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Leselupe.de > Kurzprosa
Magda 2
Eingestellt am 28. 07. 2007 13:41


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paulenullnullzwei
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Teergeruch in s├╝dhessischer Mittagsruhe. Das Bierglas sch├╝tzte sich mit Tautropfen gegen die steile Sonne. Der Kopfsteinbelag des menschenleeren Dorfplatzes war erst k├╝rzlich in schwarzem Asphalt beigesetzt worden. L├Ąrmschutz macht frei! Grelles Licht auf 70er-Jahre-Baus├╝nden - ehrlich wie Pickel im Neonlicht. Ein Dorf wie das n├Ąchste. Nur die wechselnden Ortsnamen hatten mich beruhigt, dass wir nicht im Kreis gefahren waren. Mehr H├Ąuser als Menschen - zwei davon im Stra├čencaf├ę. Subtrahierte man uns, der Platz w├Ąre praktisch verschwunden. Fr├╝hsommerliches Flugzeuggebrumme versuchte uns zu hypnotisieren.

"Warum h├Ârt man eigentlich nur bei Sonnenschein die Flugzeuge fliegen?" fragte ich mehr mich selbst als Magda.

"Weil man sie am stahlblauen Himmel auch sehen kann!... Aber, warum "stahlblau", wo Stahl doch eher rostschwarz ist?"

Ihr leerer Blick schweifte durch die parkenden Opels bis Leben zur├╝ck in ihre Z├╝ge kehrte:

" Grasrot! Himmelgr├╝n!"

Ihr Lachen macht es einem nicht leicht, sie nicht zu lieben. Volker war vorl├Ąufig mit der letzten Tr├Ąne aus dem Kopf gesp├╝lt.

"Knallgrau"!

Warf ich ein. Wir verschluckten uns synchron am Bier. Die H├Ąuser glotzten uns an, als h├Ątten sie noch nie Gl├╝ck gesehen. Eines streckte uns mit gut gel├╝ftetem Bettzeug die Zunge raus - wir zur├╝ck! Gepunktetes Kopftuch und Sonnenbrille - heute war Audrey-Hepburn-Tag. Uns fehlte nur das Cabrio. Mein dunkelblauer Escort tickerte beleidigt mit hei├čem Motor am Parkscheinautomat.

"Was ist wohl schlimmer f├╝r wen? F├╝r uns, hier her ziehen zu m├╝ssen oder umgekehrt?"

"Ersteres!" war ich mir v├Âllig sicher. Skepsis in ihrem Blick. Magda kann ├╝berall gl├╝cklich sein. Der Ort ist nicht ausschlaggebend, nur der Inhalt.

"Ich denke, Kellner hier im Caf├ę ist ein guter Job. Jetzt noch ne Wohnung mit Dielenboden und frischem Bettzeug..." Ich konnte ihr nicht widersprechen. Ihre Welt ist heller als meine. Sie sieht mehr als ich. Volker ist ein Depp.

Zehn Minuten schweigender Seelengleichklang.

"Meinst Du, wir sind schlechte Menschen?"
In Magda schlug es Haken.

"Inwiefern schlechte Menschen? Weil wir uns f├╝r was Besseres halten? Soviel Snobismus sollte drin sein!"

"Nein, eher weil wir schlecht sind und es nicht merken. Wir saugen der Welt die Seele aus nur um Media-Markt-Wohlstandsm├╝ll anzuh├Ąufen. In f├╝nfhundert Jahren werden die Menschen nicht denken, dass die Nazis schlimme Leute waren, sondern wir, die wir ihren Himmel kaputt gestunken und ihre Altst├Ądte mit Asphalt zugegluckert haben. Und wir schauen bet├Ąubt zu. 'Wir haben ja nichts gewusst von dem ganzen Ausma├č. Wenn man das geahnt h├Ątte'..." Mein Lachen ├╝ber ihre kurze Darbietung verkniff ich mir, ein Niesen vort├Ąuschend. Ihr Kopf wackelte dabei mit vorgeschobener Unterlippe parodierend hin und her. Es war lustig, aber nicht so gemeint.

Ein baldiger Platzwechsel war nun erste B├╝rgerpflicht. Alles hier war so sachlich, blutarm, so evangelisch. Orte f├Ąrben ab. Vielleicht fuhren wir ja doch in die falsche Himmelsrichtung?

"Komm, lass uns weiterfahren bis die Sonne tiefer steht und ihr Licht innen warm gibt. Und abends gehen wir in einem Lokal Essen mit "Gast-" im Schilde..." schlug ich vor. "... ,dann schaut die Welt schon sauberer aus der W├Ąsche, glaub' mir!"
Sie sagte nichts und folgte mir wie ein m├╝des Kind mit Sonnenbrand dem Vater aus dem Schwimmbad.
Magda kann auch ├╝berall traurig sein.

"Fahr bitte langsam, ich m├Âchte die B├Ąume gr├╝├čen k├Ânnen."
Wir fuhren eine Laubbaum ges├Ąumte Landstra├če mit dreistelliger Nummer entlang. Die Apfelb├Ąume, nichts ahnend, dass ihre Fr├╝chte nicht der Fortpflanzung dienen w├╝rden, sondern Trinkerblasen und Alete-Gl├Ąschen f├╝llen sollten, standen brav Spalier. Einige von ihnen trauten sich mit Ge├Ąst ├╝ber die Stra├če und schauten uns keck ins Schiebedach.

"B├Ąume haben es gut. Sie brauchen kein Ziel!"

"Klar haben die auch ein Ziel. Sie wollen alle zum Himmel."

Meine Erwiderung machte sie einschlafen. Wenn sie schlief, war sie wieder Kind. Frieden pur. Zwei Kinder fuhren weiter Richtung Aachen.

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