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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Lucy, die goldene
Eingestellt am 21. 03. 2013 12:09


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DocSchneider
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Ich schreibe ĂŒber meine Freundin Lucy, die ich vor 20 Jahren kennenlernte. Lucy war anders. Sie scherte sich nicht darum, wie sie aussah und war sich ihrer Wirkung nicht bewusst. Wenn sie einen Raum betrat, so schien sie ihn zu fluten. Irgendetwas Besonderes war an Lucy, damals, als wir uns in der Uni zum ersten Mal sahen. Überall erschien sie pĂŒnktlich, setzte sich hin, legte ihre Sachen ordentlich auf den Tisch und betrachtete die Menschen um sie herum. Dass sie selbst am meisten betrachtet wurde, schien ihr gar nicht aufzufallen. Lucy strahlte von innen. Im Nachhinein ist mir das klar. SpĂ€ter nannten wir sie immer das Merz-Spezial-Dragee, weil wahre Schönheit ja von innen kommt.

Lucy wusste sehr viel, aber sie brachte es gar nicht an, sie war viel zu zurĂŒckhaltend und nichts hasste sie so sehr wie aufzufallen. Dabei fiel sie auf, eben durch ihr inneres Strahlen, das sich nach außen fortsetzte und das Schönste an ihr war ihr LĂ€cheln. Noch heute sehe ich es vor mir, ihr schĂŒchternes LĂ€cheln, das ihre leicht schiefen ZĂ€hne entblĂ¶ĂŸte, was sie noch unwiderstehlicher machte. Lucy redete viel, aber nur, wenn sie mit mir alleine war. In einer Gruppe schwieg sie immer und ich konnte es nie glauben, dass es dann dieselbe Lucy war, die nĂ€chtelang mit mir quatschte und auf jede Frage eine Antwort hatte. Lucy war klug und ich liebte sie. Sie war meine beste Freundin.

Eines Tages gingen wir auf eine Fete mit gefĂŒhlt einer Million Studenten. Lucy, ein anderes MĂ€dchen und ich standen herum und wussten nicht so recht, was wir tun sollten. Lucy war nur mitgegangen, weil ich unbedingt dorthin wollte. Sie hatte sich gar nicht zurechtgemacht und trug nur eine normale Jeans und einen Pulli. Plötzlich sah ich aus den Augenwinkeln, wie ein junger Mann, sehr braun und in weißer Kleidung, auf unsere Gruppe zukam. Ich wusste es, bevor es passierte: Er forderte Lucy auf, mit ihm zu tanzen. Uns schien er gar nicht wahrzunehmen. Lucy selbst war perplex. Aber es war klar, ihr Strahlen, dieses nicht zu Fassende, zu Beschreibende, hatte der junge Mann sehr wohl gesehen.

Den Rest des Abends sah ich Lucy nicht mehr. Zu sehr spĂ€ter Stunde wollte ich aufbrechen und schließlich entdeckte ich sie an einem Tisch, in ein offenbar sehr intensives GesprĂ€ch mit dem jungen Mann vertieft. Ich sagte ihr nur kurz, dass ich jetzt ging. Lucy hatte keine Augen mehr fĂŒr mich, ich war erst mal abgemeldet.

Leicht beleidigt fuhr ich auf meinem klapprigen Hollandrad heim, aber am nĂ€chsten Tag meldete sich eine glĂŒckliche, verliebte Lucy. Es hatte gekracht, aber so sehr, dass ich Lucy kaum mehr erkannte, sie redete jetzt sogar in der Gruppe vor allen anderen Studenten und dann passierte das, was ich immer geahnt hatte: Lucy wurde schwanger. Sie reagierte einfach wie eine richtige Frau, die den Richtigen gefunden hatte.

Ich freute mich fĂŒr Lucy. Sie hatte ĂŒberhaupt keine Angst vor ihrer Zukunft, nein, sie nahm das alles hin und freute sich. Sie strahlte nun noch mehr. Eines Tages traf ich sie und sie zog mich sofort zur Seite. „Komm, ich muss dir etwas erzĂ€hlen, hast du Zeit fĂŒr einen Kaffee?“ Klar hatte ich Zeit, fĂŒr Lucy immer. „Stell dir vor, ich war gestern wieder zur Schwangerenvorsorge. Und weißt du, was der Arzt gesehen hat? Beim Ultraschall?“

Ich nippte an meinem Kaffee. „Du wirst es mir erzĂ€hlen“, antwortete ich und betrachtete die glĂ€nzenden Augen Lucys, ihre ebenso leuchtenden Haare und ihren makellosen Teint. „Er hat drei Mal nachgeschaut, aber es gibt keinen Zweifel: Das Kind wĂ€chst und gedeiht und 
.. es wird von einer goldenen Plazenta ernĂ€hrt!“

Ich verschluckte mich an meinem Kaffee und prustete zahlreiche Tropfen ĂŒber den ganzen Tisch. Die Leute guckten empört. Lucy klopfte mir auf den RĂŒcken und lachte. „Na, erschrecke dich doch nicht so. Der Arzt hat mir erklĂ€rt, dass es das nur ein Mal unter 500.000 FĂ€llen gibt. Deshalb geht es mir so gut und dem Kind ebenso!" „Und deshalb strahlst du sowieso immer schon so“, erwiderte ich dĂŒster, denn ICH hatte mit Sicherheit keine goldene Plazenta zu bieten, sollte ich jemals in anderen UmstĂ€nden sein.

Lucy strich sich ĂŒber den Bauch. „Siehst du, eine goldene Plazenta ist wie gemacht dafĂŒr, möglichst viele Babys zu kriegen. Und du wirst sowieso Patentante“, schloss sie und mir kamen sofort die TrĂ€nen.

FĂŒnf Monate spĂ€ter wurde ich Patentante eines wunderschönen blonden Jungen, dessen Haare goldig schimmerten. Eine strahlende Lucy war glĂŒcklich mit ihrer kleinen Familie, zu der ich nun auch gehörte. Ich genoss es, dort zu sein, vor allem, weil sich alle meine Ahnungen erfĂŒllten. Ich bekam trotz eines vorhandenen Mannes ĂŒberhaupt keine Babys, hatte keine goldene Plazenta und so half ich Lucy, ihre goldblonde Kinderschar aufzuziehen, die sich sehr bald einstellte.

Das alles ist lange her. Heute war ich wieder an Lucys Grab. Lucy starb im vergangenen Jahr, sie hatte einfach nur in einem Bus gesessen. Was gibt es Unschuldigeres, als in einem Bus von A nach B zu fahren? Aber der Bus wurde seitlich von einem Wagen gerammt, der die Vorfahrt missachtet hatte. Lucy saß genau an dieser Seite und sie war auf der Stelle tot, als Einzige.

Bei der Beerdigung stand ich neben Lucys Kindern, eines sieht ihr Ă€hnlicher als das andere. Wir weinten zusammen und ich schwor ihnen, dass ich ganz sicher sei, dass Lucy von oben auf uns alle aufpasste. Und dass sie bestimmt einer ihrer Töchter die Veranlagung zu einer goldenen Plazenta vererbt habe. So wĂŒrde Lucy immer weiterleben.

Heute legte ich ein kleines steinernes Herz auf Lucys Grab, welches selbst einen goldenen Schimmer zu haben scheint. „Ich vermisse dich“ steht auf dem Herz.

Ja Lucy, ich vermisse dich.

Version vom 21. 03. 2013 12:09

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Doc,

eine sehr schöne Geschichte, die ich gern gelesen habe.

Ein paar kleine ÄnderungsvorschlĂ€ge:

quote:
Lucy redete mit mir gern und viel, aber nur, wenn sie mit mir alleine war.
Die Doppelung klingt nicht gut!

quote:
Den Rest des Abends sah ich Lucy nicht mehr. Zu sehr spĂ€ter Stunde wollte ich aufbrechen und schließlich entdeckte ich Lucy an einem Tisch, in ein offenbar sehr intensives GesprĂ€ch mit dem jungen Mann vertieft.

Etwas viel Lucy. Ab und an wĂ€re fĂŒr meinen Geschmack wie hier mal ein einfaches sie besser.

quote:
Ich verschluckte mich an meinem Kaffee und prustete den letzten Schluck ĂŒber den ganzen Tisch.
die Doppelung in einem Satz klingt nicht gut.

quote:
Deshalb geht es mir so gut, deshalb gedeiht das Kind so gut und deshalb sehe ich auch so gut aus!“
Des Guten zu viel in einem Satz!

Liebe GrĂŒĂŸe USch



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