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Leselupe.de > Humor und Satire
Lupenreiner Atomkrieg
Eingestellt am 25. 05. 2001 13:49


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Wird mal Schriftsteller
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Es geschah zu einer Zeit, in der die Menschen im Begriff waren, die Zerstörung der eigenen Art zu vollenden. Zwietracht, Hass und Neid bestimmten das Leben auf der Erde. Die geistigen FĂŒhrer aller LĂ€nder der Welt trafen sich zu einem letzten Gipfeltreffen, um die Regeln fĂŒr den bevorstehenden Atomkrieg festzulegen. Als man alle FormalitĂ€ten geklĂ€rt hatte und sich einig darĂŒber war, dass erst gebombt wĂŒrde, wenn alle Regierungen in den Strahlenschutzbunkern wĂ€ren, ging man zum geselligen Teil des Treffens ĂŒber und lamentierte bei Champagner und Kaviar ĂŒber dieses und jenes. Die bereits leicht angeheiterte Gesellschaft wollte sich eben auflösen, als die Erde zu beben begann, die Decke des TagungsgebĂ€udes aufbrach und durch das entstandene Loch eine bĂ€rtige Gestalt in den Raum geschwebt kam. Nach der Landung tat der BĂ€rtige kund, dass er Gott sei und der Menschheit die Tafeln der Weisheit ĂŒbergeben wolle, damit wieder paradiesischer Frieden auf seiner Welt einkehre. In einem kurzen GesprĂ€ch mit einem europĂ€ischen Abgeordneten prĂ€zisierte der alte Mann, dass er nach reiflichem Überlegen beschlossen habe, der Welt Allwissenheit zu schenken. Dies in der Hoffnung und im festen Glauben daran, dass die Menschen die Sinnlosigkeit ihres zerstörerischen Tuns erkennen und es alsdann beenden wĂŒrden.
Die OberhĂ€upter der Welt betrachteten die Tafeln, die der Mann "Tafeln der Weisheit" genannt hatte. „‘GlĂŒckseeligkeit‘, scheint mir an dieser Stelle aber nicht das passende Wort zu sein“, ereiferte sich ein Vertreter Frankreichs.
„Und hier, welch plumpe Formulierung: ‚Lasst dem Gedanken seine Freiheit‘, amateurhaft“, fauchte ein Argentinier.
„Dies soll das Wissen Gottes sein? Das ist unmöglich; hier stimmt doch mit der Vergangenheitsform etwas nicht.“
„Genau, Kollege, und hier, sehen Sie sich das an, sollte doch wohl ein Vers sein; total missraten.“
„Das ist ja lĂ€cherlich, die HĂ€lfte der SĂ€tze besitzt keinen Schlusspunkt und ĂŒberhaupt, scheussliche Darstellung, einfach scheusslich.“
„Da bin ich aber genau Ihrer Meinung, geradezu unleserlich.“
So ging die Meinung durch die Reihen und der Entschluss, den alten Mann als LĂŒgner zu brandmarken war schnell gefasst. Man ĂŒbergab ihn den Pakistanis, welche gemĂ€ss Abmachung die erste Atombombe abfeuern sollten, mit dem Auftrag, den BĂ€rtigen auf eben diese Bombe zu binden und ihn so fĂŒr seinen unglaubwĂŒrdigen Auftritt und die Zerstörung des TagungsgebĂ€udes zu bestrafen.
Alsdann reisten die FĂŒhrer in Ihre LĂ€nder zurĂŒck und begaben sich in die Schutzbunker.
Vor genau 1'637 Tagen riefen uns die Pakistani an und bestĂ€tigten, dass die Bombe mit dem Alten „an Bord“ unterwegs sei, worauf auch wir unser Arsenal abfeuerten.
Seither sitzen wir hier in der Einsamkeit und warten darauf, dass irgendwann wieder die Sonne aufgeht.

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