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Leselupe.de > Kindergeschichten
Märchenwaldmärchen
Eingestellt am 21. 06. 2003 19:09


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strumpfkuh
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Märchenwaldmärchen




David liebte den Märchenwald, denn David liebte Märchen. Wann immer seine Mutter oder sein Vater ihn fragten, was er gerne unternehmen würde, antwortete er: „Ich möchte in den Märchenwald!“

Warst du auch schon einmal in so einem Märchenwald? Wenn ja, dann kannst du bestimmt verstehen, warum David so gerne dahin ging. Denn es ist schon abenteuerlich, wenn man einmal all die berühmten Wesen, wie zum Beispiel die sieben Zwerge oder Rapunzel oder das tapfere Schneiderlein so vor sich sehen kann, als wären sie tatsächlich lebendig. Der letzte Besuch von David im Märchenwald war sogar so abenteuerlich, daß David fast ein bißchen Angst hatte. Obwohl er das wahrscheinlich niemals zugeben würde. Und was er bei diesem Besuch erlebt hatte, davon handelt dieses Märchen, das ich dir jetzt erzählen will. Und weil es ein Märchen ist, war das alles natürlich nicht in Wirklichkeit passiert, sondern ich habe es mir nur ausgedacht. Vielleicht findest du es trotzdem ein bißchen spannend.



Der Märchenwald besteht aus vielen kleinen Häuschen mit großen Schaufenstern. In jedem Häuschen ist ein Märchen aufgebaut. Bei Rotkäppchen sieht man zum Beispiel den Bösen Wolf , der gerade zur Tür der Großmutter hineinkommt. Draußen an den Häuschen ist ein Knopf, und wenn man den drückt, erzählt ein Tonband ein Stück aus dem Märchen. Ein Weg führt zwischen den kleinen Häuschen hindurch und von dort aus kann man durch die Schaufenster hinein sehen.
David rannte wie immer vor zu seinem Lieblingshaus. Seine Eltern kamen dann meist erst viel später, weil sie immer so langsam waren, aber David war das recht, so konnte er den Knopf so oft drücken, wie er wollte.
Sein Lieblingshaus war das von Rumpelstilzchen, weil er den kleinen Mann so drollig fand. Aber dieses Mal war David sehr enttäuscht, als er dort ankam, weil nämlich Rumpelstilzchen nicht mehr da war. Das Haus war leer oder zumindest fast. Es saß nur eine alte, griesgrämig dreinblickende Frau auf einem Stuhl. Und die gehörte, da war David sicher nicht in das Märchen von Rumpelstilzchen. David schaute sich nach allen Seiten um, aber da war auch sonst niemand, den er hätte fragen können. Aber er wollte doch unbedingt zu seiner Lieblings- Märchenfigur. Er würde warten müssen, bis seine Eltern kamen. So drückte er den Knopf für das Tonband, um zu hören, ob wenigstens noch die Tonbandstimme zu Rumpelstilzchen gehörte.

Das Tonband aber sprach: “Wenn du wissen willst, wo Rumpelstilzchen ist, mußt du zu mir herein kommen.“
David war verwundert. Zu wem sollte er herein kommen? Etwa zu der Alten auf dem Stuhl? Und woher wußte das Tonband, daß er Rumpelstilzchen suchte?
Er schaute wieder den Weg entlang. Aber noch immer waren seine Eltern nicht in Sicht. Also drückte er den Knopf noch einmal. Diesmal sagte die Stimme: „Wenn du um das Haus herum gehst, findest du eine kleine Tür.“
Jetzt war David ratlos. Sollte er das tun? Seine Eltern hatten ihn immer gewarnt, nie zu einem Fremdem zu gehen, aber die Alte war ja schließlich nur eine Puppe. Und in Gedanken hörte er seine Freunde rufen: „Angsthase! Angsthase!“ Also nahm er all seinen Mut zusammen und ging um das Haus herum. Da war tatsächlich eine Tür. David drückte die Klinke herunter. Die Tür ging tatsächlich auf. Er schaute hindurch und sah die alte Frau.
„Komm rein.“ Das war die Tonbandstimme.
David ging ein Stückchen in das Haus hinein, lies aber zur Sicherheit die Tür auf.
„Komm doch her zu mir, du willst doch etwas wissen.“ Jetzt kam die Tonbandstimme aus dem Mund der alten Frau.
David erschreckte furchtbar, er hatte gedacht, die Frau sei eine Puppe. Aber auf einmal sah sie aus wie echt, und sie konnte ja auch sprechen.
„Wo, wo, wo ist dehenn Rumpelstilzchen?“ fragte er die gruselige Alte.
„Nicht so schnell. Bevor ich dir das verrate, mußt du erst etwas für mich tun.“
„Was denn?“ fragte David.
„Ich habe etwas verloren. Du mußt mir suchen helfen.“
Jetzt ging es dem Jungen zu weit. Er fand, er war schon ganz schön mutig gewesen, aber jetzt wollte er hier weg.
Doch zu seinem Schrecken war die Türe zu. Und sie ließ sich auch nicht öffnen.
„Ich will hier raus. Ich will zu meiner Mama.“ rief er entsetzt.
Die Frau aber sprach: „Keine Angst, du kommst schon wieder zu deiner Mama, aber erst mußt du mir suchen helfen.“
David kämpfte gegen die Tränen. Auf keinen Fall wollte er weinen, schließlich war er kein Angsthase. Und die Alte schien ihm ja auch nichts Böses zu wollen. So machte er sich Mut.
„Was soll ich denn suchen?“
„Ich habe die Freude verloren.“ jammerte die alte Frau und fing an zu weinen.
Das war natürlich schrecklich, dachte David. Ohne Freude wollte er auch nicht leben müssen.
„Aber wie soll ich die finden?“ fragte er.
„Was weiß ich?“ sagte die alte Frau, „Wenn ich das wüßte, würde ich es selbst tun.“
„Wo soll ich denn suchen?“ fragte er.
„Irgendwo da.“ Antwortete die Frau und zeigte mit dem Finger in Richtung Schaufenster. Aber da war auf einmal kein Schaufenster mehr sondern nur dunkler Wald.
David fürchtete sich immer mehr. Er wollte das Alles nur noch schnell hinter sich bringen. Also ging er kurz entschlossen in einem großen Bogen um die Alte herum in Richtung des dunklen Waldes.

Je länger er lief, desto zuversichtlicher wurde er. Auch schien jetzt die Sonne, und er konnte in dem hellen Licht sehr gut sehen. So würde er die verlorene Freude bestimmt schnell finden, und die alte Frau könnte wieder lachen. Und wie er so den Weg entlang lief, entdeckte er auf einmal ein kleines Mädchen vor sich am Wegesrand, das einen Strauß bunter Blumen pflückte. An der roten Kappe erkannte er, dass es Rotkäppchen sein musste.
„Rotkäppchen, warte!“ rief er laut, und das Mädchen drehte sich zu ihm herum. „Ich suche eine verlorene Freude. Hast du sie vielleicht irgendwo gesehen?“
„Eine verlorene Freude?“ antwortete Rotkäppchen, „Nein, die habe ich nirgends entdeckt.“
Da kam David eine andere Idee. Rotkäppchen war ja bestimmt auf dem Weg zu seiner Großmutter. Er musste es vor dem bösen Wolf warnen, damit es nicht gefressen werde würde.
„Rotkäppchen, du musst immer hier auf dem Weg bleiben, darfst dem Wolf nichts von deiner Großmutter erzählen, sonst kommt er und frißt euch alle beide auf!“
Das Mädchen aber sagte nur: „Ich muss tun, was in dem Märchen steht, denn jedes Kind liebt die Geschichte vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf, und wir wollen sie doch nicht ändern. Außerdem rettet der Jäger mich ja am Ende. Aber ich hoffe für dich, dass du die verlorene Freude bald findest. Aus welchem Märchen bist du denn überhaupt, ich kenne dich gar nicht?“. So sprach es und ging dann, ohne eine Antwort abzuwarten, weiter seines Weges.

David hatte es sehr spannend gefunden, sich einmal wirklich mit Rotkäppchen zu unterhalten. Die kannte er ja schließlich nur aus seinen Märchenbüchern. Aber er war doch froh, ein wirklicher echter Junge zu sein und eben nicht nur eine Figur aus irgendeiner Geschichte.

Während er so vor sich hin grübelte hörte er auf einmal einen Gesang, der nicht eben gerade schön war. Es klang mehr so, wie sein Vater, wenn er besonders gute Laune hatte und dann aus vollem Halse fürchterlich falsch anfing zu singen. David drehte sich um und entdeckte die 7 Zwerge. Sie liefen im Gänsemarsch direkt auf ihn zu. Als sie ihn entdeckten verstummte ihr Lied. David war darüber sehr froh.
Er fragte: „Hallo ihr 7 Zwerge, habt ihr vielleicht eine verlorene Freude gesehen?“
Aber auch hier wurde er enttäuscht. Die Zwerge antworteten im Chor: „Eine verlorene Freude? Nein die haben wir nicht entdeckt.“ Und dann murmelten sie durcheinander: „Wer hat die verloren?“, „Wie sieht die denn aus?“,
„Wo soll die denn sein?“, „Wer bist du überhaupt?“ und auch sie wollten wissen: „Aus welchem Märchen kommst du?“.
„Ich bin aus keinem Märchen. Ich bin ein echter Junge.“ sagte David stolz.
„Ein echter Junge, das gibt es doch gar nicht, wie kommst du denn hier her in den Märchenwald?“
Die Zwerge waren ganz aufgeregt.
„Ich soll für eine alte Frau die verlorene Freude finden.“
„Oh, dann wünschen wir dir viel Glück.“ riefen die Zwerge.
„Danke“ sagte David, „Ich euch auch. Aber an eurer Stelle würde ich besser auf Schneewittchen achtgeben, die alte Königin wird nämlich kommen und sie vergiften.“
„Aber das wissen wir doch. Wir kennen doch unser Märchen. Schneewittchen wird am Ende wieder lebendig und heiratet einen Prinzen. So soll es sein. Wir werden unser Märchen nicht ändern. Es soll so genauso bleiben.“
Das sprachen die Zwerge und begannen ihren Weg wieder singend fortzusetzen.
David blickte ihnen hinterher. Und auch er lief langsam weiter.

Langsam wurde er schon etwas müde. Jetzt wollte er aber wirklich bald wieder nach Hause. Da sah er in der Ferne schon wieder eine Gestalt auftauchen. Als sie näher kam, erkannte er in ihr die böse Hexe von Hänsel und Gretel. Schnell versteckte David sich im Wald bis die Hexe vorüber war. Puh, das war gerade noch mal gut gegangen. Die Hexe wollte er nun wirklich nicht treffen. Am Ende würde sie ihn noch verspeisen wollen anstatt Hänsel und Gretel. Und hier wollte ja offensichtlich niemand die Märchen ändern.

David traf auf seinem Weg noch Frau Holle, das Aschenputtel und Rapunzel. Jeden fragte er nach der verlorenen Freude, aber keiner hatte sie gesehen. Mit jedem sprach er noch ein paar Worte, bevor sie sich verabschiedeten. Es war abenteuerlich, sich mit all diesen berühmten Wesen zu unterhalten. Besonders gut hatte ihm Rapunzel gefallen, denn die war wirklich wunderschön. Er hatte kaum ein Wort herausgebracht, als sie so vor ihm stand. An sie würde er bestimmt noch lange denken. Er wünschte, er könnte sie heiraten, wenn er älter wäre, aber er war ja leider kein Prinz. Auch sie hatte ihm nicht sagen können, wo die verlorenen Freude zu finden sei. Deshalb machte David sich jetzt auf den Rückweg. Er würde der alten Frau mutig gegenüber treten und ihr sagen, dass er sein Bestes versucht habe. Und dass die Freude aber nirgends zu finden sei. Dann würde sie ihn bestimmt nach Hause lassen.

Da traf er auf seinem Rückweg, er konnte es kaum glauben, tatsächlich noch Rumpelstilzchen höchstpersönlich.
Ein bisschen Angst hatte David dann doch, als er ihm leibhaftig gegenüber stand. Aber der kleine Mann nahm überhaupt keine Notiz von ihm, er murmelte nur immer zu: „Ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich Rumpelstilzchen heiss‘.“ vor sich hin. David stellte sich vor, wie er seinen Freunden von all seinen Erlebnissen erzählen würde. Schnell ging er weiter. Und da entdeckte er vor sich auch schon die kleine Hütte mit der alten Frau.

Mit klopfendem Herzen trat er durch die Tür. Zu seiner Erleichterung sah er, dass das Schaufenster wieder an seinem alten Platz war. Die Alte sass noch immer auf ihrem Stuhl..
David erzählte ihr von seinem langen Weg und all seinen Bemühungen, ihre Freude wieder zu finden. Als er damit endete, dass ihm das nicht gelungen sei, brach die Frau plötzlich in Tränen aus. „Geh nur“, schluchzte sie, „Geh du nur heim, du kannst ja nichts dafür.“ und sie fuchtelte weinend mit der Hand in Richtung Tür.
Als David sie so da sitzen sah, tat sie ihm furchtbar leid. Er überlegte nicht lange und sagte: „Alte Frau, ich bleibe bei dir und helfe dir suchen, bis du deine Freude gefunden hast.“
Da hörte die Frau mit dem Schluchzen auf und blickte ihn überrascht an. „Du willst bei mir bleiben?“
David war selbst überrascht von seinen Worten, aber er nickte trotzdem.
Da fing die Frau an zu lachen. Erst ganz leise und dann immer lauter. Sie gab dabei ganz seltsame Geräusche von sich, aber es war ganz eindeutig ein Lachen.
David fragte: „Was ist los? Was hast du?“
Die Alte Frau rief laut: „Was los ist? Ich freue mich. Das ist los. Du hast mir meine Freude wieder gebracht.
Ich werde dir immer dankbar sein. Du darfst jetzt zu deinen Eltern gehen. Bleibe so mutig und freundlich wie du bist. Ich werde dich nie vergessen.“

Der kleine Junge ging frohen Herzens und mit Stolz in der Brust zu der Tür hinaus und um das Haus herum.
Als er durch das Schaufenster noch einmal die alte Frau betrachten wollte, war da aber wieder Rumpelstilzchen, als wäre das alles überhaupt nie passiert. Und da kamen auch schon seine Eltern gemütlich angeschlendert, offensichtlich hatten auch sie ihn überhaupt nicht vermisst. David betrachtete nachdenklich die kleine Figur von Rumpelstilzchen, hatte er nur geträumt? Aber da blinzelte Rumpelstilzchen ihm ganz eindeutig mit einem Auge zu. Und David blinzelte vergnügt zurück. Dies war wirklich ein ganz besonderer Tag gewesen.

ENDE



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flammarion
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wow,

was für eine geschichte! ganz große klasse nach meinem geschmack. das bekommt pünktekens und n ehrenplatz in meiner sammlung.
ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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Rote Socke
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Ja doro,

was lese ich da Feines? In Sachen Märchen bist Du also auch fit. Prima.
Spannende Idee und gut umgesetzt. Hie und da noch ein paar kleine Fehlerchen, aber nix dramatisches.
Auf so eine Idee muss man erst kommen.

Klasse gemacht!

LG
Volkmar

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strumpfkuh
???
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Hallo ihr zwei und vielen Dank für eurer nettes Lob. Sollte man sich eigentlich entscheiden, ob man Kinder- oder Erwachsenen- Literatur schreiben möchte? Oder geht auch beides? Was meint ihr?
Grüße
Doro

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Guten Morgen doro

Ich plädiere für beides. Ich finde, ein Autor sollte überhaupt für alle Themen offen sein. Fachidioten gibt es genug auf der Welt. Ich halte nix von Spezialisierungen auf nur ein Gebiet.

Grüßle
Volkmar

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flammarion
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na

klar geht beides. immer raus mit dem, was gerade drängt. wie es ankommt, siehste dann schon.
ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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