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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Märtyrer für den Feind
Eingestellt am 18. 01. 2002 15:42


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masterplan
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Märtyrer für den Feind

Er zog sich die weiße Linie schnell mit einem kleinen, selbstgedrehten Papierrohr in die Nase. Als der Stoff zu wirken begann, zog er einen Halftergürtel unter dem Bett vor und nahm den Revolver aus der Fassung. Beinahe als wolle er sich damit den gebildeten Schweiß abwischen, rieb er die Waffe an seiner Stirn entlang. Der damit entstandene, glänzende Film auf dem dunklen Stahl, schimmerte schwach im Tageslicht, dass durch ein halb offenes Fenster drang.
Dandy O’Neill machte es Sorgen, dass er vor jedem Mord, den er begehen sollte, Drogen zu sich nehmen mußte. Aber wenn er seinem Auftraggeber Glauben schenken sollte, hätte dieses Problem beinahe jeder Killer.
„Klar, Dandy. Auch die ganz großen Brocken drehen sich vorher ‘nen Joint oder schmeißen sich ein paar Pillen rein um auf Trab zu kommen“, hatte Redsven gesagt, als er ihn darauf ansprach.
Sven Soederval, in seinen Kreisen auch liebevoll „Redsven“ genannt. Weil dem Schweden neben den roten Haaren auch jede Menge blutverschmierter Opfer auf das Konto gingen. Nicht als Täter, sondern als Vermittler von Auftragskillern. Wenn jemand ein Problem mit einer oder mehreren bestimmten Personen hatte, konnte dieser bei Redsven seine Sorgen, gegen ein entsprechendes Entgelt, loswerden.
Jetzt war also wieder so eine ungeliebte Gestalt in der Stadt und es lag an Dandy, dessen Treiben ein Ende zu setzen. Redsven sprach von Tobey Carrigan, dem Sohn des Bürgermeisters. Ganz offensichtlich wollte der Fancoli- Clan seine Machenschaften nicht von einem aufstrebenden, nach der Macht in der Stadt greifenden Iren verhindern lassen. Tobey Carrigan setzte fort, was sein Vater, James, erfolgreich begonnen hatte. Nämlich den italienischen Gangs und „Familien“ in dem Ort, ihren Einfluß auf Regeln und Gesetze zu nehmen. Er sperrte deren höchste Köpfe weg und nahm den italienischen Stadtbezirken mehr und mehr ihre Ausdehnungskraft, sowie Wirkung auf Importe aus Übersee.
In ein paar Monaten sollte Tobey Carrigan das Amt seines Vaters antreten. Dann würde er mit noch härteren Maßnahmen gegen die DeAngelos, die Albareni oder eben die Fancoli angehen.
Redsven sprach nicht gern über die Aufträge (und scherte sich auch meist nicht um sie), doch in seinem Telefonat mit Dandy konnte der junge Ire dem Schweden dennoch so manche Information entlocken.
So sei Giancarlo Fancoli, das Oberhaupt der Familie persönlich bei ihm reingeschneit um ihm den Auftrag zu unterbreiten. Es sollte also nicht wie ein Anschlag eines italienischen Clans auf die irische Stadtherrschaft oder gar Gesellschaft aussehen, sondern nur wie ein kleiner, persönlicher Racheakt, oder noch besser, wie ein Unfall. Fancoli hätte natürlich auch einen seiner Spezialisten auf den zukünftigen Bürgermeister ansetzten können, doch dann hätte die italienische Gemeinschaft ihre Gunst bei der neutralen Stadtbevölkerung endgültig verloren. Man stelle sich vor: „Italien will Irland vernichten!“ Und dies schließlich als Titel auf allen Tagesblättern.
Auf die Frage, warum Redsven ausgerechnet ihn für diesen Auftrag anheuerte, sagte der nur, es wären im Moment sonst keine passenden Leute dafür in der Stadt und er wäre ja schließlich ein zuverlässiger Auftragskiller, der sicher mit dieser Mission fertig werden würde.
Mit Mütze und Anzug trat Dandy aus seiner kleinen Wohnung und ging in Gedanken noch einmal den folgenden Ablauf durch: Um zehn Uhr in der Lagerhalle, dort das Ziel umlegen. Jetzt ist neun Uhr und dreißig Minuten. Das reicht noch für ein Bier bei Johnny.
Schließlich hatte er nichts gefrühstückt. Lediglich eine Linie Kokain eingenommen. Ein kühles altirisches Bier im Pub nebenan wäre für ihn jetzt der richtige Muntermacher. Also setzte er sich direkt an die Theke zu Johnny und bestellte sein Getränk.
„Na, Dandy. Was haste denn heute so vor?“ Johnny Parthrick putzte weiter seine frisch abgespülten Trinkgläser, nachdem er seinem Gast ein volles Glas Carriebeer aufgetischt hatte.
„Nicht viel“, antwortete der und nahm einen großen Schluck zu sich, „werde mich wohl nach Arbeit umsehen.“
„Arbeit, wie? Am besten irgend etwas, wo man Italos aufmischen kann, richtig?“ Johnny hatte die Angewohnheit, fast immer eine Frage am Ende seiner Sätze einzufügen, wie „nicht wahr?“ oder „richtig?“.
Dandy nahm einen letzten tiefen Schluck aus seinem Glas und leerte es damit schließlich. „Na klar. Jetzt muß ich aber wieder, Johnny.“ Er warf zwei Münzen auf die Theke und vermeidete direkten Blickkontakt mit seinem Gegenüber.
„Machs gut, Dandy.“
„Danke. Grüß Jenny von mir, ja?“
Er hatte sich im letzten Sommer in die Johnnys Nichte, Jenny, verguckt. Sie war ein junges, hübsches Mädchen, der jegliche Großstadtarroganz fehlte. Sie kam alle paar Wochen in die Stadt, um ihren Onkel in seinem Pub zu besuchen und brachte ihm Importspirituosen aus dem Hafen mit. Wenn Dandy an sie dachte, fühlte er sich aber wie ein Versager. Schließlich war er ein kokainnehmender Auftragsmörder und wollte nicht, dass dieses wunderbare Wesen über ihn mit in seine Kreise rutschte. So kam es nie zu einem ernsthaften Kontakt zwischen den beiden.

Nach ein paar Minuten stand er vor der Lagerhalle. Carrigan sollte mit dem Aufwand hergelockt werden, er würde sich hier mit einem ungern öffentlich gesehenen irischen Lebensmittelexporteur zu einem Geschäftsabschluß treffen. Alleine. Der Sohn des Bürgermeisters war ganz wild auf solche Geschäfte. Schließlich machte er so im Konkurrenzkampf, gegenüber den italienischen Überseehändlern, weiteren Boden gut.
Er hatte seinen Wagen hinter der Halle, in einer dunklen Ecke geparkt und stand jetzt mit einem Aktenkoffer mitten in dem verlassenen Textillager.
Dandy handelte schnell. Mit Schweiß unter seiner Kleidung, hervorgerufen durch Kokain- und Alkoholgenuß, trat er durch einen kleinen Eingang und ging vorsichtig auf Carrigan zu. Der erkannte gleich, dass es sich bei Dandy nicht um einen wichtigen Geschäftsmann handeln konnte. Er war viel zu jung und sah auch einfach nicht wie jemand aus, den man zu so einem Treffen hätte erwarten können.
„Du, Junge.“ Er zeigte mit dem Finger energisch auf den unerwarteten Besucher. „Was willst du hier? Schickt dich etwa Callum?“
„Nein, Redsven ist mein Auftraggeber.“ Dandy schwitzte stark, wankte ganz leicht auf seinen zitternden Beinen und kicherte dabei verrückt über seine Antwort, während Carrigan einen entsetzten und gleichzeitig erschrockenen Gesichtsausdruck auflegte.
Er zog den Revolver aus der Jacke und schoss dreimal.
Bang! Bang! Bang! - Der Klang hallte in dem großen Bau ganz kurz, erstaunlich laut zurück.
Als der Schütze die Augen wieder öffnete, lag sein Opfer regungslos und blutüberströmt mit seinem Rücken auf dem Lagerboden.
Dandy wischte sich mit dem Arm, in dem er auch die Waffe hielt, die feuchte Stirn ab.
Erschrocken drehte er sich nach rechts, als sich das große Tor zur LKW- Einfahrt öffnete. Er blieb wie gelähmt an der Stelle stehen, von der er auch Carrigan erschossen hatte.
„Dandy, gut gemacht“, rief eine Person, die durch das Tor auf ihn zukam.
Es war ein italienisch aussehender, großer Mann und er hatte noch zwei weitere Begleiter bei sich.
„Wer sind sie? Woher kennen sie meinen Namen“, fragte Dandy, als die drei Männer schließlich vor ihm standen.
„Wir sind die Fancolis. Du hast uns eine große Aufgabe abgenommen, Junge.“
Jetzt wurde der Auftragskiller schließlich noch nervöser, als er es eh schon war. „Aber, wenn ihr hier, wieso... ich dann... und Redsven?“ Er stammelte und begann wild mit seiner Kanone herumzuwirbeln.
„Keine Sorge, Kleiner. Wir wollten uns nur vor Ort versichern, dass er Auftrag auch erledigt wird. Giulio, überzeuge dich, dass er auch wirklich von uns gegangen ist.“
Dandy begann sich zu beruhigen und senkte die Waffe jetzt wieder.
„Außerdem“, sprach der große, dunkelblau gekleidete Italiener weiter, „wollen wir deinen Auftraggeber doch nicht umsonst umgelegt haben.“
Ein Strom aus Schweiß bildete sich auf Dandys ganzem Körper. Von dem Lauf des Revolvers in seiner rechten Hand, tropfte ein einzelner Tropfen der Körperflüssigkeit herab.
„Und noch etwas: Wir brauchen eine zweite irische Leiche, die den Mord wie einen einfachen Streit aussehen lässt.“ Er schnippte mit dem Finger nach seinem anderen Begleiter, worauf schnell ein Schuß viel.
Bang!
Dandy sah auf seinen Körper herab und nahm die blutige Einschußwunde nur noch verschwommen wahr. Dann ließ er seine Kanone fallen und stürzte regungslos nach vorne auf den Boden. Er sah noch, wie sein Mörder die Tatwaffe in die toten Finger von Carrigan schob.
In seinen letzten Momenten dachte er daran, wie dumm er gewesen war. Er, ein kleiner irischer Fisch, der aus persönlichen Motiven den Sohn des Bürgermeisters erschießt und anschließend selber eine Kugel aus dessen Waffe einfängt. Redsven mußte natürlich auch ermordet und dessen toter Körper beseitigt werden. Damit die Ermittler keine Verbindung zu ihm und Dandy herstellen könnten.
Eben als sein letztes Licht zu erlöschen schien, erkannte er noch die Schatten der drei Männer, die plaudernd durch das große, helle Tor der Lagerhalle hinaustraten.
__________________
Schön, dass wir einmal darüber sprechen konnten...

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Michael Schmidt
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Mit Mütze und Anzug trat Dandy aus seiner kleinen Wohnung und ging in Gedanken noch einmal den folgenden Ablauf durch: Um zehn Uhr in der Lagerhalle, dort das Ziel umlegen

Besser Zielobjekt.

Er hatte sich im letzten Sommer in die Johnnys Nichte, Jenny, verguckt.

"die" ist überflüssig

Carrigan sollte mit dem Aufwand hergelockt werden, er würde sich hier mit einem ungern öffentlich gesehenen irischen Lebensmittelexporteur zu einem Geschäftsabschluß treffen.

Unglücklich, oder?

Bang! Bang! Bang! - Der Klang hallte in dem großen Bau ganz kurz, erstaunlich laut zurück.
Als der Schütze die Augen wieder öffnete, lag sein Opfer regungslos und blutüberströmt mit seinem Rücken auf dem Lagerboden.

Wann macht er die Augen zu?

„Außerdem“, sprach der große, dunkelblau gekleidete Italiener weiter, „wollen wir deinen Auftraggeber doch nicht umsonst umgelegt haben.“

Redsven?


Insgesamt wirkt die Geschichte etwas oberflächlich geschrieben, du könntest mehr ins Detail gehen. Auch fand ich, die Kokainsucht kam nicht so rüber. Anfangs wird es nur erwähnt, als er dann den Mord begeht, ist er kaum Herr seiner Sinne, man fragt sich, wie er überhaupt erfolgreich sein kann.

Gruß,
Michael

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masterplan
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Aha...

Hey, schön dass nach so langer Zeit jemand auf diese Story reagiert.

Habe inzwischen meinen Schreibstil ein bisschen verfeinert. Die angesprochenen Stellen sind tatsächlich ein wenig unglücklich geraten.

Bis dann,
Patrick "masterplan" H.
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Na dann, vielleicht lesen wir ja noch was von dir.

Gruß,
Michael

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