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Leselupe.de > Science Fiction
Liebe am Rande der Galaxis
Eingestellt am 27. 01. 2001 15:40


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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
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Liebe am Rande der Galaxis

Tschiesi aalte sich genu├čvoll in dem kleinen Pool, w├Ąhrend das angenehm temperierte Wasser sch├Ąumend ihren K├Ârper umbrodelte. V├Âllig entspannt und in sich versunken hielt sie die Augen geschlossen und atmete in gleichm├Ą├čigen Z├╝gen die vom Duft ihrer Lieblingsessenzen geschw├Ąngerte Luft. Es sah aus, als w├╝rde sie schlafen. Doch Tschiesi schlief nicht. Sie gab sich lediglich sehr angenehmen Tr├Ąumen hin. Ihre Gedanken eilten voraus, hatten diesen kleinen tristen Planeten schon verlassen und bescherten ihr bereits all die rauschenden Feste, die sie laut Reiseprospekt auf Cetanian feiern w├╝rde. Die Cetanianer galten schlie├člich als die gastfreundlichsten und lebenslustigsten Wesen innerhalb der Galaxis.
Das sanfte Schlurfen der Absauganlage bef├Ârderte Tschiesi in die Wirklichkeit zur├╝ck. Noch einmal streckte sie ihren K├Ârper, ehe sie aus dem Becken stieg und vor die kleine, mit verschiedenen Toilettenartikeln best├╝ckte Konsole trat W├Ąhrend sie ihren K├Ârper unter der Warmluftdusche dehnte, richtete sie den Blick nicht ohne einen Hauch weiblicher Selbstgef├Ąlligkeit auf ihr Hologramm. Ihre Gestalt war von ebenm├Ą├čigem Wuchs und die wenigen Fettpolster sa├čen exakt an den richtigen Stellen. Augenzwinkernd schenkte sie ihrem dreidimensionales Abbild ein L├Ącheln, mit dem sie die M├Ąnner aller Altersklassen an den Rand des Wahnsinns zu bringen vermochte. Ja - sie war sich ihrer reizenden Anmut durchaus bewu├čt, und es hatte damals keiner langen ├ťberzeugungsarbeit bedurft, um sie zur Teilnahme an einem der regionalen Sch├Ânheitswettbewerbe zu ├╝berreden. Und sie gewann tats├Ąchlich den ersten Preis!. Eine Kreuzfahrt durch die Galaxis! Sie hatte alle lukrativen Werbevertr├Ąge ausgeschlagen, auf die vielen verlockenden Heiratsangebote gepfiffen und war mit ihrem geliebten Tschui an Bord des kleinen Raumschiffes gegangen. Nur mit ihm allein von einem Sternensystem zum anderen - konnte es eine aufregendere Hochzeitsreise geben? Schon immer hatten sie davon getr├Ąumt, gemeinsam ferne Planeten zu besuchen, fremden Kulturen zu begegnen und exotische Freunde zu finden.
Doch zun├Ąchst hatte sie die Reise hierher an den Rand der Galaxis gef├╝hrt. Welcher Idiot mochte diesen winzigen und obendrein so langweiligen Planeten in das Programm integriert haben? Gut - sie und Tschui wurden hier durch niemanden in ihrer Zweisamkeit gest├Ârt. Aber sie f├╝hlte, da├č die Gefahr wuchs, sich nach und nach auf den Wecker zu fallen. Wie hatte sie daher aufgeatmet, als Tschui ihrem Vorschlag, den Besuch hier vorzeitig abzubrechen, sofort zustimmte.
Tschiesi schaltete das Holo ab und w├Ąhrend sie ihre durch das Bad leicht ger├Âtete Haut eincremte, ├╝berlegte sie, was sie wohl anziehen sollte. Aber dann fiel ihr ein, da├č sie ja noch einen letzten kleinen Ausflug in die n├Ąhere Umgebung machen wollte. Also entschied sie sich, den smaragdgr├╝nen Panzer anzulegen. Sie grinste heimlich bei dem Gedanken, wie schwer sich Tschui damit tun w├╝rde, sie da wieder heraus zu pellen.

So - nun noch die gro├če orangfarbene Schutzbrille aufgesetzt, und dann konnte es los gehen.
"Kommst Du mit?" fragte sie Tschui, der in einer Ecke des Aufenthaltsraumes sa├č und mit ungelenken Fingern den Bordcomputer traktierte. "Ich m├Âchte wenigstens ein paar Aufnahmen machen. Vielleicht findet sich doch noch ein halbwegs interessantes Motiv."
Er schwenkte auf seinem Arbeitssessel herum und schaute sie nur an. Hatte er ├╝berhaupt zugeh├Ârt? Sie sah seinen begehrlichen Blick.
ÔÇÜBekam er denn nie genug?' dachte sie ein wenig ver├Ąrgert. Gleichzeitig hatte sie aber Angst vor dem Moment, wo es vielleicht nicht mehr so sein w├╝rde. M├Ąnnern durfte man nie so ganz trauen. Das glaubte sie zu wissen.
"Tut mir leid. Aber wenn wir wirklich noch in der kommenden Nacht von hier weg wollen, mu├č ich den Kurs fertig berechnet haben", entschuldigte er sich.
Das sah sie ein. Sie schnappte sich die Kamera und lie├č Tschui an seinem Arbeitsplatz zur├╝ck. Mit verhaltenem Zischen ├Âffnete sich die Ausstiegsluke und Tschiesi trat ins Freie. Tief sog sie die eigenartig gew├╝rzte Luft in ihre Lungen und blickte um sich. Die kleine Sonne stand bereits dicht ├╝ber dem Horizont und warf ihre m├╝de gewordenen Strahlen ├╝ber die triste Landschaft. Soweit ihr Auge reichte nur Wald.
Langsam stieg sie die wenigen Stufen der Gangway herab. Schon befand sie sich zwischen den dicht an dicht stehenden B├Ąumen, von denen selbst die gr├Â├čten sie kaum ├╝berragten. Die kleineren B├Ąume einfach niedertrampelnd, schuf sie sich m├╝hsam eine Gasse durch das Geh├Âlz. Bald begann sie vor Anstrengung zu schnaufen. Zum Gl├╝ck trug sie den Panzer. Sonst w├Ąre es ohne Hautabsch├╝rfungen nicht abgegangen.
Sie hielt den Blick auf den Boden gerichtet, immer in der Hoffnung, wenigstens dort etwas Interessantes zu entdecken.
Und da war es pl├Âtzlich wieder - dieses kleine kugelige Tier mit dem dunkelbraunen Fell. Tschiesi hatte diese drolligen Kerlchen bereits mehrmals aus dem Bullauge des Raumschiffes beobachten k├Ânnen. Sie schienen sehr scheu zu sein. Ehe Tschiesi sich geb├╝ckt und die Kamera am Auge hatte, war das Wuscheltier schon im dichten Unterholz verschwunden. Tschiesi versuchte zu folgen, mu├čte aber nach einigen Dutzend Schritten einsehen, da├č das keinen Sinn machte. Auf einer kleinen Lichtung mit einem Durchmesser von h├Âchsten f├╝nf Arml├Ąngen verhielt sie den Schritt, um Luft zu sch├Âpfen. Es war sinnlos, sie w├╝rde nichts Aufregendes vor die Linse bekommen. Resignierend warf sie die Kamera ├╝ber die Schulter und wollte sich gerade auf den R├╝ckweg machen, da bemerkte sie, wie sich am Rande der Lichtung etwas bewegte. Zwischen den Baumst├Ąmmen krochen zwei graubraun gefleckte Wesen umher. Sie mochten ein wenig kleiner sein, als das Tier von vorhin. Und ihr Fell war ganz glatt. Tschiesi ging ein wenig in die Hocke und reckte neugierig den Hals vor. Blitzartig verbargen sich die Tiere hinter einem Stamm.
"So ein scheues Viehzeug", brummte sie ver├Ąrgert und richtete sich wieder auf. Doch als sie sich umblickte, stutzte sie. Am Rande der Lichtung wimmelte es pl├Âtzlich nur so von diesen Tieren. Sie lagen regungslos auf dem Waldboden, von dem sich ihr geschecktes Fell nur wenig abhob. Lediglich ihre K├Âpfe bewegten sich. Mit ihren winzigen, aber sehr lebhaften Augen starrten sie auf Tschiesi und verfolgten jede ihrer Bewegungen. Die wiederum hatte jetzt endlich ein Motiv und machte rasch ein paar Aufnahmen. Gleichzeitig stellte sie fest, da├č immer mehr von diesen Tieren auf den Rand der Lichtung zu krochen. Obwohl von ihnen mit Sicherheit keine Gefahr drohte, beschlich sie doch ein ungutes Gef├╝hl. Sie richtete sich auf und trat einen Schritt zur├╝ck. Zu ihrem Erstaunen bemerkte sie, wie einige der Tiere pl├Âtzlich hoch schnellten und sich auf ihren Hinterbeinchen aufrichteten. Zwischen ihren d├╝nnen Vorderl├Ąufen entdeckte Tschiesi kleine dunkle Stacheln, die auf sie gerichtet waren. Pl├Âtzlich h├Ârte sie Laute. Es war ein monotones abgehacktes Knattern, mit dem sich die Winzlinge wohl untereinander zu verst├Ąndigen suchten. Schwache Blitze zuckten dabei aus ihren Stacheln. Interessiert beugte sie sich ein wenig vor und griff erneut zur Kamera. Doch im selben Moment blitzte es vor ihrem linken Auge und irgend etwas donnerte gegen die Schutzbrille. Erschreckt zuckte sie zusammen und schlo├č instinktiv die Augen. Als sie sie wieder ├Âffnete, bemerkte sie den tiefen Kratzer im rechten Glas ihrer Schutzbrille. Sollten etwa...?
Ehe sie den Gedanken zu Ende bringen konnte, blitzte und krachte es erneut. Diesmal erwischte es die andere Seite. Unwillk├╝rlich machte sie noch einen Schritt r├╝ckw├Ąrts, mu├čte aber feststellen, da├č die bl├Âden Viecher sogar nachr├╝ckten. Was war das nur f├╝r ein merkw├╝rdiges Gebaren? Irgendwas pfiff haarscharf an ihrem ungesch├╝tzten Ohr vorbei.
"Jetzt habe ich aber die Schnauze voll", knurrte sie und zog eine f├╝rchterlich b├Âse Grimasse. Anstatt weiter zur├╝ck zu weichen, tat sie blitzschnell einen Schritt nach vorn, b├╝ckte sich und griff mit beiden H├Ąnden zu. Die l├Ąstigen Kreaturen ergriffen sofort die Flucht und verzogen sich wieselflink hinter die sch├╝tzenden B├Ąume, aber zwei schafften es nicht. Zappelnd und quiekend versuchten sie sich dem Griff ihrer gepanzerten H├Ąnde zu entziehen.
"Sch├Ân ruhig bleiben. Ihr kommt mit", schnaufte sie immer noch aufgebracht.
Sie klemmte sich die heftig zappelnden Wesen unter die Arme und machte sich auf den Weg zur├╝ck zum Raumschiff.
"Schau mal, was ich gefangen habe", rief sie aufgeregt, w├Ąhrend sich hinter ihr das Schott schlo├č.
Tschui, der inzwischen mit seiner Arbeit fertig war und wenigsten noch flink unter die Dusche wollte, nestelte unwirsch an seinem Bademantel herum und kam nur z├Âgernd n├Ąher.
Tschiesi erz├Ąhlte, wie sie die Beiden gefangen hatte und lie├č sie dabei etwas unsanft auf den kleinen Arbeitstisch plumpsen.
"Und diese kleinen Dinger haben dich angegriffen?" fragte er ungl├Ąubig.
"Ja - sie haben so komische Stacheln... Nanu, die m├╝ssen sie verloren haben. Glaubst du mir nicht?"
"Doch, doch. Bestimmt sind sie mutiert und deshalb so angriffslustig." Er sagte das nur um in Tschiesis Augen nicht v├Âllig uninteressiert zu erscheinen. Was gingen ihn diese komischen Kreaturen an. Seine ganze Aufmerksamkeit galt vielmehr seiner sch├Ânen Tschiesi, die stets eine aus purer Sinnlichkeit gewebte Aura zu umgeben schien, selbst dann , wenn sie sich - so wie jetzt - mit v├Âllig anderen Dingen besch├Ąftigte. Er sp├╝rte diesen Hauch von Erotik, und sein Blick begann sich leicht zu verschleiern. Einer pl├Âtzlichen Anwandlung folgend, wollte er sie sanft in die Arme nehmen, doch sie hatte gerade eines der Tierchen aufgenommen, um es n├Ąher zu betrachten.
"Irgendwie finde ich sie s├╝├č", sagte sie. Beinahe z├Ąrtlich dr├╝ckte sie das qu├Ąkende Etwas an ihre Brust und versuchte es, durch sanftes Streicheln ein wenig zu beruhigen. Doch die schwer gepanzerte Hand erm├Âglichte nur ein schabendes Kratzen, was dem strampelnden Tier ├╝berhaupt nicht zu gefallen schien.
"Pa├č auf! Ich glaube, Du tust ihm weh!" sagte er.
Aber es war schon zu sp├Ąt. Der rauhe Panzer hatte das glatte Fell unsanft aufgerissen. Nur einige Fetzen bedeckten noch den K├Ârper des Wesens. Tschiesi bemerkte es mit Entsetzen und beruhigte sich erst, als sie zum Gl├╝ck keine Verletzungen an der wei├č-gelblichen Unterhaut zu entdecken vermochte.
"Du, sieh mal! Ich glaube, es h├Ąutet sich", stellte sie erleichtert fest.
"Dann sind es Insekten", behauptete Tschui, obwohl er als Raumschiffmonteur davon keinen blassen Schimmer hatte.
"Hm." Tschie setzte den kleinen Kerl wieder auf den Tisch zur├╝ck, worauf der sofort zu seinem Gef├Ąhrten kroch. "Hm", wiederholte Tschie. "Als Insekten erscheinen sie nun wieder reichlich gro├č. Wo doch auf diesem Planeten alles andere so ausgesprochen winzig geraten ist. Aber es w├╝rde ihr massenhaftes Auftreten erkl├Ąren. Ob sie es sind, die diese merkw├╝rdigen Steinhaufen zusammentragen, die wir beim Anflug gesichtet haben?"
Er zuckte nur mit den Schultern. Kopfsch├╝ttelnd sah er zu, wie Tschiesi, nachdem sie ihre Handschuhe abgestreift hatte, wieder ein Streicheln versuchte. Doch ein Erfolg war ihr damit auch jetzt nicht beschieden. Anstatt sich wohlig einer solchen Liebkosung hinzugeben, schlangen die Beiden ihre Vorderl├Ąufe um die winzigen K├Âpfe und stie├čen immer wieder diese d├╝nnen Laute aus.
"Ob nun Insekten oder nicht, ich finde sie niedlich. Wei├čt Du was? Wir nehmen sie mit und schenken sie Tschoom. Der ist Biologe. Er freut sich immer, wenn er unbekannte Lebewesen in seine Sammlung einreihen kann."
Von ihrer eigenen Idee sichtlich begeistert, schaute sie Tschui beifallheischend an. Doch der protestierte energisch, brachte allerhand Einwendungen vor und behauptete schlie├člich, da├č sie ja nicht einmal w├╝├čten, wovon sich die Viecher ├╝berhaupt ern├Ąhren w├╝rden.
"Die bringen wir nie lebend bis nach Hause", behauptete er schlie├člich.
Doch Tschiesi schaltete auf taub.
"Ich werde mich schon um sie k├╝mmern", murmelte sie nur.
Tschui wu├čte, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, war es schwer, ihr das wieder auszureden. Sollte er sich wegen dieser bl├Âden Insekten mit ihr anlegen? Ein handfester Streit war das letzte, was er jetzt gebrauchen konnte. So schaute er ergeben zu, wie sie ihre beiden Sch├╝tzlinge vorsichtig in eine aus durchsichtigem Kunststoff bestehende Box setzte. Anschlie├čend polsterte sie den provisorischen K├Ąfig mit weichen Biomidflocken aus Dann verschwand sie in der K├╝che, hantierte dort eine Weile herum und kam schlie├člich mit einem kleinen Teller zur├╝ck, den sie mit winzigen St├╝ckchen aller m├Âglicher Speisen garniert hatte.
"Irgendwas wird euch schon schmecken", sagte sie und schob den Teller in den K├Ąfig.
Nicht ohne Stolz betrachtete sie ihr Werk. Es st├Ârte sie auch nicht, da├č die possierlichen Kleinen lediglich versch├╝chtert in einer Ecke hockten. Die Gliedma├čen dicht an die K├Ârper gedr├╝ckt, starrten sie mit ├Ąngstlich aufgerissenen Augen durch die Scheibe.
"Ihr braucht wirklich keine Angst zu haben. Nun, das werdet ihr noch merken. Ich werde f├╝r euch sorgen und alles tun, damit ihr euch wohl f├╝hlt."
Ihre Stimme klang ungew├Âhnlich warm.
"Deine F├╝rsorge ist direkt r├╝hrend", sagte er und versp├╝rte fast so etwas wie Eifersucht in sich aufsteigen. Er trat hinter sie und schlang seine Arme um ihren gepanzerten Leib. Sie sp├╝rte, da├č es nun an ihm war, ihre Betreuung zu genie├čen. Langsam drehte sie sich um und blickte in seine flackernden Augen. Eine ganze Schar von Irrlichtern schien sich darin zu tummeln. Sie zupfte an seinem Bademantel, schob die Aufschl├Ąge ein wenig zur Seite und strich mit den Handtellern sanft ├╝ber seine Brust. So sanft, da├č die H├Ąnde zu schweben schienen und nur ab und an seine Haut ber├╝hrten. Ein gehauchtes Streicheln! F├╝r einen Moment schlo├č er die Augen und geno├č diese so aufregende Liebkosung.
"Du hast die z├Ąrtlichsten H├Ąnde des Universums", fl├╝sterte er schlie├člich mit gespieltem Pathos. Sie l├Ąchelte wissend, und dieses L├Ącheln verst├Ąrkte sich, als sie bemerkte, wie seine fahrig werdenden Finger ├╝ber die Magnetverschl├╝sse ihres Schutzanzuges glitten. Polternd fielen die Platten der Brust- und R├╝ckenpanzerung zu Boden. Dann verharrte er in fast and├Ąchtiger Bewunderung ihrer herrlichen Gestalt. Als sie das gef├╝hlvolle Spiel seiner Fingerkuppen auf ihrem R├╝cken versp├╝rte, begannen auch ihre Augen zu leuchten. Sie schmiegte sich an ihn, nahm die W├Ąrme seiner nackten Haut in sich auf, und w├Ąhrend er vor ihr nieder kniete, nahm sie seinen Kopf zwischen ihre H├Ąnde und massierte sanft seine Schl├Ąfen. Sie h├Ârte ihn aufst├Âhnen und sp├╝rte, wie er ihr in der immer st├Ąrker aufkommenden Erregung die letzten St├╝cke der Panzerung buchst├Ąblich vom K├Ârper ri├č. Achtlos flogen die einzelnen Platten durch den Raum, und eine wurde so ungest├╝m geschleudert, da├č sie krachend gegen die Scheibe des K├Ąfigs flog und ein St├╝ck aus ihr heraus brach. Jedoch weder Tschiesi noch Tschui bemerkten es. Die immer st├Ąrker aufkommende Hitze ihrer K├Ârper begann sie einzuh├╝llen. Schon traten die ersten z├Ąhfl├╝ssigen Schwei├čtropfen hervor.
Endlich war auch die letzte Beinplatte gel├Âst, und Tschiesi stand in ihrer ganzen nackten Pracht vor ihm. Er richtete sich auf und umfing sie mit seinem verkl├Ąrtem Blick.
"Ich liebe Dich, Tschiesi!"
"Ja, Tschui. Ich liebe Dich auch", seufzte sie zur├╝ck.
Schon hob er sie auf seine Arme und trug sie hin├╝ber zur Schlafmatte. Er hatte den Antigravitationsgenerator so eingeregelt, da├č die der Schwerkraft entgegen wirkenden Kr├Ąfte etwa in zweiter H├╝fth├Âhe ihrem Gewicht entsprachen. Mit ├╝berm├╝tigem Schwung warf er sie in die Luft und freute sich ├╝ber ihren kleinen erschreckten Aufschrei, mit dem sie das kurze Durchsacken quittierte, ehe sie in der gew├╝nschten H├Âhe ├╝ber dem Boden schwebte. R├Ąkelnd geno├č sie einen Augenblick lang das wohlige Gef├╝hl, das ihr diese unsichtbare aber ungemein weiche Polsterung vermittelte. Doch dann streckten sich ihre Arme ihm mit Macht entgegen. Mit einer kaum noch zu b├Ąndigenden Sehnsucht zog sie ihn auf das Lager und pre├čte seinen inzwischen schwei├č├╝berstr├Âmten K├Ârper mit aller Kraft an sich. Tschui lie├č sie gew├Ąhren. Er atmete den berauschenden Duft ihrer Haut, der st├Ąrker und st├Ąrker wurde und ihn schlie├člich v├Âllig in seinen Bann zog. Schon war er der F├Ąhigkeit, seine Umwelt bewu├čt wahrzunehmen, v├Âllig beraubt. Er sah nur noch sie, sp├╝rte nur noch sie, dachte nur noch an sie. Alle seine Sinne waren auf die Erf├╝llung dieser unterschwellig schon lange schwelenden aber nun brennend hei├č hervorbrechenden Sehnsucht nach ihr erf├╝llt.
Ihre H├Ąnde streichelten wieder mit zunehmender Intensit├Ąt seine Schl├Ąfen, w├Ąhrend er ihr mit aufregend rauher Zunge den zartblauen Schwei├č vom Hals leckte. Zum sanften Streicheln ihrer H├Ąnde gesellte sich nun auch das verwirrende Spiel ihrer grazilen Tentakeln, die sich langsam an den seinen hinauf hangelten, um sich mit ihnen in immer wieder neuen Formen zu verschlingen. Ein durch nichts zu verhinderndes Zittern durchlief seinen m├Ąchtigen K├Ârper. Wild peitschte sein violett verf├Ąrbter Schwanz durch die Luft. Schon brachen die beiden Lustwurzeln aus seinen Schl├Ąfen, die sich fast blitzartig verl├Ąngerten und nun suchend Tschiesis Hinterkopf abtasteten. Ein kurzer Moment des erregten Forschens -dann hatten sie die einladend weichen ├ľffnungen in ihrem Sch├Ądel aufgesp├╝rt, drangen in sie ein und ber├╝hrten die ihnen entgegenschwellenden Wonne-Rezeptoren.
Tschiesi st├Âhnte auf. Reflexartig zuckten ihre vier Beine nach vorn, schlangen sich um seinen K├Ârper und rissen ihn mit pl├Âtzlich vervielfachten Kr├Ąften an sich, um ihn von jetzt an unentrinnbar fest zu umklammern. Ihre drei sonst kaum sichtbaren Bauch├Âffnungen wurden zu gr├╝nlich schimmernden Kratern, die nun seine zum Bersten gef├╝llten Begattungsr├Âhren f├Ârmlich in sich aufsaugten.
Dies war der Beginn einer Phase unvorstellbarer Wollust - und beide hatten gelernt, sie gemeinsam bis zur v├Âlligen Ersch├Âpfung auszudehnen, so, wie es nur Liebende verm├Âgen. Fast synchron quittierten sie die vollzogene Vereinigung ihrer riesigen K├Ârper mit einem unendlich tiefen Seufzer.


Es klang, als w├Ąren aus zwei Dampfkesseln pl├Âtzlich die ├ťberdruckventile heraus geflogen. Das Zischen und Fauchen steigerte sich ins Unertr├Ągliche. Dazu kamen noch die widerlichen Ausd├╝nstungen dieser Ungeheuer. Victor Gedudroff, seines Zeichens Oberleutnant in einer russischen Eliteeinheit, vermochte in diesem penetranten Gestank kaum mehr zu atmen. Aber dieses merkw├╝rdige Verhalten der Aliens barg vielleicht eine Chance. Immer wieder ging sein Blick zu dem Loch in der Frontscheibe des K├Ąfigs. Langsam richtete er sich auf und reckte seinen geschundenen K├Ârper.
"Los Kolja! La├č uns verschwinden!" br├╝llte er, und es gelang ihm tats├Ąchlich, den H├Âllenl├Ąrm zu ├╝bert├Ânen. Und der Angesprochene schien nicht nur zu verstehen, er erlangte auch seine Lebensgeister zur├╝ck.
Sie vergasen ihre schmerzhaften Prellungen, banden die Fetzen ihrer Kampfanz├╝ge zusammen und lie├čen sich vorsichtig auf den Fu├čboden herab. So schnell sie konnten, verlie├čen sie den Raum, in dem die fauchenden und tobenden Ungeheuer nach wie vor ihr r├Ątselhaftes Spiel trieben. Irgendwie schafften sie es, eine L├╝ftungs├Âffnung zu erwischen, durch die sie ins Freie gelangten. Augenblicke sp├Ąter wurden sie von den unendlich weiten W├Ąlder der Taiga verschluckt. Doch es gab kein Ausruhen. Nur noch einmal tief durchatmen, und dann rannten sie durch das krachende Unterholz. Die Angst half ihnen, die Schmerzen zu verdr├Ąngen, und so liefen sie fast die ganze Nacht hindurch. Noch vor dem Morgengrauen sahen sie pl├Âtzlich das fremde Raumschiff hoch ├╝ber den Wipfeln der B├Ąume stehen.
"Die suchen uns!" rief Kolja aufgeregt und er sp├╝rte, wie ihm die aufkommende Angst die Kehle zuzuschn├╝ren begann.
Aber nur wenige Minuten sp├Ąter durften sie aufatmen. Das unbekannte Flugobjekt entfernte sich. Es stieg h├Âher und h├Âher, wurde zu einem winzigen Punkt und war bald mit dem blo├čen Auge nicht mehr auszumachen.
Die beiden Soldaten setzten ihren Weg fort. Nun konnten sie gem├Ąchlicher ausschreiten. Gegen Morgen erreichten sie schlie├člich den Flu├č, an dessen Ufern ihre Einheit lagerte.
Mit ungl├Ąubigem Staunen lauschte der Regimentskommandeur dem Bericht seiner l├Ąngst totgeglaubten Untergebenen.
Als sie damit fertig waren, rieb er sich eine Weile schweigend das stopplige Kinn.
"Karascho", brummte er schlie├člich. "Ihr seid ehrliche Kerle und geh├Ârt zu den Tapfersten meiner Einheit. Deshalb will ich euch die Geschichte abnehmen. Aber von jetzt an - kein Wort mehr. Ponimai?"
Die Beiden nickten ergeben und hielten tats├Ąchlich die Klappe. Und ihr Schweigen wurde belohnt. Sie bekamen Sonderurlaub und durften nach Moskau fahren, um im Kreml den gro├čen "Borisorden am Roten Band" an die Brust geheftet zu bekommen. Da├č sie in Anerkennung ihrer Heldentat obendrein noch jeder mit einem fabrikneuen PKW LADA bedacht wurden, ist sicherlich nur ein Ger├╝cht. Sicher ist aber, da├č sie ihr Schweigen wahrten. Und so kommt es, da├č in Hollywood nach wie vor Filme gedreht werden, in denen Au├čerirdische stets nur als blutr├╝nstige, menschenverschlingende und nur auf Zerst├Ârung bedachte Ungeheuer ├╝ber die Leinwand monstern. Nur, weil sie anders sind, werden ihnen Gef├╝hle, die wir als "menschlich" bezeichnen, strikt aberkannt. Schade. Denn das haben Tschiesi und Tschui nun wahrlich nicht verdient.

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zero
Festzeitungsschreiber
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Hallo!

Endlich ein bisschen Erotik in der grauen Landschaft... Gut, den Verdacht, dass unsere beiden Hauptdarsteller nicht so ganz menschen├Ąhnlich sind und die kleinen Tierchen eher sehr, hatte ich ziemlich fr├╝h. Aber das Liebesspiel unserer beiden Aliens fand ich ziemlich gut gelungen; du scheinst eine Menge Spass beim Schreiben gehabt zu haben.

Eine Frage hab ich aber noch; wahrscheinlich ist der Zusammenhang zu weit hergeholt, aber alle die Eindr├╝cke haben bei mir eine verdr├Ąngte Erinnerung aus einer ber├╝chtigten deutschen Sci-Fi-Serie geweckt. Sagen dir zuf├Ąllig die Begriffe 'Venusbasis' oder Tomisenkow irgendwas?
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Andrea
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7 von 10 Punkten

Ich kann mich zero da fast ├╝berall anschlie├čen, nur da├č ich weder die Venusbasis noch Tomisenkow kenne (Orion? oder die Besucher? beides nie gesehen..)

Wenn man die "T├Ąuschung", sofern sie denn ├╝berhaupt beabsichtigt gewesen w├Ąre, l├Ąnger aufrecht erhalten m├Âchte, k├Ânnte man den Protagonisten ja irdische Namen geben.

Beim gr├╝nen Anzug habe ich erst gedacht, die beiden sind Dinosaurier, aber dann verwirrten mich die weiterentwickelten "Neandertaler"... andererseits: Au├čerirdische m├╝ssen wohl gr├╝n sein

Es macht auf jeden Fall Spa├č, die Geschichte zu lesen.
__________________
Andrea Rohmert

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zero
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Um die Frage selbst zu beantworten...

Also...

Nein, ich beziehe mich auf Perry Rhodan. Die Serie stammt ja schon aus den 60ern und die damaligen Folgen haben, f├╝r den heutigen Geschmack einen naiven, trashigen Charme und sind auch ganz interessant, weil doch immer wieder die etwas seltsamen Vorstellungen der damaligen Zeit durchschimmern (obwohl die Russen vergleichsweise gut wegkamen). Eine Diskussion ├╝ber den literarischen Wert will ich hier nicht anzetteln... Egal, es gibt da am Anfang Folgen auf der Venus, mit grossen W├Ąldern und Dschungeln (!) wo riesige Saurier herumstapfen (!), dazu eine notgelandete russische Raumlandungsbrigade (!), deren General Tomisenkow heisst, noch ein paar Ausserirdische und sogar so was wie eine Liebesgeschichte. Ist zwar schon ewig her, dass ich das gelesen habe, aber am Ende von Ralph's Geschichte war ich ganz ├╝berrascht, als ich auf die gute alte Erde zur├╝ckgeholt wurde, weil ich im Unterbewusstsein die Menschen immer als Raumfahrer angesprochen hatte.
__________________
aut zero aut nihil

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Gilmon
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Hallo !

Mir gef├Ąllt die Geschichte von Ralph sehr gut. Beim Lesen habe ich schon vermutet, da├č die Geschichte auf der Erde spielt und der Leser zuerst alles aus der Persepktive der Aliens sieht, aber die Geschichte ist so geschrieben, da├č man sich nie ganz sicher ist, ob sich alles auf der Erde abspielt.
Die letzten S├Ątze, wo erw├Ąhnt wird, da├č die Aliens nicht blutr├╝nstig sind, halte ich nicht unbedingt f├╝r n├Âtig, die Geschichte k├Ânnte problemlos ohne diese S├Ątze enden.

Gr├╝├če, Gilmon

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flammarion
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gute geschichte,

zu schade, da├č die russen immer gleich schie├čen!
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Old Icke

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