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Leselupe.de > Humor und Satire
Lieber Dichter
Eingestellt am 06. 09. 2003 00:41


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strumpfkuh
???
Registriert: Jun 2003

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Lieber Dichter,

ich bin so w├╝tend, dass ich platzen k├Ânnte. Kannst du sie sehen zwischen den W├Ârtern, meine Wut? Am liebsten h├Ątte ich sie dir ins Gesicht geschrieen, vorhin, aber ich wei├č ja, dass es sinnlos gewesen w├Ąre. Du h├Ąttest nur gerufen: ÔÇ×Ein Stift, wo ist ein Stift?ÔÇť, um dann ein Gedicht ├╝ber die Sinnlichkeit einer rasenden Ehefrau zu verfassen.
Also greife ich zu deiner Methode und schreibe meine Gedanken nieder. Vielleicht erreiche ich dich auf diesem Weg, irgendwo in deinen Tiefen, die ich bisher nicht ergr├╝nden konnte.
Bei allem Verst├Ąndnis, zu dem ich f├Ąhig bin, musste es wirklich meine Doktorarbeit sein, auf deren R├╝ckseite du deine Erg├╝sse schriebst? Sicher, ich wei├č, dass wir kein Papier mehr im Haus hatten, eben deshalb kann ich diese Arbeit nicht einfach noch einmal ausdrucken. Wieso ich mich so aufrege, ich kann doch neues Papier kaufen gehen? Das werde ich dir sagen. Auch du h├Ąttest das tun k├Ânnen. Jawohl, auch wenn du es f├╝r unm├Âglich h├Ąltst. Auch ein Dichterherz kann in ein Gesch├Ąft gehen und einen Packen Papier erwerben. Es ist ganz einfach, du musst nur Geld daf├╝r mitnehmen, und im Austausch daf├╝r erh├Ąltst du fast alles, was du t├Ąglich ben├Âtigst. Probier es doch einfach einmal aus.
Du wirst ab jetzt dazu gezwungen sein, denn ich verlasse dich. Ja, da staunst du. Ich kann sie schon lesen, all deine sehns├╝chtigen Texte, deine Tr├Ąnen-flie├čen-lassenden Worte ├╝ber dein gebrochenes Herz. Du wirst viel schreiben m├╝ssen. Besser gehst du sofort neues Papier kaufen, denn den Rest meiner Doktorarbeit nehme ich mit. Da kannst du Gift drauf nehmen.
Und falls es dich interessiert, wie es in meinem unpoetischen Herzen aussieht, dann lies nur weiter. Ich kann dir eine Menge erz├Ąhlen.
Erinnerst du dich an die Katze, die vor unserem Haus von einem Auto angefahren wurde? Soll ich dir auf die Spr├╝nge helfen? Es war an dem Tag, an dem du diese wirklich bewegende Geschichte schriebst ├╝ber einen einsamen alten Witwer, der sich gerade von seinem Balkon auf die Stra├če st├╝rzen wollte, in der festen Absicht, Selbstmord zu begehen. Da lief diese Katze vor ein Auto und wurde ein paar Meter weit weg geschleudert. Der Witwer also runter auf die Stra├če, die Katze auf seinen Arm genommen und hinauf getragen, in seine Wohnung. Er pflegte sie bis zu ihrem Tod und sah deren Ableben als ein Omen, selbst weiter leben zu m├╝ssen. Eine wirklich gute Geschichte. R├╝hrend, zum Weinen. Aber du hast dich nicht ein einziges Mal erkundigt, wie es der wirklichen Katze erging, die dich inspiriert hatte und die in meinen -nicht in deinen- Armen gestorben war. Ich habe deine Dichterseele getr├Âstet, nach dieser Geschichte. Aber wer hat mir Trost gespendet?
Ich erinnere mich auch an ein Geburtstagsgeschenk, das du mir vor ein paar Jahren gemacht hast. Wei├čt du noch? Du hast mir einen Gedanken geschenkt. Ein paar Worte auf einem alten Einkaufszettel. Wahrscheinlich war wieder mal das Papier alle, und du wolltest mich auf diesem Weg daran erinnern. Sicher, es war ein guter Gedanke, irgendetwas tiefsinniges. Aber nicht so gut, dass ich mich heute daran noch erinnern kann. Ich habe damals sogar meine Freundin beneidet, die von ihrem Mann immerhin eine K├╝chenmaschine von Rowenta geschenkt bekommen hat.
Falls du noch immer nicht verstehst, warum ich dich verlasse, dann denke nur mal an gestern Abend. Himmel Herrgott, im sch├Ânsten Moment, deine Finger waren in mir drinnen, deine Zunge zauberte die sch├Ânsten Gef├╝hle an meinem K├Ârper, in meiner Kehle formte sich bereits ein wundervoller Schrei der Ekstase, als du pl├Âtzlich, wie von der Tarantel gestochen, aufsprangst und mich alleine lie├čt, mitten in meinem Coitus interruptus. Die einzige Entschuldigung, die ich sp├Ąter von dir h├Ârte, war: ÔÇ×Du inspirierst mich halt so.ÔÇť Und du hast mir nat├╝rlich dieses neue Gedicht ├╝berreicht, ├╝ber die sexuelle Empfindsamkeit der Frau.
Das liegt jetzt hier vor mir, dieses Gedicht. Am liebsten w├╝rde ich es zerrei├čen. Aber statt dessen werde ich meinen Koffer packen.

Deine Frau

Nachtrag: Jetzt hab ich es doch noch mal gelesen, dieses bl├Âde Gedicht. Und leider, leider muss ich dir sagen: Es ist gut. Es ist verdammt noch mal gut. Zu gut, um dich zu verlassen...

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Buffy
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2003

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Lieber Dichter

Das ist eine heitere, fl├╝ssig zu lesende Story.
Der Schlu├č ist genial
Bin begeistert von dem Schreibstil
Gru├č Buffy
__________________
Bin nie falsche Wege gegangenDie Umwege haben mich gepr├Ągtc.by KW

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strumpfkuh
???
Registriert: Jun 2003

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Liebe Buffy,
hab vielen Dank f├╝r dein Lob. Es hat mich sehr gefreut.
LG
Doro

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kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Strumpfkuh

die geschichte gef├Ąllt mir ausgesprochen gut, auch das ende. und ich mag es, wenn sie so rast.
ein bisschen hab ich allerdings deine sprachliche sorgfalt, die ich sonst von dir gewohnt bin, vermisst.
solltest du so in rage gewesen sein, dass dies keine rolle gespielt hat?
ich bin mal dr├╝bergegangen.

liebe gr├╝├če
die k.

Lieber Dichter,

ich bin so w├╝tend, dass ich platzen k├Ânnte. Kannst du sie sehen zwischen den W├Ârtern, meine Wut? Am liebsten h├Ątte ich sie dir ins Gesicht geschrieen, vorhin, aber ich wei├č ja, dass es sinnlos gewesen w├Ąre. Du h├Ąttest nur gerufen: ÔÇ×Ein Stift, wo ist ein Stift?ÔÇť, um dann ein Gedicht ├╝ber die Sinnlichkeit einer rasenden Ehefrau zu verfassen , (oder ├Ąhnliches.)
Also greife ich zu deiner Methode, (komma weg) und schreibe meine Gedanken nieder. Vielleicht erreiche ich dich auf diesem Weg, irgendwo in deinen Tiefen, die ich bisher nicht ergr├╝nden konnte.
Bei allem Verst├Ąndnis, zu dem ich f├Ąhig bin, hatte es wirklich meine Doktorarbeit sein m├╝ssen, auf deren R├╝ckseite du deine Erg├╝sse hast verewigen m├╝ssen? (Hier kommen die zeiten ein bisschen durcheinander und das macht das lesen kompliziert. ein vorschlag: bleib in der mitvergangenheit: .... musste es wirklich meine ....sein, auf der du deine erg├╝sse verewigen musstest? - obwohl das doppelte m├╝ssen muss nicht, oder?) Sicher, ich wei├č, dass wir kein Papier mehr im Haus hatten, (aber) eben deshalb kann ich (schlie├člich auch) die(se) Arbeit nicht einfach noch einmal ausdrucken. Wieso ich mich so aufregen w├╝rde aufrege, ich k├Ânnte kann doch neues Papier kaufen gehen? Das kann ich dir sagen. Auch du h├Ąttest (dieses neue Papier kaufen) - das tun k├Ânnen. Jawohl, auch wenn du es f├╝r unm├Âglich h├Ąltst. Auch ein Dichterherz kann in ein Gesch├Ąft gehen und einen Packen Papier erwerben. Es ist ganz einfach, du musst nur Geld daf├╝r mitnehmen, und im Austausch daf├╝r erh├Ąltst du fast alles, was du t├Ąglich ben├Âtigst. Probier es doch einfach einmal aus.
Du wirst auch dazu gezwungen sein (in der n├Ąchsten Zeit - ab jetzt, denn ich werde dich verlassen - verlasse dich (klingt definitiver) - . Ja, da staunst du. Ich kann sie schon lesen, all deine sehns├╝chtigen Texte, deine Tr├Ąnen-fliesen flie├čen-lassenden Worte ├╝ber dein gebrochenes Herz. Du wirst viel schreiben m├╝ssen. Besser gehst du jetztgleich neues Papier kaufen, denn den Rest meiner Doktorarbeit nehme ich mit. Da kannst du Gift drauf nehmen.
Und falls es dich interessiert, wie es in meinem unpoetischen Herzen aussieht, (also) dann lies (nur) weiter. Ich kann dir eine Menge erz├Ąhlen.
Erinnerst du dich an die Katze, die vor unserem Haus von einem Auto angefahren wurde? Soll ich dir auf die Spr├╝nge helfen? Es war an dem Tag, an dem du diese wirklich bewegende Geschichte schriebst ├╝ber einen einsamen alten Witwer, der sich gerade von seinem Balkon auf die Stra├če st├╝rzen wollte, in der festen Absicht, Selbstmord zu begehen. Da lief diese Katze vor ein Auto und wurde ein paar Meter weit weg geschleudert. Er (wer jetzt? der mann aus der geschichte? da kenn ich mich nicht aus) also runter auf die Stra├če, die Katze auf seinen Arm genommen und hinauf getragen, in seine Wohnung. Er pflegte sie bis zu ihrem Tod und sah deren Ableben als ein Omen, selbst weiter leben zu m├╝ssen. Eine wirklich gute Geschichte. (ahja, jetzt versteh ich. die katze hat ihn inspiriert, oder? das geht oben nicht hervor) R├╝hrend, zum Weinen, an die Seele gehend. (das ist nicht so sch├Ân, an die seele gehend) Aber du hast dich nicht ein einziges Mal erkundigt, wie es der wirklichen Katze erging ging, die in meinen- nicht in deinen- Armen gestorben war. Ich habe deine Dichterseele getr├Âstet, nach dieser Geschichte. Aber wer hat mir Trost gespendet?
Ich erinnere mich auch an ein Geburtstagsgeschenk, das du mir vor ein paar Jahren gemacht hast. Wei├čt du noch? Du hast mir einen Gedanken geschenkt. Ein paar Worte auf einem alten Einkaufszettel. Wahrscheinlich war wieder mal das Papier alle, und du wolltest mich auf diesem Weg daran erinnern. Sicher, es war ein guter Gedanke, irgendetwas tiefsinniges. Aber doch nicht gut genug aber nicht so gut, dass... , dass ich mich heute daran noch erinnern k├Ânnte kann. Ich hatte habedamals sogar meine Freundin beneidet, die von ihrem Mann immerhin eine K├╝chenmaschine von Rowenta geschenkt bekommen hatte hat.
Falls du noch immer nicht verstanden hast, warum ich dich verlassen will verlasse , dann denke nur mal an gestern abend Abend. Himmel Herrgott, im sch├Ânsten Moment, deine Finger waren in mir drinnen, deine Zunge zauberte die sch├Ânsten Gef├╝hle an meinem K├Ârper, in meiner Kehle formte sich bereits ein wundervoller Schrei der Ekstase, als du pl├Âtzlich, wie von Taranteln (m├╝ssen es gleich mehrere sein?) gestochen, aufsprangst und mich alleine lie├čest (wei├č ich nicht, ob das stimmt, aber es klingt nicht so sch├Ân, das lie├čest) , mitten in meinem Coitus interruptus. Die einzige Entschuldigung, die ich sp├Ąter von dir h├Ârte, war: ÔÇ×Du inspirierst mich halt so.ÔÇť Und du hast mir (sp├Ąter hast du mir) nat├╝rlich dieses neue Gedicht ├╝berreicht, ├╝ber die sexuelle Empfindsamkeit der Frau.
Das liegt jetzt hier vor mir, dieses Gedicht. Am liebsten w├╝rde ich es zerrei├čen. Aber statt dessen werde ich meinen Koffer packen.

Deine Frau

Nachtrag: Jetzt hab ich es doch noch mal gelesen, dieses bl├Âde Gedicht. Und leider, leider muss ich dir sagen: Es ist gut. Es ist verdammt noch mal gut. Zu gut, um dich zu verlassen...

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strumpfkuh
???
Registriert: Jun 2003

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Liebe K.,
dein Lob hat mich gefreut, aber besonders bedanke ich mich f├╝r die konstruktive Kritik! Die hilft mir sehr viel weiter. Von deinen Vorschl├Ągen werde ich bestimmt viele ├╝bernehmen und auf alle F├Ąlle die Sache mit den Zeiten ├Ąndern, das war mir gar nicht aufgefallen.
Also, prima, dass du dir die Arbeit gemacht hast. Und gefreut hat mich nat├╝rlich auch die "Sprachliche Sorgfalt", die du sonst von mir gewohnt bist. Wenn das kein Anreiz ist, das n├Ąchste Mal gr├╝ndlicher zu arbeiten...
LG
Doro

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strumpfkuh
???
Registriert: Jun 2003

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So,

ich habe den Text ge├Ąndert und er gef├Ąllt mir jetzt auch besser. Beim Schreiben war ich der Ansicht, da es sich um den w├╝tenden Brief einer Nicht-Poetin handelt, k├Ânne ich einfach loslegen, wie mir der Mund gewachsen ist. Aber so liest er sich sch├Âner, das merke ich selbst.
Danke nochmal an K.
Doro

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