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Leselupe.de > Ungereimtes
Luftessen
Eingestellt am 12. 04. 2006 00:12


Autor
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HFleiss
gesperrt
Manchmal gelesener Autor

Registriert: Jan 2006

Werke: 99
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Luftessen

Als meine Mutter gestorben war,
betrat ich allein die verwaiste K├╝che,
die Wanduhr tickte noch,
die Gardine wehte am offenen Fenster
und unversehens umgab mich in all
der Widrigkeit w├Ąrmende Ruhe.
Zaghaft, ich sp├╝rte noch die Hand
Meiner Mutter am Griff,
├Âffnete ich die Schublade
und nahm eine Gabel heraus,
eine Gabel mit verbogenem Zinken
und angeknabbertem Griff aus braunem Horn.
Ich wog sie in der Hand,
niemand von den Geschwistern
w├╝rde sie erben wollen.
Abgek├Ąmpft und klein stand ich
am K├╝chenfenster,
die Gardine wehte mir ins Gesicht
und in der Scheibe
sah ich voll Staunen, dass ich das lustige
Kinderspiel Luftessen ├╝bte,
mit der angesto├čenen, widerborstigen
Gabel aus braunem Horn.




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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
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Vermutlich entfaltet das Gedicht gerade deshalb seine volle Wirkung, weil es aus einer gewissen Distanz heraus geschrieben wurde. Es ist sehr intensiv und anr├╝hrend, ohne theatralisch zu wirken. Die "wehende Gardine", die "Hand der Mutter am Schubladengriff" und besonders das "abgek├Ąmpft und klein am K├╝chenfenster" transportieren eine Wehmut, die eindringlicher nicht sein k├Ânnte und lange nachwirkt.

Sch├Ân.

LG
Majissa

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HFleiss
gesperrt
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Registriert: Jan 2006

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Luftessen

Liebe Majissa,

ich bin froh, dass du das Gedicht gelesen und es verstanden hast, auch, dass du festgestellt hast, dass ihm die Distanz bekommen ist. Hab meinen besten Dank.

Lieben Gru├č
Hanna

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
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Liebe Hanna,

die Klarheit Deiner Beschreibung tut gut zu lesen. Geschickt machst Du die Emotionen an den Dingen fest. Das ist Dir wirklich gut gelungen.

Die Stelle:
niemand von den Geschwistern
w├╝rde sie erben wollen

macht f├╝r mein Gef├╝hl den Text kaputt.

Das Fenster ist offen, obwohl die Wohnung verlassen ist. Das l├Ąsst darauf schlie├čen, dass der Tod der Mutter erst ganz kurze Zeit zur├╝ckliegt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so kurze Zeit danach in irgendeiner Weise an ein Beerben denken kann. Dieser Gedanke passt einfach nicht in das sonstige Empfinden der Protagonistin.

Man k├Ânnte diese zwei Zeilen ohne Weiteres herausnehmen, der Text w├╝rde dadurch sehr gewinnen.

Dieses gedankenverlorene "Luftessen" am Schluss ist f├╝r mich sehr stimmig, wie ├╝berhaupt die Beschreibung des Erlebnisses.

Liebe Gr├╝├če von Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Black Pearl
???
Registriert: Mar 2006

Werke: 14
Kommentare: 172
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Hi Hanna,

sch├Ân beschrieben, aber f├╝r die kindlichen Wahrnehmung st├Ârt mich der Begriff Widrigkeit enorm - auch wenns aus der Distanz beschrieben ist, bringt die Erwachsene mir zu sehr in den Vordergrund... den Begriff w├╝rd ich rausnehmen...

CG, Black Pearl
__________________
Singendes Blut l├Ą├čt die Nacht erzittern und Leben wittern... -carpe noctem !

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HFleiss
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Registriert: Jan 2006

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Luftessen

Liebe Verena, liebe black pearl,

das mit dem Beerben hat darin seinen Grund, dass die Szene spielt w├Ąhrend des Ausr├Ąumens der Wohnung nach dem Tod der Mutter. Ich dachte gerade, dass dies die Situation verdeutlichen w├╝rde, sonst g├Ąben diese Verse ja ├╝berhaupt keinen Sinn. Black pearl, es funktioniert nicht so, dass das Ich wirklich ein Kind ist, sondern sich angesichts eines wohlbekannten Gegenstandes aus der Kindheit an ein trauriges (ich sage lustiges, weil Kinderspiele eben bei aller Traurigkeit auch immer etwas Lustiges an sich haben) Kinderspiel erinnert: das st├Ąndige Hungerhaben in der Nachkriegszeit (das So-tun-als-ob), das ja f├╝r immer mit der Mutter in Verbindung gebracht wird.
Habt meinen herzlichsten Dank f├╝rs Lesen und eure Meinung.

Lieben Gru├č
Hanna

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