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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Liebeskummer
Eingestellt am 06. 07. 2002 21:18


Autor
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Chris
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

Werke: 11
Kommentare: 1
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Bei ihrem letzten Anruf hatte sie auf den Anrufbeantworter gesprochen:
„Hallo mein Schatz, mir geht es soweit gut, ich hab Dich lieb.“
Das war zwei Wochen zuvor, er lag zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus und h├Ârte die Nachricht erst nach seiner Entlassung.
Und er hatte keine M├Âglichkeit, darauf zu reagieren und pers├Ânlich mit ihr zu sprechen.
„Ich hab Dich lieb“, waren das nicht die idealen Worte, um am Anrufbeantworter eine Beziehung zu beenden, die strenggenommen keine war?
Er dachte an seine fr├╝here Freundin, Petra, die bei ihrem letzten Anruf auf Anrufbeantworter die gleiche Nachricht hinterlies - „Ich hab Dich lieb“.
Er sah Petra dann nie wieder.
Eigentlich hatte er Gabi soviel zu sagen, konnte aber nicht mit ihr in Verbindung treten, weil ihr Mann st├Ąndig zu Hause war und seine Telefonnummer sofort auf dem Display erkannt h├Ątte.
Sicher h├Ątte ihm ein Anruf zwar Erleichterung gebracht, f├╝r sie aber viele Streitereien und Stress mit ihrem Mann bedeutet und das wollte er auf keinen Fall, dazu liebte er sie einfach zu sehr.
Seit einigen Tagen schon ging es in seinem Kopf drunter und dr├╝ber, ihm schien es als w├╝rden seine Gedanken Achterbahn fahren.
Und er kam entt├Ąuscht zum Ergebnis, dass er den Ungleichen Kampf gegen ihren Ehemann verloren hatte, der jetzt Wochenlang Tag und Nacht um sie war, das Telefon ├╝berwachte und wahrscheinlich alles tat, um sie an sich zu binden und ihr jeden Gedanken, sich von ihm zu trennen, austrieb.
„Warum nur“ fragte er sich zum hundertsten Male, „warum musste er sich ausgerechnet mit einer verheirateten Frau einlassen?“.
Er hatte verloren, war das nicht schon lange klar, musste er sich nicht fragen, warum er sich ├╝berhaupt auf sie eingelassen hatte, hatte er wie so oft wieder zuviel verlangt?
Trotzdem dachte er beinahe ununterbrochen an sie, fand nichts, was ihm Zerstreuung verschafft h├Ątte, und war unendlich deprimiert.
Traurig dachte er an ihre fr├╝heren Worte, als sie ihm geschmeichelt und ihm gesagt hatte, wie toll er aussah und was f├╝r ein Charmeur er doch w├Ąre.
Ihm fiel ein Zitat ein, in dem es hei├čt: „Ein Ruhm, der schnell erbl├╝ht erlischt auch schnell.“
War das nicht genau auf seine Situation passend, waren ihre Worte im ├╝bertragenen Sinne nicht auch so etwas wie ein Ruhm, der schnell aufsteigt und dann rasch verfliegt?
Es war Januar und er hoffte, dass das vor ihm liegende Jahr noch eine positive Wendung nehmen w├╝rde; ein Start mit Liebeskummer und einem drei w├Âchentlichen Krankenhausaufenthalt war nicht nach seinen Vorstellungen.
Zumindest wusste er jetzt, dass sie ihn lieb hatte, ihn und nur ihn; wenn sie sich nicht irrt├╝mlich verw├Ąhlt hatte.
Er wusste auch, dass ihn Petra vor einem Jahr genauso lieb hatte und daraufhin restlos aus seinem Leben verschwand.
Schlie├člich wusste er auch, dass er mit dem Bau einer Mauer um sich herum weitermachen musste, wie er es schon bei seinem letzten Liebeskummer mit Petra vor einem Jahr beschlossen hatte.
So wusste er also ziemlich viel, was er aber nicht wusste war, wie er diese Gabi aus seinem Kopf und seinem Gef├╝hlsleben bringen sollte.
Es ├Ąrgerte ihn einfach, diesem Gef├╝hl ausgesetzt zu sein, wie so oft, (wie eigentlich immer) und wieder keine L├Âsungsm├Âglichkeit daf├╝r zu finden.
Auch das Wissen, dass dieses Gef├╝hl jeden, egal welchen Alters oder Geschlechts treffen konnte, half ihm wenig.
Wenn er nach Hause kam galt sein erster Blick dem Anrufbeantworter, der aber keinen neuen Anruf anzeigte, also auch nicht den ersehnten Anruf von Gabi.
Wenn er sich ins Bett legte, tat er das nicht, ohne das Telefon auf das Nachtk├Ąstchen zu legen, damit er schnell am Apparat sein k├Ânnte, wenn sie anrufen w├╝rde.
Aber sie rief nicht an, und er wartete auf den Dolchstoss, auf ein klares Wort von ihr, mit der sie die Beziehung, die eigentlich keine war, endg├╝ltig beendete.
Empfand sie vielleicht wie er, nicht f├Ąhig, Schluss zu machen, dem kl├Ąrenden Telefonat so lange wie nur m├Âglich aus dem Weg zu gehen?
Er sah sie in der besseren Position, schlie├člich konnte sie es genie├čen, dass zwei M├Ąnner um sie buhlten und irgendwann nach Belieben einem der beiden die Zusage geben.
Auch ihr Mann war verglichen mit ihm in der besseren Position, hatte er sie doch st├Ąndig um sich, ├╝berwachte jeden Schritt von ihr und konnte jederzeit korrigierend eingreifen.
Dass sie ernsthaft mit dem Gedanken, ihn zu verlassen spielte und diesen Gedanken in absehbarer Zeit in die Tat umsetzen w├╝rde, glaubte er nicht mehr; er sch├Ątzte sie auch so ein, dass sie nicht genug Energie f├╝r einen solch weitreichenden Schritt hatte.
Und er hatte verloren - Schon wieder.
Das durfte seiner Meinung nach nicht noch einmal passieren, also musste er jetzt in Ruhe diese Situation, wie viele andere davor, ├╝berdenken und sich m├Âglichst eine Strategie zurecht legen, wie er mit solchen Situationen in Zukunft umgehen oder erst gar nicht in so etwas hineingeraten w├╝rde.
W├Ąhrend er dar├╝ber Nachdachte legte er sein Telefon in Reichweite, falls sie anrief, doch sie rief nicht an.
Sie gab auch nicht ihrer Mutter oder ihrer Tochter den Auftrag, ihn anzurufen und ihm eine kurze Mitteilung zu geben.
Er h├Ątte so darauf gewartet, sich so dar├╝ber gefreut aber das Telefon schwieg.
Traurig dachte er daran, wie es noch vor ein paar Monaten gewesen war, als er ├Âfter ├╝berrascht wurde von einer telefonischen Textnachricht, in der eine Computerstimme sagte, dass sie ihn liebte und an ihn dachte.
Obwohl es nur die mechanisch klingende Stimme eines Computers war und nicht ihre Eigene, hatte er sich unheimlich ├╝ber ihren Einfallsreichtum gefreut.
Auch empfand er es immer als angenehm, wenn ihre Tochter anrief und den H├Ârer sofort an Gabi weitergab.
Das alles sollte nun vorbei sein, endg├╝ltig und unwiederbringlich?
Sollte er jetzt wirklich mit einer Schlangengrube im Bauch statt mit einem leichten Herzen leben m├╝ssen.
Aber war es nicht einfach so, ging es nicht jedem Verliebten Menschen wie ihm: Himmelhoch jauchzend und zu Tode betr├╝bt?
Das durfte nicht so weiter gehen, er musste diesen Zustand baldm├Âglichst ├Ąndern, wusste aber nicht wie.
Vielleicht sollte er mit Kleinigkeiten anfangen, zum Beispiel k├Ânnte er sich ab sofort abgew├Âhnen, das Telefon neben sein Kopfkissen zu legen, es dauernd anzustarren und auf ihren Anruf zu hoffen.
Eigentlich war er schon richtig Stolz auf sich, hatte er doch eine Woche zuvor alle Fotos und Briefe von ihr in einem gro├čen Karton verschwinden lassen und damit jede Erinnerung an sie in seiner Wohnung entfernt.
So wie er es bei Jutta oder Conny oder auch Petra gemacht hatte.
Wenn er so alleine in seiner Wohnung sa├č und Musik h├Ârte kam ihm oft die Vorstellung, dass Gabi und ihr Mann gerade eng umschlungen auf dem Sofa sa├čen und ihn auslachten.
Ihn, diesen Idioten, der verzweifelt die Quadratur des Kreises versuchte.
Er konnte sie sogar Lachen h├Âren, wenn er genau hin h├Ârte.
So durfte es einfach nicht weitergehen, aber er hatte keine Idee, wie er solche Gedanken abblocken und sie verdr├Ąngen sollte.
NOCH hatte er keine Idee, nur den festen Vorsatz, bis zum Wochenende einen gro├čen Schritt in dieser Frage weitergekommen zu sein.
Ihm w├╝rde schon noch was einfallen.
*** ***

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vexierbild
Guest
Registriert: Not Yet

Bitte..

Bitte, darf ich mich auf eine Fortsetzung freuen..? Der arme Kerl, hat er denn nur Pech?
(Du siehst, die Geschichte interesiert mich)
Lieben Gru├č HH.

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enniaG
Guest
Registriert: Not Yet

Leben pur..

Hi, Chris,
diese Thematik hast du sehr lebensnah und real beschrieben.
All' diese "Vors├Ątze"-
wer hat sie nicht schon eimal selbst gesp├╝rt ???

Sonntagsgr├╝├če

ennia

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