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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Liebesgrüße per Post
Eingestellt am 14. 09. 2003 00:53


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Traum
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Liebesgrüße per Post




Liebesgrüße per Post

Michael war fast drei Jahre alt. Ein kleiner Mann sozusagen. Fragte der Mutter Löcher in den Bauch, wollte immer vorndran sein. Er war seinem Alter voraus.

Gerade deshalb meinte seine Mutter: es wäre nun an der Zeit, dass er sich endlich von seinem geliebten Schnuller trennen würde. Er nuckelte noch mit Leidenschaft.

Der Herbst ging allmählich in den Winter über; die Blätter fielen von den Bäumen, verloren ihren Halt. Die Mutter überlegte sich: warum ist es nicht möglich, dass sich auch ihr Sohn von seinem Schnuller trennte, ohne Zwang, wie die Blätter vom Baum und dabei kam ihr eine Idee: in der kleinen Parkanlage gegenüber hatte sich inzwischen ein Teppich voller Blätter in den schönsten Herbstfarben gebildet. Nachdenklich blieb ihr Blick darauf haften. Schweifte weiter zu dem gelben Postbriefkasten neben der Telefonzelle. Was wäre, wenn ihr Sohn den Schnuller per Post einem anderen Kind zum Nikolaustag schicken würde? Michael hätte dann auch gute Karten beim Nikolaus. Könnte von seiner guten Tat erzählen.

Und da sie ihre Entschlüsse nie auf die lange Bank schob- ein Versuch war es allemal wert- sagte sie zu ihrem Sohn:"Michael, du bist doch jetzt schon so groß und gescheit. Wie findest du das, wenn du deinen Schnuller einem anderen Kind zum Nikolaustag schenken würdest? Da drüben ist der Postbriefkasten." Der kleine Michael schaute seine Mutter mit großen Augen an, überlegte kurz, gab ihr die Hand und sagte:"Dann aber jetzt gleich, Mami!"

Die Mutter ging mit ihrem Sohn über die Straße in den Park zum Briefkasten, hob den Deckel hoch, Michael warf seinen Schnuller in den Briefkastenschlitz und der Schnuller ging auf Reisen. Der Sohnemann war ganz stolz, er brauchte jetzt keinen mehr.

Die Jahre vergingen, Michael kam in die Pubertät. Kaufte sich ein breites, schwarzes Lederarmband mit lauter Nieten darauf, die wie kleinen Pyramiden aussahen. Er wollte damit seine Männlichkeit zum Ausdruck bringen. Natürlich trug er dieses Lederarmband voller Stolz auch bei einem Besuch bei Freunden im Schwarzwald. Der Freundin der Mutter fiel es sofort auf. Sie hielt auch mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. "Sag' mal," fragte sie Michaels Mutter verstohlen, "findest du das schön, was er da am Handgelenk trägt?"- "Nein," sagte die Mutter, "aber wenn ich ihm jetzt etwas sage, ist das Opposition für ihn. Dann tut er genau das Gegenteil."
"Dann sage ich etwas zu ihm," meinte die Freundin und wandte sich an Michael mit den Worten: "Sag mal, Michael, so kenn' ich dich ja gar nicht. Du bist doch ein großer und starker Junge, beinahe ein Mann. Brauchst du eigentlich dieses Lederarmband, um deine Männlichkeit zu beweisen?"

Michael sagte nichts darauf. Aber nach dem Mittagessen, beim Verdauungsspaziergang am Neckar entlang, nahm er stillschweigend das Lederarmband ab und steckte es in den Schlitz vom Postbriefkasten; für ihn war die Sache damit erledigt.

Inzwischen ist er ein richtiger Mann geworden, erfolgreich im Beruf. Möchte immer zeigen was er alles kann und schon erreicht hat. Für seine Frau und sich hat er ein Haus gebaut; dafür wird er noch viele Jahre hart arbeiten müssen, bis das Baudarlehen getilgt ist. Er hat nur wenig Freizeit. Dafür viele Sorgen. Und die Mutter sieht ihn immer weniger lachen.

Schade, denkt sich manchmal die Mutter,
dass man ein Haus nicht mit der Post verschicken kann...
__________________
Den anderen nehmen wie er ist. Kritik ist fruchtbar, darf aber nicht zerstören.

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flammarion
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hm,

eine sehr anrührende geschichte. das beste, was ich bisher von dir gelesen habe. die paar tippfehler eleminieren und ab damit zum verlag!
ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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Traum
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Fehler ausgebessert.

Liebe Flammarion,

ich danke Dir für Deinen Hinweis und hoffe, dass nun alle Fehler beseitigt sind. Es freut mich, dass Dir meine Geschichte gefallen hat, ich weiss es zu schätzen, wenn das Lob gerade von Dir kommt.

Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag
(ich dampfe jetzt ab auf die Mainau)

Vom Bodensee viele Grüße

Inge
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flammarion
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fein, fein,

aber wird nuckeln wirklich mit kk geschrieben? fragend guckt
__________________
Old Icke

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Traum
One-Hit-Wonder-Autor
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Alles klar

habe eine Tag Frischluft getankt, Gehirn ist durchgepustet. Der Nuckel ist jetzt in Ordung. Danke!

Wünsche noch einen schönen Abend -

Traum
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flammarion
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hallo,

wer auch immer zu diesem thema eine mail an mich gesendet hat - sie ist bei mir nicht angekommen, mein spam-wächterr hat sie abgewiesen. lg
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Old Icke

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