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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Madeira 2010
Eingestellt am 25. 01. 2010 23:57


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Ralf Langer
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Hallo Leute, ich bin im Urlaub, wer will kann teilhaben
lg


Aus grosser Hoehe sah ich sie:
gleich einem groben Klotz, von einem antiken Riesen, in den Atlantik geworfen.
Eine Insel, die das Glueck hatte im 15.Jhdt. gleich zweimal entdeckt zu werden. Madeira. Die Blumige.
Die erste Farbe, gruen mit einem Hauch brauner Erde. Dann, die tiefen Einschnitte zwischen den Bergen; diese Berge,die sich weithin sichtbar, bis zur Kueste draengen um dann steil ins Meer zu stuerzen.
Das Flugzeug dreht sich - kaum noch fuenfhundert Meter hoch - die Insel war nun zu einem Stueck Festland geworden, und ich erkenne aus dem Fenster Funchal, die Hauptstadt.
Mit ihren ockerfarbenen Haeusern und den rot geschindelten Daechern, verbeisst sie sich in die Berge.
Die Kurve der Maschine wird enger. Mir ist, als wuerde ein Fluegel ins Meer hinab reichen, dann, im letzten Moment, zieht der Pilot die Maschine wieder gerade und wir landen auf einer aberwitzig kurzen Piste, unter der, waehrend der Pilot auf Gegenschub geht, die einzige Autobahn der Insel, ihren Anfang nimmt.
Und natuerlich auch dieser Urlaub.


Die Fahrt mit dem Mietwagen verlaeuft ohne Zwischenfaelle.
Es ist ein alter Peugout - guenstigste Kategorie - ein wenig ramponiert, macht aber einen soliden, wenn auch reichlich untermotorisierten Eindruck.
Mehr als dreissig PS wird er nicht haben.
Und die Berge Madeiras sind steil.
Also hinein ins Wirwarr der Einbahnstrassen, Kreisverkehre und winzigen Ampelanlagen Funchals:
Vor einer Unterfuehrung links, dann wieder links, eine steile Rampe hinauf, dann ein ploetzliches Gefaelle rechts hinab, an einer hohen Mauer vorbei, durch ein , zwei enge Gassen und wir stehen vor unserem Hotel.
" Quinta las vistas"
Ich bin beeindruckt, was meine Frau alles mit unserem Geld machen kann.
Ein eifriger Page stuermt am fuenf Sterne Schild vorbei, nimmt uns die Koffer weg und verlangt, nicht ohne einen spoettischen Blick, den Wagenschluessel. Ich lehne ab, bin Gelsenkirchener, vergesse aber nicht dem verdatterten Pagen zwei Euro Trinkgeld zu geben....
__________________
RL

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Ralf Langer
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Madeira 2010

Vom Zimmer aus haben wir einen schweifenden Blick ueber die Altstadt mit der Festungsanlage und weiter hinab zum Hafen, an dem die Aida gerade einlaeuft.
Vogelgezwitscher, Katzen huschen durch die Gartnanlage des Hotels. EIn Hund liegt traege in der Sonne, ein Schwan mit egenem Teich, bewegungslos wie ein Gemaelde. Ein Zug faehrt vorbei. Es klingt wie eine Brandungsmelodie.
Wolken schieben sich vom Inland kommend bestaendig an den Hausberg heran und regnen ab. Das alles vielleicht zwei Kilometer bergauf, so das wir die Sonne geniessen koennen.
Gute Lage, denke ich, rauchend auf unserem Balkon.
Hauptsache der Wind dreht nicht und kommt vom Meer aus.

Abend. Vier Gang Menue.Dazu ein portugiesischer Chardonnay, der leider etwas muffelt. Spaeter an der Bar einen Espresso und einen Aquadiente fuer mich und Weinschorle fuer meine Frau.
Der Aquadiente ist nichts. Schnaps aus Zuckerrohr ist nicht mein Ding.Werde morgen, wie gewohnt, auf Whiskey umstellen.
__________________
RL

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Ralf Langer
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Fruehstueck in der Sonne und ein kurzer Gedanke an daheim.
Gelsenkirchen. Minus vier Grad. Bewoelkt, ohne Blick
auf irgendein Meer.
Man fuehlt sich sofort mediterran.
Es ist Sonntag. Wir steigen in unseren Peugout und fahren einfach drauf los.
Einmal muessen wir anhalten. Eine Prozession geht durch einen kleinen namenlosen Ort. Der Portugiese betet.
Vier schwarz gekleidete Maenner tragen eine Marienfigur, durch die engen Gassen, hinauf zu einer kleinen Kapelle. Dahinter junge Frauen ganz in weiss.Sie tragen grosse Kerzen und singen.
Ich will ein Foto machen. Komm mir aber ploetzlich voyeristisch vor, und lasse es bleiben.
Aber so:
Dieses Bild von einem kleinen namenlosen Ort in den Berghaengen, die engen Strassen, der Gesang.
Es ist das erste Bild, das bleibt.

Ein Hinweisschild fuehrt uns zu einem Aussischtspunkt. Abenteuerliche Strassn mit aufgerissenem Asphalt. In einer
engen Kurve hat ein Portugiese geparkt und haellt ein Schwaetzchen. Ich runzle die Stirn. Er laechelt. Dann laechle ich auch.
Eine Rampe hinauf. Der Wagen roechelt. Runter in den ersten
Gang. Mit fuenfzehn knattern wir den Berg hoch, und hinter uns reihen sich die Autos wie Perlen auf einer Schnur.
Meine Frau liest aus dem Reisefuehrer:
Der Aussichtspunkt liegt 580 m ueber dem Meer. Zweithoechste Klippe Europas, nur in Norwegen ist eine Hoehere.
Steil faellt es ab ins Bodenlose.
Ein Mauersegler steht auf halber Strecke nach unten still in der Luft.
Atemberaubend.
Eine portugiesische Oma ist gekommen und legt auf einer grossen Decke Selbstgestricktes aus. Ihr Gesicht ist wie die Klippe. Wettergegerbt und gehoert hier hin.
Salamander sitzen auf gr0ssen Steinen oder klettern Bananenstauden auf und ab.
Idylle.

Ich will ein Foto von der Klippe machen.
Aber Tiefe laesst sich nicht gut photographieren. Ich kann sie nicht einfangen.
Ich rauche also nur, schau in die Ferne und nehme meine Frau in den Arm.
" Das hier ist schoen", hoere ich mich sagen.
Ansonsten schweigen wir viel.
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Ein Tag nur im Hotel. Sonne . Wir liegen am Pool.
Ist es wirklich Ende Januar?
Ich loese Sudokus bis ich keine Zahlen mehr sehen kann
und meine Zigaretten endgueltig zu Ende gegangen sind.
Der freundliche Mann an der Rezeption kann mir nicht helfen.
" No cigarettes, sir", klingt es in meinem Ohr.
Wofuer hat dieses Hotel fuenf Sterne? Nicht wegen der Zigaretten.
Also mache ich mich zu Fuss auf den Weg. Ich entscheide mich, vom Hotel aus gesehen, fuer "Berg Hoch". Der Portugiese trinkt, also raucht er auch. Irgendwo wird ein "Tabaccostore" sein.
Nach einem guten Kilometer Fussweg kommen mir Zweifel.
Dann hoere ich aus einer Gasse Musik und lenke meine Fuesse in diese Richtung.
Ich stehe vor einer wirklich heruntergekommenen Huette. Alte MAenner draengen sich um einen Tresen aus dem 16. Jhdt. und trinken roten Wein.
Der Wirt hat einen Buckel und scheint zwoelf Sprachen zu sprechen. Leider versteh ich davon keine. Ich zeige also auf meine leere Schachtel und er nickt. Ich gebe ihm dreissig euro. Er gibt mir einen roten Wein ,und ein junger Mann verschwindet mit meinem Geld auf einem alten Mofa.
Ich proste den Herren zu, die klopfen mir auf die Schulter.
" Obrigado", sage ich, und nochmal" obrigado."
Nach zwanzig Minuten ist der junge Mann mit dem Mofa und einer Stange " Bingo" zurueck. Er gibt mir das Wechselgeld und ich eine Lokalrunde.
Um kurz nach vier bin ich wieder im Hotel.
Nach dem Essen gehe ich direkt ins Bett.
Letzter Gedanke : Voelkerverstaendigung!


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Madeira 2010

Mit dem Auto unterwegs in den rauhen Norden. Porto Moniz.
Erst die Kuestenstrasse entlang:
Wasserfaelle die ploetzlich gleich einer Waschanlage auf die
Strasse donnern, dann fussballgrosse Steine denen ich geschickt ausweiche.
Und hinauf in die Berge. Wir sind mitten in einer U.N Schutzzone - Weltkulturerbe? - Die Larissawaelder.
Einfahrt in eine vergessene Welt ohne Menschen. Baeume mit heller Rinde und maechtigen Wurzeln. Alles ist vermoost. Auch Teile der Strasse sind gruen. Die Temperatur ist gesunken.
Eine gruene Welt aus Naesse, Nebel und Dampf.
Wir sind entzueckt.
Irgendwo halten wir an. Es riecht nach Eukalyptos und anderen Dingen, die ich nicht kenne.
An einem steilen Hang, eine wilde Muellkippe. Ich hebe verdattert eine Pet-Flasche auf:
Coca-Cola was here.
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Madeira 2010

Neue Gaeste. Berliner Dialekt. Sie sitzen in der Lobby und lauschen den Worten Ihrer Reisebegleiterin im blauen Tui-Oufit. Der morgige Tag wird geplant:
9.30 Uhr mit dem Bus ab Hotel. Tour durch den Westen der Insel. Dauer ein Tag. Dann hat man alles gesehen, versichert sie eifrig. Mittagessen in der Hochebene. 1800 meter immerhin.
Warme Kleidung ist obligatorisch. Eine kurze Fahrt. Einstieg in die Levadas, das uralte Wasserleitsystem. Spaziergang dies. Nicht allzu anstrengend. Nachmittags nach Monte. Dies, ein kleiner malerischer Ort oberhalb Funchals. Besuch des botanischen Gartens. Und Teatime im nahegelegenen Schlosshotel. Fahrt mit der Seilbahn hinunter nach Funchal. Wer sich traut kann auch den Schlitten nehmen. Schlitten ein Berliner kratzt sich am Kopf
" Ist doch keen Schnee hier, wa?"
Ich hab die Schlitten gesehen drueben in Monte. Holzkufen und ein Fahrer der mit den Fuessen lenkt und abbremst. Alles direkt auf dem Asphalt. Alles ueber Strassen auf denen der normale Strassenverkehr rollt.
Ich hab nur zugesehen. Aber auch das durchaus amuesant.
Dann in Funchal, sagt die Reisebegleiterin, Besuch der Markthalle. Spaeter etwas Folklore. 18.30 Uhr Rueckkehr ins Hotel. Abendessen.
Ich laechle. Fuehle mich frei, unabhaengig. Ich habe den gruenen Peugout und meine Frau.
Der Rest tut sich von alleine auf.
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