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Leselupe.de > Kurzgeschichten
London und Paris
Eingestellt am 04. 11. 2003 20:15


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None Back
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2003

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Im Haus war es totenstill, er h├Ârte nur seinen eigenen Atem, der ihm sto├čweise entkam. Seine Sneakers glitten lautlos ├╝ber den Flur, w├Ąhrend er die Treppe anvisierte.
Schon die erste Stufe war eine Katastrophe, denn die Tasche mit seinen wenigen Sachen und den 15 ÔéČ knallte gegen das Gel├Ąnder der Treppen - unbeabsichtigt. Er zuckte zusammen, blieb auf der Stelle stehen und lauschte in die Dunkelheit hinein.
Doch das Haus blieb weiterhin still; das knarrende Ger├Ąusch hatte niemanden geweckt.

So vorsichtig wie m├Âglich folgte er darauf hin der Treppe, durchquerte die K├╝che, um durch die Hintert├╝r hinaus zu schl├╝pfen.
Die Nacht war dunkel, die Luft kalt; er zog die Jacke enger um sich, schlug den Kragen hoch.
Mittlerweile waren die Stra├čen verlassen, nur vereinzelt schlenderten noch einige Personen daher, die er nicht richtig identifizieren konnte.
Die Tasche ruhte schwer auf seiner Schulter, als er sich endlich wieder in Bewegung setzte - auf dem Weg in fremde St├Ądte.
Er steckte sich einen H├Ârer des Discmans ins Ohr, der andere baumelte locker herunter - Rock drang lautstark aus den kleinen Ger├Ąten.
Seine Augen suchten die Umgebung ab, immer und immer wieder, ab und zu zur├╝ckblickend. Vielleicht hatten seine Eltern ihn doch geh├Ârt, vielleicht folgten sie ihm.
Angst? Aufregung. Vorfreude auf das, was ihn in London erwarten w├╝rde.
Er legte seine Hand auf der dunklen Tasche ab und trommelte mit den Fingern dagegen, zusammen mit dem Takt der Musik.

Schon bald verlie├č ihn das Gef├╝hl, verfolgt zu werden, verfolgt von seinen Eltern.
Die Tasche wurde von Minute zu Minute schwerer, so dass er sich eine kurze Pause g├Ânnte und sich dem Gewicht entledigte, indem er seine Sachen auf dem kalten, nassen Boden abstellte.
Ein Zigarettenautomat fiel ihm ins Auge; er verschmachtete.
Er sp├╝rte regelrecht, wie seine Lungen sich in Sehnsucht an Tabak zusammenzogen. Seine Hand fuhr in die Jackentasche und suchte das Geld heraus - 3 ÔéČ.
Es gab ein leises Klingen, als er das Geld in das vorgesehene Fach steckte und sich dann ein P├Ąckchen West zog.
Hastig glitten seine Finger ├╝ber das Plastik, das die Schachtel umgab, rissen es auf, um sich schlie├člich eine Kippe zwischen die Lippen zu stecken.
Seine Hand fuhr blitzartig an den Jackentaschen hinab, tastete, dann ├╝ber die Hosentaschen. Nichts. Kein Feuerzeug.
Er fluchte innerlich.
Sein Blick glitt die Stra├če hinunter; in der N├Ąhe gab es einen Kiosk, 24 Stunden am Tag ge├Âffnet.
Wieder hievte er sich die schwere Tasche auf die Schulter, um sich voran zu schleppen, dem kleinen Laden an der Ecke entgegen.
Er trat in den Laden, forderte ein Feuerzeug und streckte dem Verk├Ąufer sein Geld entgegen -1/3 davon war f├╝r Zigaretten verbraucht worden; doch er konnte nicht anders.
Wieder landete eine Kippe in seinem Mundwinkel, sein Finger fuhr ├╝ber den Ausl├Âser des Feuerzeugs und endlich glimmte der Stengel auf. Er nahm einen tiefen Zug.
Zufriedenheit und Erleichterung durchfluteten ihn, als der Rauch in seine Lungen gelangte.

Unschl├╝ssigkeit und ├ťberlegungen ? wohin?
Zum Bahnhof? Einen Bus nehmen? Trampen?
Irgendwas hinter ihm gab ein klapperndes Ger├Ąusch von sich; blitzartig wandte er sich um, lie├č den Blick ├╝ber die Umgebung schweifen.
Eine gewisse Beunruhigung beschlich ihn, die selbst nicht einmal die Droge in seiner Hand ausl├Âschen konnte.
Die Kippe in seiner Hand glomm ihrem Ende entgegen; er warf sie darauf hin auf den Boden und trat sie aus.
Schatten wanderten ├╝ber den Weg hinweg, hin und her t├Ąnzelnd, von den Laternen verursacht, die schwaches Licht spendeten.

Es ist niemand. Damit versuchte er sich selbst zu beruhigen.
Es gelang nur m├Ą├čig. Er ├Âffnete seine Tasche und holte ein Br├Âtchen raus, in das er gen├╝sslich biss.
Erst als er es verzehrt hatte, nahm er seine Sachen wieder auf und folgte den Stra├čen, raus aus der Stadt.
Dann w├╝rde man weitersehen, irgendwie.
Eine genaue Vorstellung, wie er nach London kommen sollte hatte er nicht. Noch nicht.

Er schlenderte voran, als leichter Regen einsetzte.
Seine Stimmung sank in den Keller, v├Âllig. Die Jacke lie├č das Regenwasser durch, ben├Ąsste seinen Pulli, seine Hose ? auch Gesicht und Haare wurden nicht verschont. Das letztere hing ihm str├Ąhnig und schwer durch die N├Ąsse ins Gesicht.
Scheisse. Doch er wollte nicht umkehren.
Erst die nach langer Zeit erreichte Grenze der Stadt hob seine Stimmung minimal an.
Wieder legte er eine Pause ein, suchte sich wieder seine Kippen heraus um sich eine anzustecken.
Bald schon war der Boden voll von Filtern; und er stand grinsend da.
Er am├╝sierte sich ├╝ber sich selbst, seinen Plan, nach London zu gelangen.
Wie, sollte er das schaffen?
Irgendwie.

Ein dunkles Auto hielt an der anderen Stra├čenseite, als die Sonne schon langsam aufging.
Es fiel ihm nicht ein.
Es fiel ihm erst ein, als ER ausstieg, gefolgt von IHR.
Sie hatten ihn ? und er wollte rennen.
Sein Alter war schneller, er hatte ihn in wenigen Momenten am Kragen gepackt, ihn gesch├╝ttelt und einfach nur geflucht.
Das war`s mit London, das war`s mit Paris.
Vorerst.


__________________
"F├╝r jedes menschliche Problem gibt es immer eine einfache L├Âsung: klar, einleuchtend und falsch."
- Henry Louis Mencken -

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Miriam
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo None Back,

sehr gut und fluessig erzaehlt. Es ist mir allerdings nicht ganz klar, wieso der "Ausreisser" so frueh von seinen Eltern aufgegriffen wurde?

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None Back
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2003

Werke: 8
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Durch das Krachen aufgeweckt, haben sie sein Verschwinden schnell bemerkt und sich darauf sofort auf den Weg gemacht.
Mag sein, dass es zu schnell ging, aber da er fast die ganze Nacht "verplempert" hat, um sich Zigaretten zu kaufen und Pausen zu machen, haben sie mit ihrem Auto schon die halbe Stadt abgefahren.
In der Nacht ausgerissen, haben sie ihn am n├Ąchsten Morgen immer noch in der Stadt vorgefunden.
Riesiges Gl├╝ck f├╝r die Eltern, Ungl├╝ck f├╝r den Jungen, dass er so schnell gefunden wurde.
W├Ąre er aber schon aus der Stadt raus gewesen in diesen Momenten, w├Ąre es ihnen wahrscheinlich unm├Âglich gewesen, ihn je wieder zu finden, wenn er nicht von sich aus wieder zur├╝ckkommen w├╝rde.

MfG
__________________
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- Henry Louis Mencken -

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