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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Liquide
Eingestellt am 05. 05. 2006 09:01


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Steffi
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2006

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Liquide

Am Ende. Au├čer Atem. Aufgeschreckt mitten in der Nacht. Nur ein Traum. Er war sich sicher, morgen, wenn die Sonne aufgegangen sein wird, dann w├╝rde der Traum vergessen sein. Der kalte Nachtschwei├č lie├č ihn fr├Âsteln, und er zog die Bettdecke wieder hoch ├╝ber die Schultern. Von irgendwoher drangen Ger├Ąusche. Mitten in der Nacht. Er fand W├Ąrme unter der Decke und schlief mir fl├╝chtigem Gedanken an seine kalten Schultern wieder ein.

In der Arbeit ist er so unkonzentriert. Er w├Ąhlt oft eine falsche Telefonnummer und ist ├╝berrascht fremde Stimmen in der Leitung zu h├Âren. Ja, das Wetter ist schlecht und das Licht tr├╝be vom Novemberregen. Die Firma will sparen. Immer nur sparen. Im Sommer wollte sie sogar den Urlaub k├╝rzen. Nun ja, wollte. Er geht p├╝nktlich nach Hause. Jeden Tag. Keine ├ťberstunden seit einiger Zeit.

Wieder wachte er auf. Wieder fast ausgek├╝hlt. Aber weniger irritiert von diesem Bild. Nur h├Ątte er es nicht benennen k├Ânnen. Auch nicht wenn er es wollte.
Die Firma ist kein Ort mehr, an der er arbeiten will. Deshalb ist er p├╝nktlich. Schon einige Zeit. In seiner Schreibtischschublade liegt das rote Seidentuch. Es gef├Ąllt ihm nicht, aber Geschenke beh├Ąlt man. Und es weckt Erinnerungen an den Traum aus der Nacht.
Er scheut das Telefon!
Wie soll er es erfahren?

Sie mochte ihn. Aus irgendeinem Grund mochte sie ihn. Auf dem Weg ins B├╝ro traf sie ihn jeden Tag im Aufzug. Auch gestern. Sie reden, was man redet. Guten Morgen. Wie geht es in der Arbeit? War der Urlaub sch├Ân? Das Wetter. Sie war immer der Meinung, er w├╝rde sich nicht f├╝r sie interessieren.
Dann das.: er l├Ądt sie zu Essen ein. Abendessen. Es gef├Ąllt ihr, sie f├╝hlt sich geschmeichelt durch seine Aufmerksamkeit. Sie gehen in ein verschwiegenes Restaurant und essen Pasta mit Meeresfr├╝chten, trinken Rotwein und Kaffee. Sie findet ihn nett, ja, es lag sogar etwas Spannung in der Luft.
Und das Licht war sch├Ân.

Wieder Nacht. Wieder der Traum. Kalter Schwei├č lag auf all seinen Gliedern. Die Luft war hei├č und stickig. Wenn er sich nur erinnern k├Ânnte an diesen Traum, der ihn nicht loslassen wollte, der anfing Tag und Nacht seine Gedanken zu beherrschen. Er wollte wieder einschlafen.
In de Firma sieht er jetzt zuerst in die Schublade. Auf das rote Tuch, in der Hoffnung sich zu erinnern. Die Arbeit st├Ârt ihn, sie st├Â├čt ihm auf. Seine Hand zittert, wenn er zum Telefon greift. Sie zittert noch st├Ąrker, wenn er eine Nummer w├Ąhlt. Die Schrecksekunde, wenn das Knacken in der Leitung sagt, da ist jemand. Eine fremde Stimme. Sie spricht und er f├╝hlt sich wie im Traum. Er geht p├╝nktlich, wie jeden Tag.

Sie war mit ihm schon zwei Mal ausgegangen. Heute Abend das dritte Mal. Sie w├╝rde seinem Werben nachgeben. Ja, sie mochte ihn sehr. Und sie sp├╝rte an ihm eine magische Kraft.
Er f├╝hrte sie wieder in das kleine Restaurant. Er hatte sogar ein Geschenk f├╝r sie. Eine kleine goldfarbene Schachtel mit roter Schleife. Er bat sie, es zu ├Âffnen. Es war ein rotes Seidentuch. Sie dankte ihm und legte es um.

Sie gingen gemeinsam nach Hause. Sie an seinem Arm. Er war galant. Ihr sonst so blasses Gesicht rot angehaucht. In dieser Nacht, das wussten beide, geh├Ârten sie einander.

Am Ende. Au├čer Atem. Aufgeschreckt mitten in der Nacht. Nur ein Traum. Er war sich sicher, morgen, wenn die Sonne aufgegangen sein wird, dann wird der Traum vergessen sein.

Er hatte die Arbeit gewechselt. Die neue Firma tat ihm gut. Er f├╝hlte sich befreit, zitterte kaum mehr. Manchmal blieb er l├Ąnger in der Arbeit. Das Wetter war besser, es war Fr├╝hling, und das Licht vertrieb alle d├╝steren Gedanken. Die Firma war ein Ort, an dem er arbeiten konnte. Ein Ort, an dem der Traum ihn in Frieden lie├č.
Solange er nicht in seine Schreibtischschublade sah. In der Schublade liegt das rote Seidentuch. In einer goldenen Schachtel. Es gef├Ąllt ihm nicht, aber Geschenke beh├Ąlt man. Und es weckt Erinnerungen. Erinnerungen an den Traum aus der Nacht!

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 2
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Hallo Steffi,

Sch├Âne Geschichte nur bleibt (absichtlich?) offen, was er denn nun in der Nacht tr├Ąumt und warum er das Seidentuch dann wieder hat.

MfG, Rocco
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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Steffi
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2006

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Danke Rocco,

Ich hatte alles bewu├čt sehr vage gelassen. Deine Frage ist genau die Antwort, die mich interessiert hat. Ich wusste n├Ąmlich nicht, ob ich es geschafft habe, mit den Tr├Ąumen und dem Seidentuch das auszudr├╝cken, was es sein soll: er tr├Ąumt von vorhergegangenen Morden und die Tatsache, dass er immer unruhiger wird, und die Tr├Ąume immer qu├Ąlender soll aussagen, dass der Drang wieder steigt.
Das Tuch hat er am Schluss zur├╝ck, weil er damit die Frau - wie alle anderen zuvor - ermordet hat. Ich denke, ich werde daran noch arbeiten m├╝ssen!

Gru├č, Steffi

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

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Hallo Steffi

Danke f├╝r Deine Antwort, jetzt liest sich die Geschichte nat├╝rlich ganz anders.


MfG; Rocco
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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Dornrose
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2006

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Etwas unklar

Hallo Steffi,

ganz am Schluss deiner Geschichte kam mir die Idee, dass die Frau ermordet w├╝rde. M├Âglicherweise hat dazu die Kategorie beigetragen, f├╝r die du dich entschieden hast. Das kann ich im Nachhinein nat├╝rlich nicht mit Bestimmtheit sagen.

Die Idee ist prima. Mir ist hier allerdings vieles Unklar. Nun bin ich durch Gorgonskis Reaktion und deine Antwort darauf nat├╝rlich eh schon schlauer, als ich es noch beim Lesen war. Aber was hat es mit dem Telefon auf sich? War das aktuelle Opfer, um das es hier geht, eine Kollegin und hat er wegen des dieses Mordes den Job gewechselt? Und die wichtigste Frage: warum tut er das ├╝berhaupt?

Ich meine, es ist sicher m├Âglich sich auf den Drang des T├Ąters zu konzentrieren und weiterhin alles "etwas vage zu lassen". Aber ich als Leserin interessiere mich nat├╝rlich besonders f├╝r den Grund oder die Ursache seines Treibens. Finde ich mit das wichtigste an einem Krimi, denn niemand mordet einfach so. Selbst wenn ein M├Ârder aus Spa├č mordet, hat das einen Grund. Erst durch mit diesem Wissen kann ich nachvollziehen was warum passiert. Muss auch nicht bis ins Detail ausgef├╝hrt werden. Mir w├╝rde ausreichen, wenn ich ein paar "Fetzen" hingeworfen bek├Ąme und mir den Rest ausmalen oder denken k├Ânnte.

Ciao

Dornrose

__________________
Wenn ein langer Bart schon Weisheit bedeutet, kann auch eine Ziege Lehrer sein. (Chinesisches Sprichwort)

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Steffi
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2006

Werke: 3
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Hallo Dornrose,

Ich bin leider bis jetzt nicht dazu gekommen, den Text zu ├╝berarbeiten.

Allerdings hatte ich nicht die Absicht das Warum genauer auszuleuchten. Es ging mir viel mehr darum, den Morddrang zu beschreiben, wie er erst unterbewu├čt bleibt und h├Âchstens in Tr├Ąume durchsickert und dann langsam bewu├čt wird und das Alltagsleben bestimmt. So lange, bis er sich ein Opfer sucht und mordet, nur um diese dunkle Gier zu befriedigen und sein Leben zur├╝ck zu bekommen.

Das Telefon spiegelt seine immer st├Ąrker werdende Verunsicherung und seine Konzentrationsprobleme wider. Die Tatsache, dass er sich verw├Ąhlt und teilweise sogar f├╝rchtet, eine fremde Stimme zu h├Âren soll zeigen, unter welchem Stress er steht.

Das Opfer war vielleicht nicht gerade eine direkte Kollegin, aber eine Frau, die im selben Haus arbeitet, eine fl├╝chtige Bekannte. Ihre Trag├Âdie ist, dass sie ihn wirklich mag, sich fast in ihn verliebt, eine Zukunft sieht, die es nie gab.

Nach dem Mord wechselt er die Firma, vielleicht sogar die Stadt. Weniger wegen der Tatsache, dass man ihn mit dem Opfer in Verbindung bringen k├Ânnte, sondern weil er immerzu die Hoffnung hegt, er h├Ątte den inneren Abgrund endlich hinter sich gelassen. Nur die Tatsache, dass er das rote Band bei sich hat symbolisiert, dass alles sich wiederholen wird.


Ich hoffe, die Antworten reichen, um dich ein klein wenig zufrieden zu stellen. Ich habe schon ├╝berlegt, einfach den Titel in 'Der Seidenbandm├Ârder' oder etwas ├Ąhnliches zu ├Ąndern, aber das w├Ąre zu billig. Au├čerdem halte ich Liqide f├╝r eine gute Beschreibung des seelischen Prozesses: die Normalit├Ąt zerflie├čt hin zur Abnormalit├Ąt. Gef├Ąllt mir einfach.

Liebe Gr├╝├če,

Steffi

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Dornrose
One-Hit-Wonder-Autor
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genug Antworten

Hallo Steffi,

habe mir sagen lassen, dass ein Text manchmal "ruhen" muss wie ein guter Wein bzw. ein Wein, der gut werden soll. Deshalb ist es vielleicht gar nicht tragisch, wenn du den Text bislang nicht bearbeiten konntest. Vorausgesetzt nat├╝rlich, es stimmt, was mir so manch einer als guten Rat mit auf den Weg gab. ;-)

Das ist ja genau das, was ich meinte. Ob aus Lust oder Trieb gemordet wird, es hat einen Grund, warum der T├Ąter es tut und das m├Âchte ich wissen. Und genau das m├Âchtest du herausarbeiten. ;-)

Du hast mit deinen Antworten f├╝r mich einiges gekl├Ąrt. Ich meine, die Telefongeschichte m├╝sstest du vielleicht deutlicher machen und ebenso, welchem Stress er ausgesetzt ist durch sein Treiben. Das ist f├╝r mich der Punkt, warum ich die derzeitige Fassung deiner Story nicht so gut gelungen finde. Es geht mir keinesfalls darum, haarklein alles pr├Ąsentiert zu bekommen.

Eine Geschichte, bei der ich mir selber das Ende zusammenreimen kann oder bei der ich nachdenken muss, ist nicht grunds├Ątzlich schlecht. Aber mein Problem war hier, dass ich verschiedene Punkte nicht einsortieren konnte und zuviele (wichtige?) Fragen offen blieben.

Ich danke dir f├╝r deine Antwort.

Herzliche Gr├╝├če

Dagmar
__________________
Wenn ein langer Bart schon Weisheit bedeutet, kann auch eine Ziege Lehrer sein. (Chinesisches Sprichwort)

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