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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Luna Mond und Stella Stern
Eingestellt am 03. 12. 2015 14:15


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Jo Phantasie
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Luna Mond und Stella Stern


Die AtmosphĂ€re in den TreppenhĂ€usern von Wohnanlagen hat sich in den letzten hundert Jahren nur unwesentlich verbessert. Zwar wurden modernere Materialien eingesetzt, oft sogar Marmorstufen anstelle der Holztritte verwendet und ein Edelstahlhandlauf ersetzt das frĂŒhere Schmiedeeisen. Das sind alles NebensĂ€chlichkeiten. Einen Vorteil gibt es offensichtlich jedoch, die Fenster zur Straßenseite sind grĂ¶ĂŸer geworden, gehen bis auf den Podestboden herunter und lassen deutlich mehr Licht herein. Aber immer noch werde ich das unbestimmte GefĂŒhl nicht los, diesen Transferbereich möglichst schnell hinter mich bringen zu mĂŒssen, egal in welche Richtung.

Einige Mieter hatten versucht, mit aufgestellten Pflanzen etwas zu erreichen, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Der Gummibaum oder die Birkenfeige verlieren dann zuerst ihre unteren BlĂ€tter, die abgefallen einen weniger traurigeren Eindruck erwecken, als der Rest des Baumes, der auch bald danach in der grĂŒnen Tonne landet.
Meine Nachbarin hat es auf das falsche Licht geschoben, das mittags viel zu hell und spĂ€ter nicht ausreichend sei. Auch die Zugluft beim Öffnen der HaustĂŒr soll den Pflanzen nicht bekommen. Dagegen glaube ich, dass es die Einsamkeit dieser BĂ€umchen ist, die lediglich vorbeihuschende Menschen erleben, aber niemals dauerhafte NĂ€he spĂŒren dĂŒrfen.

Heute sind meine Schritte langsamer. Sogar mit einem Benjamini wĂŒrde ich jetzt lieber sprechen als mit ihr. Aber es muss sein. Schon als Kind hatte ich mir Stewardessen immer als blond und langbeinig vorgestellt. In meinen Fantasien hatten sie den interessantesten Beruf der Welt, als Frau natĂŒrlich, denn als Mann wĂ€ren sie selbstverstĂ€ndlich Pilot geworden. Vanessa entspricht exakt diesem Bild aus meiner Jugend, was im Nachhinein der Grund gewesen sein mag, dass ich sie so attraktiv finde. Sexy ist sie, fĂŒr ausgedehnte Spiele und fĂŒr so einiges mehr, das mit Zuneigung wenig zu tun hat, dafĂŒr reicht es jederzeit. Bevor sie jedoch einen ebenso schlechten Abgang erzielen wĂŒrde, wie ein ungeliebter Gummibaum im Treppenhaus, muss ich es ihr gestehen.

Das ist heute.
Deswegen gehe ich so langsam.
Selbst der SchlĂŒssel möchte nicht in das Schloss finden.
Sie hat meine Hilflosigkeit bereits gehört, die TĂŒr von innen geöffnet und steht unvermittelt vor mir: „Tadaa! Und? Was sagst du?“
Da ich sie nicht ansehen mag, weiß ich nicht, was sie meint. Tadaa? Es muss sein, ihr zumindest in die Augen schauen, das hat sie verdient.
„Und? Was sagst du zu meiner neuen Frisur?“, Vanessa strahlt mich an und dreht sich im Kreis. Sie weiß, dass ich ihre langen blonden Haare immer gemocht habe, aber jetzt hat sie sich selbst ĂŒbertroffen.

„Es war wirklich irre heute. ‚Geh zu Celinas Cut‘, sagte sie mir, ‚Posh Wavy Bob heißt der Schnitt‘. Dann war sie auch schon weiter. Aber steht mir das nicht toll?“, allein weil sie so glĂŒcklich ist, bin ich davon ĂŒberzeugt. Aber da ist noch mehr ...

Das ZudrĂŒcken der TĂŒr hat eine durchgehende Wellenbewegung in ihrer Frisur erzeugt. Meine Augen hĂ€ngen gebannt an jedem einzelnen ihrer blonden Haare, die sich sogar durch den Takt ihrer Sprache in erotische Schwingungen versetzen lassen.
„Das ist, das ist ..., fantastisch sieht das aus!“, zu mehr bin ich nicht fĂ€hig, denn jetzt verschließt sie meinen Mund mit ihren KĂŒssen.
„Stell dir vor, ich habe dafĂŒr nichts bezahlt, dabei hat es drei Stunden gedauert! Als ich das Zauberwort „Posh Wavy Bob“ in dem Salon aufgesagt habe, kam Celina persönlich und wollte wissen, wo denn Luna abgeblieben sei. Seit ĂŒber einem Jahr hĂ€tte niemand mehr diesen Haarschnitt verlangt und so lange sei diese Luna, der sie alles zu verdanken habe, auch verschwunden. Es war mir richtig peinlich, dass sie kein Geld von mir annehmen wollte. Sag mal, wie findest du denn die Frisur von oben?“

Dabei ist sie auf ihre Knie gesunken. Mir bleibt Bewunderung, wÀhrend der Restwiderstand erlischt.
Als mein Reißverschluss geöffnet wird, vermeine ich zu erkennen, dass die Öffnungsbewegungen einzelner ReißverschlusszĂ€hne auf Posh Wavy Bob weiterzulaufen scheinen.
„Luna? Wo hast du denn diese Luna getroffen?“, nur diese eine Information noch, bevor ich mit einer TĂ€tigkeit befasst bin, die ich heute vermeiden wollte.
„Sie muss wohl irgendwo ĂŒber uns wohnen. Jedenfalls kam sie mir heute Morgen entgegen. Celina meinte, diese Frisur wĂ€re nur fĂŒr ganz besondere Frauen. Sag, bin ich etwas ganz Besonderes?“, ihre Augen stahlen mich freudestrahlend an, immer noch, als mein Schwanz bereits von ihren Lippen umschlossen wird.
Das ist der Nachteil der mÀnnlichen Hormone, man kann ihnen nicht entkommen.

Meine HĂ€nde versinken in ihrer Haarpracht, fĂŒhlen die einzelnen seidigen StrĂ€hnchen, genießen das Spiel der Löckchen, die sich wie von selbst um meine Finger drehen, als wĂŒrden sie diese umschmeicheln. So werde ich es nicht ĂŒber mich ergehen lassen, sondern mit ihr gemeinsam genießen. Es ist absehbar, dass sich unsere schweißbedeckten Körper in spĂ€testens 15 Minuten auf dem Bett wĂ€lzen werden.

Aber wer ist Luna?

*

Mir die Bewohner aller drei Etagen unseres Hauses kurz in Erinnerung rufen, dauert nur eine Minute. Einige Mieter kenne ich aus dem ungeliebten Treppenhaus. Habe ich dort jemals eine Luna angetroffen? Gehe ich diese Stufen, bin ich mit meinen Gedanken weit davon entfernt, mir Gesichter von Frauen zu merken. TatsÀchlich erinnere ich mich niemals an Alltagsgeschehnisse, nur an besondere VorfÀlle.
Doch das könnte sie gewesen sein!


Es war im Sommer letzten Jahres. Damals war ich noch mit Janette zusammen. Janette ist Fitnesstrainerin und verfĂŒgt ĂŒber einen muskulös-attraktiven Körperbau. Voraussichtlich sollte sie gerade von ihrer Joggingtour zurĂŒckgekommen sein und genau diesen verschwitzten Moment wollte ich ausnutzen.

Mein Zustand verlangte nach der Durchmischung unseres Schweißes und der Hormone, nach ihren Muskeln und allen Körperöffnungen. Mein Zustand? Die Zeit, mich auf der Baustelle noch umziehen zu mĂŒssen, wollte ich unbedingt einsparen. Sex, wildes ungezĂŒgeltes Ficken, das war es, was ich so schnell wie möglich haben musste. Meine Belohnung! Mit Janette!

Einer der Bauarbeiter war in den frisch fertiggestellten Hauptpfeiler gefallen. Das allein wĂ€re noch kein Drama gewesen, auf der Armierung stehend konnte er nicht komplett versinken. Leider hatte beim Sturz ein offenes Armierungseisen seinen Oberarm durchbohrt und so hing er bis zur HĂŒfte im frischen Beton und oben festgenagelt am Eisen. Das Metall ragte bedrohlich etwa einen Meter heraus und er blutete und schrie.

„Dirk, Notarzt! Kalle, Erste-Hilfe-Koffer, Laufschritt! Bolzenschneider zu mir! Seil ruunterlaassen!“, wenn ich solche Anweisungen gebe, wissen alle, es ist ernst. Der KranfĂŒhrer ließ seine Palette auf der Stelle stehen und schwenkte das Stahlseil mit dem 15-Kilo-Haken direkt vor meine FĂŒĂŸe. Um meine HĂŒfte gewickelt musste das zwar einen heftigen Bluterguss ergeben, aber wir hatten ja keine Zeit, er blutete ziemlich stark. Am Seil frei vor ihm in der Luft pendelnd trennte ich zuerst den oberen freien Teil des Armierungseisens zwei Zentimeter ĂŒber dem Oberarm durch, danach die unterere Seite.
Als ich den HalbohnmĂ€chtigen sicher umfasst hatte und mich mit ihm hochziehen ließ, war der Jubel der Umstehenden riesengroß. Meine Jeans und das Karo-Flanellhemd waren so richtig schön mit Beton zugesaut. Nur der Bauhelm war verschont geblieben, fĂŒr den Rest musste ein Lappen reichen.

So stĂŒrmte ich damals die Treppe hoch, einem hoffentlich ebenso dampfenden Frauenkörper entgegen. Sie könnte es gewesen sein: Eine perfekte Figur in einem himmlischen Kleid, das jedem Model Ehre gemacht hĂ€tte. Nur ihr Gesicht hatte ich damals nicht erkennen können, sie hatte es abgewandt und sich krampfhaft am TreppengelĂ€nder festgehalten.
„Geht es Ihnen gut? Kann ich irgendwie helfen?“, die Frage war dumm, denn meine Erscheinung in Kombination mit den AusdĂŒnstungen von Adrenalin und Testosteron mussten sie einfach angewidert haben.

„Es ist ..., nichts. Sie, du merkst es nicht? Geh doch einfach!“, an den Klang ihrer Stimme kann ich mich nur undeutlich erinnern, nur an ihr Haar mit einer entfernten Posh Wavy Bob Ähnlichkeit. Irgendetwas hatte mich eigenartig berĂŒhrt, wollte mich dazu bewegen, ihre NĂ€he etwas lĂ€nger zu genießen und mehr von ihr wissen zu wollen. Doch dann erinnerte ich mich daran, dass ich lediglich ein grobschlĂ€chtiger Bauarbeiter war, der Menschen aus dem Beton zieht. SpĂ€ter, ich wĂŒrde dann bei ihr klingeln und fragen, ob alle in Ordnung sei. Bestimmt!
Da mein damaliges Kontingent zur Rettung weiterer Seelen ohnehin erschöpft war, hatte ich sie stehen gelassen und war zwei Stufen auf einmal nehmend meiner Belohnung entgegengeeilt.





*

Soo schlecht ist es mit Vanessa doch gar nicht. Außerdem war sie jetzt eine ganze Woche unterwegs, ihre Fluglinien waren geĂ€ndert worden. FĂŒr sie ist meine Wohnung wie ein richtiges Zuhause. Aber ich bin ein Schwein und habe noch keine Idee, wie ich es ihr heute beibringen werde.

Jemand hat eine Yuccapalme im Treppenhaus aufgestellt. Er weiß wohl nicht, dass im Untersetzer kein Wasser stehen darf. Der Palme gebe ich zwei Wochen, bis sie ihre BlĂ€tter traurig herunterhĂ€ngen lĂ€sst. Wenn ich Vanessa meine Liebe nicht schenken kann, wird es ihr bald genauso ergehen. Bei einer Yuccapalme hatte ich auch schon einmal erfolglos versucht, sie wieder aufzupĂ€ppeln, aber das ist immer erfolglos. Hat sie ihren Geist bereits aufgegeben, hilft eine nachgeschobene Liebe auch nicht mehr.

Also dann!

„Tadaa! Und? Was sagst du?“, sie fĂ€llt mir um den Hals.
Wow!
Das ist nicht Vanessa, das ist, das ist ...
Ihr Mascara in einer Farbmischung aus Braun und Brombeere lĂ€sst ihre blauen Augen noch blauer erstrahlen, ihr neuer Teint die blonden Haare noch heller glĂ€nzen. Gleichfarbige FingernĂ€gel machen sich an meinem Reißverschluss zu schaffen und ich sehe sie einfach nur an und denke: „yes!“
Mit ihrem halbtransparenten Slip wedelt sie jetzt vor meiner Nase herum, setzt sich auf die Flurkommode und spreizt einladend ihre Beine. Als sie mein Gesicht an ihres fĂŒhrt, rieche ich es noch intensiver: Orange wird von Sandel begleitet, Rose von Ambra, Sehnsucht von Wollust. Was ich selbst genau in diesem Moment sein wollte, verdrĂ€nge ich. Vor mir sehe und rieche ist ein Wesen, das ich unbedingt lieben möchte. Eigentlich beides, lieben und gleichzeitig vögeln!

„Du glaubst es nicht, diese Luna kam mir wieder im Treppenhaus entgegen. Dann musste ich ihr unbedingt alles von Celinas Haarstudio erzĂ€hlen. Sie hat sich gefreut, mich danach lange gemustert und dann kam es: ‚Geh ins Fantasy Unlimited Studio, verlange ‚Cool Darkness‘, als Duft nimmst du ‚Joy Forever‘ und sag, du kommst von mir!‘ Dann war sie auch schon weg!“, Vanessa strahlt mich mit einem völlig neuen Gesicht an. Aber ich muss zugeben, das ist genau ihr Stil: cool, dark, geheimnisvoll und dann dieser verzaubernde Duft. Oohh!

Ihr GesĂ€ĂŸ umfassend trage ich sie ins Schlafzimmer. Mein Schwanz bleibt in ihr, wĂ€hrend sie lachend diese leichten erotischen HĂŒftbewegungen ausfĂŒhrt. Dabei hoffe ich nur, dass ich es noch bis zum Bett schaffe! In meinem Kopf entwickelt sich in diesen Sekunden auch bereits der Plan, wie die nĂ€chste Stunde ablaufen wird.

„Es war unglaublich! Marianne, die Besitzerin des Studios fing bei dem Namen ‚Luna‘ an zu schwĂ€rmen: ‚Oh sag, wo ist Luna abgeblieben? Ihr habe ich hier alles zu verdanken. Sie hat mir zehn perfekte und typgerechte Make-Up-Styles beigebracht und die wurden dann der Durchbruch in meinem GeschĂ€ft!‘
Stell dir vor, sie wollte kein Geld von mir, weil Luna mich geschickt hatte!“

Vanessa möchte mir noch einiges mehr erzĂ€hlen, also verschließe ich ihren Mund mit meinem, lasse unsere Zungen sich berĂŒhren und gegenseitig umkreisen. Beim Sex sollte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren dĂŒrfen und das ist ihr wunderschönes Gesicht. Die perfekten BrĂŒste, die ich umfasst halte, ihre Muschi, die meinen Schwanz umklammert, das alles hat natĂŒrlich ebenfalls PrioritĂ€t.
Zur richtigen Zeit natĂŒrlich.
Und dieser Moment ist genau jetzt gekommen!

Aber wer verflixt noch mal ist denn diese ominöse Luna? In unserem Haus wohnt sie jedenfalls nicht, das habe ich schon herausgefunden.

Aber frĂŒher, vor etwa einem Jahr, da könnte sie hier einmal gelebt haben!

*

Es war im Herbst letzten Jahres. Unser Projekt stand kurz vor der Fertigstellung und wir hatten soeben den nĂ€chsten Großauftrag an Land gezogen: FĂŒr einen interessanten Hotelbau sollte die Planung, Bauleitung und Betreuung ausschließlich in unserer Hand liegen. Die gesamte Truppe hatte mich bejubelt, wollte dann einen Trinken gehen. Es ist nicht gut, wenn der Chef bei derartig alkoholgeschwĂ€ngerten Feiern den Aufpasser spielt. Mit dem Wirt vereinbarte ich Bier und Schnaps fĂŒr meine Truppe bis 23 Uhr und sie sollten auf das Wohl unserer Firma anstoßen.

Meine Motorradbekleidung habe ich fast immer im Spind, die Enduro steht in der Firmengarage. Raus! Zuerst in den Offroad Park, die Maschine so richtig schön sauig fahren, bis das Nummernschild nicht mehr zu erkennen ist. Erst dann kann es auf die eigentlich verbotene Waldpiste gehen. In der frischen sauberen Luft lasse ich das Visier immer oben. Leider war es um 19 Uhr schon so dunkel, dass ich den Ast ĂŒber dem Weg zu spĂ€t erkannt hatte: Cut der rechten Augenbraue, etwas Blut, nichts Ernsthaftes.

MerkwĂŒrdig, jetzt, als ich daran zurĂŒckdenke, fĂ€llt mir auf, dass schon wieder ein neues MĂ€dchen auf mich wartete. Nadine war angehende AnwĂ€ltin und brauchte mich angeblich, um ihre ansonsten degenerierte Establishmentumgebung kompensieren zu können. Warum gelingt es mir nicht, mit einer Frau lĂ€nger als ein halbes Jahr zusammenzubleiben? Es wird mir immer bewusster: Ich habe noch nicht gefunden, wonach ich suche. Weiß ich ĂŒberhaupt, was ich eigentlich möchte? Die Frage verdrĂ€nge ich schnell.

Meine Gedanken waren damals jedenfalls völlig andere: Kompensationen konnte sie haben! Sogar ĂŒberaus schmutzige. Und mit Cut. Gleichzeitig schwirrten mir schon so einige saftige Spielchen im Kopf herum, als ich zwei Stufen nehmend das Treppenhaus hoch sprintete.
Da stand sie wieder, fast an der gleichen Stelle, krampfhaft an das GelÀnde geklammert und sich von mir abwendend.

„Brauchen Sie Hilfe? Kann ich irgendetwas fĂŒr Sie tun?“, hin- und hergerissen zwischen ihrer geheimnisvollen Erscheinung und der Vermutung, dass sie anscheinend große psychische Probleme haben mĂŒsste, war mir die Frage wirklich ernst.
„Gehen Sie! Sie! Du, du, verschwinde aus meinem Leben!Du merkst es noch nicht! Vielleicht spĂ€ter ...? Nun geh doch endlich zu ihr!“, das hörte sich nicht gut an. Wieso hatte ich plötzlich eine Vision, diese verlorene Frau in die Arme nehmen zu mĂŒssen? Mein Blick fiel auf HaarstrĂ€hnen, die erregt im Takt der Sprache bebten. Ein merkwĂŒrdiges GefĂŒhl durchströmte mich, als ich ihren Duft aufnahm, der jedoch von meinem Schweiß, Schlamm und Blut schnell ĂŒberdeckt wurde. Sollte ich sie einfach umdrehen und in ihr Gesicht schauen?
Die Versuchung wurde verworfen, als ich an mir herunterblickte: Dieser Imagination begegne ich wohl immer dann, wenn mich soeben eine Teermaschine ĂŒberrollt hatte. Morgen wĂŒrde ich bei ihr klingeln und ein ernsthaftes GesprĂ€ch fĂŒhren. Versprochen! Aber im Moment wartete dort oben meine Kompensation auf mich! Also riss ich mich von dieser Erscheinung los und stĂŒrmte die Treppe hinauf.

Aber was meinte sie mit „Du merkst es noch nicht. Vielleicht spĂ€ter?“

*

Einige BlĂ€tter der Yucca hĂ€ngen seitlich an der grĂŒnen Tonne herunter. Keiner konnte ihr helfen, das Treppenhaus war nicht der richtige Ort fĂŒr sie. Meine Schritte werden so schwer, als wĂ€ren die Stufen aus Honig und meine Beine aus Blei. Aber heute ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Unser nĂ€chstes Großprojekt, ich werde umziehen mĂŒssen. Definitiv ohne Vanessa. Sie ist so schön, so klug, so spontan und witzig, was findet sie ĂŒberhaupt an mir?

„Tadaa! Und? Was sagst du?“, sie steht im Wohnungsflur und dreht sich langsam im Kreis.
Was, das ..., das ist ...?
Ihre Posh Wavy Bob Frisur kenne ich ja bereits und die sieht immer noch aus, wie am ersten Tag. Cool Darkness macht sie zur geheimnisvollen Königin. Völlig neu ist das Kleid. Es scheint sehr edler schwarzroter Samt zu sein. Dabei umschmeichelt er ihre Figur, zwingt meinen Blick auf ein perfektes Dekolleté, dann auf die eng umspielte Taille. Sogar ihre ohnehin langen Beine gewinnen an AttraktivitÀt, was durch die neuen Heels noch unterstrichen wird. Der Gesamteindruck lÀsst jetzt meinen Mund offen stehen und ich traue mich auch nicht, sie zu umarmen.

Das muss sie machen.
Wen habe ich soeben vor mir gesehen? Was spielt sich in meinem Kopf ab?

„Du glaubst es nicht, Luna ist mir am Mittwoch begegnet, hier im Treppenhaus war es wieder. Dann habe ich sie umarmt und ihr gesagt, dass alle meinen neuen Style sooo toll finden und du auch. Sie hat mich lange angesehen, ich musste mich drehen und dann hat sie etwas auf einen klitzekleinen Zettel geschrieben. Es waren nur zwei lange Nummern. ‚Etwas fehlt noch. Geh damit in die Boutique Luna Mond. Helene wird verstehen!‘ dann war sie auch schon wieder weg. Hast du gewusst, dass es in MĂŒnchen tatsĂ€chlich eine Boutique Luna Mond gibt? Die liegt in der Mazaristraße, das ist nur eine ganz kleine Nebenstraße der Kaufingerstraße. Eine sooo spezielle Boutique, du kannst dir ĂŒberhaupt nicht vorstellen, was die dort fĂŒr schicke Kleider haben.

Helene, das ist die Chefin, die hat erst dumm geschaut, als ich ihr den Zettel ĂŒberreicht habe. Als ich ihr erklĂ€rte, dass der von Luna kommt, ist sie ausgeflippt: ‚Das muss der Lieferant sein! Luna war schon weg, konnte ihn mir nicht mehr mitteilen. Aber das wird er sein!‘ Dann hat Helene ewig lange auf ihrem Computer herumgesucht. Es waren zwei Barcodenummern, die auf dem Zettel standen. GrĂ¶ĂŸe, Farbe und noch mehr, alles war da drauf und der Lieferant auch. Das Kleid kommt direkt von Chionnet aus Paris und wird nur auf Bestellung geschneidert. Die Heels hatten sie vorrĂ€tig. Heute ist beides angekommen. Steht mir das? Sag schon, gefalle ich dir?“

Ja sie gefÀllt mir sehr. So sehr, dass ich auf der Stelle ...
Aber ich bleibe wie versteiner stehen: „Du sagst, es gibt eine Boutique Luna Mond? Ist das ihre, ich meine Lunas?“
„Nein, nein, frĂŒher vielleicht, jetzt gehört sie Helene. Komm, zieh es mir aus! Mach die Knöpfe auf, aber vorsichtig!“, es nĂŒtzt auch nichts, dass Vanessa mir dabei an die Hose fasst. In diesem Kleid ist es nicht sie. Sie war es schon nicht, als sie mir diese neue Frisur vorfĂŒhrte und auch nicht, als der Schminkstil dazukam. Heute ist sie es erst recht nicht, sie wurde in eine andere Frau verwandelt!

Jetzt hat sie meine Reaktion wahrgenommen: „Weißt du, diese Luna hat mich total verĂ€ndert. Dabei fĂŒhle ich mich wie erneuert, auch innerlich. Es ist ein sehr schönes GefĂŒhl!“
Dann wirkt sie ein wenig traurig: „Mich selbst zu finden war schon lange Zeit ĂŒberfĂ€llig. Sie hat es mir ermöglicht. Sogar darĂŒber, dass du mich nicht liebst, kann ich jetzt hinwegkommen!“

Diese Luna, ich muss sie unbedingt finden. Sie geht mir nicht aus dem Kopf!

*

Die Boutique liegt etwas abgelegen vom großen Weihnachtsrummel der Shoppingstraßen. Mir gefĂ€llt das, doch marketingmĂ€ĂŸig klug ist es natĂŒrlich nicht. Aber ich mag die Aufmachung dieses GeschĂ€ftes! In den beiden großen Fenstern sehe ich echte Kerzen anstelle neumodischer LEDs brennen. Es gibt keine schrille Neonschrift, dafĂŒr große silberne Buchstaben: LUNA MOND.
Sie haben wohl nur Damenbekleidung, aber in drei Tagen ist ja Weihnachten und da verirren sich bestimmt auch einige ratlose Herren hierhin.

„Ja, die Boutique wurde frĂŒher von Luna betrieben, ist sie eine Bekannte von Ihnen?“, Helene ist sehr interessiert und nimmt sich viel Zeit. Dann erklĂ€re ich ihr, dass Luna anscheinend meiner Freundin dieses neue Kleid empfohlen hat. Helene konnte sich sofort erinnern:

„Ja, das ist Lunas SpezialitĂ€t. Sie sieht Menschen einfach nur an und erkennt sofort, wie sie zu verzaubern sind. Wenn ich ‚verzaubern‘ sage, meine ich es auch so. Aus ganz MĂŒnchen, der Umgebung und sogar aus Augsburg kamen die Frauen nur ihretwegen. Es war eine fantastische Mund zu Mund Propaganda. ‚Luna, verzaubere mich fĂŒr meinen Freund‘, mussten sie nur aufsagen. Luna konnte das. Eine neue Frisur, Make-up-Styles und dann die passenden Kleider und Schuhe dazu, es wurde immer eine komplette Verwandlung. Das VerblĂŒffende war, die MĂ€nner wurden immer mitverzaubert! Es war nicht nur das Äußere. Oh nein, das wĂ€re zu banal. Lunas Verwandlungen gingen sehr viel tiefer. Sie verĂ€nderte Menschen bis in ihre Seele hinein und die der MĂ€nner gleich mit. So wurde es mir berichtet. Leider kann ich das nicht. Nur ihre Kollektion und jetzt auch die neue Quelle fĂŒr die wirklich einmaligen Chionnet Kleider aus Paris, die sind mir geblieben.“

Noch bin ich ratlos: „Ja, wenn es so toll hier mit dem GeschĂ€ft lief, warum hat sie das dann alles aufgegeben?“
Helene runzelt die Stirn: „Das habe ich wirklich nie verstanden. Es muss etwas mit Liebe zu tun gehabt haben. Aber wohl eher von der tragischen Art, wenn Sie verstehen. ‚Was nĂŒtzt es, wenn ich alle verzaubern kann, nur mich selbst und ihn nicht?‘, weinte sie zum Abschied. Dann noch: „Mit ihm in einem Haus zu leben ist unmöglich, in MĂŒnchen ist es immer noch zu nah. Es bricht mir einfach das Herz! So weit wie möglich nach Norden, dort neu anfangen, so muss es leider sein. Vielleicht spĂ€ter, irgendwann wird er verstehen. Viel GlĂŒck und pass gut auf Luna Mond auf!‘, das waren ihre letzten Worte. Seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört, bis ihre Freundin mit dem Zettel ankam. Aber ich glaube nicht, dass Luna in MĂŒnchen ist. Es wĂ€re ihr Untergang, hatte sie gesagt! Dann murmelte sie noch irgendetwas von traurigen Pflanzen im Treppenhaus, das ich nicht richtig verstanden habe.“

*

Seit vier Stunden suche ich in Hamburg die großen Shoppingmeilen ab.
„So weit wie möglich nach Norden“, wollte sie. Damit meint Luna bestimmt nicht Ingolstadt oder NĂŒrnberg. Island oder Kanada sind es auch nicht. Mir fiel nur Hamburg ein, eine belebte Großstadt, in der sie sicherlich den Neuanfang wagen wĂŒrde.

Oft bin ich ĂŒber 12 Stunden auf Baustellen unterwegs, aber fĂŒnf Stunden in Einkaufsstraßen sind fĂŒr meine Psyche deutlich belastender. Dazu kommt der Weihnachtsrummel, Musik, die aus den GeschĂ€ften schallt, die Lichter und die eiligen Kunden, die an den wenigen Einkaufstagen vor Weihnachten in letzter Minute noch etwas besorgen mĂŒssen.
Alsterarkaden, GĂ€nsemarkt, Hanseviertel und noch mehr, alles war erfolglos.

Laut Telefonbuch gibt es in Hamburg ein Ristorante Luna, eine Villa Luna Kita und einen Wolfgang Mond, sonst nichts. Es ist zwecklos, die weite Reise war umsonst, die Vorstellung, ich könnte sie hier so einfach finden, eine Illusion. Es ist gleich 20 Uhr, die GeschĂ€fte werden schließen und ich habe nichts erreicht.

Ein verlorener TrÀumer im Weihnachtsrummel einer fremden Stadt, das bin ich.
In MĂŒnchen hĂ€tte ich besser recherchieren und ihren wahren Namen herausfinden sollen. Aber ich hatte keine Geduld, setze mich einfach ohne Konzept in den nĂ€chsten ICE nach Hamburg. Es war wie ein innerer Zwang.

Die große Mönckebergstraße, die ich jetzt zum zweiten Mal hoch und runter schlendere, entspricht ungefĂ€hr der Kaufingerstraße in MĂŒnchen. Manche helle Schaufenster blenden mich, wecken eine entfernte Sehnsucht an die Kerzen in der Boutique Luna Mond.
Diese Idee war auch von ihr und Helene hatte das beibehalten.
Kerzen, WĂ€rme, Flackern, Erinnerungen ...
Warum können nicht alle LÀden so etwas Beruhigendes aufstellen?
So wie hier an der Ecke.
Waas?

Da steht tatsĂ€chlich eine Minilaterne mit einem flackernden Teelicht auf dem Boden. Die ist es wert, sich das etwas nĂ€her anzuschauen. Unglaublich, an der Straßenecke auf dem BĂŒrgersteig steht zwar nur diese eine, aber in der Nebenstraße geht es weiter. Meter fĂŒr Meter werde ich von den Laternen geleitet. Diese Seitenstraße ist weniger beleuchtet, so wirkt der Kerzenweg noch romantischer.
Es ist so, so ... verlockend!

Er endet anscheinend da vorne an diesem einzigen GeschĂ€ft in dieser Straße, in der ansonsten ausschließlich mehrstöckige BĂŒrohĂ€user zu erkennen sind. Das Schauspiel werde ich mir besser von der anderen Straßenseite aus ansehen, von dort habe ich den vollstĂ€ndigen Gesamteindruck.

ÜberwĂ€ltigend!
Jetzt ist mir klar, weshalb ich diesen inneren Zwang hatte, heute hierher kommen zu mĂŒssen: Die Kerzen, die mir den Weg gewiesen haben, die gibt es nur vor Weihnachten. Es sind Schicksal, FĂŒgung und Vorbestimmung gleichzeitig. Über dem Eingang des GeschĂ€ftes, in dessen Schaufenstern hundert Kerzen stehen mĂŒssen, erkenne ich es in großen goldenen Buchstaben: STELLA STERN.
Das muss ihre neue Boutique sein!

Direkt gegenĂŒber dem Eingang stehe ich und kann mich nicht bewegen. Meine Beine sind festgewachsen, die Augen von KerzenflĂ€mmchen eingefangen.

Stella Stern!

Es muss weit nach 20 Uhr sein. Gleich wird sie schließen, danach gehen und ich kann mich nicht rĂŒhren.
Eine Frau tritt heraus.
Posh Wavy Bob.
Cool Darkness.
Chionnet.
Sie möchte anscheinend die kleinen Laternen einsammeln, bleibt dann aber unvermittelt stehen. Nein, sie kann mich nicht sehen, ich bin unsichtbar, weil ich meine Augen fest zugedrĂŒckt halte. Die Schritte kommen nĂ€her, ganz dicht. Mich umhĂŒllt Joy Forever, Posh Wavy Bob kitzelt mein Kinn.

„Hast du es gemerkt?“

Ihre Lippen auf meinen, eine unendlich lange Zeit.
Ein Stern wie ein Komet, er berĂŒhrt dich und verschwindet doch in den Tiefen des Alls. So eine Verbindung kann niemals abreißen, sie hat ewigen Bestand und ich habe das immer gewusst.

Heute habe ich mir meinen Stern auf die Erde zurĂŒckgeholt.


*



__________________
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

Albert Einstein

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Miro
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2010

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der Anfang war unglaublich gut.
Ich habe gedacht: das kann doch nicht wirklich erotisch werden ... und es wurde spannend und dann

- leider nicht mehr die ErfĂŒllung aller Erwartungen.

Die Protagonisten im wirklichen Leben scheitern angesichts dieser Gesichchte - leider ...


Ich bin nur noch sehr gelegentlich hier in der LL, Du gehörst zu den Autoren, die ich dann gerne aufrufe.

Es war eine Freude und - sorry, wenn ich finde:

"die Wirklichkeit kommt nicht mit!"

Du hast eine lesenwerte Geschichte geschrieben und ich werde weiterhin Deine BeitrÀge bevorzugt und gerne aufrufen.

(Übrigens: egal wie die "Bewertungen" in der LL sind: ich habe da lĂ€ngst meine eigenen PrĂ€ferenzen)

An den KapitalmÀrkten werden TrÀume verkauft und gehandelt, Firmen, die Milliarden-Verluste machen werden kapitalisiert und könnten ganze DAX-Unternehmen locker aufkaufen.

In unseren Geschichten geht es allenfalls um Anerkennung der Phantasie, der erotischen Potenz und um schriftstellerisches Ranking in einer global völlig unbedeutenden Leselupe.

Aber hier und jetzt:
bezogen auf Deine Geschichte und Deinen LL-Beitrag:
Da gratuliere ich - grandioser Bogen von Wirklichkeit zu Phantasie !!

Echt: von Luna Mond zu Stella Stern ...

LG

Miro

__________________
Es mag bessere Zeiten geben, aber dies ist die unsere (J.P.S.)

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Vagant
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Registriert: Feb 2014

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hallo,
diese geschichte steht ja nun schon einige monate hier, aber irgendwie habe ich mich erst jetzt zum lesen aufraffen können.
es hat sich gelohnt.
du hebst dich hiermit angenehm vom recht fantasielosen einheitsbrei der erotikrubrik ab, hast beim erzĂ€hlen weitestegend auf sprachliche kabinettstĂŒckchen verzichtet, gehst, wie mir scheint, auch ein bisschen sparsamer mit den adjektiven um – fand ich gut. ich hab's gern gelesen.
vagant

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