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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Lohengrin
Eingestellt am 08. 01. 2010 18:12


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gerian
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2006

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"Warum ist die Frau da?"
"Welche?"
"Die da in Papas Dunkelzimmer, wo er Bilder zaubert."
"Dunkelkammer, mein Liebling, wo Papa Bilder entwickelt."
"Die Frau... riecht."
"Frau Drummer riecht nicht, das ist ihr Gem├╝se, sie verkauft es, damit die Leute zu essen haben."
"Warum in Papas Dunkel...?"
"Sie ist ausgebombt."
"Was ist das?"
"Sie hat keinen Laden mehr."
"Dann gibt ihr Papas..."
"Das geht nicht, da bin ich doch drin."
"An der T├╝r von Frau Drummer h├Ąngt ein Schild. Was steht drauf?"
"Heute keine Ware."
"M├╝ssen die Menschen jetzt hungern?"
"Ein bisschen, sie haben noch Brot."
"Ich hab Hunger..."
"Wir essen gleich."
"Wo ist Papa?"
"Im Krieg."
"Nur Papa?"
"Nein, alle M├Ąnner."
"Und Opa, ist der kein Mann?"
"Doch, aber der ist zu alt."
"Wof├╝r?"
"F├╝r den Krieg."
"Er ist b├Âsen."
"Wer?"
"Der Krieg, er hat mir meinen Papa weggenommen."
"Er kommt bald wieder."
"Spielst du mir was auf dem Klavier?"
"Das geht jetzt nicht, ich muss in den Laden."
"Spielen die Leute f├╝r mich?"
"Welche?"
"Die da im Radio."
"Ja komm, wir gucken mal."

Sie drehte an den Kn├Âpfen. Zuerst zischte es wie eine Lokomotive, dann leuchtete ein Auge aus dem Kasten und nun spielten die da drinnen auf Trommeln und Trompeten.

"Aufh├Âren, ich mag keine Sirenen," schrie ich.
Doch die Leute spielten einfach weiter.
"Das sind keine...,mein Schatz, das ist Lohengrin... von Wagner, h├Âr, jetzt spielen die Geigen ganz leise, magst du das?"
"Ja, aber..."
"Bleib da sch├Ân sitzen, ich geh jetzt in den Laden."

Wieder trompetete Lohengrin aus dem Kasten.
Ich ertrug ihn nicht mehr, sprang auf und fl├╝chtete in den Laden.
Mutter erwartete mich schon: "Na du kleiner Ausrei├čer, hast genug vom Schwanengesang? Ich spiel dir nachher was Lustiges auf dem Klavier."
┬┤Wie sch├Ân sie ist,┬┤dachte ich.
Sie sah in ihrem wei├čen Kleid, den sie ┬┤Kittel┬┤nannte, wie eine Prinzessin aus.
"Komm, wir schlie├čen jetzt den Laden und essen was."
"Oh ja bitte, ich hab Hunger."

Ich lief zur Ladent├╝r und schloss ab. Sonnenlicht streichelte mein Gesicht. Der Baum im Vorgarten bl├╝hte schon im vierten Jahr. Er und ich waren gr├Â├čer geworden. Aber der Krieg dauerte immer noch.
"Er denkt an uns...," rief ich.
"Wer?"
"Papa..., weil der Baum so bl├╝ht."
"Ja mein Schatz, er denkt an uns."
"Komm jetzt."

In diesem Moment zerplatzte die Stille wie eine Seifenblase. Von den T├╝rmen der Stadth├Ąuser heulten Lohengrins Trompeten. Durch die Ladent├╝r fiel ein Schatten ├╝ber mich her. Ich fl├╝chtete zur Mutter und schaute mich um.
Der Schatten geh├Ârte einem Mann. Dessen Kopf versank in einem Helm. Er trug eine Armbinde, auf der eine Fratze grinste. Die Fratze h├Ąmmerte gegen die T├╝r.
Ich weinte.
"Keine Angst, mein Kleiner, das ist doch Herr Taube vom vierten Stock. Er passt sch├Ân auf uns auf, damit wir alles richtig machen."
Mutter ├Âffnete Herrn Taube. Herr Taube schnauzte mich an: "Ein deutscher Junge weint nicht!"
"Aber meiner schon...," erwiderte Mutter.
Ich presste mich an ihren Bauch. Der Taube vom Vierten guckte finster: "Los beeilen Sie sich..., feindliche Luftverb├Ąnde r├╝cken n├Ąher, schnell, ab in den Bunker!"
"Wir sind schon unterwegs, Herr Taube."
"Blockwart Taube bitte," ermahnte er und zeigte auf sein ├ärmelzeichen. Bevor er den Laden verlie├č, murmelte er etwas vom nahenden ┬┤Endsieg┬┤.
"Hier, zieh die Jacke an, schnell, ab in den Bunker."

Wir nahmen unsere warmen Sachen und was zum Essen mit. Legten alles in den Kinderwagen, der mir nicht mehr passte.
Drau├čen spiegelte Sonnenlicht von den Etagenfenstern. Papas Bl├╝tenb├Ąumchen duftete an uns vor├╝ber. Auch Menschen, die wie wir, bepackt zum Bunker eilten. Einige Frauen trugen wei├če Trachten mit roten Kreuzen an den M├╝tzen. Sie halfen Uniformierten in zerlumpten Hosen, auf Kr├╝ckenbeinen weg zu laufen.
Wieder heulten Lohengrins Trompeten von den D├Ąchern. Ein Hund klagte mit. Ich kriegte G├Ąnsehaut.
"Lauf mein Kleiner, gleich haben wir es geschafft!"
Ich hielt mich an meiner Prinzessin fest, die andere Hand umklammerte den Steg vom Kinderwagen.
Als wir das Tor zum Bunker erreichten, donnerten Flugzeuge vom Himmel, st├╝rzten und jaulten wie Hy├Ąnen auf uns nieder und drehten dann ab. Danach krachte es irgendwo in der N├Ąhe. Die Luft dr├╝ckte mir die Ohren zu.
Dann war es still und dunkel geworden. Es roch nach vielen Menschen. Ein Uniformierter schloss das Eisentor.
Mutter nahm mich in den Arm. Ich f├╝hlte mich geborgen. In einer freien Ecke kauerten wir nieder. Auf einer Liege schlief ich ein.

"Wach auf, mein Kleiner, der Krieg ist vorbei," fl├╝sterte Mutter mir zu.
Ich sah aus dem Fenster. Das B├Ąumchen bl├╝hte immer noch. Ich freute mich und lachte: "Papa kommt nach Hause!"

Am n├Ąchsten Tag stand er vor der T├╝r. Er war nicht allein gekommen.
"Warum ist die Frau da?"
"Wo?"
"In deinem Laden."
"In Papas Laden, mein Liebling."
"Ist die Frau ausgebombt?"
"Nein, mein Schatz, die hat Papa mitgebracht."
"Warum?"
"Weil Papa im Krieg so allein war..."

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Haremsdame
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Hallo Gerd,

auch dieser Text hat in meinen Augen zuviel w├Ârtliche Rede. Wobei das Thema ansprechend ist und nachdenklich macht. Es gibt noch ein paar Ecken und Kanten.
Zum Beispiel:

quote:
Mutter ├Âffnete Herrn Taube. Herr Taube schnauzte mich an
Zweimal Herr Taube nacheinander muss nicht sein. Auch wenn ein kleiner Junge erz├Ąhlt.
quote:
Papas Bl├╝tenb├Ąumchen duftete an uns vor├╝ber.
Ich kann mir vorstellen, dass Du auf diesen Satz stolz bist. Aber ich meine, er passt nicht, wirft den Leser aus dem Text, weil er dar├╝ber nachzudenken beginnt ...
Sch├Ân, dass der Papa schon am n├Ąchsten Tag nach Hause kam. Die meisten kamen doch erst sehr viel sp├Ąter, hatten weite Wege zur├╝ckzulegen oder waren noch in der Gefangenschaft ... Das macht die Geschichte unglaubw├╝rdig. Gib dem Vater mehr Zeit, dann hat er auch eher Gelegenheit, diese neue Frau kennenzulernen ...
Ansonsten: Weiter so!
__________________
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

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Ralf Langer
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Hallo gerian,
ich mag w├Ârtliche Rede in Prosa,
und allemal dann wenn sie gelungen daher kommt
wie hier.
W├Ârtliche Rede l├Ąsst den Leser die Gegewart des
Beschriebenen erleben.

Diesen direkten Ton verlierst du ein wenig in den
beschreibenden Teilen, in denen du- wom├Âglich absichtlich-
zu "lyrische" Bilder einf├╝gst.

Das Ende kommt ein wenig gewollt. M.E. h├Ątte der Papa
einfach Zuhause erscheinen k├Ânnen. Die Fremde
neue Frau tat nicht not.

Nichtsdestotrotz eine Szene die ich gerne gelesen
habe.

Spannend und gekonnt

lg
Ralf
__________________
RL

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gerian
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2006

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Lohengrin

Hallo Ralf,

danke f├╝r deinen konstruktiven Kommentar.
Es freut mich, dass dir die Dialoge gefallen haben. Ich meine auch, dass sie in Kurzgeschichten nicht fehlen sollten, denn sie informieren und treiben die Handlung voran.
Gewiss habe ich lyrische Bilder gezeichnet, in denen dann die Dialoge zur├╝cktreten.

Die Frau am Anfang und die Frau am Ende mit unterschiedlicher Bedeutung, sollen sie doch die Auswirkungen eines Krieges darstellen, die auch vor einer Familie nicht halt machen, sie zerst├Âren.

LG
Gerd

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Ralf Langer
Routinierter Autor
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Werke: 304
Kommentare: 2919
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hallo gerian,
die frage die sich mir stellt,
und die die Geschichte nicht beantwortet
ist,
wie kommt der papa im krieg an eine frau.

andererseits ist die reaktion de mutter
auf diesen affront stark.
vielleicht zu stark?
Werde nochmal dar├╝ber nachdenken.

lg
ralf
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RL

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

hallo gerian,

"Der Baum im Vorgarten bl├╝hte schon im vierten Jahr. Er und ich waren gr├Â├čer geworden. Aber der Krieg dauerte immer noch."
der baum bl├╝ht also 43 im 4. jahr, wenn man davon ausgeht, dass er w├Ąhrend des krieges (nicht vorher) bl├╝hte.
wenn dann der alarm, das schlafen des kindes und erwachen alles nacheinander passiert, also zumindest im gleichen fr├╝hjahr, kann der krieg nicht aus sein und der vater heimkehren (der krieg war erst am 8.5.45 aus), der vater k├Ânnte also erst dann kommen, evtl bereits im april, wenn er in bereits vorher besetzten gebieten war.

"donnerten Flugzeuge vom Himmel, st├╝rzten und jaulten wie Hy├Ąnen auf uns nieder und drehten dann ab. Danach krachte es irgendwo in der N├Ąhe."
meines wissens warfen nur die deutschen sturzkampfbomber (stukas) ihre bomben im sturzflug ab, gemeint sind aber wohl die us-bomber.

lg suzah

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