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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Loser2001
Eingestellt am 17. 02. 2001 22:26


Autor
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mortisha
Hobbydichter
Registriert: Oct 2000

Werke: 46
Kommentare: 30
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Es ist total verr├╝ckt. Ich kann nicht schlafen. Ich kann seit drei N├Ąchten nicht schlafen. Seit gestern Morgen habe ich vermieden, in den Spiegel zu sehen. Ich muss morgen fr├╝h um sechs zur Arbeit. Es ist jetzt halb zwei. Die Haust├╝r ist schon abgeschlossen, als ich mich durchs Treppenhaus nach drau├čen schleiche. Ich muss keinen Kaffee trinken, ich bin fit. Ich fahre durch die dunkle, leere, freundliche Stadt, aus ihr heraus, zu dem einzigen Laden, der jetzt noch ge├Âffnet hat, mitten in der Woche, und wo sie laute Musik spielen, bis im Morgengrauen die Fr├╝hschicht kommt. Ich bin froh, der morastige Parkplatz ist leer, das hei├čt, es werden nur wenige andere da sein, so ein paar Loser wie ich eben. Ich bestelle mir ein Wasser und gehe in den Nebenraum. Hier ist es dunkel, violettgr├╝ne Lichtkegel einmal ausgenommen. Es ist angenehm dunkel und laut. Ich sitze im Schatten, z├╝nde mir eine Zigarette an und sp├╝re, wie mit jedem Akkord ein Teil meiner Unruhe von mir abf├Ąllt. Wie Regen tropft sie auf den Boden und umgibt meine F├╝├če wie eine dunkle Lache. Jede Stunde, die ich nicht schlafe, spricht zu mir, bevor sie vergeht. Was f├╝r ein Versager, sieh dich einmal an. Wenn es sie wirklich g├Ąbe, k├Ânnte sie lachen. Aber es gibt sie nicht, also lache ich. Sie sammeln sich alle dort zu meinen F├╝├čen, jede Minute, jede Sekunde Schlaflosigkeit vergegenst├Ąndlicht sich, wird sichtbar, wehrlos, stirbt. Das P├Ąrchen links neben mir ist unangenehm gl├╝cklich, die Ger├Ąusche und Bewegungen sind so ├╝berfl├╝ssig, ich kann sie nicht gebrauchen. Es umgibt sie eine knisternde Aura. Sie macht aggressiv. Sie stehen auf und gehen.

Der Bass dr├Âhnt tief im Darm, das ist richtig. Ich liege wie mein eigener Tod in der Ecke, es ist gut. Die Musik ist wie eine Injektion, ich fliege auf einer fetten Linie durch die Nacht, ich bin so surreal, aaaah. Bei Gelegenheit kommt der Kick. Es sind die ersten Takte eines Songs, die mich ├╝berw├Ąltigen. Meine Knie zittern und mein Herz flackert wie eine Kerze am offenen Fenster. Ich bin bewegungsunf├Ąhig, nur meine Knie zittern wie vor einem Sprung vom Zehn-Meter-Brett. Von den Haarspitzen bis zu den N├Ągeln meiner Zehen bin ich voll mit diesem Lied, jede meiner Zellen vibriert, und ich w├╝nsche mir, ich k├Ânnte schreien, damit ich nicht meinen Kopf in die Luft sprengen muss. Ich. Bin. Verliebt. Man muss nicht verliebt sein, um das hier zu f├╝hlen. Es ist mir egal, es ist mir schei├čegal. Das hier h├Ąlt nicht so lang wie eine neue Liebe. Aber es ist ehrlicher. Der Song verr├Ąt mir deutlich, dass er mich nicht liebt, sondern ich liebe ihn. Ich w├╝rde mein Leben geben, wenn er es wollte, aber er will es nicht. Er wei├č nichts von mir, nichts wei├č er. Er ist nur da und setzt diese oszillierenden Massen Chemie frei in mir. Das ist ehrlich. Damit kann ich leben. Der Rausch h├Ąlt etwa bis kurz nach halb f├╝nf. Meine Ausdauer l├Ąsst langsam nach. Um halb sechs fahre ich. Arbeiten. Mit einem Song im Kopf und etlichen Megahertz fremder Substanzen im Blut. Heute nacht werde ich schlafen.


__________________
---http://www.chronoMEtron.de---

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