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Leselupe.de > Kurzprosa
Linda schreibt
Eingestellt am 06. 06. 2007 10:49


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Haremsdame
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Linda schreibt. In Zeiten, in denen sie das nicht schafft, fĂŒhlt sie sich leer und ausgebrannt.

Als Kind fiel Linda das Sprechen schwer. So schwer, dass sich ihre Mutter Sorgen machte und die ZweijĂ€hrige wegen des unverstĂ€ndlichen Kauderwelsches einem Arzt vorstellte. Der diagnostizierte allerdings nur Faulheit. Vielleicht hatte er recht, denn spĂ€ter sagte man Linda nach, sie habe alles Unausgesprochene von frĂŒher nachgeholt.

Mit elf Jahren investierte Linda ihr ganzes Taschengeld in Briefmarken. Sie hatte viele Brieffreundinnen, von denen sie im Laufe ihres Lebens die eine oder andere kennen lernte. Schon damals fiel ihr auf, dass sie durch geschriebene Worte viel mehr ĂŒber die Menschen erfahren konnte, als durch gesprochene Worte. Auch sie öffnete sich schriftlich leichter als mĂŒndlich. „Vielleicht, weil niemand meinen Gedankenfluss unterbricht?“ ĂŒberlegt sie heute.

Inzwischen schreibt Linda vor allem am Computer. „Das geht schneller als mit der Hand“, hat sie festgestellt. Außerdem spart sie sich den Weg zur Post ebenso, wie das Warten auf den BrieftrĂ€ger. „Allerdings“, resĂŒmiert sie melancholisch, „bekomme ich heute keine so hĂŒbsch verzierten UmschlĂ€ge mehr. Auch keine Briefmarken, die verschlĂŒsselte Botschaften ĂŒbermitteln.“

Doch die Kraft der Buchstaben blieb erhalten. Linda wundert sich immer noch: „Was haben die paar Schnörkel an sich, dass sie mich ganz tief in meinem Innern treffen können? Warum sind geschriebene Zeilen manchmal eindringlicher als gesprochene Worte?"

FĂŒr Linda haben Wortzusammenstellungen eine eigene Seele. Buchstabenverbindungen können ihr Blut in Wallungen bringen, sie aus dem Alltag entfĂŒhren. Einigen Zeilen entsteigen Geister, die sie schon lange zu kennen scheint. Fremde werden zu verwandten Seelen, deren Alter und Aussehen keine Rolle spielt.

„Es macht mir Angst, wenn ich Dich nicht erreichen kann“, sagt Lindas Freund, wenn sie mal wieder in ihrer Welt unterwegs ist. Sie selbst beschreibt ihren Zustand wie einen Rausch. Ohne Alkohol oder andere Drogen, nur mit Hilfe einer Tastatur und ihrer Phantasie verlĂ€sst Linda den normalen Alltag. Ihr Geist schwebt hinaus in die Unendlichkeit des Alls.

Dort draußen bekommt Lindas Inneres Verbindung zu einer Ebene, auf der sich alles gewesene und zukĂŒnftige Leben vereint. Dort sind Körper unwichtig. Dort zĂ€hlen nur durchsichtige Gebilde in den unterschiedlichsten Farbtönen. Dort finden Begegnungen von Seelen statt, fĂŒr die unsere irdischen Körper viel zu schwerfĂ€llig sind. Linda bezeichnet diesen Zustand als „Liebe pur“ oder „geistigen Orgasmus“.

Obwohl sich Linda auf ihrem Höhenflug sehr wohl fĂŒhlt, kehrt sie nach einer Weile wieder bewusst in den Alltag zurĂŒck, um sich mit den sie umgebenden, realen Menschen auszutauschen.



__________________
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Version vom 06. 06. 2007 10:49

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namaqool
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hallo haremsdame,

hier in der lelu gibt es gewiss viele lindas und lindos.
ich wĂŒrde den 2. satz komplett streichen. der erste satz alleine wirkt noch stĂ€rker auf mich.

dein text geht tief.

grĂŒsse, namaqool.
__________________
Phönix ist ein anderer.

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Haremsdame
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Danke, namaqool,
fĂŒr Deine EinschĂ€tzung des Textes und Deinen Tip. Habe den zweiten Satz gleich gestrichen. Hast sicher recht, er war unnötig.
Einen schönen Tag noch
Haremsdame
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Duisburger
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Ein guter Text, der mir sehr gefÀllt.
Lediglich der Abschluß ist mir doch zu profan und passt so gar nicht zum Vorausgeschriebenen.
Ein wenig Erkenntis, ein philosophischen Resumee oder ein Ausblick wĂŒrde diese kleine Geschichte abrunden.

lg
Uwe
__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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Haremsdame
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Danke fĂŒr das Ausgraben dieses Textes! Ich freu mich, dass er Euch gefĂ€llt. Das Wiederauftauchen in der RealitĂ€t habe ich am Schluss so abgeĂ€ndert, dass er fĂŒr mich passt.
__________________
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

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