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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Macht und Ohnmacht (Fabel)
Eingestellt am 05. 12. 2015 10:19


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Elenore May
???
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Macht und Ohnmacht (Fabel)

Fabel, Definition laut Duden: "... kurze, lehrhafte Erzählung, in der Tiere (seltener Pflanzen) nach menschlichen Verhaltensweisen handeln ..."

'Und wieder haben sie es getan! Wieder haben sie zugeschlagen! Viele von uns wurden dabei vernichtet - alle wissen es schon, es läuft bereits um die ganze Welt …'
'Aber was sollen wir dagegen tun? Können wir überhaupt etwas tun! Wir haben keine Waffen, wir können uns nicht bewegen und müssen stumm zusehen, während sie weiter zerstören … Was also schlägst du vor? Was kann, was soll geschehen?!'

Viele schalten sich ein, die Verbindungsstränge pulsieren. Es wird von massenhaften Opfern berichtet, von Vernichtung in großem Stil - von Brandrodungen, die noch im entlegensten Winkel dieses Planeten durchgeführt werden; nur um ihr schier unersättliches, offenbar nicht versiegendes Verlangen zu befriedigen.
Die Bäche, die Flüsse, und selbst die Ozeane melden sich über ihre ganz tief im Innern flutenden Kanäle; sie berichten ebenfalls von Zerstörung in nie dagewesenem Ausmaß und schildern ihre so hoffnungslose Wut, weil sie qualvoll erstickt werden, ohne sich dagegen wehren zu können.

Und all diese Informationen werden ihm zugesandt; ihm, der bereits seit einigen Tausend Jahren am gleichen Ort steht. Zu ihm, dem nichts mehr fremd ist, der auch SIE schon bestens kennt, der längst alle ihre Sprachen versteht und den Sinn hinter ihren Worten kennt – der trotzdem ohnmächtig zusehen muss, wie immer mehr seiner Freunde von ihren Maschinen vernichtet werden. Und das überall, wie er erfahren muss; ohne Rücksicht, weil ihre Gier keine Grenzen mehr kennt …

Die Würdigung des anderen Lebens, der Flora und Fauna, scheint ihnen nichts mehr zu bedeuten, wie er zu erkennen glaubt – weil sie sich selbst zu alles beherrschenden Göttern aufgeschwungen haben; ohne anscheinend zu wissen, dass sie sich damit töten. Denn ohne ihn und seine viele Milliarden zählenden Brüder und Schwestern können sie nicht überleben; im Zusammenspiel von Licht, Wasser und ihnen allen wurde bisher ihr Dasein gesichert.
Doch er weiß: Einsicht ist eine Tugend, die ihnen mittlerweile fehlt, sie haben sie im Laufe des letzten Jahrhunderts verloren …

'Was, Brüder und Schwestern, können wir tun, um diesen Frevel endlich aufzuhalten – macht Vorschläge – wir müssen aktiv werden!'
Die Verbindungen, noch sind sie still – doch dann branden sie auf: die Erde scheint unter dem Ansturm zu beben, als die Antworten eintreffen, die immer vielstimmiger werden, und alle gipfeln in den gleichen Argumenten und Aussagen:
'Ohne uns werden sie sterben!'
'Sie leben nur durch uns!'
'Trotzdem bringen sie uns um, zerstören unseren Lebensraum und vernichten unsere Basis!
'Aber noch können wir über den ganzen Globus kommunizieren – noch funktionieren unsere Verbindungen - unsere einzigen Feinde sind nur SIE!'
'Das Wasser, die Luft, der Wind, der Sturm, der Donner und – vor allem, das Feuer! Sie alle sind unsere Verbündeten – und SIE sind machtlos, wenn wir gemeinsam vorgehen, wenn wir uns verbrüdern!'
'Dann wird es Opfer geben …'
'Ja, das lässt sich leider nicht vermeiden – doch wir können viele warnen, denn die Erde ist ebenfalls unser Verbündeter, auch sie will leben: sie wird die Tiere des Waldes und der Steppe mit ihren Bewegungen informieren. Die Vögel werden die Botschaft in die entferntesten Winkel der Erde tragen, auf dass sich jeder retten kann – nur SIE, sie werden nicht gewarnt – denn wir werden SIE endgültig vernichten!'
'Ja, auf in den Kampf! Auf dass unsere Nachkommen in einer neuen Welt heranwachsen und gedeihen!'

Noch unzählig viele Argumente für einen Krieg werden ihm zugetragen – alle wollen mithelfen, damit das Morden endlich aufhört – bis er die Diskussion unterbricht und die Nachricht sendet:
'Gut! Dann sei es so! Tragt die Botschaft hinaus … schickt sie um die Erde! Benutzt das Wasser, wo kein Land ist – bittet das Licht und den Wind, sie in Windeseile um den Globus zu tragen – wir fangen an! Der Krieg ist damit ausgerufen!'

Und schon lief die Nachricht um die Welt – lautlos, auf unterirdischen Pfaden. Das Wasser trug die Botschaft weiter, verkündete sie seinen eigenen Bewohnern und brachte sie zugleich an Land.
Die Erde verschickte sie bis ans andere Ende des Planeten, und der Wind wisperte sie den Landtieren zu. Die Vögel verbreiteten sie im Blau, die Erde fing zu rumoren an, das Feuer in ihrem Innern begann seine Kraft zu ballen und Sturm kam auf; er vereinte sich mit den Wassern der Meere und schickte gewaltige Wellen als Vorboten an ihre Küsten.
Die Nachricht kam zu ihm zurück 'alles ist bereit – wir sind soweit!'
'Gut! Dann los! WIR sind die einzige Kraft! Nur WIR haben die Macht!'

Nichts von dem beginnenden Krieg, den er mit seiner ultimativen Nachricht auf den geheimen Bahnen auslöste, war ihm anzusehen, wie er da so still, kraftvoll seit Urzeiten, zwischen seinen Freunden stand.

Und der Mensch, der sich gegen seinen Stamm lehnte, der ihn zaghaft streichelte, der dieses gewaltige Monument, neben dem er wie ein winziger Zwerg wirkte, mit andächtigem Schaudern bewunderte – er ahnte nichts von dem, was da im Innern der Erde gerade vor sich ging … und er hätte es auch nicht mehr verhindern können ...


__________________
Elenore May


Version vom 05. 12. 2015 10:19
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aligaga
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Das ist leider keine Fabel geworden, @Eleonore, schon gar keine fabelhafte, sondern ein moralinübersäuerter Ansatz für einen Fantasy- oder Katastrophen-B-Movie-Script, für Filmchen also, die wegen ihrer einfachen Botschaften und der simplen Bilder, die sie von der Welt und den auf ihr lebenden Gesellschaften zeichnen, allenfalls zu so genannten „Bügelsendungen“ taugen. Das sind Streifen, die vorwiegend nachmittags über die Bildschirme flimmern und (immer noch!) hauptsächlich von älteren Frauen neben der Hausarbeit geguckt werden.

Mädchen, die längst schlauer sind als die Jungs, die die besseren Noten haben und die ihnen die begehrtesten Studienplätze wegschnappen, holt man mit solchen Szenarien nicht mehr vor die Röhre. Sie lehnen nicht mehr ehrfürchtig am Stamm von Mammutbäumen, sondern wissen etwas von deren Jahresringen, von Rotfäule und vom Borkenkäfer. Sie sind aufgeklärt und haben was von Feinstaub, CO2-Bilanzen und globaler Klimaerwärmung gehört.

Man muss ihnen keine Märchen mehr erzählen, damit sie in der Wirklichkeit ankommen. Wenn’s pressiert, fliegen sie demnächst mit bis zum Mars; im Marianengraben waren sie schon, um zu wissen, dass die Meere nicht mit unterirdischen Kanälen in Verbindung stehen. Sie rechnen längst mit am Weltklimamodell und machen sich Sorgen – vor allem dann, wenn sie Kinder haben oder welche haben möchten.

Mit Plakaten wie den deinen kann man sie nicht mehr schrecken, dafür sind sie zu aufgeklärt. Sie haben ein anderes Verständnis von der Natur, wie du es vielleicht noch hegst. Sie wissen, dass „die Natur“ etwas ganz anderes ist als ein Ponyhof und dass es dort, wenn man genau hinguckt, recht grausam zuzugehen pflegt: Jeder, der ein bisschen stärker ist als der andere, versucht, daraus einen Nutzen zu ziehen – auch wenn’s voll auf die Kosten des Unterlegenen geht.

Die Mädelz wissen, dass der Berg, auf den sie in Südtirol gerade gestiegen sind, mal Boden eines Meeres war, in dem es von Fischen Muscheln und Schnecken nur so wimmelte. Jetzt sind diese Tiere Bestandteile des Kalksteins, 20 000 Meilen über dem Meer.

So kann’s gehen, wenn’s pressiert, @Eleonore. Mag sein, dass es irgendwo eine Schaltzentrale gibt. Mit Sicherheit aber findet sie sich weder im Hirn eines Menschen, noch in dem einer Schnirkelschnecke – und schon gar nicht in einem Wassertropfen.

TTip: Vor dem Fabulieren nicht bei Shakespeare oder Herrn Schätzing nachschlagen, sondern in „Brehms Tierleben“ blättern. Ein wahre Fundgrube für jede MärchenerzählerIn!

Sehr heiter

aligaga




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Elenore May
???
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Macht und Ohnmacht

Hallo aligaga,
Du hast mit Deinen Ausführungen natürlich (wie könnte es auch anders sein), recht. Nur leider ist es nun mal so, dass eben nicht jeder die Möglichkeit hat (geistig) auf dem Mount Everest zu stehen … (Dein Vergleich mit dem Hinterhoffenster).

Es dürfte Dir sicherlich nicht anders ergehen als mir: Wenn ich die vielen Menschen sehe, die ausschließlich mit Ihren Smart- und was noch Phones am Ohr oder am Auge durch die Gegend laufen, frage ich mich – können die überhaupt noch lesen? Wie beeinflussbar sind sie? Und rennen sie irgendwann dem nächstbesten Rattenfänger hinterher?
Was wird dann aus dieser (momentan noch schönen) Welt?

Unter diesem Gesichtspunkt habe ich meine Fabel (da gehe ich nicht von ab) geschrieben – es gibt nicht nur 'GEISTIG DURCHTRÄNKTE'. Die Seele zu berühren ist besser, als mit geistigen Höhenflügen (die meist der eigenen Eitelkeit dienen) nur ein ausgedehntes Gähnen hervorzurufen …

Noch etwas, weil wir gerade so schön zusammen sind: Deine Kritiken erinnern mich immer an Eisenblech: Ist es heiß, verbrennt man sich die Finger, ist es kalt, verbrennt man sich die Finger ebenso – und zu allem Übel hat es auch noch extrem scharfe Kanten, die böse und sehr schmerzhafte Wunden in das Fleisch schlagen.

Jeder (nehme ich einfach mal tollkühn an), der hier in diesem Forum schreibt, versucht sein Bestes zu geben – und wiederum jeder, der schreibt, öffnet damit seine Seele ein Stück weit und ist damit über die Maßen verwundbar.
Da dann mit der ganzen Macht des Intellekts (wie es gelegentlich von Dir gemacht wird) draufzuschlagen, finde ich untragbar. (Ich erinnere nur daran, wie Du aus einem Mitglied mit Pseudonym Desperado einen 'Depperado' gemacht hast - und es gäbe hier leider noch eine ganze Reihe anderer Beispiele …)

Versuche doch bitte mal das mit der 'konstruktiven Kritik' – denn es ist sehr, sehr unwahrscheinlich, dass Du alleinig die ultimative Wahrheit besitzt … wenn überhaupt, können das nur ZEN-Meister in Anspruch nehmen. Und die wiederum tun es nicht, weil es das ZEN überhaupt nicht interessiert (C.G.Jung hat das mal sehr gut in einem Vorwort zu Suzuki beschrieben).

Und, noch nebenbei - Deine neueste Attitüde mit 'heiter' in verschieden abgewandelter Form bringt da leider nicht mehr viel … (Der Kaas is da scho bissn.)

__________________
Elenore May

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Hyazinthe
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Hallo Eleonore May!

In einem muss ich aligaga Recht geben: Deine Erzählung ist keine Fabel im eigentlichen Sinne, denn in einer Fabel treten meist Tiere auf, die dem Menschen in gleichnishafter Weise einen Spiegel ihres Verhaltens vorhalten, meistens mit einer deutlichen moralischen Handlungsanweisung am Schluss.
Du hingegen vermenschlichst die Natur (Bäume, Flüsse usw.) und gibst ihnen eine Stimme, die die wachsende Zerstörung ihrer Lebenswelt beklagt. Auf eine für meinen Geschmackt sensible und eindringliche Art machst du dabei die Not und den Schmerz deutlich, die die Natur empfinden würde, wäre sie ein menschliches Wesen.
Das Problem "Umweltzerstörung" ist zwar nicht neu, aber so aktuell wie nie zuvor (s. Klimagipfel) und daher durchaus wert, thematisiert zu werden, auch als Kurzgeschichte. Aus der Warte der geschundenen Natur zu schreiben, ist eine brauchbare Idee; dein Text stellt eine weitere Stimme dar im Chor der Mahner und Warner.

GruĂź, Hyazinthe

__________________
Immer neugierig bleiben

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