie treffen mich nicht, reichen nicht an meine Seele. Es ist, als hĂ€tte ich einen Stein ins Wasser geworfen: Jede Nacht sehe ich die Wellen, doch immer stehe ich am Ufer. Liebe Eltern, ich wollte Euch nicht weh tun, ich wollte nur Eure Stimmen heraus zwingen. Heraus brennen.?
!
Und nun steht da ein verkohltes Fundament. UnzĂ€hlige schwarze, verrußte Steine. Und die Schreie ins Nirgendwo. Die niemand hört außer mir. DAS IST SCHÖN GESCHRIEBEN.

Liebe Anna,

wenn Du den Text so begonnen hĂ€ttest, wie Du ihn beendetest, dann wĂŒrde sich dem Leser der interessante Inhalt Deiner Prosa besser erschließen.

Liebe GrĂŒsse

Andreas

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