Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92253
Momentan online:
313 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erotische Geschichten
Liebe am Rande des Abgrunds der Erde, die eine Scheibe ist
Eingestellt am 31. 08. 2005 19:28


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
petrasmiles
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2005

Werke: 31
Kommentare: 868
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um petrasmiles eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Socrates in Amerika

Ich habe mich im Traum in einen Mann verliebt,
der nicht existiert. Er ist eine Figur aus einem Roman.
Er ist ├╝ber sechzig Jahre alt, er hat zwei bzw. drei
Menschen ermordet. Und nahezu drei├čig Jahre im Gef├Ąngnis
verbracht; er ist randvoll mit Wut. Und er versucht mit
ganzem Herzen, ein guter Mensch zu sein, oder vielmehr,
wie ein guter Mensch zu handeln. Er ist in der Lage,
Verantwortung zu ├╝bernehmen. Aber er hat Angst davor.
Er kann sich k├╝mmern, um einen jugendlichen M├Ârder, um
einen verst├╝mmelten Hund, aber eine Frau ist eine
notwendige Zutat, sie hat einen eigenen Kopf, sie l├Ąsst
sich nicht auf M├Ąnnersichtweisen reduzieren, und sie kann
einen Mann in arge Schwierigkeiten bringen. Er v├Âgelt
nicht oft, aber wenn mit ganzer Kraft, ├╝ber Stunden; er
kann die N├Ąhe einer Frau genie├čen und zart sein. Er ersch├Âpft sie.
Er ist ein H├╝ne, mit riesigen H├Ąnden. Er ist ein schwarzer Mann.

In meinem Traum war ich gestrandet; nach Jahren qualvollen
Zusammenlebens hatte mich mein Mann nach einem
grauenvollen Streit vor die T├╝r gesetzt. Etwas war in mir
zerbrochen. Ich war am Ende. Lief durch die Stadt,
unf├Ąhig, mich um mich selbst zu k├╝mmern, sogar unf├Ąhig,
mich selbst wahrzunehmen. Randvoll mit Schmerz und
Verzweiflung, weil dieser letzte Rauswurf mir den Boden
unter den F├╝├čen weggezogen hatte.
Ich bin gerade noch in der Lage, einen Fu├č vor den anderen
zu setzen. Ich laufe und laufe, an den Rand der Stadt,
durch unbewohnte weil unbewohnbare Gebiete.
Grundst├╝cke wie M├╝llhalden. Dort mache ich Halt. Ich suche
einen Platz zum Hinkauern, Verkriechen, mich selbst
Loslassen. Mir ist alles egal. Ich bin wie tot.
Und da sitzt er. Wir sehen uns kurz an; ich rede
irgendeinen h├Âflichen Schei├č. Obwohl er bedrohlich wirkt
in seiner eindeutigen k├Ârperlichen ├ťberlegenheit habe ich
keine Angst vor ihm. Ich nehme neben ihm auf einer
unordentlichen Anh├Ąufung kaputter Reifen Platz, und auf
einmal reden wir in einfachen wenigen Worten ├╝ber die
wesentlichsten Wahrheiten, und seine Worte erreichen mich.
Aber ich sp├╝re, dass er eigentlich nichts mit mir zu tun
haben will. Als w├Ąre er damit einverstanden, mich zu
besch├╝tzen so lange ich an diesem Ort mit ihm bin, aber
sobald einer von uns sich erhebt und fortgeht, ist die
Allianz zerbrochen. Er f├╝hlt sich unbehaglich mit mir,
ich passe nicht in seine Erwartungshaltung dem Leben
gegen├╝ber. Er m├Âchte keine Aufmerksamkeit haben, und er
m├Âchte sie nicht geben.
Ich sage einen Satz, in dem all mein Elend und meine
Verzweiflung, meine Ankerlosigkeit enthalten ist. Ein
kurzer schn├Ârkelloser Satz. Und ich wei├č ich bin in der




letzten Aufb├Ąumphase, bevor ich endg├╝ltig loslasse, und
mich selbst den Geiern zum Fra├č vorwerfe. Und ich tue
etwas, was ich noch nie getan habe: Ich bitte einen
wildfremden Menschen darum, mich in den Arm zu nehmen,
nur f├╝r eine kurze Weile. Er willigt ein, und ich lege
meinen Kopf in seine Halsgrube, und seine Arme halten mich
wie ein Kind. Ich sp├╝re mein eigenes Gewicht nicht mehr,
und ich weine Tr├Ąnen, die aus mir herausquillen wie Eiter
aus einer infizierten Wunde. Und er h├Ąlt mich einfach.
Er streichelt mich nicht, er spricht nicht, keine Worte
oder Ber├╝hrungen des Trostes. Aber er h├Ąlt mich fest,
er ist bei mir und bei sich zur gleichen Zeit. Und etwas
geschieht mit uns. Als sei dieser Austausch von Halt ein
Wendepunkt in unser beider Leben geworden. Ich f├╝hle mich
ganz voll von der Folgerichtigkeit dieser Situation.
Er sagt, ich k├Ânnte f├╝r heute Nacht mit zu ihm kommen,
aber morgen m├╝sste ich weiter; er habe keinen Platz in
seinem Leben f├╝r einen anderen Menschen. Ich schaue ihn
nur an und nicke; alles ist richtig, was von nun an
geschieht. Und ich folge ihm in seine H├╝tte mit zwei
R├Ąumen auf einem Abrissgel├Ąnde. Er hat ein schmales Bett,
in das wir uns angezogen legen, und er legt seine Arme um
ich und wir schlafen.
Am n├Ąchsten Morgen steht er auf, um zur Arbeit zu gehen.
Er sagt, ich kann noch bleiben. Ich schlafe weiter und
nach dem Aufwachen schau ich mich um. In mir sind keine
Gedanken, keine Ziele oder Pl├Ąne. Ich s├Ąubere und ordne
sein Haus, ganz einfach, weil es etwas ist, was ich tun
kann. Ich m├Âchte ihm ein Essen kochen, und stelle fest,
dass nicht viel im Haus ist, und ich gehe los, etwas
einzukaufen.
Ich bin lange unterwegs, der n├Ąchste Laden ist vierzig
Minuten Fu├čweg entfernt. Als ich mich dem Haus wieder
n├Ąhere und es betreten will, steht er auf einmal in der
T├╝r und schaut mich mit einem erschreckend wilden,
zornigen Blick an, und ich sp├╝re, dass ich etwas falsch
gemacht habe, aber ich wei├č nicht, was es ist. Sein Blick
h├Ąlt meinen fest, und der Zorn darin verschwindet und
macht etwas Platz, das ich nicht deuten kann. Er geht ins
Haus und zieht mich mit seinem Blick mit sich. Und da
steht er dann und spricht zu mir mit seinen Augen, aber
ich verstehe ihn nicht, und ich gehe auf ihn zu, stelle im
Vorbeigehen die Einkaufstaschen auf dem Tisch ab. Als ich
bei ihm bin, nimmt er mein Gesicht in seine H├Ąnde, und es
f├╝hlt sich an, als w├╝rde er sich ├╝ber meine Augen in mich
ergie├čen, und auf einmal schwappt eine Woge der Begierde
├╝ber uns zusammen, wir k├╝ssen uns und f├╝r Stunden verhaken
wir uns ineinander, und ich bekomme den Sex, auf den ich
mein Leben lang gewartet habe. M├Ąnner- und Frauensprache,
jeder gibt, was er hat, und es passt perfekt zusammen, und
es ist rau und es ist zart, und es ist br├╝nstig und laut,
und es ist gehaucht und gesummt, und es ist schmerzhaft
und orgiastisch, und jeder Knochen im K├Ârper muss
beweisen, dass er an der richtigen Stelle sitzt. Er knurrt
und er wispert, er zieht und dr├╝ckt und wirbelt mich durch
die Luft, und ich schlage ihn und beschimpfe ihn, und
strecke ihm meinen Hintern hin wie eine l├Ąufige H├╝ndin.
Wir rasen. Ich streichle und k├╝sse ihn, streif mit meinem
Gesicht ├╝ber jeden Teil seines K├Ârpers bis ich inwendig
und ├Ąu├čerlich nach ihm rieche und schmecke. Er mag es
nicht, wenn ich ihn in den Mund nehme, und er mag es nicht
anal. Ich stelle keine Fragen. Br├╝ste und M├Âse, Haut,
Haare und H├Ąnde ist alles was er will, und ich f├╝hle mich
wundervoll, voll Frau. Ich darf seine Haut lecken und
seinen Schwei├č schmecken, und seine Finger in den Mund
nehmen. Und er presst sein Gesicht zwischen meine Beine,
als wollte er in mich hineinkriechen und seinerseits nach
mir riechen und schmecken, und er entrei├čt mir einen
Orgasmus mit Lippen, Z├Ąhnen und Zunge genau an der Stelle,
wo er sich schon so lange versteckt h├Ąlt.

Er hat das Bett verbreitert und ich achte darauf, da zu
sein, wenn er nach Hause kommt. Er m├Âchte nicht, dass ich
arbeiten gehe. Wir fressen uns gegenseitig aus der Hand.

Die paar offenen Rechnungen mit dem Leben sind beglichen.
Das ist alles was wir brauchen und vom Leben verlangen.
Das zarte aber starke Geflecht von kleinen
Aufmerksamkeiten, Gesten, Blicken, Ber├╝hrungen. Wenig
Worte. Da sein, den Augenblick wahrnehmen; jeden einzelnen
Tag leben. Es ist als k├Ânnten wir uns mit der Haut sehen,
die Gegenwart des anderen einatmen.

Die Arbeit muss getan werden wie ein Acker bestellt werden
muss. Nicht der Rede wert. Jede Arbeit zeichnet sich
dadurch aus, dass man sie richtig machen kann, so wie jede
Mahlzeit dadurch ausgezeichnet werden kann, dass sie
schmeckt.
Stillstand darf nicht sein; einen Gem├╝segarten, eine kleine Scheune, einen Raum anbauen. Ein Radio; andere
Menschen sind es nicht.
Ich lese immer noch gerne, er nicht. Ich habe nicht das
Bed├╝rfnis, meine Gedanken mit ihm zu teilen. Nur den Sinn
meines Lebens.

Ich bin richtig. Ich habe das Selbstbewusstsein eines
Blattes, einer Wolke, eines Sonnenaufgangs. Ich bin und
werde sein Humus, Regen, Licht.


__________________
Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug f├╝r Gutwerter!

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Melusine
Guest
Registriert: Not Yet

Wow! Ein starker Text. Aber schwer zu kommentieren. Wirkt auf mich wie ein Einblick in das intime Tagebuch einer starken, verletzlichen Frau. Erotisch? Ich wei├č nicht. Es bringt in mir Saiten zum Klingen. So sehr ich sonst f├╝rs ├ťberarbeiten bin: Diesen Text w├╝rde ich in seiner Unmittelbarkeit stehen lassen wie er ist. Obwohl ich den Schluss nicht verstehe.

LG Melusine

Bearbeiten/Löschen    


petrasmiles
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2005

Werke: 31
Kommentare: 868
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um petrasmiles eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Danke Drachenfrau!

Am Ende aller K├Ąmpfe: Die Selbstverst├Ąndlichkeit des Seins. Eine Identit├Ąt mit sich selbst, wie sie keinem Menschen vergleichbar ist, wie ein Blatt ...
P.
__________________
Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug f├╝r Gutwerter!

Bearbeiten/Löschen    


Melusine
Guest
Registriert: Not Yet

Ja. Aber nach "Die Arbeit muss getan werden..." / "Ich lese immer noch gerne, er nicht" wirkt das ein bisschen resignativ. Ist das noch Traum? Oder Unterwerfung unter das Unvermeidliche?

Bearbeiten/Löschen    


knychen
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2002

Werke: 51
Kommentare: 426
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um knychen eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Jede Arbeit zeichnet sich
dadurch aus, dass man sie richtig machen kann, so wie jede
Mahlzeit dadurch ausgezeichnet werden kann, dass sie
schmeckt.

diese arbeit wurde professionell gemacht, dieses fr├╝hst├╝ck hat geschmeckt. aus meiner sicht gibt es kaum etwas auszusetzen.
vielleicht am anfang die beschreibung des mannes. er ist ja eine traumfigur, das m├╝├čte eigentlich reichen. die ins detail gehende beschreibung war zumindest f├╝r mich ├╝berfl├╝ssig, hat im gegenteil ein wenig nach klischee geklungen.
ganz zum schlu├č eckte ich noch einmal kurz an:
Der kleine progress ist wichtig, ein Gem├╝segarten, eine
kleine Scheune, einen Raum anbauen, ein Radio; andere
Menschen sind es nicht.

der progress passt von der wortwahl her nicht in die geschichte.
gru├č aus berlin. knychen
__________________
kny

Bearbeiten/Löschen    


Bluomo
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo petrasmiles,

(meine Meinung und nur meine Meinung)
insgesamt ein starker Text, auch wenn er die Fragen nicht beantwortet, die er am Anfang stellt. Nun das ist nicht unbedingt notwendig. Immer wieder hat der Text ein starke Sprachgewalt, einen guten Rhythmus und ├╝berzeugt.

Schade ist das "Ausweichen" des Textes in verschiedene Phrasen, vor allem am Anfang, und dann in der "L├Âsung" am Ende. Da wird die gesamte Bandbreite von Standartformulierungen genutzt, um sich bestimmten Themenkomplexen anzun├Ąhern, nur leider sind es Standartformulierungen, die sich abgenutzt haben und sich nicht mehr ann├Ąhern, weil der Leser sie als Standart sieht, liest und versteht. An anderen Stellen werden Ereignisse durch Wertungen verk├╝rzt zusammengefa├čt und ebenfalls in Standarts├Ątze gebunden.

Sehr Schade ist der letzte Absatz, der einen ungew├Âhnlichen Text in kitschig-schwulstige Bahnen umlenkt und den Eindruck des Textes deutlich mindert.

Konkret (in Bsp.):

Wertung in Standarts├Ątzen:

quote:
Und er versucht mit
ganzem Herzen, ein guter Mensch zu sein, oder vielmehr,
wie ein guter Mensch zu handeln. Er ist in der Lage,
Verantwortung zu ├╝bernehmen. Aber er hat Angst davor.

Standartbeschreibung:
quote:
Er ist ein gro├čer, schwerer Mann. Eine H├╝ne, mit riesigen
H├Ąnden und b├Ąrenstark. Er ist ein schwarzer Mann.

Wertung und Aussagen in Standarts├Ątzen:
quote:
In meinem Traum war ich gestrandet; nach Jahren qualvollen
Zusammenlebens hatte mich mein Mann nach einem
grauenvollen Streit vor die T├╝r gesetzt. Etwas war in mir
zerbrochen. Ich war am Ende. Lief durch die Stadt,
unf├Ąhig, mich um mich selbst zu k├╝mmern, sogar unf├Ąhig,
mich selbst wahrzunehmen. Randvoll mit Schmerz und
Verzweiflung, weil dieser letzte Rauswurf mir den Boden
unter den F├╝├čen weggezogen hatte.
Ich bin gerade noch in der Lage, einen Fu├č vor den anderen
zu setzen.

Schwulst:
quote:
Ich bin richtig. Ich habe das Selbstbewusstsein eines
Blattes, einer Wolke, eines Sonnenaufgangs. Ich bin und
werde sein Humus, Regen, Licht.

Gruss

Bluomo

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Erotische Geschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!