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Leselupe.de > Gereimtes
Lohn der Arbeit
Eingestellt am 15. 02. 2003 06:32


Autor
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M├Â├čner, Bernhard
Routinierter Autor
Registriert: Dec 2001

Werke: 89
Kommentare: 204
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Herr Flei├čig gilt zu Recht als t├╝chtig,
ist p├╝nktlich und macht alles richtig,
tut willig das, was man ihn hei├čt,
wen wundert, dass er Flei├čig hei├čt!
Er spart, weil er┬┤s nicht anders kennt,
zahlt auf das Sparbuch jeden Cent.
Er tr├Ąumt, denn er hat eine Braut,
wie er mit ihr ein H├Ąuschen baut.
Man spart sich einen Grundstock an,
der Architekt macht einen Plan;
nun fehlt nur noch ein Bankkredit,
die Bank jedoch teilt schriftlich mit:
Man pr├╝fte, doch es t├Ąte leid,
er biete keine Sicherheit,
laut Anhang und laut Protokoll...
Mit Unterschrift, Hochachtungsvoll!

Ein andrer Mensch, faul wie kein zweiter,
f├Ąllt aufw├Ąrts die Karriereleiter,
er geht, wo es nur immer geht,
der Arbeit flei├čig aus dem Weg;
doch was er wie ein Meister kann,
das wendet er nach Kr├Ąften an:
Er stellt sich dar im besten Licht,
an Selbstvertrauen fehlt┬┤s ihm nicht.
Bald r├╝hmt man ihn als Mann der Tat,
erst wird er Chef, dann Aufsichtsrat.
Was er dort leistet, wem er n├╝tzt?
Bedeutend ist, dass er gut sitzt!

Auch er braucht einen Bankkredit,
schon andern Tags teilt man ihm mit:
man sei nat├╝rlich gern bereit,
ihm jede Summe jederzeit...
laut Anhang und laut Protokoll,
mit Unterschrift, Hochachtungsvoll!
Nun liebt ihn schon die halbe Welt,
er wird begehrt, er stinkt nach Geld.

Kaum vierzig, denkt er schon daran,
er h├Ątte nun genug getan,
f├╝r die Gesellschaft sowieso
und sch├Ân sei es auch anderswo.
Wer lange schafft, der ist im Grund
ein ungeheuer bl├Âder Hund!
Er legt diskret und x-beliebig
sein Domizil in die Karibik,
schreibt noch ein Schild, auf dem es hei├čt:
Ich bin auf unbestimmte Zeit verreist.

Dort lebt er lange ohne Sorgen
und sorgt sich heute nicht um morgen,
liegt faul am Strand, genie├čt sein Gl├╝ck,
zahlt die Kredite nicht zur├╝ck
und l├Ąsst statt dessen sich verw├Âhnen,
von wei├čen und von braunen Sch├Ânen.

Doch pl├Âtzlich winkt ein d├╝rr Gerippe
vernehmlich mit der blanken Hippe,
am selben Tag, zur selben Zeit
und fragt direkt: "Seid ihr bereit?"
"Ich komme", sprach der brave Mann,
"gern mit dir, guter Sensenmann!"
Bekanntlich ist ein gut Gewissen
im solchen Fall ein weiches Kissen.
Der andere f├Ąllt ihm zu F├╝├čen,
er brauche Zeit, er will erst b├╝├čen.
Der Tod ist dazu nicht bereit:
"Ihr hattet", sagt er, "eure Zeit."

Nun sahen sie sich, bleich und fahl,
zum ersten- und zum letztenmal,
und jeder hat f├╝r sich gedacht:
der andere hat┬┤s recht gemacht!

__________________
-Bernhard M├Â├čner-

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noel
???
Registriert: Dec 2002

Werke: 180
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das Fazit gef├Ąllt mit besonders gut. Das der eine wie der andere denkt, nicht er selbst habe Grund zufrieden zu sein, sondern andere... wahrHaft gemein.

quote:
Er stellt sich dar im besten Licht,
an Selbstvertrauen fehlt┬┤s ihm nicht.
Das ist die einzige Zeile, an der ich hing ohne Vergn├╝gen... der Rhythmus wird hier -nicht aus stilistischen Mittel- gehemmt.

Vielen Dank f├╝r das erhebende Gef├╝hl um meine Mundwinkel... *L├Ącheltmalherrnm├Â├čneran.
Gru├č Noel

__________________
┬ę noel
Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ┬ęnoel
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizit├Ąt, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level) .

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LuMen
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 291
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Hallo Bernhard,

ein gelungenes Werk, mit Tiefgang und fl├╝ssig gereimt! Ich sehe keine Unebenheiten.

Herzliche Gr├╝├če und noch ein sch├Ânes Wochenende
LuMen

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Schakim

Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 2002

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"Klassengesellschaft"

Hallo, Bernhard!

Klasse find' ich Dein Gedicht!
Die zweite Klasse z├Ąhlt hier nicht.
Die erste Klasse f├╝hrt schon weiter,
Steht ganz oben auf der Leiter...
Doch oben fehlt auch ihr die Sprosse.
Der Teufel winkt mit seiner Posse!
Da gratulier' ich Dir nun sehr
Und w├╝nsch' mir davon mehr!


Mit den besten W├╝nschen f├╝r einen gelungenen Sonntag!
Schakim
__________________
┬ž┬ž┬ž> In jeder Knospe zeigt sich ein kleines Wunder beim Aufbl├╝hen <┬ž┬ž┬ž

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Klopfstock
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Bernhard M├Â├čner,

ich finde, das ist ein hervorragendes Werk,
und Unebenheiten kann ich, ebenso wie LuMen, keine erkennen. Gratulation zum Gedicht!!!

Liebe Gr├╝├če
und einen sch├Ânen Sonntag

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