Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5553
Themen:   95291
Momentan online:
407 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erotische Geschichten
Liebestod im Kloster
Eingestellt am 10. 11. 2017 19:59


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Susi M. Paul
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Oct 2013

Werke: 22
Kommentare: 150
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Susi M. Paul eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebestod im Kloster

Trotz der vorgerĂŒckten Stunde hatte niemand ein Auge zugetan. Betend hatten die Mönche im Kapitelsaal, die Nonnen in ihrem Refektorium ausgeharrt. Als sie die Pferdehufe auf dem Pflaster hörten, strömten sie binnen Minuten auf dem Platz zwischen der Kirche und dem Frauentrakt zusammen.
Der greise Abt war geschwĂ€cht durch die lange Reise und bedrĂŒckt von der Nachricht, die er zu ĂŒbermitteln hatte. Deshalb ĂŒbernahm es der Vogt, den unanfechtbaren Beschluss des Generalkapitels zu verkĂŒnden: „Um des Seelenheils unserer geliebten BrĂŒder und Schwestern willen ordnen wir an, dass kĂŒnftighin jedes unserer Klöster von nur einem Zweig des Ordens bewohnt werden soll.“
Ohne auf das enttĂ€uschte Gemurmel und nicht wenige Ausrufe des Entsetzens zu achten, fuhr der Schutzherr fort: „Ihr wisst, euer Vater Abt und ich selbst hĂ€tten euch gerne eine andere Entscheidung aus St. Eustach mitgebracht. Aber ihr wisst auch, dass wir dort auf verlorenem Posten standen. Nun obliegt es mir, diese Anordnung umzusetzen.“
Er legte eine kleine Pause ein, rĂ€usperte sich und bestimmte dann: „Die Nonnen werden sich unverzĂŒglich in ihren Bereich zurĂŒckziehen. Zur Sicherheit werden meine Leute die ganze Nacht ĂŒber ihre Pforte bewachen und zusĂ€tzlich den Verbindungsgang kappen. Bei Tagesanbruch, nach der Vigil, werde ich sie persönlich nach Steinlinden fĂŒhren.“

„MĂŒller“, schnaubte er widerwillig ins Telefon, das ihn beim Abfassen eines dieser unsĂ€glichen Berichte unterbrochen hatte.
„Herr MĂŒller, sind Sie der fĂŒr Kloster EichmĂŒhlen zustĂ€ndige ArchĂ€ologe?“, erkundigte sich eine Frauenstimme. „Wenn ja, dann hĂ€tten wir etwas fĂŒr Sie.“
„Wer ist wir?“
„Oh, Verzeihung! Samling, Julia Samling, Gerichtsmedizinerin. Aber keine Angst, unser Fall ist eher ein Fall fĂŒr Sie. Ich erklĂ€re es Ihnen, sobald Sie hier sind.“
Keine halbe Stunde spĂ€ter schĂŒttelte er ihre Hand. Zwei Polizisten rollten die AbsperrbĂ€nder auf, die sie um den vermeintlichen Tatort gezogen hatten, ansonsten strahlte die Ruine im abgelegenen Tal die ĂŒbliche Herbstruhe aus.
„Ein Bauer ist heute frĂŒh mit seinem neuen Traktor auf dem Weg neben der Kirchenmauer eingesackt. Besser gesagt: Ein Reifen hat so etwas wie eine unterirdische Kammer zum Einsturz gebracht. Und als er hinuntergeschaut hat, hat er ein paar Knochen gesehen und die Polizei verstĂ€ndigt.“
„Der Geheimgang!“, kommentierte ihr GegenĂŒber trocken.
„Dann kannten Sie den schon? Schade, ich dachte, wir hĂ€tten da eine archĂ€ologische Sensation gefunden.
„Kennen ist zuviel gesagt, und Geheimgang eigentlich auch. In der Krypta der Kirche gibt es eine zugemauerte TĂŒr. Wir haben immer schon vermutet, dass es frĂŒher einmal eine unterirdische Verbindung zu dem ehemaligen GebĂ€udekomplex auf der anderen Seite des Weges gegeben hat. EichenmĂŒhlen, mĂŒssen Sie wissen, war in seiner Anfangszeit nĂ€mlich ein Doppelkloster. Die MĂ€nnlein wohnten rechts, die Weiblein hinter einer zusĂ€tzlichen Mauer links von der Kirche. Außer bei den Gottesdiensten hielten sie brav Abstand, damit auch nichts passiert.“
„Aber mit einem Verbindungsgang, falls die Versuchung doch einmal ĂŒberhand nahm?“, kommentierte die Medizinerin die doppelklösterliche Geschlechtertrennung mit einem verstĂ€ndigen LĂ€cheln.
„DafĂŒr wohl nicht. Vermutlich gibt es fĂŒr ihn eine ganz profane ErklĂ€rung: damit die Schwestern bei Schnee und Regen trockenen Fußes zum Beten kamen. Er scheint irgendwann eingebrochen und verfĂŒllt worden zu sein, zumindest grĂ¶ĂŸtenteils. Wir haben ihn nicht ausgegraben, weil er uns zu uninteressant erschien.“
„Jetzt dĂŒrfen Sie aber drin herumbuddeln. Wir haben zum Anfangen einen kleinen Raum zu bieten, knapp einsfĂŒnfzig auf einsfĂŒnfzig. Die Polizei hat schon die Steine herausgeklaubt, die heute frĂŒh hineingefallen sind.“
„Vermutlich ein einfaches Tonnengewölbe.“
„Vermutlich. Spannend ist aber, was wir dort gefunden haben. Die Knochen, die der Bauer von oben gesehen hat, gehören zu zwei Skeletten. Die SchĂ€del und Teile der Brustkörbe stecken in einem Berg von Schutt, den wir nicht angerĂŒhrt haben. Möglicherweise die Todesursache. Was den Todeszeitpunkt angeht, bin ich ĂŒberfragt. Aber der Zustand der Knochen, ein paar Stoffreste, die zu Kutten gehört haben könnten, und zwei Metallkreuze im unteren Brustbereich haben mich zu der Mutmaßung veranlasst, dass wir den oder die Mörder nicht mehr zu suchen brauchen, selbst wenn es sich um ein Verbrechen gehandelt haben sollte. Wie gesagt: ihr Fall.“
„Herzlichen Dank fĂŒr die vorlĂ€ufige Diagnose.“
„Moment! Das Wichtigste und MerkwĂŒrdigste kommt noch. Die Skelette lagen nĂ€mlich nicht neben-, sondern ĂŒbereinander. Und zwar, man höre und staune, unten ein Mann und oben eine Frau, wenn ich die Beckenknochen richtig vermessen habe. Melden Sie sich mal bei mir, wenn Sie eine schlĂŒssige, meinetwegen auch eine schlĂŒpfrige Theorie dafĂŒr entwickelt haben!“

„Pater Gerhart, darf ich euch eine Frage stellen?“
Erstaunt blickte der Mönch auf. Seit zwei Monaten verrichtete Schwester Klara schweigend ihren Dienst als Sakristanin. Noch nie hatte sie es gewagt, das Wort an ihn zu richten. Und auch jetzt schien sie mehr mit dem Zusammenfalten des Altartuches beschÀftigt als mit ihrem Anliegen.
„Was möchtest du denn wissen?“
Wie um Zeit zu gewinnen, beendete sie zunÀchst sorgfÀltig ihre Arbeit und wandte sich dann langsam zu ihm um.
„Heute Morgen habt ihr ĂŒber die Keuschheit gesprochen, ĂŒber die Stelle im Evangelium, wo es heißt: ‚Wer es fassen kann, der fasse es‘, und darĂŒber, dass wir, die wir den Weg der Enthaltsamkeit gewĂ€hlt haben, von Gott eine besondere Gnadengabe empfangen haben.“
„Das ist richtig. Hat dir daran etwas missfallen?“
„Oh nein!“, begann sie, stockte, senkte die Augen zu Boden, um sie nach einem kurzen Moment wieder zu erheben. Er konnte an ihrem Gesichtsausdruck erkennen, dass sie darum rang, die richtigen Worte zu finden. „Oder vielleicht doch“, fuhr sie zweifelnd und unsicher fort. „Ich meine
 Ich wollte
“, stammelte sie.
„Bist du sicher, dass du nicht lieber mit deiner Mutter Priorin oder mit deinem Beichtvater darĂŒber sprechen möchtest?“, warf Pater Gerhart ein, dem schwante, dass seine Helferin auf eine Ă€ußerst delikate Angelegenheit hinauswollte.
„Oh nein!“, kam es wieder als Antwort, diesmal fast brĂŒsk. Dann sagte sie mit so leiser Stimme, dass er MĂŒhe hatte, die Schwester zu verstehen: „Ich meine, ich habe es schon versucht, aber Mutter Jutta hat mich gar nicht ausreden lassen und mir eine Woche strenges Fasten auferlegt. Und der ehrwĂŒrdige Pater Augustinus, ihr kennt ihn, wurde als unser Beichtvater ausgewĂ€hlt, weil er sich den Ruf eines Eiferers fĂŒr die unbedingte Keuschheit erworben hat.“
Wieder blickte sie eine Weile zum Boden, bis ein Ruck durch ihren Körper ging. Sie hatte sich entschieden, die Gelegenheit zu nutzen.
„Ihr mĂŒsst wissen, Pater Gerhart, dass ich bereits verheiratet war, mit Graf Ulrich von Ulrichstein. Doch nach einem Jahr verunglĂŒckte er bei einem Ausritt. Da Gott uns keinen Nachkommen geschenkt hatte, beschlossen mein Schwager und meine Schwiegermutter, mich in dieses Kloster zu stecken, um sich ihrer Verantwortung fĂŒr mich zu entledigen.“
„Und du fĂŒhlst dich nicht berufen fĂŒr ein Leben als Ordensfrau?“, half Gerhart ihr auf die SprĂŒnge, als der Redefluss wieder zu versiegen drohte. „Du glaubst, dass der Weg der Enthaltsamkeit nicht dein Weg ist?“
„Ihr sagtet heute Morgen“, fuhr Schwester Klara ausweichend fort, „dass Mönche der Gnade Gottes noch viel stĂ€rker bedĂŒrften als wir Nonnen. Ihr Leib und ihre Natur, sagtest du, bescherten den MĂ€nnern bestĂ€ndig den Ausfluss der fleischlichen Lust. Wenn dies bei Nacht geschehe und ohne ihr Zutun, trĂŒgen sie daran zwar keine oder nur geringe Schuld. Aber der Hang zur SĂŒnde sei dadurch umso grĂ¶ĂŸer, als sie diesen flĂŒchtigen Augenblick einer verderblichen VerzĂŒckung immer wieder erleben, so als ob Satan selbst sie stetig in Versuchung fĂŒhren wolle. Die Natur der Frauen, sagtest du, kenne diesen wiederkehrenden Lockruf der Wollust nicht, weshalb wir leichter die Gefahr fĂŒr unser Seelenheil umschiffen könnten.“




„Das ist richtig, das sagte ich, und zwar, weil darin, wenn sie auch in anderen Punkten unterschiedlicher Ansicht sind, Theophrast von Alexandrien, Gundobald von St. Liuben und selbst der große Guillaume von St. Etienne ĂŒbereinstimmen.“
„Ich glaube, was sie sagen, mag vielleicht fĂŒr einige meiner Mitschwestern gelten. Doch was soll ich sagen, die ich die VerzĂŒckung der Wollust so oft an meinem eigenen Leib erfahren habe? Und nun bin ich gezwungen worden, Keuschheit zu versprechen. Dabei fĂŒhle ich mich zu schwach, gegen die Versuchung anzukĂ€mpfen! Wie kann ich so leben, ohne mich stĂ€ndig zu versĂŒndigen und mein Seelenheil zu verlieren?“
„Schwester Klara, was sagst du mir da? Was verlangst du von mir? Ich bin ein einfacher Mönch, der selbst mit der Versuchung ringt und dem die Aufgabe zugewiesen wurde, die Messe zu lesen und die Kirchenlehrer zu studieren. Wie soll ich, der ich nicht in den Dienst der FĂŒhrung der Seelen eingewiesen wurde, dir eine Antwort geben? Was kann ich dir anderes raten, als im immerwĂ€hrenden Gebet die Gnade Gottes zu erflehen?“
„Nichts anderes habe ich in den letzten Monaten getan“, antwortete die Sakristanin mit verzagter Stimme. „Auch kann ich nichts von euch verlangen. Aber darf ich euch wenigstens instĂ€ndig darum bitten, in euren BĂŒchern nachzuschlagen, ob dort Trost und Hilfe fĂŒr mich verborgen sind?“
Schweigend schĂŒttelte er den Kopf. Doch als sie sich mit gesenktem Haupt auf den Weg zur Krypta machte, um durch den unterirdischen Gang direkt ins Refektorium im Nonnentrakt zu eilen, da hatte Pater Gerhart ein Einsehen mit ihr. „Lass uns in einigen Tagen noch einmal darĂŒber sprechen“, rief er ihr nach, „vielleicht gibt es einen Ausweg.“

Erstaunlicherweise hatte der Prior ihm die Erlaubnis, der neuen Sakristanin die Einzelheiten der Liturgie zum GrĂŒndungsfest des Klosters zu erklĂ€ren, ohne weitere Nachfragen gewĂ€hrt. Ihn drĂŒckten an diesem Tag ganz andere Sorgen.
„Habt ihr auch schon die GerĂŒchte gehört, dass heute die Gesandtschaft vom Generalkapitel zurĂŒckkehren soll“, fragte Schwester Klara aufgeregt, ohne den KerzenstĂ€nder aus der Hand zu legen, den sie gerade polierte.
„Ja, und sie werden schlechte Nachrichten mitbringen“, erwiderte Gerhart bekĂŒmmert. „Aller Voraussicht nach werdet ihr sehr bald zu den Nonnen nach Steinlinden geschickt und die dortigen Mönche kommen hierher nach EichmĂŒhlen. Wir werden uns also nicht mehr wiedersehen. Lass uns daher keine Zeit verlieren.“
„Du hast etwas herausgefunden?“, fragte Klara voller Hoffnung.
„Nun, ich fĂŒrchte, wenn Gott dir nicht bald die Gnade der Enthaltsamkeit schenkt oder wenn sich vor dem Ablegen der ewigen GelĂŒbde kein anderer Ehemann fĂŒr dich findet, der die Glut deines Fleisches lindert, dann wird dich die SĂŒnde immer wieder einholen. Allerdings gibt es ĂŒber den Grad der SĂŒndhaftigkeit deines geheimen Tuns Uneinigkeit in den Schriften, die ich konsultiert habe. Aber gehen wir Schritt fĂŒr Schritt voran. Ich möchte erst einmal begreifen, wovon die Kirchenlehrer und Theologen ĂŒberhaupt sprechen, denn meine Kenntnis um die Natur der Frauen ist verstĂ€ndlicherweise begrenzt.“
„Was möchtest du wissen?“
„Paulus sagt, der Mann solle seine Pflicht der Frau gegenĂŒber erfĂŒllen. Dein Mann hat dies wohl getan, da du das letzte Mal davon gesprochen hast, dass du oft die VerzĂŒckung der Wollust am eigenen Leib erlebt hast.“
„Oh ja“, begann Klara, in ihrer Erinnerung zu schwelgen, „Graf Ulrich verstand sich wahrlich darauf, mir beizuliegen, und auch ich erfĂŒllte nur allzu gerne meine Pflicht, ihn von der Gefahr der Unzucht mit anderen Frauen abzuhalten. Kaum ein Tag verging, ohne dass er nicht schon beizeiten damit begann, mir in den Nacken zu beißen oder mit seinen starken HĂ€nden meine BrĂŒste zu wiegen, um mich gebĂŒhrend vorzubereiten. Lagen wir dann im Bett, unterließ er es nie, mich so lange zu liebkosen, bis der Freudentau aus meiner Pforte rann und ihn zum Aufspringen einlud.“
„Der Freudentau?“, fragte Gerhart verwundert.
„So nannte er das Öl der Begierde, das sich in meinem Leib zu sammeln beginnt, sobald ich an die Freuden der fleischlichen Vereinigung denke, und das die breite Einkerbung in meinem Körper schon benĂ€sst, bevor sich diese ganz öffnet, um den ersehnten Pflock einzulassen.“
„Und dann?“, fragte Gerhart sichtlich verwirrt weiter.
„Dann pflegte er auf mich aufzuspringen und mich mit seiner harten Keule der Leidenschaft zu durchdringen. Doch leider hatte das AnstĂŒrmen meines Mannes einen Makel. Seine Begierde war wie ein Donnerhall, der laut heranrollt, aber schnell wieder verstummt. Kaum hatte er sich in mich versenkt, grollte er auch schon auf und ließ ermattet von mir ab, um in Sekunden in einen tiefen Schlaf zu verfallen.“
„Ohne dass die VerzĂŒckung dich ergriffen hĂ€tte?“
„So ist es. Und da mein Mann zu diesem Teil der PflichterfĂŒllung meist nicht in der Lage war, hielt ich es fĂŒr recht und billig, mich auf ihn zu legen und die Lippen meiner begehrlichen Furche an einem seiner Schenkel zu reiben, bis die wollĂŒstige Ekstase mich schier des Verstandes beraubte. Dies tat ich selbstverstĂ€ndlich nur, um bei mir selbst jeglicher Gefahr der Unzucht mit einem anderen Mann, der diesen Makel vielleicht nicht aufgewiesen hĂ€tte, entgegenzuwirken. Das war doch nicht sĂŒndhaft, oder?“
„Das war nur allzu verstĂ€ndlich und als Teil der ehelichen PflichterfĂŒllung im Sinne des heiligen Paulus keineswegs sĂŒndig“, urteilte der staunende Mönch ohne zu zögern. „Obgleich
“
„Obgleich?“, forderte Klara ihn auf weiterzusprechen.
„Obgleich Theophrast von Alexandrien, auf den unser Mitbruder, Pater Augustinus, sich zu beziehen pflegt, auch dies bereits verurteilt, stellt doch fĂŒr ihn jegliches Aufflammen von Wollust gewissermaßen den Urgrund der SĂŒnde dar. Um wieviel sĂŒndiger, sagt er, wirke dann die vollendete VerzĂŒckung. Ginge es nach ihm, wĂ€re jeglicher Ausfluss des Mannes ein Werk des verderbten Fleisches, selbst der unfreiwillige und der, der Nachkommen zu zeugen sucht. Und nur dieser letztere könne durch Werke der Andacht gesĂŒhnt werden, schreibt Theophrast, wĂ€hrend die anderen ErgĂŒsse und natĂŒrlich in noch viel stĂ€rkerem Maße die gĂ€nzlich unnĂŒtze und skandalöse VerzĂŒckung der Frau notwendigerweise den Weg zur ewigen Verdammnis wiesen.“
„Davon habt ihr aber bei eurer Auslegung des Evangeliums vor ein paar Tagen nicht gesprochen.“
„Nun ja, gegen Theophrast gibt es bei den Theologen gewichtige EinwĂ€nde. Guillaume von St. Etienne etwa verweist darauf, dass Gott den Menschen wegen des SĂŒndenfalls von Adam und Eva bestraft habe: Der Mann soll im Schweiße seines Angesichts sein Brot verdienen, und die Frau wird mit Schmerzen gebĂ€ren. Was Gott dem ersten Menschenpaar und damit uns allen jedoch nicht genommen habe, sei die fleischliche VerzĂŒckung bei der Zeugung. Guillaume geht also davon aus, dass die sinnliche Begierde und die Wollust dem Mann und der Frau mit dem Schöpfungsakt mitgegeben wurde und daher Gottes ureigener Wille sei. Allerdings, fĂŒhrt er aus, gelte dies nur fĂŒr die Fleischeslust bei der Vereinigung zum Zwecke der Fortpflanzung, da, wie wir wissen, Gott den Onan gestraft habe, als er seinen Samen auf die Erde fallen und verderben ließ.“
„Soll das heißen, dass ich, die ich nicht in Schmerzen gebĂ€ren werde, auch keine Wollust erfahren darf? Oder bin ich von der Verdammung durch die Selbstbefleckung befreit, weil ich ja keinen Samen verderben kann?“, fragte Klara.
„Wie es scheint, hast du einen scharfen Verstand, den du vielleicht besser fĂŒr die Auferbauung deiner Seele als fĂŒr die Befriedigung der Begehrlichkeiten deines Leibes einsetzen solltest“, meinte Gerhart, und zum ersten Mal im Verlauf des GesprĂ€chs lĂ€chelte er dabei.
„Habe ich denn eine andere Wahl, wo mich doch mein Leib drĂ€ngt, seinem Sehnen nachzugeben?“
„Nun, wir werden sehen. In unserer Bibliothek steht auch das Werk Gundobalds von St. Liuben, SchĂŒler des großen Guillaume. Er sagt, der Samen des Mannes werde bei der Vereinigung in den Bauch der Frau eingepflanzt, um dort zur Frucht des Leibes heranzureifen. So wie man die Aussaat ĂŒber den Winter aufbewahrt, ohne sie anzutasten, um im nĂ€chsten Herbst wieder die FeldfrĂŒchte einsammeln zu können, so darf auch der Mann seinen fruchtbringenden Samen nicht vergeuden. Wenn er sich aber wie Paulus entschließt, um des Himmelreiches willen der Welt zu entsagen, so bewahrt er ihn dafĂŒr auf, nicht irdische, sondern ewige FrĂŒchte zu erlangen. Deshalb begeht eine große SĂŒnde, wer, um fleischliche Wollust zu erlangen, seinen Samen wegwirft. Es sei denn, die Natur selbst sorgt, gegen seinen Willen, fĂŒr eine Erneuerung der VorrĂ€te. Die Frau hingegen steuert keinen Samen bei, sondern bringt nur den des Mannes zur Reife. Logischerweise ist deshalb ihre Wollust fĂŒr die Zeugung unnĂŒtz. Daher kann die fleischliche VerzĂŒckung, in welcher Ausgestaltung auch immer, bei ihr keine SĂŒnde sein, sondern nur ein leichtes Vergehen. Und zwar immer dann, wenn sie durch ihren furor Anstoß erregt oder sie sich durch die BeschĂ€ftigung mit ihrer Triebhaftigkeit von ihren eigentlichen Aufgaben ablenken lĂ€sst.“
„Aber ist es nicht gerade so, dass das lĂŒsterne Sehnen des Leibes uns von der Verrichtung unserer Aufgaben abhĂ€lt, wĂ€hrend ich, wenn ich die heimliche VerzĂŒckung erreicht habe, umso freudiger meinen Pflichten nachkomme?“
„Dies mag durchaus sein und mag fĂŒr andere Frauen gelten, doch warte ab, denn Gundobald fĂŒhrt seine Argumente noch fort. Legen allerdings Nonnen in unzĂŒchtiger Weise Hand an ihr Geschlecht, schreibt er, um die leibliche anstatt der geistigen VerzĂŒckung zu erlangen, so sei dies sĂŒndig, weil sie damit gegen ihre Bestimmung und ihre Gnadengaben handeln.“
„So meint ihr also, es sei mein Schicksal und Gottes Wille, meinen Körper mit Abstinenz zu kasteien, obgleich ich zum Leben in diesem Kloster gezwungen wurde und ich fĂŒhle, dass Gottes Beistand nicht ausreicht, um meiner Begierde Einhalt zu gebieten?“, fasste Klara niedergeschlagen die AusfĂŒhrungen des Paters zusammen.
„Ich sagte dir bereits, dass ich ein Mann des Buches bin, kein Beichtvater. Überdies ein Mönch, der von Zeit zu Zeit selbst der Versuchung erliegt. Welche Antwort kann ich dir also geben?“
„Vorher, als ich ĂŒber meinen Mann sprach, habe ich dir etwas verschwiegen“, wich Klara der Frage aus, wĂ€hrend ein leichtes Strahlen in ihrem Blick die EnttĂ€uschung fortwischte, so als ob sie in eben diesem Moment eine Eingebung bekommen hĂ€tte. „Es gab nĂ€mlich Tage, an denen er mir nicht zu erkennen gab, dass er mir am Abend beiliegen wollte. Oft geschah es dann, dass ich ihn nur anzuschauen brauchte, und schon benetzte der Freudentau die verborgenen BlĂŒtenblĂ€tter meiner Liebesblume. Dann pflegte ich mich an ihn heranzuschleichen, schnell seine Hand zu ergreifen und sie unter meinen Rock zu fĂŒhren, auf dass er die Vorzeichen der Wollust ertaste.“
Noch wĂ€hrend sie sprach, hatte sie Gerharts Hand ergriffen, der sie, baff vor VerblĂŒffung und Furcht, gewĂ€hren ließ. Noch nie hatte er, der schon in frĂŒhen Jugendjahren ins Kloster kam, die nackten Schenkel einer Frau gesehen, wie sie nun zum Vorschein kamen, als die Nonne ihre Kutte und das Untergewand hochhob. Und noch viel weniger hatte er die zarte, glatte, durch den Nektar der Begierde bereits schlĂŒpfrige Haut an den weichen, fleischigen RĂ€ndern der Spalte berĂŒhrt, in die seine Finger, gefĂŒhrt durch Klaras unnachgiebigen Griff, nun eindrangen.
„Was tust du da?“, rief er aus, als er nach der ersten Erstarrung zu einer Reaktion fĂ€hig war. „Weiche von mir, Versucherin!“
Seine Taten straften allerdings die Worte LĂŒgen. Denn seine Hand verweilte an der verbotenen BlĂŒte, auch als Klara die ihre zurĂŒckzog.
„Begreift ihr, wenn ihr ĂŒber den Freudentau streicht, welche Macht die Versuchung ĂŒber mich hat?“, fragte sie voller Verzweiflung. Und dann, ein wenig ruhiger: „Wisst ihr, dass ihr meinem Mann Ă€hnelt? Die gleichen grĂŒnen Augen, die dichten Augenbrauen, die gleichmĂ€ĂŸige Nase, sogar das GrĂŒbchen in eurer Wange, wenn ihr lĂ€chelt. Und nun, wenn die GerĂŒchte stimmen, soll ich auch noch von euch fortgerissen werden; fort von dem Mann, der in mir in diesem GefĂ€ngnis die Erinnerung an die glĂŒcklichen Tage mit Graf Ulrich aufrecht erhalten hat.“
„Aber was soll ich denn tun?“, fragte er klĂ€glich.
„Ich möchte, Pater Gerhart“, antwortete sie mit fester Stimme, die keinen Zweifel daran aufkommen ließ, wie ernst es ihr damit war, „dass ihr mir heute Abend, wenn die Gesandtschaft ankommt und niemand auf uns achtet, hier beiliegt, damit ich zum letzten Mal in meinem Leben einen Mann in mir spĂŒre und durch die Glut seines Geschlechts zur VerzĂŒckung der fleischlichen Lust getrieben werde. Danach möge das Ringen darum beginnen, die heimlichen Momente der sĂŒndigen Freude zumindest ab und an zu unterdrĂŒcken. Oder die völlige Resignation.
„Aber doch nicht hier, in der Kirche, vor dem Angesicht Gottes“, stammelte Gerhart, dessen Widerstand lĂ€ngst gebrochen war, auch wenn er noch die Willenskraft aufgebracht hatte, seine Hand aus der mit Tau gĂ€nzlich ausgekleideten Furche zu ziehen.
„Unten, in der Mitte des Durchgangs, ist eine kleine Kammer. Dort können wir uns treffen.“

Als in der Nacht der Vogt die BeschlĂŒsse des Generalkapitels verkĂŒndete, fiel niemandem auf, dass einer der Mönche und eine der Nonnen fehlten.
WĂ€hrend er sprach, erwies Gerhart sich als gelehriger SchĂŒler, der Klara gewissenhaft auf die ersehnte Vereinigung vorbereitete. Als sie, von seinen KĂŒssen auf ihrem ganzen Körper und den Bissen in ihren Nacken erhitzt aufstöhnte: „Jetzt, stecht zu!“, folgte er ihrem Befehl augenblicklich. Doch er Ă€hnelte dem verblichenen Ulrich selbst in dem Makel, den Klara wĂ€hrend ihres Ehelebens so bedauert hatte. Kaum war er in sie eingedrungen, röhrte er wie ein Hirsch und ergoss sich, bevor sie den Ansturm seiner Keule in ihrem Leib vollends ausgekostet hatte.
Tausendmal um Verzeihung bittend ließ er von ihr ab und gestattete ihr, sich auf ihn zu legen, einen seiner Schenkel zwischen die ihren zu zwĂ€ngen und ihre vor Nektar und Freudentau ĂŒberquellende Blume krĂ€ftig daran zu reiben.
Es war ihm noch vergönnt, zum ersten Mal die summa voluptas einer Frau zu spĂŒren und ihre suspiria amoris zu vernehmen, von denen er in den letzten Tagen so viel gelesen hatte. Doch gerade als ihre convulsiones libidinosae abzuflauen begannen, hörten beide ĂŒber sich ganz seltsame, beunruhigende GerĂ€usche.

„Frau Samling? Hier MĂŒller, Rainer MĂŒller, der ArchĂ€ologe von EichmĂŒhlen. Unsere Untersuchungen sind inzwischen abgeschlossen. Der unterirdische Gang gab wie erwartet nicht viel her. Die Skelette lagen halb in diesem Gang, halb in einem kleinen Raum seitlich davon. Ein paar verrottete Körbe deuten darauf hin, dass er wĂ€hrend der Bauarbeiten angelegt wurde, möglicherweise als Werkzeuglager. Wie Sie vermutet haben, waren es wohl ein Mönch und eine Nonne. Eine genaue Altersbestimmung der Knochen oder der Kleiderreste haben wir nicht durchgefĂŒhrt, zu teuer. Aber das ursprĂŒngliche Doppelkloster wurde irgendwann in der ersten HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts in ein reines MĂ€nnerkloster umgewandelt. Der Zustand der Metallkreuze und der Kutten passt dazu. Wir gehen, um zum schlĂŒpfrigen Teil Ihres Falles zu kommen, davon aus, dass es die beiden tatsĂ€chlich miteinander getrieben haben. MerkwĂŒrdig nur, dass sie oben lag, eher nicht ĂŒblich zu der Zeit. Aber so genau wissen wir natĂŒrlich auch nicht, welche Stellungen Ordensleute bevorzugten. Und offensichtlich ist ihnen genau im entscheidenden Augenblick das Gewölbe des Durchgangs auf den Kopf gefallen. Ein wahrer Liebestod, wĂŒrde ich sagen.“

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Thomas Töpler
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2018

Werke: 1
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Thomas Töpler eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Schön :). Ich bin kein Experte, was alte Sprachen angeht, aber das liest sich fĂŒr meinen Geschmack sehr authentisch. Der letzte Absatz hat mich ziemlich unsanft aus dem Geschehen gerissen und zurĂŒck in die "RealitĂ€t" geholt. Das spricht sehr fĂŒr die Geschichte, finde ich.

Bearbeiten/Löschen    


5 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Erotische Geschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung