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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Lieder von der alten Burg
Eingestellt am 25. 09. 2007 12:46


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Sue Lynn
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Lieder von der alten Burg

Henning stieg den steilen Weg hinauf und atmete tief die frische Herbstluft ein. Er war allein hergefahren, hatte seinen Wagen am Fuße des Berges geparkt, seinen Rucksack mit dem Schreibzeug und einer Flasche Wasser herausgenommen und sich auf den Weg gemacht.

Die anderen Bandmitglieder wurden langsam ungeduldig. Es war höchste Zeit, ein neues Album zu produzieren, schließlich konnten sie nicht bei jedem Konzert die alten Klamotten spielen. Sie hatten GlĂŒck, so treue Fans zu haben, die ihnen ein Jahr mit Wiederholungen bisher nicht ĂŒbel nahmen, aber es war deutlich zu spĂŒren, dass auch ihre Geduld sich dem Ende zu neigte.
Henning schnupperte und versuchte, dem Duft nach Waldpilzen, heruntergefallenem Laub und feuchter Erde Inspirationen zu entlocken. Vergeblich.
Er war schon lange nicht mehr bei der alten Burg gewesen, aber wie von unsichtbaren FĂ€den gezogen, trieb ihn heute etwas dorthin. Nach einer weiteren halben Stunde Fußweg erreichte er sein Ziel.
Von der alten und stolzen Burg oberhalb des Rheins war eigentlich nicht mehr sehr viel ĂŒbrig. Die Festungsmauern standen zum Teil noch und einer der ehemals zwei BurgtĂŒrme war noch recht gut erhalten, der andere jedoch im zweiten Weltkrieg von einer irrenden Bombe zerschlagen. Das gleiche galt fĂŒr den Innenbereich der Burg, von dem bis auf Reste der Grundmauern nichts mehr ĂŒbrig war.

Aus irgendeinem Grunde war es den deutschen Behörden bisher entgangen, dass sich hier fĂŒr unvorsichtige Personen bei Betreten der alten Festung Gefahren ergeben könnten, jedenfalls gab es weder eine UmzĂ€unung noch ein Verbotsschild, das Unbefugte fernhalten sollte. Henning war das nur recht. Er ging zĂŒgig durch das alte, offene Burgtor und hoffte mit nach oben gerichtetem Blick, dass das Falltor nicht ausgerechnet jetzt herabfallen und die spitzen Zacken durch das schon etwas schĂŒttere blonde Haar in seinen Kopf bohren möge. NatĂŒrlich geschah nichts dergleichen.
Er wandte sich nach links, dem noch intakten Turm zu, und beschloss, die schmale Treppe hinaufzusteigen, um von oben die Aussicht zu genießen.

Der sich ihm bietende Blick war atemberaubend schön. Er sah auf den breiten, gutmĂŒtig dahin fließenden Vater Rhein, auf dem sowohl Ausflugsboote als auch FrachtkĂ€hne schipperten. Am gegenĂŒber liegenden Ufer leuchtete das GrĂŒn der Weinberge mit Reben voller Trauben.

Er fragte sich, ob auch zu Zeiten der alten Ritter und BurgfrĂ€ulein jemand den Ausblick so hatte genießen können oder ob stets nur angespannt nach drohenden Gefahren Ausschau gehalten worden war.
Henning versuchte, sich in diese alte Zeit zurĂŒckzudenken, in denen es hier von Rittern, Fußvolk und Pferden nur so gewimmelt haben musste.
Je mehr er sich konzentrierte, die Arme auf den alten Zinnen des Turmes aufgestĂŒtzt und den Blick nun mehr in sich gekehrt, denn auf seine Umgebung gerichtet, desto besser konnte er sich alles vorstellen, er hörte förmlich die GerĂ€usche, die frĂŒher hier vorgeherrscht haben mussten.
Er hörte das Rufen der MĂ€gde, das Klappern von Hufen, das Schnattern von GĂ€nsen und das Gackern von HĂŒhnern, die fĂŒr die hohen Herrschaften gehalten wurden.
Schon stellte er sich vor, wie in einem der alten, nun nicht mehr erkennbaren SĂ€le ein rauschendes Fest gefeiert wurde, mit mittelalterlicher Musik, gutem Wein aus den eigenen Weinbergen und feinstem Essen.
Henning lief das Wasser im Munde zusammen, als er an gebratene HĂŒhnchen dachte, serviert mit einem leckeren Rotwein von einem drallen MĂ€dchen.
Seufzend tauchte er aus seinen TrÀumen auf, um seine Schreibutensilien hervorzuholen. Daraus musste sich doch eigentlich etwas machen lassen.

Er legte seinen Rucksack so hin, dass er sich bequem darauf setzen und mit dem RĂŒcken an die Wand lehnen konnte. Nun konnte er zwar nicht mehr in den Burghof und auf den Rhein hinunter blicken, aber er konnte seinen Gedanken freien Lauf lassen.
WĂ€hrend er sich auf seinen Text konzentrierte, hörte er wieder einen Hund bellen und Pferdehufe klappern. Er war fasziniert von der intensiven Wirkung, die diese alte Ruine auf ihn ausĂŒbte und es fiel ihm nicht schwer, diese GefĂŒhle in Worte zu fassen, die sich nun zu einem Liedtext formten. Endlich! Die Blockade war vorbei.
Nicht lange und das Lied ĂŒber den Zauber der Burg war fertig. Zufrieden las Henning es noch einmal durch und hob dann die Augen zum Himmel und die Nase in den Wind, um sich fĂŒr das nĂ€chste Lied inspirieren zu lassen.
Von irgendwo her roch es leicht nach Feuer. Der Wind trieb nach dem gestrigen Regen nur einige weiße SchĂ€fchenwolken vor sich her. Schafe? Feuer? Ein Fest im Schlosshof nach ritterlichen KĂ€mpfen? Ja, das war gut!
Henning war schon wieder in seine Arbeit vertieft. Es dauerte eine gute Weile, bis er merkte, dass tatsÀchlich Rauch von unten zu ihm heraufzog. Auch das gelegentliche Schnauben eines Pferdes drang an sein Ohr. Und konnte er nicht sogar eine leise Stimme vernehmen?
Der Geruch nach Feuer hatte sich inzwischen mit dem Duft nach gebratenem Fleisch vermischt.
Hennings Magen antwortete auf diese Reize mit einem deutlichen Knurren. Warum hatte er sich nur nichts zum Essen mitgebracht?
Nachdem er zunĂ€chst nicht sicher war, ob seine Sinne im Geheimbund mit seiner Phantasie ihm nicht einen gewaltigen Streich spielten, erhob er sich schließlich doch, um den WohlgerĂŒchen auf die Spur zu gehen.

Ein Blick hinab in den Burghof ließ ihn staunend innehalten.
Dort saß – mit dem RĂŒcken zu ihm - eine junge Frau von vielleicht 28 Jahren in Jeans und Sweatshirt am Feuer und briet sich WĂŒrstchen am Stock. Die Feuerstelle hatte sie fachmĂ€nnisch mit zusammengesuchten Steinen angelegt und offenbar war es ihr auch gelungen, genug trockenes Holz zu finden, um damit ein Feuer zu entfachen.
Ein StĂŒck weit entfernt stand ein Pferd von einer ungewöhnlichen Farbe, dunkelgelb bis orange. Es war ungesattelt, nur mit einem Halfter bekleidet und knabberte an einem BĂŒndel Heu. Der Sattel lag ĂŒber einem Rest Mauer und darauf zum Trocknen die auf Links gedrehte Satteldecke.
Ein großer zotteliger Hund saß neben der blonden Frau und beobachtete aufmerksam den Fortschritt des Bratvorgangs, wohl ahnend, dass auch er seinen Teil von der Wurst abbekommen wĂŒrde.

‚Ein Wunder, dass der Hund mich noch nicht bemerkt hat’, dachte Henning und rief von oben herab:
„Hallo! Na, das sieht aber gemĂŒtlich aus. Und wie es duftet!“
Das MĂ€dchen fuhr herum und guckte suchend um sich.
„Hier oben!“ Henning winkte ihr mit einem LĂ€cheln freundlich zu, das durch seinen Schnauzbart noch verstĂ€rkt wurde.
Jetzt entdeckte sie ihn und winkte, sein LĂ€cheln erwidernd, zurĂŒck.
Der Hund hatte ihn nun auch bemerkt und bellte kurz. Ein nachlĂ€ssiges Streicheln durch die freie Hand seiner Herrin brachte den Vierbeiner jedoch unverzĂŒglich wieder zur Ruhe.
„ Seid gegrĂŒĂŸt, edler Herr, seid Ihr hungrig? Mein Vater, der Freiherr von Gutknecht wird sich freuen, einen Gast zu haben“, lud die junge Frau den ihr unbekannten Mann nun ein.

Hennings Sinn fĂŒr Humor war geweckt und er antwortete:
„So richtet ihm denn aus, dass ich mich unverzĂŒglich auf den Weg mache, um mit ihm zu speisen.“
Dann schulterte er seinen Rucksack und stieg die Treppen hinab.

Im Burghof angekommen, lud Henning seinen Rucksack ab und nahm die ihm entgegen gestreckte Hand des MĂ€dchens, um einen Handkuss anzudeuten.
Ihre blauen Augen blitzten vergnĂŒgt, sie freute sich, dass er den Spaß mitmachte.
Sich umschauend, fragte Henning: „Aber wo ist denn mein Freund von Gutknecht?“
„Oh, er sagte, ich solle vorausreiten und das Mahl bereiten. Er selbst wolle noch zum Winzer reiten und Nachschub von dem guten Weine anfordern, den er uns zum probieren brachte. Ich erwarte ihn jede Minute. Aber wollen Sie mir nicht verraten, mit wem ich die Ehre habe, zu sprechen?“
„Oh, bitte entschuldigt, ich bin der Barde Henning, auf der Suche nach der verlorenen gegangenen Inspiration.“
„Ah, ein Barde, ich bin entzĂŒckt! Werdet Ihr uns etwas singen nach dem Essen?“
„Aber sicher, GnĂ€digste, mit dem grĂ¶ĂŸten VergnĂŒgen.“
„Wohl denn, so bitte ich euch nun, die WĂŒrstchen fertig zu braten, wĂ€hrend ich die anderen Speisen und den Wein hole. Es ist doch ein Ärgernis mit dem Personal heute, hat sich meine Magd doch einfach geweigert, mich zu begleiten, nur weil sie neben dem Pferd hĂ€tte laufen mĂŒssen. Stellet Euch das vor!“, wetterte sie und wandte sich zum Gehen.
„So wartet doch, erfahre ich auch Euren holden Namen?“, rief Henning der jungen Frau nach, die einen imaginĂ€ren Rock anhob, damit dieser beim Gehen nicht ĂŒber den Boden schleifte.
Sie wandte sich noch einmal um und sagte: „Nennt mich Tosca.“
Henning meinte, ein kleines neckisches Blinken in ihren Augen gesehen zu haben. Ob sie ihn erkannt hatte? Sie hieß sicher nicht wirklich Toska.
„Tosca, welch ein schöner Name.“, bemerkte er, aber sie drehte sich nicht mehr zu ihm um.

Er kĂŒmmerte sich um die WĂŒrstchen und sann darĂŒber nach, wann der Vater des MĂ€dchens wohl hier auftauchen wĂŒrde. Ob er ĂŒberhaupt noch kam?
Tosca nĂ€herte sich mit verschiedenen, fĂŒr mittelalterliche VerhĂ€ltnisse denkbar untypischen Tupperdosen. Sie ging noch einmal zu den Satteltaschen zurĂŒck und kam doch tatsĂ€chlich mit einem weißen Tischtuch, zwei Porzellantellern, Silberbesteck (!) und zwei WeinglĂ€sern zurĂŒck. Henning quollen fast die Augen aus dem Kopf.
Schweigend und staunend verfolgte er, wie Tosca das Tischtuch auf dem Boden ausbreitete, es so gut wie möglich ebnete und schließlich mit Geschirr und Besteck, sowie den GlĂ€sern deckte.
Ein weiterer Gang zu den Satteltaschen brachte einen fĂŒnfarmigen Kerzenleuchter aus Gusseisen, sowie fĂŒnf apricotfarbene Leuchterkerzen zum Vorschein.
Als diese schließlich befestigt und mit Hilfe eines Streichholzes angezĂŒndet waren, sagte das MĂ€dchen:
„So, nun hole ich noch den Wein und dann können wir das Mahl beginnen. Sind die WĂŒrstchen gar, Barde Henning?“
„Ja, sie sind so weit, aber sollten wir nicht auf Euren Vater warten, edle Tosca?“
Nachdenklich erwiderte sie: „Nun ja, eigentlich sollten wir das, jedoch ich fĂŒrchte, er hat mal wieder zu lange beim Winzer verweilt, der ihm bestĂ€ndig neue Weine zu kosten gibt. Wer weiß, ob er vor der Dunkelheit hier eintreffen wird. Lasset uns lieber beginnen, das scheint mir vernĂŒnftiger.“
Henning konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sie spielte wirklich hervorragend und wenn sie statt Jeans und Sweatshirt, eine mittelalterliche Kluft getragen hĂ€tte, er wĂ€re sich nicht sicher gewesen, ob sie aus dem Jetzt oder aus dem Mittelalter stammte. Gut, die TupperschĂŒsseln hĂ€tten es ihm verraten.
Sie wurden gerade von Tosca geöffnet. Darin befanden sich verschiedene feine Salate und eine Pastete. Alles duftete verfĂŒhrerisch. WĂ€hrend sie seinen Teller mit Kostproben von alldem fĂŒllte, bat sie ihn, den mitgebrachten Rotwein zu entkorken. NatĂŒrlich hatte sie auch an einen Korkenzieher gedacht.
Er schenkte den Wein in die GlÀser und nahm seinen Teller von ihr entgegen.
„Habet Dank, schöne Tosca. Es ehrt mich, mit Ihnen speisen zu dĂŒrfen.“
Dann hob er sein Glas und prostete ihr zu.
Sie war bei seiner Anrede leicht errötet, hatte aber wieder das vergnĂŒgte Blitzen in den Augen als auch sie ihr Glas hob, um mit ihm anzustoßen.

Sie begannen zu essen. Vom Freiherrn gab es nach wie vor keine Spur, vermutlich war auch er nur ein Phantasiegebilde von Tosca.
„Was fĂŒhrt euch hierher, Tosca? Es ist gar ungewöhnlich, dass eine so junge und schöne Frau Eures Standes allein durch Wald und Flur reitet.“, versuchte er, etwas ĂŒber sie in Erfahrung zu bringen.
„Nun, Sie mögen Recht haben, Henning, aber wie ich bereits sagte: Meine Magd weigerte sich, uns zu begleiten und Vater musste geschĂ€ftlich hier in die Gegend. Da unsere Verwandten, deren Winterherberge diese Burg hier ist, den Sommer in der mondĂ€nen Hauptstadt verbringen, baten sie mich, bei dieser Gelegenheit hier nach dem Rechten zu sehen, deshalb bin ich hier. FrĂŒher fiel diese Aufgabe meiner Mutter zu, doch sie starb, noch bevor ich das zwölfte Lebensjahr vollendete. Nun, und Vater wird wohl frĂŒher oder spĂ€ter hier ankommen.“
„Eher spĂ€ter, wie mir scheint.“, murmelte Henning und war mit den Informationen alles andere als zufrieden, waren sie doch eindeutig ersponnen.
Was also tat dieses junge MÀdchen mit dem zotteligen Hund und dem seltsam gefÀrbten Pferd ganz allein hier oben?
Das Essen war ausgezeichnet und er hĂ€tte insbesondere gern das Rezept fĂŒr die Pastete gehabt, daher fragte er:
„Tosca, diese Pastete ist ausgezeichnet, wĂ€re es möglich, dass Sie mir bei Gelegenheit das Rezept zukommen lassen? Per Email zum Beispiel?“
Das MÀdchen sah ihn an, als hÀtte er nicht alle Sinne beisammen. Er wusste genau, sie wollte weiter spielen und im Mittelalter gab es keine Email.
„Bitte verzeiht, wĂ€re es Euch möglich, das Rezept fĂŒr die Pastete zu Papier zu bringen und mit einem Boten zu dieser Adresse hier zu schicken?“, versuchte er es und hielt ihr eine Visitenkarte hin, auf die er zuvor seine Privatadresse geschrieben hatte.
Sie nahm die Karte entgegen, sah darauf, blickte dann noch einmal zu ihm hin, neigte den Kopf nachdenklich und sagte dann: „Ich werde darĂŒber nachdenken.“

Nachdem die GlĂ€ser geleert und dass Essen fast restlos aufgegessen waren, packte Tosca zusammen. Der Hund bekam die letzten Reste, die Weinflasche wurde provisorisch wieder verkorkt und schließlich das Pferd gesattelt.
Henning verfolgte das Ganze zunĂ€chst schweigend, aber bevor Tosca aufstieg, fragte er dann doch: „Sagtet Ihr nicht, Ihr wĂŒrdet hier auf Euren Vater warten?“
„Ja, aber seht, es ist bereits spĂ€t und ich mache mir Sorgen, dass er voll des guten Weines den Weg nicht mehr alleine findet. Mit Aprikose gĂ€be es da keine Probleme, aber sein Hengst Portos ist selbst ein TrĂ€umer und Streuner, der seinen Herrn nicht unbedingt dort hinbringt, wo er ursprĂŒnglich hinwollte. Daher werde ich nun los reiten und ihn suchen. WĂŒnscht mir GlĂŒck!“, sprach Tosca und schwang sich in den Sattel.
Henning blieb nichts anderes ĂŒbrig, als die Hand zum Gruß zu heben und sich zu verabschieden:
„Vielen Dank noch mal fĂŒr das leckere Essen und denk an das Rezept!“
„Bitte, gern geschehen, lebt wohl, Barde Henning!“

ZurĂŒck blieb ein verwirrter, aber inspirierter Musiker, dessen nĂ€chstes Lied sich mit der Kochkunst der Baronesse Tosca von Gutknecht und ihrem Pferd Aprikose beschĂ€ftigte.
‚Aprikose, welch ein seltsam passender Name fĂŒr ein Tier mit dieser Farbe.’, dachte Henning und machte sich an den Abstieg.

Bis zum nĂ€chsten Treffen der Band hatte er fĂŒnf neue Lieder geschrieben, die sich mit mittelalterlichen BrĂ€uchen, Festen und Personen beschĂ€ftigten und seine Kollegen waren begeistert. Es dauerte nicht lange und seine KreativitĂ€t hatte sie angesteckt, sodass in Zusammenarbeit aller das nĂ€chste Album entstand.
Es wurde bald das Lieblingsalbum der Fans und gewann noch mindestens einen neuen dazu.
Das war Carola, die mit ihrem Hirtenhund Felix bei Fuß auf ihrer Stute Aprikose die WĂ€lder durchstreifte und dabei die „Lieder von der alten Burg“ sang.



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Sue
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Sue Lynn
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Hallöchen!

ich bin hier um zu lernen, wĂ€re schon nett, wenn jemand sich zu produktiven Kommentaren oder wenigstens einer Bewertung herablassen wĂŒrde, auch, wenn Ihr mich noch nicht so gut kennt.
DANKE!
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Leider bin ich noch nicht weit gekommen, aber das Angefangene stelle ich mal rein.

Lieder von der alten Burg
anderer Titel, nicht originell genug

Henning stieg den steilen Weg zu Ă€hnlich hinauf und atmete tief die frische Herbstluft ein. Er war allein hergefahren, hatte seinen Wagen am Fuße des Berges geparkt, seinen Rucksack mit dem Schreibzeug und einer Flasche Wasser herausgenommen und sich auf den Weg gemacht.

Die anderen Bandmitglieder wurden langsam ungeduldig. Es war höchste Zeit, ein neues Album zu produzieren, schließlich konnten sie nicht bei jedem Konzert die alten Klamotten spielen. Sie hatten GlĂŒck, so treue Fans zu haben, die ihnen ein Jahr mit Wiederholungen bisher nicht ĂŒbel nahmen, aber es war deutlich zu spĂŒren, dass auch ihre Geduld sich dem Ende zu neigte.
Henning schnupperte und versuchte, dem Duft nach Waldpilzen, heruntergefallenem Laub und feuchter Erde Inspirationen zu entlocken. Vergeblich.
Er war schon lange nicht mehr bei der alten Burg gewesen, aber wie von unsichtbaren FĂ€den gezogen, trieb ihn heute etwas dorthin. Nach einer weiteren halben Stunde Fußweg erreichte er sein Ziel.
Von der alten und stolzen Burg oberhalb des Rheins war eigentlich nicht mehr sehr viel ĂŒbrig. Die Festungsmauern standen zum Teil noch und einer der ehemals zwei BurgtĂŒrme war noch Whg. recht gut erhalten, der andere jedoch im zweiten Weltkrieg von einer irrenden Bombe zerschlagen. Das gleiche galt fĂŒr den Innenbereich der Burg, von dem bis auf Reste der Grundmauern nichts mehr ĂŒbrig war.

Aus irgendeinem Grunde war es den deutschen Behörden bisher entgangen, dass sich hier fĂŒr unvorsichtige Personen bei Betreten der alten Festung Gefahren ergeben könnten, jedenfalls gab es weder eine UmzĂ€unung noch ein Verbotsschild, das Unbefugte fernhalten sollte. Henning war das nur recht. Er ging zĂŒgig durch das alte, offene Burgtor und hoffte mit Blick nach oben gerichtetem Blick, dass das Falltor nicht ausgerechnet jetzt herabfallen und die spitzen Zacken durch das schon etwas schĂŒttere blonde Haar in seinen Kopf bohren möge. NatĂŒrlich geschah nichts dergleichen.
Er wandte sich nach links, dem noch intakten Turm zu, und beschloss, die schmale Treppe hinaufzusteigen, um von oben die Aussicht zu genießen.

Der sich ihm bietende Blick war atemberaubend schön. Er sah auf den breiten, gutmĂŒtig dahin fließenden Vater Rhein?, auf dem sowohl Ausflugsboote als auch FrachtkĂ€hne schipperten. Vorsicht, du driftest ins Klischee ab. Auf dem Rhein schippern keine FrachtkĂ€hne, der Rhein ist die Hauptwasserverkehrsader Deutschlands mit Containerschiffen Am gegenĂŒber liegenden Ufer leuchtete das GrĂŒn der Weinberge mit Reben voller Trauben. Die Trauben siehst du von der anderen Rheinseite nicht, dazu sind sie zu klein

Er fragte sich, ob auch zu Zeiten der alten Ritter und BurgfrĂ€ulein jemand den Ausblick so hatte genießen können oder ob stets nur angespannt nach drohenden Gefahren Ausschau gehalten worden war.
Henning versuchte, sich in diese alte Zeit zurĂŒckzudenken, in denen es hier von Rittern, Fußvolk und Pferden nur so gewimmelt haben musste.
Je mehr er sich konzentrierte, die Arme auf den alten Zinnen des Turmes aufgestĂŒtzt und den Blick nun mehr in sich gekehrt, denn auf seine Umgebung gerichtet, desto besser konnte er sich alles vorstellen, er hörte förmlich die GerĂ€usche, die frĂŒher hier vorgeherrscht haben mussten.
Er hörte das Rufen der MĂ€gde, das Klappern von Hufen, das Schnattern von GĂ€nsen und das Gackern von HĂŒhnern, die fĂŒr die hohen Herrschaften gehalten wurden.
Schon stellte er sich vor, wie in einem der alten, nun nicht mehr erkennbaren SĂ€le ein rauschendes Fest gefeiert wurde, mit mittelalterlicher Musik, gutem Wein aus den eigenen Weinbergen und feinstem Essen.
Henning lief das Wasser im Munde zusammen, als er an gebratene HĂŒhnchen dachte, serviert mit einem leckeren Rotwein von einem drallen MĂ€dchen.
Seufzend tauchte er aus seinen TrÀumen auf, um seine Schreibutensilien hervorzuholen. Daraus musste sich doch eigentlich etwas machen lassen.

Er legte seinen Rucksack so hin, dass er sich bequem darauf setzen und mit dem RĂŒcken an die Wand lehnen konnte. Nun konnte er zwar nicht mehr in den Burghof und auf den Rhein hinunter blicken, aber er konnte seinen Gedanken freien Lauf lassen.
WĂ€hrend er sich auf seinen Text konzentrierte, hörte er wieder einen Hund bellen und Pferdehufe klappern. Er war fasziniert von der intensiven Wirkung, die diese alte Ruine auf ihn ausĂŒbte und es fiel ihm nicht schwer, diese GefĂŒhle in Worte zu fassen, die sich nun zu einem Liedtext formten. Endlich! Die Blockade war vorbei.
Nicht lange und das Lied ĂŒber den Zauber der Burg war fertig. Zufrieden las Henning es noch einmal durch und hob dann die Augen zum Himmel und die Nase in den Wind, um sich fĂŒr das nĂ€chste Lied inspirieren zu lassen.
Von irgendwo her roch es leicht nach Feuer. Der Wind trieb nach dem gestrigen Regen nur einige weiße SchĂ€fchenwolken vor sich her. Schafe? Feuer? Ein Fest im Schlosshof nach ritterlichen KĂ€mpfen? Ja, das war gut!
Henning war schon wieder in seine Arbeit vertieft. Es dauerte eine gute Weile, bis er merkte, dass tatsÀchlich Rauch von unten zu ihm heraufzog. Auch das gelegentliche Schnauben eines Pferdes drang an sein Ohr. Und konnte er nicht sogar eine leise Stimme vernehmen?
Der Geruch nach Feuer hatte sich inzwischen mit dem Duft nach gebratenem Fleisch vermischt.
Hennings Magen antwortete auf diese Reize mit einem deutlichen Knurren. Warum hatte er sich nur nichts zum Essen mitgebracht?
Nachdem er zunĂ€chst nicht sicher war, ob seine Sinne im Geheimbund mit seiner Phantasie ihm nicht einen gewaltigen Streich spielten, erhob er sich schließlich doch, um den WohlgerĂŒchen auf die Spur zu gehen.

Ein Blick hinab in den Burghof ließ ihn staunend innehalten.
Dort saß – mit dem RĂŒcken zu ihm - eine junge Frau von vielleicht 28 Jahren in Jeans und Sweatshirt am Feuer und briet sich WĂŒrstchen am Stock. Die Feuerstelle hatte sie fachmĂ€nnisch mit zusammengesuchten Steinen angelegt und offenbar war es ihr auch gelungen, genug trockenes Holz zu finden, um damit ein Feuer zu entfachen.
Ein StĂŒck weit entfernt stand ein Pferd von einer ungewöhnlichen Farbe, dunkelgelb bis orange. Es war ungesattelt, nur mit einem Halfter bekleidet, schiefes Bild und knabberte an einem BĂŒndel Heu. Der Sattel lag ĂŒber einem Rest Mauer und darauf zum Trocknen die auf Links gedrehte Satteldecke.


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