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Leselupe.de > Gereimtes
Liebe zum Vater
Eingestellt am 22. 11. 2001 23:36


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Flavius Amaltheia
Hobbydichter
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Ich sa├č am Fr├╝hst├╝ckstisch an einem ganz gew├Âhnlichen Dienstagmorgen. Mein Vater f├╝tterte gerade unsere Meerschweinchen und hatte sich dazu hinter dem Tisch auf eine alte Decke gekniet.

Das Radio lief, der Wasserkocher blubberte lustig vor sich hin.

Auf einmal sah ich meinen Vater, wie er immer wieder nach einer leeren Milchflasche griff, die neben ihm auf dem Flur lag. Sein Kopf pendelte ohne Halt hin und her. Ich eilte zu ihm und fragte, was denn los sei.
In diesem Moment fiel sein Kopf in den Nacken.

Seine Augen waren tot und leer.

Er st├╝rzte nach hinten, versuchte noch mit schwacher Hand sich irgendwo festzuhalten und rutschte am T├╝rrahmen herunter. Mit einem Seufzer streckte er alle Glieder von sich und lag still. Sein Gesicht, ja sein ganzer K├Ârper hatten jegliche F├Ąrbung verloren. Waren so grau wie seine stahlgrauen Haare.

Es war, als ob das Leben einfach aus ihm herausgeflossen w├Ąre.

--

Dieser Vorfall hat sich erst vor wenigen Tagen zugetragen. Zuerst dachte ich, mein Vater sei gestorben. Doch das ist er nicht. Medizinisch gesehen war das ein simpler Kreislaufzusammenbruch. Er hatte die Grippe und die Anstrengung des Aufstehens hat seinen K├Ârper ├╝berfordert.

Doch f├╝r mich war es mehr.

Ich habe schon ├Âfters Leute gesehen, die bewusstlos wurden. Meistens waren das M├Ądchen, die theatralisch zusammensanken, auf einem Konzert oder w├Ąhrend eines Tanzturniers. Das war nie ein Problem f├╝r mich, da immer eine Distanz zwischen ihnen und mir bestand. Aber mein Vater, mein Vater.

Mein Vater ist schon immer die letzte St├╝tze f├╝r mich gewesen. Den Vater ruft man, wenn man es im Leben einmal wieder total vermasselt hat. Er kommt dann und sagt mit tiefer, m├Ąnnlicher Stimme: ÔÇ×Mach dir keine Sorgen. Ich bin f├╝r dich da. Ich regele das.ÔÇť
Ich. Bin. F├╝r. Dich. Da. So einfach ist das. Eine starke Figur, ein Mann, der mich besch├╝tzt. Der vor allem schon immer da war. Krank werden, das tun andere. Sterben auch. Nicht mein Vater. Der ist doch stark.

An diesem Tag war es, als habe Gott mir mit einer riesigen Keule auf den Hinterkopf geschlagen.
Es wurde mir mit einer solch schmerzhaften Klarheit bewusst, wie verg├Ąnglich alles ist.

Alles.

Ich werde nicht von Leben verschont, meine Familie wird nicht vom Leben verschont, niemand wird vom Leben verschont. Es war schrecklich. In den Augen meines Vaters habe ich nicht den Frieden gesehen, von dem jeder so unbewusst immer tr├Ąumt. Ich habe das Grauen darin gesehen.

Aber ich habe auch diese letzte, verzweifelte Kraft darin gesehen, die in jedem steckt. Die sich an das Leben klammert, bis zum bitteren Ende.

Und diese Kraft hat mir gezeigt, wie stark wir Menschen wirklich sind. Und wie sehr ich meinen Vater liebe.

Und ich liebe ihn so sehr, dass es wehtut.

__________________
--

Flavius Amaltheia

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peto-berlin
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mich hat dieser text sehr ber├╝hert. denn es ist wohl so, solange die eltern gesund sind denkt man nicht daran, das sie einmal nicht mehr sein k├Ânnten. es ist alles so gewohnt, sie sind einfach da. erst wenn sie gegangen sind, wei├č man, was f├╝r ein verlust man hat. und wie dieser verlust schmerzt, weiss ich nur zu gut. nach 12 jahren habe ich meine gef├╝hle ├╝ber den verlust hier in einem gedicht ver├Âffentlicht. ja schreiben ist eine gute art, mit den problemen umzugehen. ein augenblick nur im leben und alles ist nicht mehr so wie es war. Wenn es dich interessieren sollte schau mal unter den beitr├Ągen der letzen 60 tage nach, das gedicht hei├čt abschied und is am 29.10 von mir hier ver├Âffentlicht worden.
__________________
Ich nehme nicht in f├╝r mich in Anspruch perfekt zu sein. peto-berlin, anno 2002

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Flavius Amaltheia
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Lieber peto-berlin,

Vielen Dank. Aus literarischer Sicht finde ich meinen eigenen Text grauenvoll. Er ist stilistisch schlecht und so weiter und so weiter... aber ich habe ihn in einem Moment geschrieben, der mich wirklich getroffen hat. Du beschreibst es genau richtig: die gro├čen Gef├╝hle offenbaren sich erst, wenn die jeweilige Person nicht mehr da ist. Und wenn man sich nach ihr verzehrt, ist das dann nicht wahre Liebe..?
__________________
--

Flavius Amaltheia

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peto-berlin
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Ja, si zerisen wie der Stil und auch so schlecht, genau das ist auch das gef├╝hl welches du hattest, zerrissen und schlecht. Und wer bite sch├Ân kann denn mit so einem Gef├╝hl auf Stil achten. ne das ist schon ganz in ordnung so. Und zur Liebe kan ich nur sagen, ja letztendlich ist sie das, wenn auch f├╝r viele unbewust.
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Flavius Amaltheia
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Ich bin erst jetzt dazu gekommen, dein Gedicht zu lesen. Es ist traurig, aber ich f├╝hle darin nicht diesen absoluten, diesen v├Âllig vernichtenden Schmerz, den manche Menschen in so einer Situation oft empfinden. Nein, es ist eher ein stilles Abschiednehmen. Toll, dass du dich so ausdr├╝cken kannst.

Liebe Gr├╝├če.

Flavius

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peto-berlin
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Hallo Flavius, wenn dir das Gedicht dieses Gef├╝hl vermittelt hat, so ist das v├Âllig richtig. Es war nochmals ein stiller, mein ganz pers├Ânlicher Abschied. Diese Gedicht entstand nach einer Therapiesitzung, wo mir empfohlen wurde, nochmals nur f├╝r mich ganz allein Abschied zu nehmen. Den gro├čen Schmerz hatte ich unmittelbar danach. Aber dieses Gef├╝hl noch nicht entg├╝ltig den Verlust verarbeitet zu haben, hatte ich immer noch unbewu├čt. Ich finde jeder sollte seine Form f├╝r einen stillen Abschied finden und wenn es anderen hilft so kann er sich gerne meines Gedichtes bedienen.

Viele Gr├╝├če
peto

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