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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Loslassen
Eingestellt am 06. 11. 2013 18:48


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Kaso
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2013

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Loslassen

Herr Jehoda sa├č in seinem Sessel vor dem Fenster, als Frau Meyer die T├╝r aufschloss. ÔÇ×Guten MorgenÔÇť rief sie gut gelaunt, wie jeden Dienstag. Seit beinahe zehn Jahre kam sie zum Putzen her. Herr Jehoda sa├č immer in diesem Sessel und sprach kein Wort. Nur manchmal gab er unverst├Ąndliche Laute von sich, und das war wie ein unvorhergesehener Donnerschlag, jedes Mal zuckte sie zusammen. Es war im Grunde genommen immer das Gleiche. Sie frage, wie er geschlafen hat, wie die Woche war, ohne eine Antwort zu erwarten. Sie erz├Ąhlte dabei von sich und der Nachbarschaft, w├Ąhrend sie den Mob schwang, die Fenster oder das Bad putzte.

Herr Jehoda war am Tage nicht aus seinem Sessel zu kriegen. Er sa├č da, wie auf einem Thron, auch der moderne Pflegerollstuhl ├Ąnderte nichts. Der stand verweist im Schlafzimmer, und dank Frau Meyer konnte sich keine Staubschicht bilden, denn sie nahm ihre Arbeit ernst.

Bevor sie ging, steckte sie sich eine Praline in den Mund. Die Kristallschale stand auf dem kleinen Tisch neben dem Sessel. So oft wie sie es auch probiert hatte, der alte Herr machte den Mund nicht auf, und so verschwand eine dieser k├Âstlichen Leckereien in ihrem Mund. Da es so aussah als w├╝rde er l├Ącheln, nahm sie das als Zustimmung hin. Es wurde ein lieb gewonnenes Ritual daraus. Immer bedankte sie sich h├Âflich bei ihm. Im Stillen dankte sie auch dem Eink├Ąufer dieses Hochgenusses, nie hatte sie versucht diese Pralinen zu erwerben. Erfreut und beschwingt verlie├č sie nach vollbrachter Arbeit das Haus.

In den zehn Jahren, in denen sie hier herkam, hatte sich einiges ver├Ąndert. Damals war sie unzufrieden mit allem. Ihre Ehe mit Peter empfand sie als langweilig und einengend, fr├╝h kamen die beiden Kinder Paul und Marie. Das Geld, was Peter als Gabelstapler-Fahrer verdiente, war zu wenig, immer ├Âfter gab es hitzige Streitereien. Ihr Mann verlie├č dann T├╝ren knallend das Haus, und sie weinte sich oft in den Schlaf. Innerlich hatte sie schon aufgegeben und wollte sich mit den Kindern auf und davon machen. Bei ihrem Lebensmittelh├Ąndler fand sie einen Zettel am Schwarzen Brett, ÔÇ×Putzfrau gesucht, f├╝r einen ├Ąlteren Herrn, einmal die Woche, f├╝r drei Stunden, gute BezahlungÔÇť. Ohne lange zu ├╝berlegen, nahm sie die Stelle an.

In ihrem alten Beruf hatte sich so viel ge├Ąndert, alles wurde auf Computer umgestellt, und schon damals bereitete ihr der Umgang damit Schwierigkeiten. Wenn sie ehrlich zu sich war, und das tat sie, hatte sie die Ehe und die Kinder als Alternative zum Beruf gew├Ąhlt.

Gleich am ersten Tag bei Herrn Jehoda lag auf dem kleinen Tisch ein Zettel, auf dem stand:

"Anspr├╝che machen das Leben schwer.
Das gl├╝ckliche Leben beginnt, wenn man sie aufgibtÔÇť.

Darauf nahm das Leben von Frau Meyer eine Wende. Den Spruch hatte sie damals aufgeschrieben und ├╝berall im Haus verteilt. Langsam ver├Ąnderte sich ihre Sichtweise, sie konnte Peter so lassen, wie er war, ihre Beziehung entspannte sich. Peter hatte sich im Laufe der Jahre immer wieder beruflich verbessern k├Ânnen. Sie selber besuchte Fortbildungen und arbeitete jetzt drei Tage in der Woche bei einem Immobilienmakler. Paul und Marie hatten sich gut entwickelt, Paul lebte seit neustem mit seiner Freundin in einer eigenen Wohnung und Marie wollte studieren.

Heute dachte Frau Meyer zum ersten Mal daran, ihre Stelle bei Herrn Jehoda zu k├╝ndigen. Nicht weil anderer Leute Haushalt putzen unter ihrem Niveau lag, vielmehr ein Gef├╝hl des ├ťberfl├╝ssig-Seins beschlich sie in den letzten Wochen immer wieder. Jetzt wo sie dar├╝ber nachdachte, kam sie sich eher so vor, als m├╝sse sie Platz machen f├╝r andere.

Obwohl es ihr nicht leicht viel, sprach sie in der n├Ąchsten Woche mit Herr Jehoda dar├╝ber. Der sagte nichts und schaute weiterhin aus dem Fenster, doch war ihr so, als w├╝rde der Anflug eines L├Ąchelns in seinen Augen sichtbar. Die K├╝ndigung legte sie auf den Tisch. Im darauf folgenden Monat auch den Schl├╝ssel.

Auf dem Weg nach Hause fiel ihr ein, dass sie die letzten Male gar keine Praline gegessen hatte. Die Zeit war reif f├╝r Ver├Ąnderungen. Frau Meyer ging ihren gl├╝cklichen Weg ohne zu ahnen, dass Herr Jehoda und seine Pralinen sie in eine bessere Welt entlassen hatten.



Version vom 06. 11. 2013 18:48
Version vom 09. 11. 2013 00:12
Version vom 12. 11. 2013 22:09
Version vom 12. 11. 2013 22:25

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claudianne
Routinierter Autor
Registriert: Dec 2012

Werke: 12
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Hallo Kaso,

hier die Dinge, die mir und dem Duden-Korrektor aufgefallen sind:

quote:
ÔÇ×[]Guten MorgenÔÇť rief sie gut gelaunt, wie jeden Dienstag.
Leerzeichen entfernen.

quote:
Bei ihrem Lebensmittelh├Ąndler fand sie einen Zettel am schwarzen Brett[...]
Schwarzen Brett

quote:
Ohne lange zu ├╝berlegen[KOMMA] nahm sie die Stelle an.

quote:
Langsam ver├Ąnderte sich ihre Sichtweise, sie konnte Peter so lassen[KOMMA] wie er war, ihre Beziehung entspannte sich.

quote:
Frau Meyer ging ihren gl├╝cklichen Weg ohne zu ahnen, dass Herr Jehoda und seine Pralinen sie in eine bessere Welt entlassen hatte[n].

Gr├╝├če,
Claudia

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Steky
Guest
Registriert: Not Yet

Grunds├Ątzlich finde ich die Geschichte nicht schlecht, aber ich denke du solltest an der Kommasetzung arbeiten.

"Herr Jehoda sa├č in seinem Sessel vor dem Fenster KOMMA als Frau Meyer die T├╝r aufschlos"

"Nur manchmal gab er unverst├Ąndliche Laute von sich, das war, wie ein unvorhergesehener Donnerschlag, jedes Mal zuckte sie zusammen."

Hier solltest du das Komma vor "wie ein unvorhergesehener Donnerschlag" entfernen, und esw├╝rde sich auch besser anh├Âren, wenn du schreiben w├╝rdest: "... Laute von sich, UND das war..."

Am besten du jagst deine Geschichte durch das Duden-Rechtschreibprogramm - das ist zwar m├╝hsam, weil man den ganzen Text nicht auf einmal durchlassen kann, aber es rentiert sich. Ich mache das auch so, auch wenn es - vorallem bei l├Ąngeren Geschichten - sehr m├╝hsam ist. W├╝nsche dir weiterhin viel Gl├╝ck beim Schreiben. LG

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