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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Literatur
Eingestellt am 02. 08. 2003 11:21


Autor
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ergusu
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2003

Werke: 14
Kommentare: 3
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ergusu
Die Probelesung

Nach sechs Wochen t├Ąglichen Schreibens und n├Ąchtlicher Zweifel war endlich mein erstes Gedicht fertig. Voller Stolz und mit klopfenden Herzen informierte ich hier├╝ber die vier Mitglieder unseres Poetenclubs, die mich st├╝rmisch baten , mein Kunstwerk vorzutragen. Ich aber brauchte Bedenkzeit, denn mein Lampenfieber vor diesem erlesenen Personenkreis war einfach zu gro├č. Mein Freund gab mir einen hei├čen Tipp und empfahl mir erst einmal eine hausinterne Probelesung .

Der Rat war gl├Ąnzend, aber es fehlte mir ein geduldiger Zuh├Ârer. Mein Freund hatte pl├Âtzlich dringende Termine und meine Frau drohte mir mit Liebesentzug, falls ich sie mit meinem poetischen Erguss behelligen sollte. Schlie├člich gelang es mir doch, jemanden aufzutreiben, den ich wie ein rohes Ei behandelte. Er war wenig intelligent und maulfaul, aber es war ja auch nur eine Probelesung.
Ich bat ihn, auf dem Sofa Platz zu nehmen, h├╝stelte kurz und fixierte meinen Gast. Zwei gro├če dunkle Augen blickten mich geduldig und aufmerksam an.
Da fasste ich mir ein Herz und begann mit hoher Stimme meinen Vortrag. Ich variierte die Lautst├Ąrke und das Tempo und an der spannendsten Stelle hob ich den Finger, um auf den H├Âhepunkt aufmerksam zu machen. Immer wieder ├Ąugte ich zwischendurch auf meinen Gast und zwang ihn, nicht einzuschlafen. Offenbar beeindruckten ihn aber doch die Verse vom wasserscheuen Teebeutel, denn er blinzelte mir wohlwollend zu.
Schlie├člich verhallten meine acht Zeilen, und ich schloss zum Zeichen, dass der gro├če Wurf verlesen war, die Augen.
Endlich ├Âffnete ich meine Lieder und begegnete dem erstaunten Blick meines Gastes. Ich lie├č ihm noch etwas Zeit f├╝r den Beifall, bat ihn um Entschuldigung und k├╝mmerte mich um den Nachmittagskaffee.
Als ich mit einer gro├čen Torte zur├╝ckkam, war pl├Âtzlich mein Zuh├Ârer verschwunden. War mein Gedicht so schlecht, dass er gru├člos das Weite suchte? Aber nein, er lag unter dem Tisch, schniefte kurz und trank gierig sein Wasser.
Dackel bleibt eben Dackel.

__________________
ergusu

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Farewell
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2003

Werke: 1
Kommentare: 3
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Hallo ergusu,

ich wei├č nicht so recht, was ich von deiner KG halten soll.
Ich finde, sie ist sch├Ân geschrieben - der Schreibstil gef├Ąllt mir gut.
Auch ist es gut nachvollziehbar, wie dein Protagonist sich f├╝hlt, nun, da er kurz davor steht, sein erstes Werk an die "├ľffentlichkeit" zu bringen und niemanden findet, der ihm zuh├Âren will.

quote:
Ich bat ihn, auf dem Sofa Platz zu nehmen, h├╝stelte kurz und fixierte meinen Gast. Zwei gro├če dunkle Augen blickten mich geduldig und aufmerksam an.
Jedoch finde ich, da├č an dieser Stelle sofort klar wird, da├č es sich bei seinem maulfaulen, wenig intelligenten Gast - dem einzigen Zuh├Ârer, den er findet - um einen Hund handelt.
Diesen Aspekt finde ich durchaus am├╝sant, und du erz├Ąhlst das Ganze ja auch mit einem Augenzwinkern. Aber "zwei gro├če dunkle Augen blickten mich geduldig und aufmerksam an" klingt so hundetypisch, da├č nicht es nicht einmal ├╝berrascht, da├č betreffender Hund ein Dackel ist ...
Aber -wie schon erw├Ąhnt - das ist zu verkraften, da ja durchaus eine gewisse Ironie vorhanden ist.

LG
Farewell

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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

Werke: 20
Kommentare: 735
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Hallo, ergusu

Wie Farewell bin ich der Meinung, dass es ziemlich bald klar ist, wen dein Protagonist als geduldiges Publikum f├╝r seine erste Lesung gewonnen hat.

Mir gef├Ąllt dein Text auch mit vorweggenommener Schlusspointe sehr gut: Nicht nur die Selbstironie ist erfrischend. Die Spanne zwischen dem hehren Ernst, mit dem die Lesung vorbereitet und durchgef├╝hrt wird, und dem Inhalt des Erstlingsgedichtes ist so weit, dass da Platz genug ist f├╝r ein gro├čes Gel├Ąchter.

Ein paar Kleinigkeiten h├Ątte ich vielleicht anders formuliert, aber das ist ja nur nat├╝rlich. Ich danke dir f├╝r ein am├╝santes Lesevergn├╝gen und freue mich auf mehr Beitr├Ąge von dir.

Sch├Âne Gr├╝├če von blaustrumpf
__________________
Daf├╝r bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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IlkaSehnert
???
Registriert: Jul 2003

Werke: 0
Kommentare: 3
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Also ICH...

habs nicht so schnell kapiert...Und fand die Geschichte gro├čartig. In leichtem, sehr humorvollen Erz├Ąhlton, wie er dieser witzigen und ├╝berraschenden Geschichte und Pointe angemessen ist...hab mich sehr am├╝siert...
Ach ja: Du solltest besser die LIDER als die Lieder ├Âffnen, obwohl: abschlie├čender gemeinsamer Dackel-Autorengesang w├Ąre ja auch ganz h├╝bsch...Ilka

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think twice
???
Registriert: Jul 2003

Werke: 2
Kommentare: 40
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Hallo ergusu,

Also f├╝r mich stand nicht von Anfang an fest, dass es sich bei dem Zuh├Ârer um einen Hund handelte. Mag vielleicht daran liegen, dass ich wenig Hundeerfahrung hab, aber ich dachte eher an einen etwas minderbemittelten Menschen und war von der Hundepointe doch ├╝berrascht und auch sehr am├╝siert.

Ich finde deine Geschichte erfrischend witzig aus dem Leben gegriffen. Weiter so! Ich freue mich schon darauf, mehr von dir zu lesen.

Liebe Gr├╝├če
think twice

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