Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92277
Momentan online:
466 Gäste und 14 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Macht fernsehen krank?
Eingestellt am 07. 06. 2002 03:03


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Dorian
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 24
Kommentare: 65
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Dorian eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Wenn ich von der Arbeit komme und den Fernseher einschalte, m├Âchte ich mich eigentlich entspannen. F├╝r ein paar Stunden an nichts denken, was beim heutigen Fernsehprogramm nicht schwer fallen sollte. Da f├Ąllt es eher schwer, die matschige leere Dunkelheit, die sich in unser aller Kopf befindet mit etwas Profundem zu f├╝llen.
Umso mehr ├Ąrgert es einen, wenn man sich von jedem Kanal mit Grausen abwenden mu├č. Man schaltet ein und erwischt eine Talkshow: Die beliebtesten Dummbeutel der Nation holen sich gegenseitig einen runter. Manchmal streiten sie aber auch, dem Moderator zuliebe, weil der der beste Runterholer ist. Respektive Bl├Ąser, wenn er schwul oder eine ModeratorIN ist. Man k├Ânnte ja glauben, dass jene Menschen ins Fernsehen gehen, weil sie etwas zu sagen haben, weil sie ihre Mitmenschen auf Mi├čst├Ąnde aufmerksam machen wollen oder weil ihr Auftritt sonst auch nur im Entferntesten eine Aussage hat. Ja, das k├Ânnte man glauben, wenn einem als Kind ein Konzertfl├╝gel auf den Kopf gefallen ist.
N├Ąchster Kanal. Eine Quizshow, was sonst. In einer Zeit, in der die Dummheit h├Âher gesch├Ątzt wird, als jemals zuvor in den Jahrhunderten d├Ąmlicher Kriege und hirnverbrannter Religionsstreitigkeiten, die nun einmal unsere Geschichte bestimmen, und man nur dann beliebt, bekannt und/oder allseits geachtet werden kann, wenn man das Maul m├Âglichst weit aufrei├čt, in einer solchen Zeit also will man mir weismachen, dass Fernsehsender ehrlich versuchen Leute davon zu ├╝berzeugen, dass man mit Bildung Geld machen kann. Unter den Blinden ist der Ein├Ąugige K├Ânig/Gro├čverdiener, denke ich mir und schalte weiter.
Eine politische Diskussion. Der Rechtspopulist, der seit neuestem in der Regierung sitzt und der ├╝berkommene Sozi machens wie die Kindergartenkinder: dem anderen die Schuld geben. Dazwischen sitzt, auf fast schon mitleiderregende Weise anscheinend der einzige Erwachsene am Tisch, der alternde ├ľko-Freak, dessen bunter Pullover und Birkenstock-Sandalen seit mindestens zehn Jahren ausgedient haben, eingezw├Ąngt in einen schlechtsitzenden knittrigen Anzug, und wei├č eigentlich nicht was er tun oder sagen soll. Vor allem, weil er wei├č, dass sein Parteiprogramm, gelinde gesagt, blau├Ąugig ist. Schei├če, w├╝rde er selbst sagen.
Auf dem n├Ąchsten Kanal wird etwas verkauft. H├Ąssliche Dinge,die zuviel kosten, werden von h├Ąsslichen Leuten, die zuviel reden, an andere h├Ąssliche Leute, die zuwenig denken, verkauft. Was genau verkauft wird ist Nebensache, vor allem, weil es niemanden interessiert. Hauptsache es wird verkauft. Aber wenn das alles so toll ist, wieso wird es dann nicht schon lange von Profis verwendet? Nat├╝rlich wird immer wieder der eine oder andere Profi herangezogen, der Betreffendes „schon seit Jahren“ verwendet. Nur, das er nicht damit umgehen kann. Dann kauft man den Schrott und nach wenigen Tagen, fr├╝hestens aber nach Ablauf der Garantiefrist, zerf├Ąllt einem der kochende, w├Ąschewaschende, fu├čballspielaufzeichnende Gem├╝sehobel in den H├Ąnden. Oder aber er ist von Anfang an unbrauchbar. Allerdings steht ├╝ber „Unbrauchbarkeit“ nichts in den Garantiebestimmungen. 38-Hauben-Gourmetk├Âche, von denen noch nie ein lebendes Wesen (und auch kein totes, was das betrifft) geh├Ârt hat, erz├Ąhlen einem ├╝ber Monate hinweg, dass sie am liebsten mit diesem und jenem Wok-Set kochen und wenn man das Gelumpe kauft, darf man es auch noch selbst zusammenbasteln. Meistens sind auch noch Messer involviert. Ich bin gespannt auf die erste „Reportage“, die sich dieses Themas annimmt und berichtet, wie viel abgetrennte Gliedma├čen hierbei schon f├╝r die Abdeckerei herausgesprungen sind.
Womit wir beim n├Ąchsten Kanal w├Ąren. „C2 – Die Reportage“, „Die Journalisten“, „Implosiv“ und wie sie alle hei├čen, sie alle versuchen auf nicht sehr geschickte Weise und mit einem m├Âglichst seri├Âs klingenden Off-Stimmen-Sprecher das r├╝berzubringen, was man auch von „Wa(h)re Liebe“ haben kann: Sex, meistens nach zweiundzwanzig Uhr. Die durchschnittliche Nachmittagsshow bringt auch nichts anderes, allerdings harmloser (aufgrund der Sendezeit), mit j├╝ngeren Moderatoren (weil doch auch Teenager zuschauen) und mit eingestreuten Berichten ├╝ber Menschen, denen Schlimmes widerfahren ist (um auf die Tr├Ąnendr├╝se zu dr├╝cken und einem die Sexthemen ausgehen, wenn man nachmittags sendet). Man fragt sich ja, was das f├╝r Menschen sind, die ihre missgebildeten Kinder oder Gliedma├čen im Fernsehen zu Schau stellen und das bei mehreren Sendern und zu verschiedenen Themen. Und dann nicht mal ein Spendenaufruf folgt. Sind diese Leute so geil auf Aufmerksamkeit, dass sie das Seelenheil ihrer Kinder (bzw. Gliedma├čen) aufs Spiel setzen? Haben ihre Eltern ihnen zuwenig Beachtung geschenkt, oder nicht oft genug verpr├╝gelt?
Danach vergeht mir meist die Lust weiter fernzusehen. Dann treibe ich mich im Internet herum, was auch nicht viel besser ist, aber mit mehr Auswahl. Dort kann ich mich stundenlang auf Seiten aufhalten, wo ich mich nicht ├Ąrgern mu├č. Es sei denn, mein Computer bockt. Aber dann wei├č ich wenigstens, wen ich schlagen mu├č.
Trotz alledem: Das erste was ich mache, wenn ich von der Arbeit komme ist was? Richtig geraten, lieber Leser, den Fernseher einschalten. Was sagt das ├╝ber mich aus? Nicht allzuviel, hoffe ich.
Ich glaube es war Karl Renner der einmal gesagt hat: Ein Patriot ist ein Mensch, der niemals zulassen w├╝rde, dass ein Ausl├Ąnder so ├╝ber sein Land schimpft, wie er selbst es tut. Und genauso verh├Ąlt es sich zwischen mir und dem Fernseher. Ich schimpfe ├╝ber ihn, aber ohne ihn k├Ânnte ich wahrscheinlich gar nicht leben. Es ist fast wie mit den Frauen.
Also, wenn das nicht gesund ist.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Intonia
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2001

Werke: 85
Kommentare: 226
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Verw├Ąssert

Hallo Dorian,

Deine Gedanken sind so gut, dass ich ausnahmsweise mal ein paar Punkte vergebe. Die Abstriche kommen f├╝r den Schluss, der meiner Meinung nach das Ganze etwas verw├Ąssert. Da wirst Du etwas zu pers├Ânlich, was gar nicht notwendig ist und - entgegen Deiner Bef├╝rchtungen - doch eine ganze Menge ├╝ber Dich aussagt.

Herzliche Gr├╝sse
Intonia
__________________
"Liebe kostet nichts und ist doch das Teuerste auf der Welt."

Bearbeiten/Löschen    


Dorian
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 24
Kommentare: 65
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Dorian eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Tja...

...was soll ich dazu sagen?
Danke f├╝r die Blumen erstmal, sch├Ątze ich.
Was den Rest der Kritik angeht... ich k├Ąmpfe mit dem Handicap des Nicht-objektiv-sein-k├Ânnens, wenn es um von mir selbst verfasste Texte geht. Das geht so weit, da├č ich nicht mal sagen kann, ob die n├Ąchste Kritik milde ausfallen wird, oder ich in der Luft zerissen werde.
Insofern wei├č ich nicht genau, was ich mit Deinen Bemerkungen anfangen soll. K├Ânntest Du etwas genauer werden und mir sagen, wo genau ich zu pers├Ânlich werde? Dann k├Ânnte ich den Schlu├č vielleicht ab├Ąndern, aber so wei├č ich nicht mal wo ich ansetzen soll.
Vielen dank

LG

Dorian

Bearbeiten/Löschen    


Intonia
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2001

Werke: 85
Kommentare: 226
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Hallo Dorian,

Kritik zu ├╝ben ist leicht, aber sie zu begr├╝nden ist gar nicht so einfach. Ich will es versuchen.

Ab hier fand ich einen klaren Bruch in der Geschichte:
>Was sagt das ├╝ber mich aus? Nicht allzuviel, hoffe ich.
Ich glaube es war Karl Renner der einmal gesagt hat: Ein Patriot ist ein Mensch, der niemals zulassen w├╝rde, dass ein Ausl├Ąnder so ├╝ber sein Land schimpft, wie er selbst es tut. Und genauso verh├Ąlt es sich zwischen mir und dem Fernseher. Ich schimpfe ├╝ber ihn, aber ohne ihn k├Ânnte ich wahrscheinlich gar nicht leben. Es ist fast wie mit den Frauen.
Also, wenn das nicht gesund ist. <
Das w├╝rde ich alles weg lassen,weil es zu selbstverst├Ąndlich ist, und an dessen Stelle nur noch einen kurzen naseweisen, poentierten Grund f├╝r Dein Einschalten des Fernsehers nennen. Vielleicht f├Ąllt Dir ein guter Plot ein. Der Vergleich mit Frauen ist nicht schlecht. Vielleicht kannst Du den verwenden und noch etwas pfiffiger machen.

Aber denk dran, auch Kritiker irren, und ich bin ja noch nicht mal einer, sondern genau so ein Lehrling wie die meisten hier.

Sch├Ânen Sonntag und gute nacht
Intonia
__________________
"Liebe kostet nichts und ist doch das Teuerste auf der Welt."

Bearbeiten/Löschen    


Gegge
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Dorian,

Ja, dieser Text ist eine Glosse. Sogar eine ganz hervorragende. Die Stelle "H├Ąssliche Dinge,die zuviel kosten, werden von h├Ąsslichen Leuten, die zuviel reden, an andere h├Ąssliche Leute, die zuwenig denken, verkauft" fand ich besonders gelungen.

Wie Intonia Dir ja bereits schrieb, w├Ąre der Text vermutlich NOCH BESSER, wenn der pers├Ânliche Anfang und Ende knapper gehalten w├╝rde, bzw. die ICH-Form ins allgemeine "man" ausgetauscht w├╝rde.


Danach vergeht mir meist die Lust weiter fernzusehen. Dann treibe ich mich im Internet herum, was auch nicht viel besser ist, aber mit mehr Auswahl.

Trotz alledem: Das erste was ich mache, wenn ich von der Arbeit komme ist was? Richtig geraten, lieber Leser, den Fernseher einschalten.
Das w├Ąre eigentlich bereits ein toller Schluss-Satz!

Lieben Gruss
und Danke f├╝rs "mitmachen"

Gegge


Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!