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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Lizzi im Hotel Esmeralda
Eingestellt am 14. 11. 2013 05:48


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Cove
Hobbydichter
Registriert: Nov 2013

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Pastor James Treadwell, ein spindeldĂŒrrer, hochgewachsener Mann mit ungesunder bleicher Gesichtsfarbe, hĂ€mmert an die EingangstĂŒr des Hotels "Esmeralda". Es rĂŒhrt sich nichts. Von drinnen hört man, sofern man die Ohren spitzt, Klaviergeklimper, Lachen. Offenbar haben sie es lustig im Hotel. Elizabeth ("Lizzi") Turlington weiss nicht so genau, was sie hier soll. Doch sie hat Pastor Treadwell und ihrer Tante Rose Harris viel zu verdanken. Tante Rose ist die Vorsitzende des Sittlichkeits- und Abstinenzlervereins der kleinen Stadt. Bei ihr verbrachte Lizzi grosse Teile ihrer Jugend und genoss eine liebe, wenn auch strenge, an den Maximen des Anstands und des Evangeliums (wie Tante Rose dies verstand) ausgerichtete Erziehung. Lizzi ist inzwischen 23 Jahre alt und durfte vor zweieinhalb Jahren dank FĂŒrsprache von Pastor Treadwell das alte FrĂ€ulein Ratherfield als Lehrerin der Ortsschule ablösen. Zwar gibt es im Obergeschoss des Schulhauses eine kleine Lehrerwohnung, doch stand es ausser Frage - und Lizzi wurde ohnehin nicht gefragt -, dass das FrĂ€ulein Ratherfield seinen Lebensabend in der besagten Wohnung beschliessen dĂŒrfe. So wohnt also Lizzi noch immer bei ihrer Tante.

Wir schreiben das Jahr 1903. Die grossen Zeiten von Nottis Town sind lĂ€ngst vorbei. Die Kupfermine eine Meile sĂŒdlich der Stadt, welche dieser etwas Reichtum beschert hatte, wurde schon vor zwölf Jahren geschlossen. Die Eisenbahn hĂ€lt einmal pro Woche, die Postkutsche alle drei bis vier Tage. Doch leben immer noch gut 1200 Menschen in der Stadt mit drei Bars, einer Kirche, einem Schulhaus, dem Sheriff-Haus mit den drei GefĂ€ngniszellen. Die meisten Bewohner sind brave Handwerker oder betreiben eine kleine Farm in der Umgebung der Stadt. Eine langweilige, brave Stadt.

Aus der Zeit, als die Stadt noch prosperierte und hĂ€ufig Reisende hier einen Zwischenhalt einlegten, ist das Hotel "Esmeralda" ĂŒbrig geblieben. Dies befindet sich nahezu am westlichen Ende der Main Street in einem EckgebĂ€ude, welches ein "L" bildet. Auf der schmalen, der Main Street zugewandten Seite findet sich der Eingang, der zur Lobby mit dem Empfang und einer kleinen Bar "nur fĂŒr GĂ€ste des Hauses" (was interpretationsfĂ€hig ist) fĂŒhrt. Eine zweiflĂŒglige TĂŒr in der Lobby gibt Einlass in einen kleinen Saal, der parallel zur Querstrasse liegt. Eine Treppe fĂŒhrt ins Obergeschoss. Dort findet sich am Ende des Korridors die kleine Wohnung der Hotelbesitzerin und ihres Liebhabers, des Pianisten und Hausmeisters. Von den 18 Zimmern sind 8 stĂ€ndig belegt, eines durch einen Dauermieter und sieben durch die ZimmermĂ€dchen. Wozu das kleine Hotel sieben ZimmermĂ€dchen benötigt, worunter zwei "NegermĂ€dchen" (political correctness wird es erst in 80 Jahren geben) und eine Mexikanerin, weiss angeblich niemand in der Stadt, gibt aber immer wieder zu reden.

Schon mehrere Male forderten Pastor Treadwell und Mrs. Harris den BĂŒrgermeister, den Stadtrichter und den Sheriff auf, fĂŒr Ordnung im Hotel zu sorgen, oder noch besser, gleich alle dessen Bewohner aus der Stadt zu schmeissen. Da der Pastor und die Vorsitzende des Sittlichkeitsvereins jedoch nie konkrete UmstĂ€nde benennen konnten, welche auf strafbares Verhalten der Hotelbewohner hinweisen wĂŒrden, hielt sich der Diensteifer der angerufenen AmtstrĂ€ger in engen Grenzen. Und die einzige Razzia, welche der Sheriff je durchfĂŒhren liess, ergab ebenfalls keine belastenden Anhaltspunkte. (Dass der Sheriff zwei Stunden vor der Razzia dem Hufschmied unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzĂ€hlt hatte, er werde heute wohl noch einen rein routinemĂ€ssigen Kontrollgang durch das gegenĂŒber der Schmiede liegende Hotel vornehmen, im Wissen, dass der Hufschmied keine Viertelstunde spĂ€ter die Strasse ĂŒberqueren und Florence du Moulin, der französischstĂ€mmigen Hotelbesitzerin, einen diskreten Wink geben wird, tut hier nichts zur Sache.) Vorletzten Sonntag predigte Pastor Treadwell im Gottesdienst ĂŒber die sĂŒndigen StĂ€dte Sodom und Gomorrha und hielt dafĂŒr, auch Nottis Town sei dem Untergang geweiht, wenn nicht der Kampf gegen die SĂŒnde endlich unerbittlich gefĂŒhrt werde. Jeder Kirchenbesucher wusste natĂŒrlich, wo Pastor Treadwell Nottis Town's HauptsĂŒndenpfuhl sah. Letzten Mittwoch hielt Pastor Treadwell auf Einladung von Mrs. Harris am monatlichen Treffen des Sittlichkeits- und Abstinenzlervereins einen Vortrag ĂŒber die Gefahren, welche geschlechtlichen und alkoholischen Verwirrungen eigen sind. Und noch am gleichen Abend beschloss der Verein, den Kampf gegen den dergestalt in die Stadt Einzug gehaltenen Teufel aufzunehmen und hierzu ein Komitee rechtschaffener BĂŒrger zu bilden.

So stehen also jetzt drei MĂ€nner und vier Frauen vor dem Hotel. Eine davon ist Lizzi Turlington, welche dem Pastor und ihrer Tante den Wunsch, den Kampfzug gegen die SĂŒnde zu verstĂ€rken, nicht abzuschlagen wagte. Pastor Treadwell hat inzwischen bemerkt, dass die TĂŒr des Hotels nicht verschlossen ist, so dass die sieben die Hotellobby betreten. Im Hotel halten sich aber mehr Menschen auf, als die braven KĂ€mpferinnen und KĂ€mpfer fĂŒr die Moral erwartet haben. So findet sich der Kampfzug keine Minute spĂ€ter bereits wieder draussen im Strassendreck.

Lizzis Blick streift erstaunt und fasziniert durch die Hotellobby findet seinen Weg schliesslich zur zweiflĂŒgligen TĂŒr und zum Saal. Denn Lizzi liegt nicht im Strassengraben, sondern sie steht noch immer mitten in der Lobby. Als sie nun von Florence du Moulin erblickt wird und diese auf sie zugeht, will Lizzi rasch das Hotel verlassen. Doch die TĂŒr ist nun verriegelt. Florence packt Lizzi am Arm und zerrt diese, welche sich nicht zu wehren wagt, in den Saal und dort auf die BĂŒhne. Auf dieser stehen verdattert zwei der ZimmermĂ€dchen in Kleidung, welche die Oberweite der Damen und deren lange Beine mehr betont als verbirgt. Florence fragt Lizzi, was der Auftritt des Pastors und der ĂŒbrigen Vogelscheuchen eigentlich hĂ€tte bezwecken sollen. Lizzi stottert etwas UnverstĂ€ndliches. Die beiden ZimmermĂ€dchen nutzen den Moment, sich von der BĂŒhne zurĂŒckzuziehen. Lizzi blickt in den Saal und realisiert mit Schrecken, dass ihr die meisten anwesenden GĂ€ste bekannt sind und damit sie auch diesen. Florence beschimpft nun Lizzi mit gespieltem Ernst, was sie zusammen mit dem Pastor hier begangen habe, sei Hausfriedensbruch, und die SchĂŒler wĂŒrden sich morgen sicher ĂŒber den schulfreien Tag freuen, wenn das FrĂ€ulein Lehrerin infolge Aufenthalts in einer Zelle des Sheriffhauses am Unterrichten verhindert sei. Lizzi blickt Florence erschrocken an. Und ihr Schreck verstĂ€rkt sich, als der Sheriff, der sich unter die GĂ€ste gemischt hat, ein Paar Handschellen hervorzieht und diese Lizzi anlegt. Lizzi findet nun aber ihre Stimme wieder, bittet um Verzeihung und insbesondere darum, morgen Schule geben zu dĂŒrfen, denn die Kinder könnten doch nichts fĂŒr die Dummheit ihrer Lehrerin.

Nein, dumm sei die Lehrerin nicht, meint Florence, das wisse die ganze Stadt. Also solle sie sich nicht damit herausreden. Der Sheriff weist Florence darauf hin, dass es ihr selbstverstĂ€ndlich frei stehe, auf eine Strafanzeige zu verzichten. Florence fragt in die Runde: Was sollen wir mit FrĂ€ulein Turlington anstellen? Es folgen fröhliche VorschlĂ€ge: Sie soll verhaftet bleiben, bis Pastor Treadwell eine Kaution bezahlt hat; sie soll tanzen; sie soll etwas singen (das tut sie nĂ€mlich im Kirchenchor vorzĂŒglich); eine Tracht PrĂŒgel, ..., sie soll einen Striptease vorfĂŒhren. Nein, ruft Florence du Moulin, ihr wisst alle genau, dass es bei uns nur am Freitagabend nach 11 Uhr Striptease gibt! Grosses Lachen. Es ist Freitagabend und, wie Lizzi mit einem Blick auf die Wanduhr zu ihrem Schrecken feststellt, bereits 10.55 Uhr. Dies bemerkt nun auch Florence und fragt Lizzi, ob sie sich je einmal einem Mann so gezeigt habe, wie die Natur sie erschaffen habe. Entsetzt will Lizzi dies verneinen, doch dann trifft ihr Blick mit demjenigen von Joseph Blair, dem Mittleren der Söhne auf der Blair-Farm, zusammen. Die brave Lizzi hĂ€lt sich gegenĂŒber anderen Menschen verhĂŒllt, will keine schwachen MĂ€nner zu unkeuschen Gedanken verleiten und unterhĂ€lt keine geschlechtlichen Kontakte zu MĂ€nnern. Sie will dies fĂŒr die Ehe aufsparen, so wie dies Tante Rose sie gelehrt hat. Aber einmal wurde sie doch schwach. Es war der ebenfalls gehemmte Joseph, welcher sie in der hintersten Koje des Stalls der Blair-Farm, als alle andern Bewohner derselben am Erntedankfest waren, zur Frau machte, und, so vermutet sie, sie ihn zugleich zum Mann. Joseph wĂŒrde sie sicher nicht verraten, doch er hat es, so denkt Lizzi, nicht verdient, verleugnet zu werden. So sagt Lizzi, deren Gesicht nun vor Scham leicht rot ist, mit leiser, brĂŒchiger Stimme, ja, ein Mann habe sie einmal so gesehen, wie ... und nun bricht ihre Stimme ab. Sie wartet nun darauf, dass entweder ein Donnerwetter ĂŒber ihre Verdorbenheit ausbricht oder sie ausgelacht wird. Nichts geschieht. Und sie blickt nun zu Joseph. Der scheue junge Mann strahlt leise vor sich, denn er weiss, wie viele junge MĂ€nner in der Stadt phantasieren, welch leibliche Schönheit das FrĂ€ulein Lehrerin unter ihrer altertĂŒmlichen und hochgeschossenen Kleidung verbirgt, und davon trĂ€umen, diese Schönheit einmal nicht nur zu erahnen sondern in umfassendem Sinne zu erblicken. Und er erinnert sich nur zu gut daran, dass der eine und andere sich draufgĂ€ngerisch gebende oder leicht besoffene Kerl schon herumgeprahlt hat, er habe die Lehrerin flachgelegt und sie habe vor Lust gejault, was diesen allerdings nie geglaubt wurde und die Kerle oft am folgenden Tag auch kleinlaut widerriefen. Er, Joseph, der mit dieser einzigen Ausnahme es noch nie wagte, von geschlechtlicher Begierde getrieben eine junge Frau anzusprechen, hat also still und einfach alle andern MĂ€nner der Stadt ausgestochen. Die Lizzi hat es ihm eben vor allen Zuhörern bestĂ€tigt. Dass Joseph dieses amouröse Abenteuer nie herumerzĂ€hlte, auch weil dies ihm sowieso niemand geglaubt hĂ€tte, und folglich jetzt auch niemand seine GlĂŒckseligkeit erkennen kann, spielt keine Rolle.

Ja, den Striptease wolle man Lizzi noch einmal ersparen. Ein Lied zu hören, wĂ€re aber wohl das mindeste, was das Publikum als EntschĂ€digung fĂŒr den verdorbenen Abend erwarten dĂŒrfe, bricht nun Florence die Diskussion ab. Dazu sei sie bereit, antwortet Lizzi, die denkt, auf diese Weise glimpflich davonzukommen. (In der Kirche sang sie auch schon Solos vor Publikum, also weshalb soll sie dies nicht auch in diesem Saal schaffen.) Doch, so Lizzi weiter, sie wisse nicht, ob die Lieder, die sie auswendig kenne, diesem Publikum behagten. Ach, papperlapapp, die sollten zufrieden sein mit dem, was Lizzi ihnen vortrage, insbesondere da dies in reizvollster AtmosphĂ€re geschehen werde. Sie gibt dem Sheriff ein Zeichen, und dieser befreit die verdutzt dreinblickende Lizzi von den Handschellen. Oder ob Lizzi allen Ernstes gemeint habe, so Florence, sie lasse die junge Dame in diesem hĂ€sslichen grauen Fummel auftreten. Etwas mehr ihres Sexappeals mĂŒsse sie doch wirken lassen. Lizzi weiss zwar nicht, was das Wort Sexappeal genau bedeutet. Der Wortteil Sex lĂ€sst sie erschauern. Doch vor die Wahl gestellt, morgen keinen Unterricht geben zu können, so dass all ihre Kinder erfahren werden, dass ihre Lehrerin eine Verbrecherin ist und im GefĂ€ngnis sitzt, oder jetzt noch etwas mehr, als dies ohnehin bereits der Fall ist, als sittlich nicht einwandfreie junge Frau dazustehen, zögert sie keine Sekunde. Denn die Menschen hier scheinen lieber und verstĂ€ndnisvoller zu ihr zu sein, als sie dies nach ihrem gewaltsamen Eindringen in dieses Haus verdient hĂ€tte.

Florence du Moulin ruft Jennifer zu, sie habe eine Ă€hnliche Figur wie Lizzi und solle dieser etwas zum anziehen geben. Jennifer lacht, nimmt Lizzi bei der Hand und tippt beim VorĂŒbergehen Vicki auf die Schulter: Komm, hilf mir das MĂ€dchen so herzurichten, dass alle MĂ€nner hier drinnen mit stolz gerecktem Stab in ihren zu engen Hosen den Heimweg antreten mĂŒssen. So begeben sich die drei ins Obergeschoss und verschwinden im Zimmer Nr. 9.

Lizzi, der durch den Kopf geht, was ĂŒber den Nachtbetrieb des Hotels so herumgetratscht wird, fragt sich still: Sieht so ein Puffzimmer aus? Eigentlich gar nicht so anders wie ein bĂŒrgerliches Schlafzimmer. Allerdings ist es grösser als Lizzis Kammer im Haus von Tante Rose. Sie ertappt sich beim Gedanken, hier liesse sich gut wohnen. Jennifer öffnet ihren Kleiderschrank und befielt Lizzi fröhlich: Runter mit deinen Klamotten. Langsam und unsicher öffnet Lizzi ihr Kleid, streift es ab. Es ist ihr peinlich, sich vor den beiden Frauen zu entkleiden. Sie steht nun in ihrer langen, bis fast zu den Knien reichenden Unterhose und dem ebenfalls langen, von der Schulter bis zum halben Oberschenkel reichenden und alle weiblichen Reize zuverlĂ€ssig verbergenden Unterhemd vor den beiden Frauen. Wird es bald? spornt Jennifer an, mit diesem Lusttöter kannst du höchstens als Pausenclown unser BĂŒhnenprogramm bereichern. Lizzi zögert. Vicky spottet: Schau, die feine weisse Dame ziert sich, vor zwei Negerinnen ihre Titten und ihren Arsch freizumachen. Ja, die Zeiten haben sich geĂ€ndert. Vor dreissig Jahren haben sich die Weissen einen Deut um die SchamgefĂŒhle ihrer Sklavinnen gekĂŒmmert, und diese mussten fĂŒr viel HĂ€sslicheres als fĂŒr einen blossen Kleiderwechsel den Herrschaften ihre nackte Haut prĂ€sentieren. Jetzt mach vorwĂ€rts, du bist nicht die erste weisse Frau, die vor uns die Hosen runter lĂ€sst. Jennifer fĂ€llt Vicky ins Wort, so gehe es nicht. Lizzi habe vor dreissig Jahren noch nicht gelebt, sie könne nichts dafĂŒr, dass sie weiss und nicht wie Vicky und Jennifer schwarz geboren worden sei, und im Übrigen habe Lizzi Vicky nichts angetan. Vicky grinst. Lizzi will zunĂ€chst protestieren, will sich von Vicky nicht mit den alten Sklavenhaltern in einen Topf werfen lassen, unterdrĂŒckt aber im letzten Moment ihren Zorn und zieht mit rotem Kopf nun auch die UnterwĂ€sche aus. Jennifer und Vicky pfeifen gleichzeitig durch die ZĂ€hne. Jennifer lobt die wunderbare Figur von Lizzi und meint, es sei doch schade, so etwas Schönes der MĂ€nnerwelt vorzuenthalten. Vicky ergĂ€nzt, sie mĂŒssten nach diesem Abend aufpassen, dass die Neue ihnen nicht als Hure den Verdienst versaue. Lizzis Gesicht wird augenblicklich brennend heiss, vor Scham und vor Zorn, worauf Vicky zu Jennifer meint: Siehst du, wie vermeintlich unschuldig dieses dreckige Luder errötet. Nun beginnt Lizzi zu lachen. Sie hat Vicky durchschaut, und diese bestĂ€tigt auch sogleich: Endlich haben wir dich soweit, endlich hast du dich gelöst.

Rasch suchen Jennifer und Vicky eine Kleiderkombination fĂŒr Lizzi und kichern stĂ€ndig dabei. Diese lĂ€sst sich bereitwillig beraten und bedienen. Sie weiss, dass ihr jegliche Erfahrung mit etwas freizĂŒgiger Kleidung fehlt, und sie will sich nicht blamieren. Auch hat sich lĂ€ngst entschieden, heute Abend das anzunehmen, was auf sie zukommt. Das grĂŒne Röckchen ist recht kurz, die darunter getragene Unterhose auch, und schwarze StrĂŒmpfe mit Strapsen hat sie ihr Leben lang noch nie getragen. Die schwarze trĂ€ger- und Ă€rmellose Bluse wird, wie Lizzi verschĂ€mt feststellt, weitgehend durch ihre glĂŒcklicherweise krĂ€ftigen BrĂŒste gehalten. Und der Ausschnitt der Bluse ist so grosszĂŒgig rund geschnitten, dass der Blick in den Graben sich geradezu verirren kann. Scheu wagt Lizzi einzuwenden: Und was passiert, wenn die Bluse runterrutscht und meine BrĂŒste herausrutschen? Jennifer meint trocken: Dann bereitest du den MĂ€nnern eine ganz besondere Freude. Vicky aber versichert Lizzi, dies werde nicht geschehen, grosses Ehrenwort.

Nun begeben sich die drei Frauen wieder nach unten. Lizzi ist unsicher. Doch gefallen ihr die Kleider und sie spĂŒrt eine Freude und eine Lust in sich. Als sie zusammen mit Vicky und Jennifer die BĂŒhne betritt, realisiert sie, dass sie von allen Frauen im Saal am freizĂŒgigsten bekleidet ist. Jennifer und Vicky haben sie also mit ihrer Kleiderwahl erotisch getoppt, man kann auch sagen reingelegt. Doch sie ist den beiden nicht böse. Die Augen der anwesenden MĂ€nner sind starr auf Lizzi gerichtet. So haben sie die brave Lehrerin und begabte SĂ€ngerin im Kirchenchor noch nie zu Gesicht bekommen. Und der Blick auf die Beine ist, auch bedingt durch die leicht erhöhte Lage der BĂŒhne, geradezu phĂ€nomenal. Lizzi entschliesst sich, ein auch von Volksfesten allgemein bekanntes Lied zu singen. Sie muss es wiederholen. Dabei hacken Jennifer und Vicky bei Lizzi ein und verleiten diese, den Gesang mit Tanzschritten zu unterstreichen und dabei die Beine hochzuwerfen. Lizzi macht bereitwillig mit und merkt erst gegen Ende, dass sie spĂ€testens jetzt auch dem letzten Zuschauer in der hintersten Reihe den vollen Blick auf ihre Oberschenkel samt Strapsen bis hinauf zur nur noch von der Unterhose bedeckten Stelle, wo ihre schönen Beine sich vereinigen, bietet. Und als sie sich am Schluss fĂŒr den Applaus bedankt und dazu verbeugt, wird die Fixierung ihrer Bluse durch ihren Busen wirklich auf eine extreme Belastungsprobe gestellt. Doch Vicky hat nicht zuviel versprochen, die Sache hĂ€lt.

Es ist nun bereits eine Viertelstunde nach Mitternacht. Florence du Moulin weist den GĂ€sten die TĂŒr. Lizzi zieht wieder ihre Alltagsklamotten an. Die Kleidung, die sie bei ihrem Auftritt getragen hat, ist doch etwas zu gewagt fĂŒr die Strasse. Ausserdem ist es draussen kĂŒhl geworden.

Etwas mĂŒde hĂ€lt sie am nĂ€chsten Tag ihren Unterricht. Einige Tage spĂ€ter, als Tante Rose beim Abendessen wieder einmal das Hotel Esmeralda als Schande fĂŒr die ganze Stadt bezeichnet, widerspricht ihr Lizzi. Es kommt zum Streit, insbesondere nachdem Tante Rose zu Ohren gekommen ist, dass ihre Nichte im Hotel getanzt hat. Lizzi sucht Florence du Moulin auf und fragt diese, wie viel ein Zimmer im Hotel fĂŒr einen Dauergast koste. Florence nennt ihr einen Preis, der angesichts des eher kleinen Lehrerinnengehalts unbezahlbar ist. Dann aber macht Florence Lizzi ein Angebot, das mit einzelnen Maximen von Lizzis Erziehung leicht kollidiert, weshalb sie darĂŒber nachdenken will. Der BĂŒrgermeister, dem die Schule untersteht und den Lizzi aufsucht, meint lĂ€chelnd, er habe lĂ€ngst gehört, dass Nottis Town die schönste Lehrerin des Wilden Westens habe, und die Menschen im Hotel Esmeralda gehörten zu den ehrlichsten MitbĂŒrgern dieser Stadt. So wohnt Lizzi jetzt im Zimmer 14 des Hotels. TagsĂŒber unterrichtet sie die Kinder der Stadt. Am einen und andern Abend singt und tanzt Lizzi fĂŒr die GĂ€ste. Auch unterstĂŒtzt sie Florence mit diesem und jenem Administrativen im Hintergrund. Und an manchen Sonntagen erfreut das "sĂŒndige Geschöpf", das auch nach einem tiefen Fall den Weg zum Herrn immer wieder findet, Pastor Treadwell mit ihrem Gottesdienstbesuch. Im Kirchenchor singt sie ĂŒbrigens noch immer.

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eenemenetekel
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moin cove!

in gefÀlligem stil, immer leicht ironisch erzÀhlt. find ich gut!

fĂŒr eine kurzgeschichte holt dein text allerdings meiner meinung nach etwas zu weit aus.
man könnte viele der hintergundinformationen wegfallen lassen und dafĂŒr die eigentliche geschichte - den mehr oder weniger spontanen wandel in lizzis weltsicht - noch deutlicher herausstellen. auch die motivation der protagonistin, diesen schritt zu gehen, beziehungsweise ihre zweifel dabei, ließen sich noch klarer gestalten.

quote:
Der Wortteil Sex lÀsst sie erschauern. Doch vor die Wahl gestellt, morgen keinen Unterricht geben zu können, so dass all ihre Kinder erfahren werden, dass ihre Lehrerin eine Verbrecherin ist und im GefÀngnis sitzt, oder jetzt noch etwas mehr, als dies ohnehin bereits der Fall ist, als sittlich nicht einwandfreie junge Frau dazustehen, zögert sie keine Sekunde. Denn die Menschen hier scheinen lieber und verstÀndnisvoller zu ihr zu sein, als sie dies nach ihrem gewaltsamen Eindringen in dieses Haus verdient hÀtte.
das allein scheint mir nicht ausreichend, eine ĂŒber jahre geprĂ€gte moralische einstellung so vollstĂ€ndig ĂŒber den haufen zu werfen, wie liz es im weiteren tut.

also das ganze am besten noch ein wenig straffen, absĂ€tze verkĂŒrzen und die entscheidenden punkte herauskitzeln - dann ist es 'ne richtig schicke, gut lesbare geschichte.

lg
__________________
Als ich Kind war, lag immer Schnee.
Drei KĂ€se hoch.

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