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Leselupe.de > Kurzprosa
Maeterlinck redivivus
Eingestellt am 07. 06. 2011 01:28


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serge gurkski
???
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Version 2:

Ich saß im Concertgebouw Amsterdam, gespielt wurde Ravels „La Valse“ und sein Klavierkonzert. Außer meinen DiamantenhĂ€ndlern kannte ich keine Menschenseele in den Niederlanden. Es war Mai. Meine heimliche Liebschaft hatte mich vor Kurzem verlassen. Ich war also frei. Ich mochte die Zuckergussinterpretation des Ravelschen Walzers nicht. Deshalb verließ ich die Konzerthalle in der Pause, kaufte Martha Argerichs Transkription fĂŒr 2 Klaviere und die beiden Suiten fĂŒr zwei Klaviere von Rachmaninoff. Es war Donnerstag, aber ich hatte keine GeschĂ€fte vor dem folgenden Dienstag. Ich duschte mit Hanf-Schampoo und rieb meinen Körper mit Moringa-Butter ein, bestellte ein Ticket fĂŒr den Nachtzug nach Bruges ĂŒber mein Hotel, aß eine scharf gewĂŒrzte Portion Spaghetti a la Milanese, und ließ mir eine Flasche Bacardi und Eis auf’s Zimmer bringen. Ich spritzte mir etwas Pentothal, rauchte einen kleinen Joint und ...Mijn frouwe! Traf dich im Zugabteil. Wir parlierten Nettigkeiten. SchĂ€tzte dich ab, wie du mich. Also dann Liebe, lĂ€cherlich, aber du bist sĂŒĂŸ. Ich erzĂ€hle dir, warum ich nach BrĂŒgge fahre. Bruges la morte. Da kitzelst du mich, Biest! „Ris!, „schreist du,“ ris enfin!“ Endlich ist der Nachtschaffner verschwunden. „Tu comprends le Jazz?“ frag ich dich. Zieh ne line und frag dich, ob du auch magst. Du nickst und wir teilen uns meine Kopfhörer . Es gefĂ€llt mir, wie du auf Jimmy Ponder abfĂ€hrst. Gold, wie der Morgen danach. “ Ecoutes-moi, nous ne sommes pas mariĂ©,“schreie ich. Also verlass ich dich wieder und zieh‘ die Straße runter, denk an Maeterlinck und besauf‘ mich in nem CafĂ© an der Fillips de Goedelaan. Am zweiten Tag treffe ich dich wieder, aber du schwafelst mir was vor, du seist, sagst du, aus Schottland und ĂŒberhaupt mit Familie und kennst mich gar nicht. Du hast dir einen rauhen Akzent zugelegt, aber der könnte auch FlĂ€misch sein. Also hast du Maeterlinck gelesen und versuchst mich irre zu machen? Du hast mir kleine Liebeshelfer mitgebacht, die Blauen mit der schrĂ€gen Form. Ich misstraue dir. Aber liebe dich, „baise-moi,“ knurrst du.
Maeterlinck redivivus


--------

Original:

Ich saß im Concertgebouw Amsterdam, gespielt wurde Ravels La Valse und sein Klavierkonzert. Außer meinen DiamantenhĂ€ndlern kannte ich keine Menschenseele in den Niederlanden. Es war Mai. Meine heimliche Liebschaft hatte mich vor Kurzem verlassen. Ich war also frei. Ich mochte die Zuckergussinterpretation des Ravelschen Walzers nicht. Deshalb verließ ich die Konzerthalle in der Pause, kaufte Martha Argerichs Transkription fĂŒr 2 Klaviere und die beiden Suiten fĂŒr zwei Klaviere von Rachmaninoff. Es war Donnerstag, aber ich hatte keine GeschĂ€fte vor dem folgenden Dienstag. Ich duschte mit Hanf-Schampoo und rieb meinen Körper mit Moringa-Butter ein, bestellte ein Ticket fĂŒr den Nachtzug nach Bruges ĂŒber mein Hotel, aß eine scharf gewĂŒrzte Portion Spaghetti a la Milanese, und ließ mir eine Flasche Bacardi und Eis auf’s Zimmer bringen. Ich spritzte mir etwas Pentothal, rauchte einen kleinen Joint und ...Mijn frouwe!Traf dich im Zugabteil. Wir parlierten Nettigkeiten. SchĂ€tzte dich ab, wie du mich. Also dann Liebe, lĂ€cherlich, aber du bist sĂŒĂŸ. Ich erzĂ€hle dir, warum ich nach BrĂŒgge fahre. Bruges la morte. Da kitzelst du mich, Biest! „Ris!, „schreist du,“ ris enfin!“ Endlich ist der Nachtschaffner verschwunden. „Tu comprends le Jazz?“ frag ich dich. Zieh ne line und frag dich, ob du auch magst. Du nickst und wir teilen uns meine Kopfhörer . Ich mag’s ja, wie du auf Jimmy Ponder abfĂ€hrst. Gold, wie der Morgen danach. “ Ecoutes-moi, nous ne sommes pas mariĂ©,“I shout. Also verlass ich dich wieder und zieh‘ die Straße runter, denk an Maeterlinck und besauf‘ mich in nem CafĂ© an der Fillips de Goedelaan. Am zweiten Tag treffe ich dich wieder, aber du schwafelst mir was vor, du seist, sagst du, aus Schottland und ĂŒberhaupt mit Familie und kennst mich gar nicht. Du hast dir einen rauhen Akzent zugelegt, aber der könnte auch FlĂ€misch sein. Also hast du Maeterlinck gelesen und versuchst mich irre zu machen? Du hast mir kleine Liebeshelfer mitgebacht, die Blauen mit der schrĂ€gen Form. Ich misstraue dir. Aber liebe dich, „baise-moi,“ knurrst du.
Maeterlinck redivivus

Version vom 07. 06. 2011 01:28
Version vom 07. 06. 2011 12:05

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hi,

fĂŒr mich ist das so ein "Anti"-Text, gegen alles, Geseire, dass einen intellektuellen Touch-Down zu landen versucht. Schon die Überschrift "klemmt" m.M.n. und verfĂŒhrt nicht zum weiterlesen.

Dann kommen Passagen, die ich nicht verstehe, z.B.:


quote:
Es war Mai. Meine heimliche Liebschaft hatte mich vor Kurzem verlassen. Ich war also frei.

Was sagt der Monat Mai aus? Wenn ihn die heimliche Liebschaft verlassen hat, wieso ist der Prot. dann frei? IMHO wÀre er ja somit gebunden - und trotz Befreiung von der Liebschaft immernoch liiert, oder verstehe ich da was falsch?

Bitte um AufklÀrung und ...

LG

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Ralf Langer
Routinierter Autor
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hallo serge,

der text steht ja nun schon einige wochen hier.
habe ihn jetzt oft genug gelesen. er hat sich in mir
abgehangen, luftgetrocknet zu einem schmackhaften text.
ih entdecke in der von dir gewÀhlten sprache, in seiner
brĂŒchigkeit, aber auch in seiner art kurz immer das richtige wort zu benutzen, echte kunst.
hier ist ewtas, das zwischen wahn und weg exakt ausbalnciert,
in mir bleibt.

diese sprache möchte sich in einem grĂ¶ĂŸeren text wiederfinden.
meiner meinung nach benutz du sie ja auch in deinen
tagebuch eintrÀgen.

fĂŒr mich hier ein "großes stĂŒck", das gegen den strom schwimmt.
mach mehr daraus, wĂŒrde ich dich bitten, wenn es mir zustĂŒnde.
lg
ralf
__________________
RL

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serge gurkski
???
Registriert: Jun 2011

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Hallo Arno,

Danke fĂŒr Deinen Kommentar. Prototypisch trifft es.


Hallo Ralf,

habe einen lÀngeren Text mal 2005 in der LL stehen gehabt, spÀter aber wieder gelöscht. Du kannst ihn hier lesen:
- Link entfernt bzw. geÀndert durch KaGeb. Hallo Serge, bitte keine Links auf andere Seiten. Stell deinen Text doch einfach noch mal ein auf der LeLu


lg
Serge
__________________
Habe bonum animum. Plautus

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Architheutis
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Serge,

ich möchte der Diskussion eine andere Richtung hinzufĂŒgen.

Beim ersten Lesen deines Textes war ich irritiert; er wollte sich mir nicht recht erschliessen. Es ist keine leichte Kost, was ihn mir aber sympathischer erscheinen lÀsst als das Trommelfeuer unbedachten Dahingeschreibsels, welches man hier oft erdulden muss.

Ich denke, die Überschrift deines Textes ebnet den Weg zu einer brauchbaren EinschĂ€tzung; Maeterlinck = Symbolismus. Symbolismus ist eine Stilrichtung, in der die eigentliche Intention mittels Bilder ausgedrĂŒckt wird, weniger aufdringlich, denn Ă€sthetisch entfremdet, verzaubert.

Dein Text ist also nach solchen "Sinnbildern" abzuklopfen. Dann mal ans Werk:

Ich nehme nur die schönsten. :-)

quote:
Ich duschte mit Hanf-Schampoo und rieb meinen Körper mit Moringa-Butter ein, bestellte ein Ticket fĂŒr den Nachtzug nach Bruges ĂŒber mein Hotel, aß eine scharf gewĂŒrzte Portion Spaghetti a la Milanese, und ließ mir eine Flasche Bacardi und Eis auf’s Zimmer bringen. Ich spritzte mir etwas Pentothal, rauchte einen kleinen Joint und ...Mijn frouwe!Traf dich im Zugabteil.

Es wimmelt von Bildern, die alle stimmig bleiben. Der Hanf, Die Moringa-Butter, Bacardi on ice, scharfes Essen, Pentothal, Joint. Man kann sich sofort den Menschen vorstellen, seine Stimmung, sein Leben samt allen Krisen, allen Höhen und Tiefen. Es passt.

quote:
...du seist, sagst du, aus Schottland und ĂŒberhaupt mit Familie und kennst mich gar nicht. Du hast dir einen rauhen Akzent zugelegt, aber der könnte auch FlĂ€misch sein. Also hast du Maeterlinck gelesen und versuchst mich irre zu machen?

Schottland? Rauher Akzent, daher vielleicht flĂ€misch? Das klingt wirr, aber die Antwort folgt prombt: Maeterlinck = Symbolismus. Spricht das GegenĂŒber absichtlich in Symbolen, oder verfĂ€llt der Protagonist einer paranoiden Wahnvorstellung, dass man ihn mit Symbolen fertig machen will? "Also hast du Maeterlinck gelesen...?" In einem Text des Symbolismus: Brillant!

So betrachtet, ein wirklich richtig guter Text. Er hebt sich stark vom breiten Einerlei ab, setzt die Intention stilsicher um und ĂŒberzeugt durch gekonnte, individuelle Bildsprache. Von mir eine glatte 9!

Eine lustige Anekdote noch:
Bei der Recherche habe ich "redivivus" in den Übersetzer eingegeben.

Ergebnis Lateinisch - Deutsch: Recycling!!

Ich lag am Boden vor Lachen.

Der Text ist anstrengend, aber jede MĂŒhe wert. Weiter so!

Gruß,
Archi

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Duisburger
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Registriert: Nov 2002

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quote:
Es ist keine leichte Kost
... und wohl auch der Grund fĂŒr die doch recht unterschieldlichen Kommentare. Das ist nix zum mal eben drĂŒber lesen, da muss man sich drauf einlassen.
Und man muss wohl auch ein besondere Ecke im Kopf haben, um so etwas zu mögen und sich damit auseinander zu setzten.
Wie bei den Klitschkos - Schwere Kost - , aber lecker.

lg
Uwe
__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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