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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Liebesgeschichte
Eingestellt am 15. 07. 2007 08:41


Autor
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mugwump
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2007

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    Ann war im Grunde genommen eine nettes M├Ądchen. Das war auch schon so ziemlich der einzige Vorwurf, den er ihr machen konnte. Sie war nachgiebig wie ein Gras im Wind, sie trug ein strahlendes L├Ącheln vor sich her, dass durch beinah nichts zu ersch├╝ttern war. Bereits am zweiten Abend, an dem sie miteinander ausgegangen waren, hatte sie ihn gefragt, was er denn gerne isst. ÔÇťIch k├Ânnte ja mal was f├╝r uns kochen.ÔÇŁ

    Klaglos ertrug sie seine immer zahlreicher werdenden Wutausbr├╝chen, die sich an unbedeutenden Details ihres Zusammenlebens entfachten: Dem Umstand, dass sie abends mit dem Essen auf ihn gewartet hatte, w├Ąhrend er noch im B├╝ro auf einer Krisensitzung geblieben war; seine Hose, die sie vom Boden aufgehoben und ├╝ber eine Stuhllehne zusammengelegt hatte; seine Uhr, die sie auf dem Nachttisch hat liegen sehen und auf die richtige Zeit gestellt hatte. Er warf ihr diese Akte ihrer Liebe, die sich in ihr als eine nicht enden wollende Sorge um das geliebte Wesen ├Ąu├čerten, als eine unertr├Ągliche Einmischung in sein privatestes Leben vor. Er beschmipfte sie w├╝st, verglich sie mit seiner Mutter. Immer ├Âfter raste er nach einem solchen unwichtigen Streit wutschnaubend aus der Wohnung, nur um einige Stunden sp├Ąter angetrunken wiederzukehren, sich in das gemeinsame Bett zu schleichen und dort, in das schattige Dreieck gelehnt, das ihr schmaler Hals und die blasse Schulter bildeten, einzuschlafen, w├Ąhrend er noch Worte der Vergebung und einer vagen Liebe murmelte.

    Seine Wutanf├Ąlle gingen ├╝ber sie hinweg wie ein heftiger Wind ├╝ber einen See. Die Oberfl├Ąche ihres Gesichts kr├Ąuselten sich von einer rasch heranziehenden Traurigkeit, in den Winkeln ihrer Augen sammelten sich Schatten, ihr Mund wurde schmal und verschloss ihre Angst, ihn zu verlieren. Seine Wut lie├č rasch nach, ermattet von ihrem Mangel an Gegenwehr, ihrer Weigerung, sich zu verteidigen und seinen Beschimpfungen etwas entgegenzusetzen, und wenn er dann stiller wurde, leer und m├╝de von soviel unn├╝tzer Bewegung, gl├Ąttete sich auch ihr Gesicht wieder. Ganz ruhig lag es unter seinem Blick und diese Episoden schienen nur gut dazu zu sein, sie ihm mit noch gr├Â├čerer Z├Ąrtlichkeit und F├╝rsorge anzuschlie├čen. Und je gr├Â├čer ihre Liebe zu ihm wurde, desto unertr├Ąglicher wurde ihm ihr Verh├Ąltnis.

    Dennoch tat er sich mit der Trennung von ihr schwer: Sie war sehr h├╝bsch. Hinzu kam, dass sie ihn in diesen Momenten, in denen er den Tyrannen mimte, auf eine Art von unten her versch├╝chtert ansah, die ihn Angst um sie bekommen lie├č, so wie man um ein kleines Kind Angst bekommt, dass ganz allein einem wilden Tier gegen├╝ber steht.

    Sie liebte ihn offenbar in Kenntnis und trotz des Umstandes, dass er sie ├╝berhaupt nicht liebte und mit der offenkundigen Absicht, an dieser Liebe ungl├╝cklich zu werden.

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petrasmiles
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2005

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Hallo mugwump,

gut beobachtet und formuliert, aber hier fehlt mir die Geschichte drumherum.
Und aus M├Ąnnersicht w├Ąre das bestimmt eine sehr spannende Geschichte, denn der Mann muss ja f├╝r sich den Konflikt aufl├Âsen, den Anteil des 'Tieres' in sich, dass da sein Unwesen treibt, als 'gesund' akzeptieren, und den 'Ritter', der das M├Ągdelein vor sich selbst besch├╝tzen will, in seine Grenzen verweisen.
Hat was von einer Ko-Abh├Ąngigkeit, und im Idealfall endet das mit Streit und Tr├Ąnen, im schlimmsten mit einer Bluttat.
Ich w├╝rde mir w├╝nschen, dass er die 'Kurve kriegt', bevor nicht wieder gut zu machender Schaden entsteht.
Bin schon gespannt!

Liebe Gr├╝├če
Petra
__________________
Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug f├╝r Gutwerter!

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no-name
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo mugwump,

ich mache dann mal die Textarbeit, sind ja auch nur Kleinigkeiten:

quote:

Ann war im Grunde genommen eine nettes M├Ądchen.

...,dass durch beinahe nichts zu ersch├╝ttern war.

quote:
Klaglos ertrug sie seine immer zahlreicher werdenden Wutausbr├╝chen,...

Als Frau kann ich das Verhalten der von dir geschilderten Frau in deinem Text nicht nachvollziehen, ich wei├č aber, dass es solche Frauen gibt... Wenn frau sich so aufgibt f├╝r einen Mann, dann muss das meiner Meinung nach zum Scheitern veruteilt sein... ,aber meine Meinung ist da nat├╝rlich kein Ma├čstab.

Auch ich finde deinen Text gut geschrieben und deswegen durchaus fesselnd f├╝r den Leser, trotzdem finde auch ich, dass du noch mehr aus deinem bemerkenswertem Ansatz herausholen k├Ânntest. Bitte sieh das als Ansporn.

Freundliche Gr├╝├če von no-name.

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