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Leselupe.de > Kurzprosa
Liebe am Montag
Eingestellt am 18. 08. 2008 13:49


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arle
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2004

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Irgendwo habe ich mal gelesen, dass von einem Haus, in dem zwei Liebende beieinander liegen, eine gewisse Strahlung ausgeht, ein Licht, das bis ins Weltall zu sehen ist. Wenn das stimmt, dann war unser Haus letzte Nacht mit bloßem Auge von der Wega aus zu erkennen.

Vier Stunden spĂ€ter. Dort, wo gestern noch ein recht gut funktionierendes Gehirn brav seinen Dienst verrichtete, schlackert heute morgen eine graue Masse orientierungslos in ihrer Verankerung. Mit dem ĂŒblichen "aua au aua" erhebe ich mich mĂŒhsam aus dem Bett und wanke blind in die KĂŒche, wo mein SchĂ€tzchen bereits ĂŒber der zweiten Tasse Kaffee kauert. Eigentlich möchte ich in diesem Zustand nicht gesehen werden, aber zum GlĂŒck ist er genau so kurzsichtig wie ich, wodurch das Morgengrauen ein wenig eingedĂ€mmt wird.

Egal. Ich bin verliebt. Ich bin fröhlich. Ich bin ein Sonnenschein, auch um sechs Uhr zehn. "Guten Morgen, mein Liebster!", krĂ€chze ich und habe damit mein Tagessoll an Freundlichkeit erfĂŒllt. "Hmpf", macht er, und ich werte das mal als ein zĂ€rtliches "ich dich auch, mein Schatz".

Einen Kaffee hĂ€tte er mir ja wenigstens mit eingießen können. Bisher war mir noch gar nicht aufgefallen, was fĂŒr ein verdammter Egoist er sein kann. Ich schweige vornehm; auch, weil ich sowieso noch nicht in der Lage bin, einen vollstĂ€ndigen Satz zu formulieren. Aber dieses Verhalten ist mit ehernen Lettern in meinen SchĂ€del eingebrannt, und bestimmt wird sich an einem der nĂ€chsten Tage die Gelegenheit ergeben, es noch mal hervor zu holen und ihm um die Ohren zu hauen.

Ich greife mir den Aldi-Prospekt und lasse die bunten Bilder auf mich wirken, wĂ€hrend ich in meiner Tasse rĂŒhre. "Es hat sich schon mal einer tot gerĂŒhrt", brummt er, und in diesem Augenblick hasse ich ihn. Depp. Ich hasse auch SĂ€tze, die mit "könntest du heute vielleicht..." anfangen. Ich hasse die ganze Welt. Überhaupt: Er ist doch sonst eher wortkarg; wieso redet er jetzt ununterbrochen auf mich ein? Ich sehe selbst, dass draußen die Sonne scheint. Was noch lange nicht bedeutet, dass heute auch ein schöner Tag werden muss.

Aus dem Schlafzimmer ertönt ein deftiger Fluch, den wiederzugeben mir meine gute Erziehung verbietet. Aha. Monsieur versucht, in seine Arbeitshose zu steigen, die ĂŒber den HĂŒften verdĂ€chtig spannt. Ein erstes zaghaftes LĂ€cheln huscht ĂŒber meine ZĂŒge. Gestern abend hat er die Hose noch repariert, ganz der emanzipierte Mann, der er nun einmal ist; sprich: Er hat einen Knopf am TrĂ€ger angebracht. Leider hat er den Knopf an der Innenseite des TrĂ€gers angebracht, so dass wir nun in einer gemeinsamen, fast ĂŒbermenschlichen Anstrengung versuchen, den TrĂ€ger unauffĂ€llig so zu drehen, dass man ihn trotzdem anknöpfen kann. Ich denke mir, vielleicht wird der Tag heute ja doch noch ganz schön, und schaffe es fast, mein Grinsen zu verbergen. Er wirft mir einen vor Verachtung triefenden Blick zu und zischt: "Du bist so eine blöde Kuh".

Dann schaut er auf die Uhr und nimmt mich in den Arm und flĂŒstert: "Ich will nicht weg". Und ich sage: "Komm bloß bald wieder". Und dann fĂ€llt die TĂŒr ins Schloss. Und ich bin endlich allein.

Mit meiner dritten Tasse Kaffee und mit meiner Sehnsucht.
__________________
Am jĂŒngsten Tag, wenn die Posaunen schallen und alles aus ist mit dem Erdeleben, sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben von jedem Wort, das unnĂŒtz uns entfallen. - J.W. Goethe -

Version vom 18. 08. 2008 13:49
Version vom 18. 08. 2008 19:33

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

wirklich sehr gut geschrieben, @arle. der feine charme der bourgeoisie, gebeizt in sÀurebad langjÀhriger beziehung und getrocknet vom (ab und zu ein bisschen kalauernden) resthumor einer offenbar kampferprobten. da schlackert nichts wirklich. compliment!

das mit dem knopf ist allerdings a bissl arg weit hergeholt - den brÀucht's eigentlich nicht, und das wort angebracht kommt zu oft vor.

was völlig in der luft hĂ€ngt, ist das mit der liebe und dem sternbild. als kleingeist, der ich nun mal bin, erwarte ich im verlauf der idylle irgendeinen bezug, der etwas in der tat liebenswertes erkennen ließe. aber da ist rein gar nichts.

falls du auch den einstieg ironisch gemeint haben solltest, mĂŒsstest du dies besser zu erkennen geben, sonst liest sich die kĂŒchenstory fast wie ein kreuzwortrĂ€tsel. finde ich.

lg

bluefin

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